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Träge öffnete Jule die Augen und blinzelte gegen die hellen Sonnenstrahlen an, die durch das Fenster auf sein Gesicht fielen. Mit einem genervten Brummen drehte er sich auf die andere Seite, in der Hoffnung, dass er so noch etwas weiterschlafen könnte.
Als er dabei allerdings direkt in das schlafende Gesicht seines Trainers blickte, war er mit einem Schlag hellwach und setzte sich auf.
Er war nicht bei sich zuhause, sondern in Nikos Wohnung. In Nikos Bett.
Oh Scheiße!
Erinnerungen an die vergangene Nacht füllten seinen Kopf und Jule bekam leichte Panik - Allerdings nicht wegen der Erinnerungen an sich.
Es war schön gewesen, Niko so nah zu sein. Von ihm geküsst zu werden, Nikos Hände auf seiner Haut zu spüren, und das Gefühl von Niko in ihm- Jule spürte, wie ihm heiß wurde und er schüttelte leicht den Kopf, wie um die Gedanken zu vertreiben.
Das war nicht das erste Mal gewesen, dass sie miteinander geschlafen hatten, aber sonst hatte Niko ihn immer weggeschickt, zumindest einen kleinen Teil an Abstand zwischen ihnen bewahrt - Als hätten sie nicht sowieso schon alle Regeln gebrochen.
Hat er mich gestern weggeschickt und ich habe es ignoriert?
Der Gedanke machte Jule kurz Sorgen, aber dann fiel ihm auf, wie unwahrscheinlich das war. Wenn es so passiert wäre, hätte Niko sich sicher nicht einfach so dazugelegt.
Aber was, wenn er schon geschlafen hat, als ich mich hingelegt habe?!
Nervös dachte Jule darüber nach. Sie hatten sich in der letzten Nacht definitiv nicht zurückgehalten, weswegen Niko sicher genauso erschöpft gewesen war, wie er. Allerdings hatte Jule den Weg ins Bad kaum ohne sich auf ihn zu stützen zurücklegen können und er konnte sich nicht daran erinnern, ohne seinen Trainer wieder den Flur entlang gegangen zu sein. Hitze stieg ihm ins Gesicht, als er daran dachte, wie vorsichtig - beinahe zärtlich - Niko ihn mit einem feuchten Tuch gesäubert hatte. Vielleicht hatte er ihn danach zurück ins Schlafzimmer gebracht und war eingeschlafen, bevor er Jule bitten konnte zu gehen? Egal, wie sehr er sich anstrengte, er konnte sich nicht erinnern. Der Nebel aus Erschöpfung und Befriedigung, der am Abend vorher sein Wahrnehmung eingeschränkt hatte, war zu dicht gewesen.
Aber jetzt war es Morgen und er lag immer noch in Nikos Bett.
Der Gedanke daran, wie wütend sein Trainer möglicherweise werden könnte, wenn er aufwachte und ihn hier sah, brachte Jule dazu, möglichst schnell verschwinden zu wollen.
In seiner Panik verfing er sich allerdings mit einem Bein in der Bettdecke und landete unsanft auf dem Fußboden neben dem Bett.
"Julian?"
Fuck!
"Ja, äh... Ich-... Also-...", hilflos stotterte er vor sich hin und sah sich dabei suchend nach seinen Kleidungsstücken um, die er nirgends entdecken konnte - bis auf seine Boxershorts, die er scheinbar vorm Einschlafen noch angezogen hatte. Das Bettzeug raschelte und kurz darauf sah Niko über die Bettkante zu ihm herunter.
"Was machst du denn da, hm?"
"Keine Sorge, ich bin gleich weg! Ich wollte dich nicht wecken, tut mir leid!", brachte Jule hervor und setzte sich wieder auf, "Und generell wollte ich keine Grenzen überschreiten oder dich irgendwie bedrängen oder so!" Nervös sah er zu Niko, der ihn mit leicht gerunzelter Stirn musterte.
Julian, du bist so ein Idiot!
Jule merkte überhaupt nicht, wie sein Atem immer schneller ging und er anfing zu zittern. Alles, was er wirklich fühlte war die Leere in seinem Kopf und das Rauschen in den Ohren. Zumindest, bis sich plötzlich ein warmer Körper von hinten an ihn drückte und eine Hand auf seinem Brustkorb lag - direkt über seinem rasenden Herzen.
"Tief durchatmen, Julian. Es ist alles gut."
Niko hielt Jule fest in seinen Armen, bis dieser sich wieder etwas beruhigt hatte, dann nahm er vorsichtig die Hand des Stürmers und zog ihn hoch.
"Na komm, der Boden ist wirklich nicht sonderlich bequem."
Immer noch etwas durcheinander ließ Jule sich neben Niko auf das Bett sinken, während dieser sanft über seine Schulter strich.
"Tut mir leid.", murmelte er, woraufhin sein Trainer nur eine Augenbraue hochzog.
"Wofür entschuldigst du dich?"
Er klang nicht wütend, sondern ehrlich verwirrt, weswegen Jule die Frage nach einer kurzen Stille auch tatsächlich beantwortete.
"Dafür, dass ich hier geschlafen habe und nicht gestern noch gegangen bin..."
Niko schnaubte amüsiert und legte eine Hand unter Jules Kinn, sodass dieser ihm in die Augen sehen musste.
"Du hast gestern kaum den Weg vom Bad bis hier her alleine geschafft. Wie hättest du da nach Hause kommen sollen, hm?", er lehnte sich vor und ihre Lippen berührten sich beinahe, "Das wäre wirklich unverantwortlich von mir gewesen. Außerdem... Jetzt ist es ohnehin nicht mehr ganz so notwendig, sich über die Wahrung von Grenzen Gedanken zu machen - finde ich zumindest."
Jule schluckte und lehnte sich automatisch näher an ihn heran. "Stimmt.", brachte er mit etwas rauer Stimme hervor. Immerhin würde Niko nicht mehr besonders lange sein Trainer sein, das letzte Spiel, das er für Dortmund spielen würde rückte immer näher.
Fast wie zur Belohnung hauchte Niko einen sanften Kuss auf seine Lippen und zog ihn näher.
"Hast du heute irgendwelche Termine oder kannst du noch bleiben?", fragte er und grinste beinahe raubtierhaft als Jule den Kopf schüttelte.
"Ich hab Zeit."
Der nächste Kuss von Niko war fordernder und Jule ließ sich mit einem zufriedenen Seufzen nach hinten auf die Matratze drücken.
Vielleich war es doch gar nicht so schlimm, mal nicht in seinem eigenen Bett aufzuwachen.
