Actions

Work Header

Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 1 of Der Treibhauseffekt
Stats:
Published:
2014-03-17
Updated:
2015-02-21
Words:
13,632
Chapters:
6/?
Kudos:
3
Hits:
284

Dinge, die wir an das Feuer verloren

Summary:

„Eines Tages wird diese Welt enden. Das Ende wird mit Feuer beginnen.
[…]
Wenn die Vertrautheit mit dem, was sie sind, die delikate Ausgewogenheit von Ähnlichkeiten und Unterschieden, ihre Symbiose, sich in Asche auflöst als Folge einer toxischen Feuersbrunst, so passiert dies, wie alle anderen Anfänge/Enden/Begegnungen/Abschiede/Schöpfung/Zerstörung – schlichtweg durch Zufall, oder möglicherweise, schlichtweg durch Vorhersehung. In jedem Fall sind dies die Dinge, die sie an das Feuer verlieren.”

Eine Geschichte über Sherlock, John und ihre Welt unausgesprochener Worte, unerwähnter ‚Was-wäre-wenn’-s und irreführender Erscheinungsbilder – eine Welt, die eines Tages, genau wie alles andere, endet.

Notes:


Als ich die unglaublich tolle FF von TheBookshelfDweller gelesen habe, wurde mir ziemlich schnell klar, dass ich der Versuchung mich an eine Übersetzung zu wagen nicht wiederstehen kann. Die Schreibweise ist fantastisch und so etwas ins Deutsche zu übertragen macht einfach nur Spaß.
Also, viel Vergnügen beim Lesen! :)

Chapter 1: Verschiedene Abstufungen von Helligkeit

Chapter Text

 


 
Man is the only creature that dares to light a fire und live with it.

Henry Jackson Van Dyke, Jr.


 
Der Treibhauseffekt ist ein Prozess, bei dem Thermalstrahlung einer Planetenoberfläche von den atmosphärischen Treibhausgasen absorbiert wird und in alle Richtungen zurückgestrahlt wird.Da Teile dieser Rückstrahlung zurück auf die Oberfläche und in die niedrigere Atmosphäre gelangen, resultiert dies in einer stärkeren Erhöhung der durchschnittlichen Oberflächentemperatur, als sich ohne die Gase einstellen würde. Dies ist, durch menschliche Aktivität verstärkt, die Hauptursache für die globale Erwärmung, ein stetiger und konstanter Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der gesamten Erde.

Es wird prognostiziert, dass dieser Temperaturanstieg negative Konsequenzen für das Erdklima haben wird, dass es zu zunehmend höheren Temperaturen führen wird, die eventuell im Sommer Brände verursachen und die Eiskappen schmelzen, was, unter anderem, zu einer erhöhten Anzahl von Überschwemmungen führen wird.



10. Januar, 2016

Sherlock denkt, er hört es in den Abflussrohren wimmern und es hört sich an wie Geister und Ghoule und Kreaturen aus Mythologien, an die Sherlock nie geglaubt hat. Es hört sich an, als ob eine Taube in der durch Risse entstellten Wand feststeckt – wie ein lebendiges, hoffnungslos zwischen unbelebten Lagen aus Gips, Holz und Backsteinen in der Falle sitzendes, Wesen, das sich verzweifelt gegen sein Gefängnis wehrt.

Das Geräusch ist beunruhigend, es ruft eine Welle der Panik hervor, während Sherlock seine Handflächen gegen die Seiten seines Kopfes presst, die Ohren bedeckend, um es zu vertreiben.

Eine Taube in einer Wand. Wimmernde Abflussrohre. Ghoule und Geister, in der Tat, denkt Sherlock, während er dem Schlagen seines Herzens lauscht.


 

Eines Tages wird diese Welt enden. Das Ende wird mit Feuer beginnen.

