Chapter Text
– Eine Bitte in Eigeninteresse.. liest irgendein ein Broshipper Dwalin / Thorin mit? Oder gar ein Slasher mit Interesse an Dworin? Ja? Ja??
Ich hätte so gerne eine FF zu diesem Bild:
http://pandakriwilz.tumblr.com/post/40977735543/dwalin-thorin-post-battle-of-azanulbizar
– Tut mir leid für die längere Wartezeit; ich wusste nicht, ob ich das Kapitel wirklich so aufziehen soll (ich hatte drei Varianten) – am Ende werdet ihr wissen weshalb.
Aber zum einen ist es etwas länger... *
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Thorin hatte schon ein sehr gutes Stück Strecke hinter sich gebracht – sein Schritt forsch und noch einmal schneller als gewöhnlich, um seinen Frust aus Bree hinter sich zu lassen.
Bisher funktionierte es eher mäßig, was sich selbst jetzt noch an den zusammengezogenen Augenbrauen und dunklem Blick ablesen lies; und in zwergentypischer Art würde Thorin diese Kränkung wohl auch nie vollständig vergessen.
Wie sehr wünschte er sich den sicheren Rückhalt von Erebors Glanz und Macht zurück, eine Zeit, als er sich weder hatte verdingen müssen.. noch Belgol so einfaches Spiel gegen ihn gehabt hätte, wegen einer derartigen Kleinigkeit. Und seine Zwistsäherei nicht ungesühnt geblieben wäre.
Ein feines, kühles Kribbeln an seiner Ohrmuschel holte Thorin schließlich aus seinen dunklen Gedanken – ein vertrautes Gefühl, auf das er gelernt hatte zu achten und ihn auf seinem Weg innehalten lies. Aufmerksam neigte er leicht den Kopf beiseite, so dass seine üppigen Haare linkerhand beiseite rutschten; damit die breiten Helixspangen freilegend.
Die meisten anderen Völker hielten die breiten Ringe, mal einzeln, mal mehrere davon, an den Ohren der Zwerge für obskuren Schmuck. Die Elben bezeichneten sie sogar als barbarisch, da sie teils mit multiplen Fixierungen gestochen wurden.. statt wie bei ihnen schonend den Schmuck lediglich festzuklipsen.
Allerdings war es kein Schmuck – die Ohren der Zwerge waren empfindlicher, als man sich vorstellen mochte. Und Metall in bestimmten Legierungen übertrug Kälte oder Wärme exzellent, so das es möglich war Luftverschiebungen schneller wahrzunehmen. Und, wenn man über mehrere Ringe mehr Messpunkte und entsprechende Erfahrung hatte, sogar den Winkel aus der sie kam.
Es war eine Lebensversicherung um den Weg in absolut dunklen Stollen zu finden. Wenn man durch Sturz, Einsturz oder mangelnder Wegkenntnis seinen Weg in der Dunkelheit finden musste und keine Lichtquelle hatte, oder Atemluft zu kostbar war, um sie an Feuer zu verschwenden. Luftzüge und Temperaturwechsel warnten vor Abgründen oder zeigten Wege an die Oberfläche auf.
Und seine Lebensversicherungen verlor man nur ungern durch widrige Situationen, weil sie lächerlich lose festgeklipst waren. Allerdings würde sich jeder Zwerg hüten, diesen Vorteil vor irgendeinem anderen Volk preiszugeben.. .
Sollten sie ruhig völlig anhaltslos durch die Dunkelheit stolpern, sich auf allen Vieren vorwärts tasten und so Zeit und ihr Leben verlieren, das war nicht ihre Angelegenheit.
Jeder der Ihren würde, solange Zwerge unter Bergen lebten, diese Ringe gestochen bekommen, sobald er oder sie alt genug war, um sich alleine aus den Wohnhöhlen der Eltern zu bewegen.
Gleich ob Spielzeugbauer oder Minenarbeiter, Krieger oder zukünftiger König.
Die Nützlichkeit der Ringe beschränkte sich jedoch nicht nur auf innerhalb der Stollen. Thorins Blick glitt nach einigen Momenten auf die niedrige Bergkette zu seiner Linken. Sie verdeckte ihm nahezu vollständig die Sicht auf den Himmel nördlich von Breeland.
Er fühlte die kühlere Luft durch seine Kleidung noch nicht und es ging kaum ein Wind. Aber kühlere Luft bedeutete meist einen Wetterumschwung – und in der Nähe von Gebirgen, selbst Kleinen, kam er zumeist rasch.
