Chapter Text
Nach einem langen Tag, der vor allem aus Aufräumen und Putzen bestand, legte Fips sich um 23 Uhr endlich ins Bett.
Zeke konnte er aber nicht abwimmeln, und so blies Fips eine Luftmatratze, die er in seiner Garage gefunden hatte, für Zeke auf und legte diese neben sein eigenes Bett.
Er war sich nach wie vor unsicher, warum Zeke überhaupt hier war. Aber wenigstens eines konnte er sicher sagen: Zeke war wirklich kein Profi im Aufräumen, auch wenn dey manchmal gerne so tat.
Naja, das alles hier hatte aber auch Vorteile (bestimmt auch Nachteile, aber Fips fielen gerade keine ein): Sein Haus war wieder halbwegs ansehnlich, er war früh ins Bett gekommen und Zeke war da.
Zeke hatte Fips dazu verdonnert, schon um 23 Uhr schlafen zu gehen, was diesem natürlich gar nicht passte. Aber da das nunmal Zekes Spezialgebiet war, fügte sich Fips irgendwann. Zeke hatte ja recht, er musste morgen spätestens um acht auf den Beinen sein.
Fips konnte normalerweise schlecht einschlafen. Außer, wenn er vorher Alkohol getrunken hatte, was im Umkehrschluss bedeutete, dass er in letzter Zeit immer direkt wie weggetreten war, sobald er sich ins Bett legte. Gut war dieser Schlaf zwar nicht, aber wenigstens vergaß er damit für einige Stunden, was um ihn herum passierte.
Aber heute war es anders.
Er war sich nicht sicher, ob Zeke irgendwas mit deren Traumsand gemacht hatte, oder ob deren Präsenz schon dafür ausreichte, aber Fips schlief heute wie ein Häschen. Nicht mal die Alpträume plagten ihn, wie sonst so oft.
Und dieses Mal lag das sicher nicht am Alkohol, denn, wie er am Abend feststellte, hatte er heute nichts getrunken.
Aber irgendwann am frühen Morgen hörte er ein hohes Summen, oder so etwas ähnliches. Er drehte sich zu Zeke und merkte dann, woher das Geräusch kam. Die Luftmatratze sank gerade in sich zusammen. Dann hörte er ein leises Fluchen von Zeke.
„Der scheiß Sand!” Anscheinend hatte Zekes Sand das Gummimaterial der Luftmatratze aufgerieben und jetzt lag dey praktisch auf dem Boden.
„Zeke, schlaf halt die paar Stunden bei mir mit im Bett. Wie früher.” flüsterte Fips Zeke zu, um dey nicht zu erschrecken.
„Ist das auch wirklich okay? Ich meine wegen dem Sand..” dey klang fast ein wenig weinerlich.
„Na klar geht das, außerdem ist mein Bett doch groß genug.” jetzt fühlte sich Fips fast schon wie der Ältere, aber glücklicherweise willigte Zeke ein und legte sich neben Fips.
„Danke, dass du zu mir gekommen bist.” flüsterte Fips Zeke noch zu, bevor beide einschliefen.
Nur wenige Stunden später klingelte Fips’ Handywecker. Sein Klingelton war „Häschenparty” von Schnuffel, dem Hasen und.. Michael Wendler?? Stimmt, das hatte er, als dieser Anfang Corona völlig abgedreht ist, eigentlich mal ändern wollen, nur irgendwie war er noch nicht dazu gekommen.
Egal, Zeke hätte ihn wahrscheinlich für jeden Klingelton ausgelacht, also machte das hier keinen Unterschied.
Zeke packte mal wieder deren Hexenlache aus.
„Eyy, den Klingelton wollte ich eigentlich mal ändern.“ versuchte Fips, sich zu rechtfertigen, doch das brachte gar nichts.
Zeke strich sich eine Lachträne aus den Augen, bevor dey auf die Uhr schaute. „Wenigstens sind wir jetzt wach! Wird aber auch Zeit.“
Es war schon acht Uhr und Fips und Zeke zogen sich erstmal nacheinander um und machten sich fertig. Dann aßen beide noch eine gute Schüssel Müsli mit Wasser, weil Fips schon ein bisschen zu lange nicht mehr einkaufen war.
„Was hast du eigentlich die ganze Zeit gemacht?“ fragte Zeke zwischen zwei Bissen, die dey förmlich herunterwürgte.
„Hab halt immer Essen bestellt.“ murmelte Fips.