 


 Fünf Wochen zuvor (3. Dezember, 2015)

„Mycroft wird die Nachricht über meinen vermeintlichen Rückfall verbreiten... Normalerweise würde er versuchen jeden Dealer so einzuschüchtern, dass er mir nichts verkauft, aber dieses Mal werden wir es auf eine neue Art angehen. Dieses Mal wird es so scheinen, als ob ich an einem rettungslosen Punkt ohne Hoffnung auf Erlösung angelangt wäre und das einzige, was mein sich ewig einmischender, älterer Bruder noch tun kann ist sicherzustellen, dass ich nur das beste Erzeugnis erhalte. Er wird die Zulieferer auswählen und so meiner Maskerade zuträglich sein. Es muss so authentisch wie möglich erscheinen und sich auch so anfühlen, was der Grund ist, warum wir nicht zusammen gesehen werden dürfen, oder noch besser, uns gar nicht erst treffen, falls es nicht absolut nötig ist.”

Sherlocks Laptop liegt offen auf dem Schreibtisch, die Tastatur übersät mit losen Papieren und Post-its, die mit Notizen versehen sind. Auf dem Bildschirm ist ein Zeitungsartikel zu sehen, begleitet von dem Bild eines Körpers, ausgestreckt auf dem schmutzigen Pflaster eines, wie es aussieht, schäbigen Hinterhofes und der Titel sagt: „Minderwertige Drogen verursachen mehrere Tode in London”. John löst seinen Blick von dem Bildschirm, um seinen Mitbewohner anzusehen.

„Okay.” Es liegt eine gewisse Härte in seinem Blick, doch er tut sein Bestes, um seinen Ton neutral zu halten. Natürlich erweisen sich seine Bemühungen als vergeblich, denn es ist Sherlock Holmes, mit dem er spricht. Sherlock bemerkt seinen Bemüht-normal-zu-klingen-Ton und wirft John einen schnellen Blick zu, die unauffällige Veränderung seiner Körperhaltung und das Anspannen der Muskeln wahrnehmend. Mit einem Augenrollen und einem Stoßseufzer, der einen Märtyrer beschämen würde, ergänzt er seinen bisherigen Vortrag.

„Ich werde mir ein Wegwerf-Handy besorgen, daher brauchst du dir keine Sorgen zu machen den Kontakt zu verlieren, wirklich nicht. Ich brauche dich hier als Informationsquelle, also gibt es keinen Grund, warum wir nicht regelmäßig miteinander kommunizieren können, sagen wir eine SMS pro Tag, was, da bin ich sicher, jede Unruhe, die dir dieses Abkommen bringen könnte, mildern wird.”

Sherlock beendet seinen Monolog auf eine Art und Weise, so dass John ganz deutlich den unausgesprochenen „zufrieden jetzt?” Teil hören kann und die stumme Frage wird von John mit einem kurzen Nicken beantwortet. Erinnerungen an die Szene auf dem Dach von St. Bart’s und all die Jahre, die folgten, sind immer noch frisch in Johns Kopf, trotz der Tatsache, dass fast ein Jahr vergangen ist, seit Sherlock zurückgekommen ist. Sie reden nicht oft darüber, nicht weil keiner von ihnen es wagte, sondern weil sie es hinter sich gelassen haben, größtenteils. Sie haben alle Emotionen durchlebt – die anfängliche Spannung, das Handgreiflich werden, die ärgerliche Erleichterung, das Herunterkommen, das Herzausschütten (soweit die männliche, englische Version das zulässt), und schließlich das Loslassen und neu Beginnen. John erinnert sich an die ersten paar Wochen nach Sherlocks Rückkehr und wie der Mann sein neu aufgebautes Leben verwüstete. Wäre er zu dem Zeitpunkt nicht wutentbrannt darüber gewesen, er hätte Sherlocks offenkundige Unfähigkeit zu verstehen, dass Johns Leben weitergegangen war – dass John weitergegangen war – charakteristisch und liebenswert gefunden. Die Art, wie Sherlock zurück in sein Leben walzte, Selbstvertrauen ausstrahlend und mit unerschütterlicher Überzeugung, dass die Welt während seiner Abwesenheit stillgestanden hatte, war es, was dem Fass den Boden ausschlug. Er hatte ihm vergeben, selbstverständlich, aber es dauerte eine Weile, bis jeder von ihnen sich an die neue Lage der Dinge gewöhnt hatte. Sherlock brach herein wie ein Wirbelwind und stellte alles auf den Kopf, machte Raum, wenn auch etwas brachial, für sich selbst in Johns neuem Leben, welches mit neuen Dingen und neuen Personen gefüllt worden war und logischerweise bedeutete dies, dass irgendetwas weichen musste. Und was wich war, in Johns Fall, Mary.

