Chapter Text
Es war Captain Blake gewesen, der die Feier vorgeschlagen hatte. Bart hatte protestiert, wie immer, aber er war der Flut an begeisterten Piraten dann doch nicht gewachsen gewesen. Mit vereinten Kräften hatten sie die Rumfässer des heutigen Beutezugs wieder aus dem Frachtraum gehievt, während Hooks Papagei aufgeregt um ihre Köpfe geflattert und Schimpfwörter gekrächzt hatte, und hatten Sir David – ihren Smutje, den sie vor Jahren mal von einem englischen Marineschiff abgeworben hatten – den Frachtraum plündern lassen. Ernie, ihr beinahe tauber Schiffsjunge, hatte den Anker werfen sollen, aber glücklicherweise hatte John ihn rechtzeitig gestoppt, bevor er den Anker ohne jegliche Ketten oder Sicherungen über die Reling geschmissen hatte. Nun aber war das Schiff gesichert und dem Fest stand nichts mehr im Wege.
Nach so einem Raubzug, hatte Blake gerufen, hatte man gefälligst auch zu trinken! Das diente einerseits dazu, dass sich die Mannschaft selbst feierte, und hatte andererseits den praktischen Nutzen, dass sie den Tiefgang mindern konnten und wieder schneller unterwegs waren. Nicht, dass sie das nötig hätten, aber gut war das trotzdem.
Bart war ein Segen für die Mannschaft. Eigentlich musste immer wenigstens einer nüchtern bleiben, damit das Schiff über Nacht nicht unbemerkt unterging – das wollte nur nie jemand freiwillig übernehmen. Sehr zum Leidwesen von Blake, der als Kapitän ja in der Verantwortung war. Als Ausgleich hatte er irgendwann seine Frau Rose mit aufs Schiff nehmen dürfen, Aberglaube hin oder her, und das hatte ihn friedlich gestimmt, aber nur für eine Weile. Doch bevor dann zum wiederholten Mal der Alkohol an Deck verboten wurde (was schon mehrfach beinahe zu einer Meuterei geführt hatte, aber Blake schien einfach nicht zu lernen), stieß Bart zur Crew. Und Bart hatte ein Problem: Er vertrug keinen Alkohol. Und er wollte auch gar keinen trinken. Stattdessen trank er ihnen das Wasser zum Kochen weg, aber andererseits hatten sie so wieder jemanden, der nüchtern blieb, und das war es allemal wert.
Auch heute saß Bart wieder an den Fockmast gelehnt und beobachtete ruhig das bunte Treiben.
Das waren die wenigen Momente, in denen Bart und sein Bruder Hank nicht beieinander waren. Auf dem Schiff ging bereits das Gerücht um, dass die beiden sich ein Gehirn teilten – an ihren geistigen Kapazitäten gemessen war das immerhin durchaus möglich. Auch sonst waren sie sich sehr ähnlich. Nur beim Feiern gab es einen nicht zu verkennenden Unterschied – den Alkohol.
Blake war inzwischen dazu übergegangen, Rose davon zu überzeugen, sich in der Kapitänskajüte einzuschließen, was an Rose allerdings ungehört vorbeizugehen schien. Vielleicht war sie auch einfach davon abgelenkt, dass ihr Becher schon zum wiederholten Mal leer war und trotzdem noch nichts zu Essen auf dem Tisch stand, wer wusste das schon?
Hook trat gegen die Tür zur Küche. Sein Papagei war inzwischen bei John, der einen Moment lang nicht auf sein Glas aufgepasst hatte und nun mit dem Tier darum kämpfen musste, während Hank ihn anfeuerte.
Als dann Sir David endlich Essen verteilte, war die halbe Mannschaft schon irgendwo eingeschlafen und der Rest betrunken genug, um protestlos zu essen, was immer Sir David auch zusammengerührt hatte. Im Eifer des Gefechts hatten sie damals beim Kampf mit der Marine nicht den Smutje, sondern einen absolut geschmacksblinden Kanonier entführt, aber da es so aufwändig gewesen wäre, Sir David gegen einen tatsächlichen Koch auszutauschen, hatte er halt bleiben müssen. Das Essen war zwar nicht sonderlich genießbar, aber David war großartig, wenn er getrunken hatte, also hielten sich Vor- und Nachteile die Waage.
Noch etwas später, nachdem Blake beinahe von der Reling gefallen war und Bart ihn glücklicherweise noch zurückhalten konnte, war dann Schluss mit der Feier. Bart hatte Blake in seine Koje verfrachtet und die Lichter gelöscht und wer jetzt noch draußen lag, der lag dann halt da. Und den Rest hörte man nur noch ein paar Minuten lang fluchen, wenn sich wieder jemand den Kopf gestoßen hatte auf der Suche nach seinem eigenen Bett, aber danach war tatsächlich Ruhe. Sogar Hooks Papagei war eingeschlafen.
Als John am nächsten Morgen aufwachte, war in seinem Bett unangenehm wenig Platz. Außerdem hatte er einen ziemlich schweren Kopf und wie jedes Mal nach einem derartigen Gelage schwor er sich, es dieses Mal ruhiger angehen zu lassen, woran er doch jedes Mal wieder scheiterte.
Er streckte sich ausgiebig und versuchte, sich zu drehen, scheiterte aber an dem fremden Körper, der in seinem Bett lag.
Moment mal.
Ruckartig drehte er sich um und blickte direkt in Roses vor Schock geweitete Augen.
Scheiße.