Thorin setzte seinen Weg so schnell fort wie zuvor, doch hatte er nun einen anderen Antrieb, als den Ärger auf missratene Sippschaft. Er würde sich einen Unterschlupf suchen und abwarten, wie schwer das sich anbahnende Wetter wirklich werden würde.
Tatsächlich entdeckte er nur wenige Kilometer weiter, halb unter Bäumen und von Buschwerk verwachsen, eine Scheune. Sie war wettergegerbt und hatte definitiv schon bessere Tage gesehen – doch er konnte kaum wählerisch sein.. und sie war ohnehin mehr, als er erwartet hatte zu finden. Und besser als die Freie Flur allemal.
Seine Schritte wurden langsamer und bedachter, als er sich ihr näherte, und der Griff um seine langstielige Axt, welche er mit als Wanderstab gebrauchte, fester. Die Angeln des maroden Tors quietschten fürchterlich, doch es wäre eine gute Warnung, falls noch jemand hier vorbei käme und in die Scheune wollte.
Sie war dunkel und muffig – aber verlassen, frei von Unrat.. und da er kein Gegenlicht durch die Decke sah, würde dieses ihn wohl trocken halten.
Thorin schritt erst die gesamte Scheune ab und warf einen Blick in den abgetrennten winzigen Hinterraum und jeden anderen schwer einsehbaren Winkel. Ebenso kontrollierte er die fensterlosen Wände, durch welche durch unzählige Aussparungen etwas Licht hereinfiel, denn das Holz hatte sich mit der Zeit durch die Witterung verzogen. Doch wo auch immer er im vorbei gehen leicht dagegen klopfte, klang es dunkel und ohne Widerhall; stabil.
Erst als alles zu seiner Zufriedenheit war, suchte er sich einen Lagerplatz an der Seite, wo die Wand am wenigsten Lücken aufwies und seinen Rücken zu einer Seite decken würde.
Waren Zwerge schon von Natur aus misstrauisch, so wurde es noch schlimmer sobald sie alleine waren. Wobei Thorin es wohl eher 'Vorsicht' oder 'gesunden Verstand' nennen würde – und das war eine Gabe Mahals, die einen vor vielen Unannehmlichkeiten bewahrte.
Wie dem tosenden Regen, dessen Rauschen aus der Ferne fast schlagartig über ihn und seinen Unterschlupf zog, kaum dass er seinen Lederbeutel abgelegt hatte.
Thorin nutzte die Zwangspause, um im Schneidersitz auf dem Boden etwas Trockenfleisch aus seinem kleinen Proviant zu essen. Die Ringe an seinen Ohren waren nun kontinuierlich kühl – daran änderte sich auch eine gute Stunde später immer noch nichts.
Genau so wenig wie am konstant lauten Trommeln des Regens auf dem Dach. Kleine Pfützen hatten sich hier und da durch die Lücken in der Wand hindurch gebildet, doch Thorin hatte seinen Platz gut gewählt. Allerdings war es ein Spiegel, wie nun die Straße aussehen würde. Matschig, aufgequollen und schwer passierbar, bis das Gröbste abgetrocknet wäre. Auch wurde es rasch dunkler und in der Scheune würde man bald kaum mehr die Hand vor Augen sehen.
Mit einem verstimmten Schnauben kam Thorin wieder auf die Füße, seine Axt in der Hand. Er würde hier wohl die Nacht verbringen müssen – also konnte auch ein Feuer nicht schaden. Genügend überzähliges Holz – in Form alter Lagerregale oder der Trennwand zum kleinen Anbau – befand sich hier zum Glück.
Es dauert so nicht lange, ehe er ein kleines Lagerfeuer entzündet hatte – leicht versetzt zu seiner Seite, um sich selbst nicht den Weg nach vorne zu versperren. Er legte nach und nach nur kleine Stücke auf, denn er wollte wärmende Glut und nur wenig lichtspendende Flammen, die man durch die lückenhaften Wände würde sehen können.
Als er damit zufrieden war lehnte er sich schließlich gegen das Holz zurück. Die Beine bequem vor sich ausgestreckt, den Mantel fest um sich gezogen und die Arme vor dem Körper verschränkt neigte sich sein Kopf immer mehr nach vorne, je tiefer er döste.
Wirklich zu schlafen war in dieser Umgebung nicht seine Absicht.
Entsprechend schnell schreckte er auf, als er meinte Stimmen zu höre. Lauschend setzte er sich aufrecht hin, seine Axt noch näher an seine Seite ziehend. Sie wurden rasch lauter und er erkannte Flüche und Zurufe auf Westron.