„Nee, ich meine so allgemein. Also ich will ja jetzt nicht gemein sein, aber die Wohnung sah echt beschissen aus.“
Fips seufzte. „Ach naja, irgendwie hab ich keine Hits mehr geschrieben, wie früher und ich bin auch immer unbeliebter geworden. Aber anstatt wütend zu werden, bin ich einfach zusammengesackt. Dann ging nichts mehr.“ er zögerte kurz. „Außer Alkohol.“
Anstatt etwas zu sagen, umarmte Zeke Fips einfach nur.
„Ich helfe dir jetzt da raus, du kommst wieder auf die Beine, das verspreche ich dir.“ flüsterte dey. „Aber jetzt müssen wir erstmal mit Herrn Keder reden.“
„Wer?“ fragte Fips.
„Der Schuldnerberater.“
Fips konnte die Gelegenheit nicht gehen lassen. „Nein, wer gefragt hat.“
Zeke lachte nur, schaute dann aber nervös auf die Uhr. Es war 5 vor 9 Uhr, gleich würde er da sein. Und Fips hoffentlich helfen.
Plötzlich klingelte es, das musste dann wohl Herr Keder sein. Zeke setzte sich an den Tisch und wartete, bis Fips die Tür öffnete. Ein kleiner Mann mit grauen Haaren und einem Schnurrbart kam zusammen mit Fips herein und setzte sich an den Küchentisch. Er grüßte Zeke, denn sie kannten sich logischerweise schon.
Fips atmete aus.
Herr Keder stellte sich vor und erzählte, was sein Job eigentlich war und wie er Fips helfen würde. Dann bat er ihn, ihm seine Finanzen offenzulegen, worauf Fips schon von Zeke vorbereitet worden war. Er tat, wozu ihn der Berater anwies und erklärte ihm ellenlang alles mögliche.
Irgendwann merkte Fips, das Zeke nicht mehr auf dem Sofa saß, wie noch von einiger Zeit. War wohl doch zu langweilig geworden.
Egal, sie redeten weiter und Herr Keder merkte an, dass Fips‘ Finanzen gar nicht so schlimm wie erwartet aussahen und er zumindest nicht in den Insi-Modus gehen müsse. Nur lebte er sehr stark über seinen Verhältnissen, wodurch sich seine monatlichen Kosten nicht deckten.
Er wies Fips an, seinen Sportwagen zu verkaufen und erstmal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, was mitten in der Stadt ja sehr gut möglich war. Fips war trotzdem erstmal traurig und versuchte sein Möglichstes, das Auto behalten zu dürfen, was bei Herrn Keders knallharter Art rein gar nichts brachte.
Außerdem sollte Fips lernen, besser mit dem Geld, das er hatte, zu wirtschaften, denn er verursachte jeden Monat viel zu viele unnötige Kosten durch einfach vermeidbare Dinge.
Irgendwann sagte Herr Keder dann, dass er erstmal fertig war und gab Fips seine Nummer, damit dieser ihn anrufen könne, wenn irgendwas war. Sie hatten jetzt mehrere Stunden miteinander geredet, doch das kam ihm gar nicht so vor.
Jetzt merkte er auch erst, dass Zeke wieder da war.
„Und, wie lief‘s?“ fragte Zeke.
„Besser als gedacht. Aber jetzt muss ich das ganze Zeug halt noch umsetzten. Und ich bin weniger pleite, als Apo Red.“
„Freut mich. Ich war zwischendurch bei McDonalds, falls du dich gewundert hast.“
Fips schaute Zeke fordernd an und dieser wusste sofort, auf was er hinauswollte.
„Jaa, ich hab dir was mitgebracht, kleiner Bruder.“ sagte Zeke betont genervt und so, wie dey ‚kleiner Bruder‘ betonte, wusste Fips auch, was es war.
Ein Happymeal.
Welches Fips dankend annahm, denn mittlerweile hatte er echt Hunger. Aber die Pommes gab er, wie immer, Zeke. Als McDonalds ganz neu war, hatte Fips sich ungefähr ein Jahr lang nur von Pommes ernährt, was sich auch nicht unwesentlich auf seine Gesundheit ausgewirkt hatte. Tja, selbst unsterbliche Entiäten könne an Mangelernährung leiden.
Während sie dann so aßen fiel Fips etwas ein.
„Zeke, warum hilfst du mir eigentlich? Also klar, wir sind Geschwister, aber.. also.. geht’s dir selbst überhaupt gut genug, um mir zu helfen?“
Zeke wirkte so, als wolle dey schnell antworten, aber dey hielt sich zurück und überlegte erst mal.
„Ich weiß nicht, ich hab einfach diese Meldungen gesehen, und weil ich ja weiß, dass du zu den anderen wenig Kontakt hast, dachte ich, ich helfe dir.“
Fips lächelte unwillkürlich. „Danke.“
Aber er merkte auch, dass Zeke auf die Frage nach dem eigenen Befinden nicht eingegangen war.
