Chapter Text
Mats sang laut den Song im Radio mit, als er auf den Parkplatz des Trainingsgeländes fuhr. Es regnete in Strömen, aber er hatte trotzdem gute Laune. Die Woche in Marbella war schön gewesen, auch wenn sie zum trainieren da gewesen waren. Außerdem ging schon in sechs Tagen die Rückrunde los und sie standen auf einem tollen fünften Tabellenplatz.
Er fühlte sich fit, vielleicht war es ja ein Vorteil, eine kürzere Winterpause zu haben und so bald nach Weihnachten wieder zu trainieren. Er parkte seinen Wagen auf seinem angestammten Platz und stieg immer noch vor sich hin summend aus.
"So fröhlich?", stand Marcel plötzlich neben ihm.
Mats zuckte zusammen. "Erschreck mich doch nicht so!"
Marcel lachte auf. "Was bist du so schreckhaft? Gestern zu viel das Ende vom Trainingslager gefeiert?“
"Spinner”, grinste Mats und schnappte sich seine Tasche. "Wenn du dich einfach so an mich anschleichst."
"Hörst einfach zu laut Musik", grinste Marcel.
Mats schnaubte empört. "Tu ich gar nicht."
"Sonst hättest du mich ja gehört", grinste Marcel breit.
Mats öffnete den Mund, wusste aber nicht, was er sagen sollte. Also begnügte er sich damit Marcel die Zunge rauszustrecken und dann mit hoch erhobenem Kopf Richtung Kabine zu gehen. Er hörte Marcel hinter sich lachen, dann folgte der ihm.
"Hast du dir jetzt eigentlich überlegt, wie du deinen Geburtstag feiern willst?" fragte Mats, als Marcel zu ihm aufgeschlossen war.
"Hmm... nicht so groß. Paar Leute einladen, bisschen feiern...", murmelte Marcel.
Mats sah ihn überrascht an. "Was denn los? Keine Lust zu feiern?"
"Keine Lust zum Planen", murmelte Marcel.
"Oh, dürfen Benni und ich?" fragte Mats sofort begeistert.
Marcel lachte leise. "Macht. Nur - denkt dran, am 23. haben wir das Spiel gegen den HSV."
"Klar”, nickte Mats grinsend. "Ich hoffe nur, dass Benni nicht schon am 22. spielt..."
"Du willst nicht am 22. feiern, oder?"
"Nee”, schüttelte Mats den Kopf. "Aber dann könnten wir Benni zu uns in Hotel schmuggeln und können wenigstens anstoßen. Die Party würde ich für den Sonntag vorschlagen."
Marcel musste jetzt tatsächlich lachen. "Musst deinem Benni aber ne kugelsichere Weste besorgen."
Mats verdrehte die Augen. "Er ist nich mein Benni und wenn ich den anderen das als Erziehungsmaßnahme für verwirrte Schalker verkaufe, lassen sie ihn schon leben."
"Na, hoffentlich", grinste Marcel und begann sich umzuziehen. Auch Mats zog sich schnell um und griff sich dann schnell sein Handy um eine SMS zu schreiben. [Partyplanung steht an, ruf mich an, bin gegen 13 Uhr zu Hause].
***
Nach dem Training kam Mats ziemlich geschafft nach Hause. Kaum hatte er die Tür hinter sich zugezogen, bimmelte sein Handy. "Pünktlich auf die Minute”, meldete er sich, während er sich mit einer Hand die Stiefel auszog.
"Bei Partyplanung bin ich doch gleich mit dabei. Wer feiert, wann, warum?"
"Schmelle wird am 22. 22”, grinste Mats.
"Na, das ist doch perfekt. Ne 22-Party. Aber..." er überlegte kurz. "Erst am 23., oder?"
"Klar. Dann können wir unseren Sieg und Marcels Geburtstag feiern."
"Unseren Sieg. Und euer glückliches Unentschieden", lachte Benni.
Mats lachte. "Scherzkeks. Gegen wen müsst ihr trüben Tassen denn ran?"
"Bochum. Und ihr?"
"Hamburg”, seufzte Mats. "Das erste Spiel in Köln, das zweite gegen den HSV. Die Rückrunde hat’s gleich richtig in sich."
"Ja, ich weiß... ist auch ein schwerer Gegner, gerade Köln am Anfang. Fast so unschlagbar wie Berlin."
"Ich hoffe ihr seid so nett und lasst die Berliner gewinnen”, grinste Mats. "Die brauchen die Punkte doch viel dringender als ihr."
"Die wären da doch voll einsam", protestierte Benni, "das kann man ihnen doch nicht antun."
Mats lachte auf. "Aber ihr könnt doch mit gutem Beispiel voran gehen. Vielleicht ziehen die anderen dann nach."
"Für ein 'Vielleicht' quäle ich arme, kleine Punke nicht", stellte Benni fest.
"Dann schenk sie uns”, schlug Mats vor.