Hinreißende, großherzige, außergewöhnliche Mary. John denkt, dass er sie wirklich und wahrhaftig hätte lieben können. Zu der Zeit, als die Welt von oft herbei gewünschten Wiederauferstehungen heimgesucht wurde, waren sie gerade erst am Anfang, Mary und er. Es war keine Liebe, noch nicht, nur ein sanftes Erblühen einer Möglichkeit und ein sanftes Prickeln wahren Glückes, erwacht nach langem Winterschlaf. Sie war nie ein Ersatz gewesen – niemand könnte das jemals sein – aber sie war etwas Helles und Gutes, das Versprechen eines Neubeginns, Besänftigung der Gespenster und ein Partner, mit dem neue Erinnerungen hätten geschaffen werden können. Sie war wie das Licht einer Kerze, während Sherlock immer mehr wie eine Explosion gewesen war und wo er spektakulär war mit seiner grellen Gewalt, hatte sie die stille, sanfte Kraft eines lange brennenden Lichts und eine sanfte Wärme. Für einen Moment gab sich John dem Gedanken hin, dass er sie beide haben könnte. Es erschien für eine Weile fast möglich. Sherlock, der sich noch mit der neuen Sachlage vertraut machte, behandelte Mary so, wie er ihn noch nie zuvor jemanden hatte behandeln sehen – mit zurückhaltendem Respekt und einer etwas unbeholfenen Rücksichtnahme. Mary schien die Bemühungen des neu erstandenen Detektivs zu spüren und kam jedem seiner ungeschickten Friedensangebote entgegen. Manchmal fand John sich wie vor Ehrfurcht, oder etwas ähnlichem, erstarrt wieder, das seltene, vorher als unmöglich gedachte Ereignis beobachtend, als ob eine Supernova durch das Flackern der Flamme eines Kerzendochts gebändigt würde. Aber am Ende war doch ein bisschen zu viel Feuer in Johns Leben. John erwartete die übliche „ich möchte einfach nicht in Konkurrenz mit Sherlock Holmes treten“ Auseinandersetzung, aber sie kam nicht. Mary beschuldigte ihn niemals, er lasse sie miteinander konkurrieren, noch zwang sie John zwischen ihnen zu wählen. John gab ihr niemals Anlass dafür – sie war nie ein Ersatz gewesen, also konnte sie sich auch nicht von Sherlock bedroht fühlen. Letztendlich war es auch überhaupt nicht Johns Entscheidung, sondern Marys und letztendlich ging es bei dieser Entscheidung nicht um Sherlock, zumindest nicht so, dass der Detektiv dafür verantwortlich gemacht wurde, was aus Johns und Marys Beziehung wurde.

Eines Tages wirst du mein Herz brechen, nicht durch deine eigene Schuld, sondern indem du getötet oder verletzt wirst und ich kann jetzt noch etwas dagegen tun, bevor wir zu tief drinstecken.“ sagte sie. „Ich will nicht, dass du dich zwischen mir und deinem Leben mit Sherlock entscheiden musst, aber das bedeutet, dass ich mich zwischen mir selbst und dir entscheiden muss.“ Und weil es damals keine Liebe war, noch nicht, wählte sie sich selbst. Es war nicht egoistisch – es war klug. John denkt, dass er sie vielleicht hätte lieben können, dass er dann einen stärkeren Wunsch hätte verspüren können sie bei sich zu behalten als es der Fall war, als sie sich trennten und fragt wie selbstsüchtig das von ihm gewesen wäre.