Trolle könnten nicht lauter sein als so manche Menschen.
Es vergingen kaum Minuten, ehe sich das Tor grell quietschend öffnete. Doch statt in der erwarteten, trockenen Dunkelheit fanden sie sich im matten Licht des Feuers wieder. Es lies die drei Männer zumindest lange genug innehalten, bis sie sich das Wasser aus den Augen geblinzelt und an die neue Umgebung angepasst hatten.
Danach war es der durchdringende Blick blauer Augen, der sie an Ort und Stelle hielt.
Sie wirkten selbst ohne den Schmutz der Straße abgerissen – und es war nicht nur Wasser, welches ihre Haare zottig erscheinen lies. Thorin hatte den leisen Verdacht, dass die unfreiwillige Dusche ihr Erscheinung trotz des Schlamms, der sich wie eine zweite Haut bis zu ihren Knien zog, verbessert hatte.
„'ntschuldigung, wir wusstn nich', dass hier jemand is'“, setzte schließlich einer von ihnen an und trat einen langsam Schritt weiter in die Scheune, blinzelnd als würde er immer noch nicht richtig sehen. Früher hätte Thorin sie wohl sofort vertrieben – doch er hatte am eigenen Leib erfahren, was die richtige Portion Pech aus Mensch, Elb oder Zwerg machen konnte. Entsprechend hielt er sich zurück, auch wenn er die Neuankömmlinge deswegen nicht weniger kritisch beäugte.
Diese schienen erst jetzt, als sie allmählich näher kamen, zu bemerken dass sie keinen Menschen.. und vermutlichen Tippelbruder.. vor sich hatten. Hatten sie sich zuvor kaum merklich geduckt und eher unsicher das Feuer beäugt, so straffte sich nun ihre Haltung.
„Nich' gesprächig? Gibt es noch Platz?“, fuhr der Sprecher von zuvor fort – und deutete auf das Feuer.
Thorins Blick war so bestimmt wie selbstbewusst, mit dem er alle drei zugleich beobachtete.
„Die Scheune bietet mehr als genug“, erwiderte er mit einem bestimmten Deut auf die gegenüberliegende Seite – verneinend und bejahend im einen. Sie könnten Kohlen von ihm haben, falls sie sonst kein Feuer entfacht bekämen.. und sie danach fragten. Aber er wollte Fremde nicht in seiner unmittelbaren Nähe wissen.
Der Kopf des Sprechers, ein schmächtiger, doch hochgewachsener Mann, folgte seinem Deut auf den leeren Teil.. und sein Blick war nachdenklich, als er auf Thorin zurück sah.
„Du bist allein'“, stellte er fest.
Erstaunlich, für die Erkenntnis hatte er nur knapp über eine Minuten gebraucht. Menschliche Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe – sie war fast so faszinierend wie ihre Ignoranz. Und genauso ermüdend.
Neuerlich antwortete Thorin den Menschen nicht.
„Weist's wahrscheinlich nich'.. aber is' nicht höflich, nicht zu teilen.. unter Wandersbrüdern“, erklärte ihm der Mensch mit einem halben Grinsen. Thorin mochte seine Mimik genau so wenig, wie die der beiden bulligeren Begleiter. Oder die Betonung der Wörter 'teilen' und 'Wandersbrüdern'.
Offen griff er nun nach seiner Axt, den Kopf kaum merklich zur Seite neigend, ohne den starren Blickkontakt zu unterbrechen. Falls sie noch genügend Vorsicht besaßen, die ihnen sagte das ein Zwerg mit Waffe bedrohlich war.. so waren sie dumm genug, nicht auf ihren gesunden Verstand zu hören.
„Ich teile Raum und Luft mit Euch, mehr solltet Ihr nicht verlangen“, antwortete Thorin diesmal düster und kam auf die Füße, je näher ihm die Menschen kamen. Wie Wölfe auf der Jagd hatten sich die beiden hinteren Menschen aus der Spur ihres Sprechers gelöst.. jeweils weiter zu beiden Seiten ausweichend, so das es schwer für Thorin wurde, sie alle drei im Auge zu behalten.
„Keinen Schritt näher.“
Seine Stimme war befehlsgewohnt und schnitt durch die Scheune. Der gesunde Verstand regte sich flüchtig in den Menschen und sie hielten inne, ihre gezogenen Kurzschwerter einen Moment länger nicht hebend. Doch es ging so schnell wie es gekommen war.