"Du, das sind Punkte mit Geschmack, die würden sich bei euch auch nicht wohlfühlen. Die sind bei uns auf Schalke gezüchtet worden, und da müssen sie auch bleiben!"
Mats schnaubte. "Schon klar, ihr züchtet Punkte."
"Was meinst du, wo die sonst herkommen? Muss ich dich erst noch aufklären, die Sache mit den Bienchen und den Blümchen?", grinste Benni.
"Manchmal hast du echt einen an der Waffel, mein Lieber”, schüttelte Mats den Kopf. "Hast du heute Abend schon was vor?"
"Wir haben bis sechs oder so noch ne Taktiksache, danach bin ich frei", erzählte Benni.
"Dann komm ich bei dir vorbei”, beschloss Mats. "Wir haben zwar noch ein zweites Training, aber da bin ich schon gegen fünf fertig. Soll ich was zu Futtern mitbringen?"
"Klar", nickte Benni. "Aber was Leckeres - nicht so was Komisches wie letztes Mal."
"Das war nicht komisch, sondern... ein Experiment."
"Verschon mich von deinen Experimenten", bat Benni leidend.
"Sensibelchen”, grinste Mats. "Ich bring was vom Italiener mit, ok?" Er konnte förmlich sehen, wie Benni begeistert nickte. "Dann sehen wir uns nachher”, lächelte Mats.
"Ich freu mich drauf", sagte Benni ehrlich.
Mats’ Lächeln vertiefte sich. "Ich mich auch." Bevor er noch zu auffällig werden konnte, verabschiedete sich Mats und legte auf.
Seufzend schob er sein Handy zurück in die Tasche und ging in die Küche. Sein Kühlschrank war leer, wenn man von ein bisschen Butter absah. Aber wirklich Lust einkaufen zu fahren, hatte er jetzt auch nicht und irgendwo hatte er noch eine Dose mit Suppe im Schrank, die fürs Mittagessen reichen müsste. Schnell goss er die Hühnernudelsuppe in einen Topf, erwärmte sie und aß sie direkt aus dem Topf, das sparte Geschirr und Abwasch. Schließlich war seine Spülmaschine noch immer kaputt.
Beim Essen schweiften seine Gedanken fast schon automatisch zu Benni. Wie lange kannten sie sich jetzt schon? Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Natürlich seit der EM in Schweden hatte sich ihre Freundschaft noch einmal vertieft. Sie hatten sowohl im Trainingslager als auch während des Turniers ein Zimmer geteilt und waren seitdem immer Zimmernachbarn, wenn sie mit der U21 unterwegs waren. Und auch sonst, grinste Mats. Er konnte schon gar nicht mehr zählen, wie oft er bei Benni übernachtet hatte, oder der bei ihm. Einfach, wenns am Abend zu spät geworden war.
Zum Glück war es ja wirklich nicht weit von Gelsenkirchen nach Dortmund und umgekehrt. Manchmal war Marcel mit dabei oder Manu, aber meistens waren es nur sie beide, die die Abende zusammen verbrachte. Schön mit nem Film, oder auch nur faul auf dem Sofa. Sie mussten nicht mal reden, um sich wohl zu fühlen.
Es war einfach schön mit Benni, schon von Anfang an lagen sie auf einer Wellenlänge, und das hatte sich sogar noch verstärkt. Benni war sein bester Freund, eigentlich noch viel mehr als das.
Sie verstanden sich blind, und sie wussten, wie es dem anderen ging. Auch, wenn sie sich nicht sehen konnten. Benni wusste fast alles von ihm. Sein Lieblingsessen, seine Abneigung gegen Orange - und königsblau, seine Morgenmuffeligkeit, seine Lieblingsfilme... nur eine Sache, die wusste Benni nicht. Und das sollte auch besser so bleiben.
Sofort schüttelte Mats den Kopf. Nicht wieder darüber grübeln, das brachte nichts. Stattdessen stand er auf und stellte den Topf ins Abwaschbecken. Langsam musste er sich beeilen um pünktlich zum zweiten Training zu kommen. Er zog sich an, packte seine Tasche zusammen und verließ dann seine Wohnung.
Das Training war unspektakulär, einige Fans waren wie immer da, Kinder und Erwachsene, wollten Autogramme und Fotos, aber es war niemand dabei, der ihn länger aufhielt. Schnell stieg er in seinen Wagen und machte sich auf den Weg nach Gelsenkirchen. Er kam gut durch und hielt bei Bennis Lieblingsitaliener. Hier war alles blau-weiß dekoriert, wie sonst in Gelsenkirchen, und selbst auf den Servietten war das Schalke-Logo gedruckt. Aber was tat man nicht alles für seinen besten Freund, grinste Mats, als er zahlte. Außerdem kannte der Wirt ihn inzwischen und sie unterhielten sich jedes Mal ein paar Minuten.
"Dann viel Spaß heute Abend", wünschte Antonio, als Mats sich schließlich verabschiedete.
"Danke”, lächelte Mats und verließ mit den eingepackten Gerichten das Restaurant.