Dennoch, in diesen trostlosen Nächten, wenn Sherlock sich noch unmöglicher benimmt als sonst, stellt sich John manchmal vor, wie sein Leben gewesen wäre, wenn er niemals zurückgekommen wäre, wenn es Mary wäre anstelle Sherlock. Er wünschte es sich nicht, nein, das nicht eine Sekunde lang. Er hat zu viel Zeit damit verbracht sich zu wünschen, Sherlock möge am Leben sein, als dass er jemals so töricht sein würde etwas anderes zu wünschen, aber er kann nicht anders, als sein Leben vor und nach Sherlock miteinander zu vergleichen – die Ordnung und das Chaos, die beständige Routine des vorherigen und die hektisch-rasante Asymmetrie des späteren. Manchmal, wenn Sherlock sich vergisst und etwas besonders Herzloses sagt, gibt er ihm fast die Schuld wegen Mary... aber nicht wirklich, nie im Leben, denn er weiß, dass Sherlock in dieser Angelegenheit nicht wirklich etwas zu sagen hatte. Man kann einem Wirbelwind nicht die Schuld dafür zuschieben, dass er ein Haus niedergerissen hat – das ist es, was Wirbelwinde tun – aber man kann sich selbst beschuldigen kein stabileres Haus gebaut zu haben. Oder man kann sich dafür entscheiden, niemandem die Schuld zu geben, und ein neues Haus bauen.

Dennoch, als Johns stetes Glück mit Mary ein Ende fand, konnte John trotz Sherlocks blendender Helligkeit spüren, dass seine Welt ein kleines bisschen dunkler wurde durch die Tilgung des sanften Kerzenlichts. Und dann waren es erneut nur John und Sherlock. Es wurde nie wieder exakt so, wie es drei Jahre zuvor gewesen war – das war nicht möglich – aber in den letzten sechs Monaten sind die Dinge recht gut gelaufen.

Sherlock braucht ziemlich lange, um ein paar Dinge über Bescheidenheit zu lernen und John merkt, dass seine Toleranz für Sherlocks nicht so angenehme Eigenschaften (Toleranz, die in den ersten Wochen nach Sherlocks Rückkehr stark nachließ) mit jedem Tag, der vorüberzieht, standhafter und stärker wird. Wenn Sherlock also daran denkt, John während seiner Abwesenheit zu beruhigen, wissend, dass nach allem, was passiert ist, trotz des Fortschrittes, den sie in letzter Zeit gemacht haben, eine Fahnenflucht immer noch weniger gut ist, dann beschließt John, den Anflug von Verstimmung, der Sherlocks Worte begleitet, zu ignorieren und gibt sein Einverständnis für Sherlocks In-Kontakt-bleiben-Plan.

Er beobachtet wie der Detektiv in seinen Mantel schlüpft und ein paar Gegenstände mitgehen lässt, für John scheinbar komplett wahllose Dinge, aber ohne Zweifel haben sie ihren Platz in einem grandiosen Plan – einen Küchenlöffel, ein Weihnachtsknallbonbon, das Mrs Hudson vor über einem Jahr in der Wohnung liegengelassen hat, einen Mikroskop-Objektträger, eine Taschenbuchversion von „Grundlagen der Botanik”, ein Maniküreetui und...

„Sherlock, nicht“, warnt John, als Sherlock zu seinen Notfallzigaretten greift.

„Aber John...“

„Nein. Du spielst nur den Junkie, schon vergessen? Du fällst nicht wirklich zurück in eine Sucht, welcher Art auch immer.

Einen Moment lang sehen sie sich in die Augen, während jeder versucht seinen Willen durchzusetzen, schließlich lässt Sherlock die Zigaretten dramatisch auf den Sitz seines schwarzen Ledersessels fallen und stürmt in die Küche. John folgt, ein siegreiches Grinsen auf dem Gesicht. Noch ein paar Gegenstände finden ein neues Zuhause in den Tiefen seines Belstaff-Mantels – eine Nähnadel und eine Spule von Johns chirurgischem Faden, ein Satz Plastikdominosteine und eine Packung farbiger Büroklammern aus Metall – und dann legt Sherlock sich den Schal um, bereit zu gehen.

„Ähm... okay, gut... irgendwelche letzten Anweisungen?“, fragt John, unsicher wie er sich verhalten soll. Abschied zu nehmen scheint gleichzeitig zu bedeutungslos und zu unheilverkündend zu sein, aber alles andere wäre unpassend. Es ist nur ein weiterer Fall. Sie haben dies schon hundertmal getan.