„Kein Grund für Ärger, wenn du dich benimmst“, informierte ihn der Hagere. „Bist'n Zwerg.. hast mehr als genug zu teilen.“
Egal welches Klischee oder tatsächliche Gewohnheit von Zwergen sie vor Augen hatten, und wie wenig Thorin in dieses Bild passte, er dachte mit kalten Grauen an das erarbeitete Gold in seiner Tasche.
Unwillkürlich wurde der Griff um seine Axt fester – so Ignorant die Menschen sonst waren.. verräterische Anzeichen an einer 'Beute' entgingen ihnen nicht und ihr Grinsen wurde raubtierhaft.
„Ganz genau.. und jetzt leg die Axt weg, damit wir gerecht und brüderlich teiln können.“
Brüderlich teilen – der Hohn dieser Worte hallte regelrecht in Thorins Ohren. Unwillkürlich dachte er an seine Familie. Der letzte Winter war schon grenzwertig gewesen für Dis und Fili, trotz 'brüderlicher Hilfe'. Und nun, mit dem kleinen Kili und ohne Dali, der für sie sorgte, würde es nicht besser werden für seine Schwester und Neffen.
Allen seines Volkes vorweg, konnte und wollte er sie am wenigsten enttäuschen; gleich zu welchem Preis.
Statt einer Antwort wurden Thorins Augen regelrecht grell vor Wut und er schnellte nach vorne auf den Sprecher zu.
„Baruk Khazâd!“
Drei 'Lange' gegen einen Zwerg – eine Axt gegen drei Kurzschwerter. Die Chancenverteilung war Thorin herzlichst egal.
Der Mensch reagierte noch schnell genug, um den ersten hohen Schlag abzuwehren. Ebenso noch einen Zweiten, ohne zu bemerken dass Thorin seine Abwehr in schneller Folge nach oben lockte, die Axt um ihre Achse kippen lies.. und deren Stilende von unten her wuchtig in dessen nun ungedeckten Solarplexus versenkte.
Thorin verschwendete keine weitere Sekunde auf den Hageren. Er wusste aus Erfahrung, dass dieser mit nach oben verdrehten Augen zu Boden sank.
Schlechtesten Falls für wenige Minuten, bestenfalls für Stunden ausgeschaltet – und gegebenenfalls durch Reflextod vielleicht für immer.
Trotz aller Wut war es nicht sein erstes Ziel die Menschen zu töten, solange es vermeidbar war – nicht ohne Zeugen.
Menschen hatten die lästige Angewohnheit, sich gegen andere zusammenzurotten wie Hunde.. und er wollte weder Zeit noch Gold darauf verschwenden, sich im Zweifelsfall von einem Blutgericht frei zu kaufen.
Noch in der Bewegung, in der er seine Axt wieder zurück zog, wand sich Thorin dem vermeintlich näheren nächsten Menschen zu, die trotz seiner Kriegserfahrung wohl das größere Problem darstellte. Denn auch sie waren im Gegensatz zum Hageren kampferprobt – durch dreckige Kämpfe auf der Straße, die einer Auseinandersetzung mit Orks sehr nahe kamen. Keine Regeln, keine Fairness.. kein Pardon.
Entsprechend schnell und erbarmungslos war der Schlagabtausch mit den beiden Bulligen, bei dem Thorin nie einen von beiden aus den Augen verlieren durfte, während sie unter dem Geschehen regelrecht um ihn zirkelten. Und wie Terrier waren sie durch oberflächliche Verletzungen nicht zurück zu treiben; sie schienen sie im Eifer des Gefechts noch nicht einmal über den Effekt des Ansporns hinaus zu bemerken.
Und je schneller Thorin den über zwei Kopf größeren Menschen zusetzte, desto agiler wurden ihre eigenen, zusammenspielenden Angriffe; fast so, als würden sie es genießen zur Abwechslung einmal vitale Beute vor sich zu haben.
Und irgendwo zwischen diesen schnellen Hieben und Paraden geschah es. Statt einem neuerlichen Klirren von Metall auf Metall war es der dumpfe Aufprall von schwerem Metall auf Fleisch und Knochen, welches die Scheune erfüllte.
Fast zeitgleich dazu schoss ein gleißender Schmerz seine Wirbelsäule entlang und wie Feuer weiter durch seine Arme und Beine. Er fühlte nicht, wie seine Beine nachgaben oder die Axt seinen taub gewordenen Händen entglitt – er sah sich wie in einem Traum dabei zu, wie er der Länge nach mit einem erschrockenen Japsen auf dem Boden aufschlug.
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PS: Ich verzichte auf „Khazad aî-menu“... das klingt wie... „Zwerge ans Buffet!“ o.O
Tut mir leid, Meister Tolkien.