„Bleib in Kontakt mit Lestrade, für den Fall, dass neue Körper auftauchen. Ich werde versuchen auf dem Laufenden zu bleiben, aber zwei Paar Augen sind besser als eines, selbst wenn das andere Paar nicht mir gehört.“

„Reizend, danke dafür.“

„Nun ja... Ich gehe dann mal. Ich werde dich kontaktieren. Wenn ich ein Stichprobe in die Hände bekomme, werde ich einen Weg finden sie dir zuzusenden, damit du sie Molly zum Analysieren geben kannst.“

„Okay.“

„Es sollte nicht lange dauern diesen Fall zu lösen... dieser Tage kann man nicht einmal mehr Drogenbaronen zutrauen einfallsreich zu sein“

„Na ja, also ich kann nicht wirklich behaupten, dass es schade ist darum. Hast du alles, was du brauchst?“

Sherlock grinst John an, ein leicht manisches Funkeln in den Augen.

„Eine Serie mysteriöser Tode im Untergrundnetzwerk der Junkies, verursacht von nicht nachweisbar vergifteten Drogen, deren Opfer willkürlich an Orten in London auftauchen, die nichts miteinander zu tun haben, ohne ein offensichtliches Muster? Ja, ich würde sagen, ich habe alles, was ich brauche.“

Es ist sehr ungebührlich, bizarr, und John weiß das genau, dennoch erwischt er sich dabei nachsichtig den Kopf zu schütteln, ein Lächeln versteckend, während er zusieht wie Sherlock die Treppe hinunter und zur Tür hinaus springt. Das Zuschlagen der Tür hört sich an wie das Anzünden eines Streichholzes, endlich ein Funke dieser speziellen Fall-eigenen Tatkraft und John kann beinahe die Spur der Glut sehen, die Sherlocks eindrucksvolle Figur mit dem wehenden Mantel hinterlässt (immer so dramatisch , denkt John ), während er ein Taxi aus dem Nichts herbeiruft und aus Johns Sicht verschwindet.

Es ist früher Dezember und die Tage werden kürzer, Schneeflocken wirbeln vor dem Fenster durcheinander. Schatten beginnen über den Boden zu kriechen, als John hinüber zu der Feuerstelle geht und müßig die Gegenstände auf dem Kaminsims hin- und herschiebt. Er sieht zurück auf den Bildschirm von Sherlocks Laptop, den Blick auf das fahle, wächserne Gesicht des toten Mädchens gerichtet, ihre Augen weit geöffnet und glasig, ihre Arme mit Nadeleinstichen übersät, wie kleine Poren in der Haut, die erweitert wurden, um dem Leben zu erlauben langsam herauszufließen und der misshandelten Körperhülle, die es beherbergte, zu entweichen. Er denkt an schmutzige Unterführungen, übelriechende Gassen und winddurchfegte Schlupfwinkel und an Sherlock, der als rückfällig gewordener Drogen-Junkie verdeckt ermittelt. Sherlock ist ein Meister der Maskerade, John weiß dies, daher weiß er auch, dass er sich keine Sorgen darum machen muss, Sherlock könne sich verraten... aber wie eine Frau (Die Frau) einmal sagte, jede Verkleidung ist letzten Endes nur ein Selbstportrait. Und deshalb befürchtet John nicht wirklich, dass Sherlock Probleme haben könnte sich anzupassen – er hat Angst, dass dieses bestimmte Selbstportrait ein bisschen zu einfach zu zeichnen sein wird.

Wissend, dass aus solchen Gedankengängen nichts sinnvolles entstehen kann, wendet er die Augen von dem Bild ab und beschäftigt sich mit dem Feuer. Seine Bewegungen sind präzise und ruhig, geübt, und alles scheint wohlgeordnet zu sein – alles ist wohlgeordnet – was eben der Grund dafür ist, warum John sein Bestes tut das mentale Bild zu ignorieren, welches sich langsam von dem toten Mädchen in einen toten Sherlock, in der gleichen Haltung auf einem schmutzigen Stück Asphalt liegend, verwandelt und das Feuer anzündet.