Chapter Text
Prolog
Urlaub ist etwas das man sich zeitlich und finanziell leisten können muss, insbesondere wenn das Urlaubsziel am anderen Ende der Welt liegt. Der Flug muss bezahlbar sein, ebenso das Hotel und auch die Verpflegung, wozu gibt es also komplett Angebote von Reisebüros? Ganz genau damit sich auch ein Durchschnittsverdiener mal 12 Tage Urlaub gönnen kann, ohne ein halbes Vermögen ausgeben zu müssen. Allerdings sah das für Sami nochmal anders aus. Mit seinem Gehalt kam er zwar gut über die Runden, aber ein Japan Kurzurlaub war da nicht drin. Dabei hatte er sich genau den schon seit er klein war gewünscht. In Erfüllung ging er jedoch nie. Bis der Kanadier Post vom Notar erhielt, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er als letzter Angehöriger das kleine Vermögen von seiner ihm vorher unbekannten Großtante geerbt hatte. Dieses nutzte er in erster Linie erst mal dafür die Beerdigung seiner Großtante zu bezahlen, auch wenn er sie nicht gekannt hatte. Es war für ihn selbstverständlich, dass er ihr wenigstens so zeigen konnte, wie dankbar er dafür war. Nachdem alles mit der Beerdigung geregelt war, ließ er es sich nicht nehmen, die Städtereise nach Japan zu buchen um diesen Traum von seiner Bucket-List streichen konnte. 12 Tage Japan angefangen mit Tokio angeschlossen daran Osaka und als Abschluss schließlich Kyòto jeweils mit 4 Tagen Aufenthalt. 11 Tage waren davon bereits vergangen, als sich Samis Leben ändern sollte…
Die Sonne schien auf die helle Haut des Kanadiers, während dieser seine letzten Stunden in der ehemaligen japanischen Hauptstadt verbrachte. Das dunkelblaue T-Shirt das er trug, ließ Samis Haut noch etwas heller wirken als sie tatsächlich war, grade in der Mittagssonne. Der Rothaarige genoss die Wärme die, die Sonnenstrahlen erzeugten und schlenderte sich neugierig umsehend durch die Menschenmasse der Innenstadt. Japan war ein Traum, noch viel schöner und vielseitiger als er es erwartet hatte, der Shintō-Schrein und der Tempel in Osaka waren dem jungen Mann besonders im Gedächtnis geblieben. Er musste die Bilder die gemacht hatte unbedingt Kevin und Becky zeigen wenn er wieder zu Hause war. Wobei wenn er sich nicht verguckt hatte, hatte er während der letzten 11 Tage knapp 2.000 Bilder gemacht. Eine Menge Bilder und zu allem könnte er etwas sagen. Sami blieb an einem kleinen Restaurant stehen. Das Frühstück war schon etwas her und eigentlich wollte er noch nicht zurück ins Hotel, dazu war er viel zu begierig darauf diesen langersehnten Traum gänzlich auszukosten. Rumsitzen war sowieso nicht seine Art. Trotzdem hatte er Hunger und bevor er seinen Weg fortsetzte konnte er auch eine Kleinigkeit essen. Die sprachliche Differenz bekam er schon überwunden. Zwar konnte der Kanadier ein paar Höflichkeitsfloskeln, zum Essen bestellen würde es leider nicht reichen, zu Not würde er sich halt mit Händen und Füßen erklären. Das konnte ihm schließlich niemand krumm nehmen, immerhin war er Tourist.
Lächelnd betrat er das kleine Lokal und ließ sich an einem der Tische nieder und suchte nach seinem Reiseführer mit dem er zumindest ein bisschen kommunizieren konnte. Zwar konnten viele Japaner auch Englisch, doch so ganz selbstverständlich war es zumindest bei den Älteren nicht. Sami hatte jedoch Glück, eine recht junge Dame kam um ihm gleich eine zweisprachige Karte zu bringen. Somit war das bestellen von Essen und Getränk ein leichtes und Sami konnte sich zurück lehnen und den Blick aus dem Fenster genießen. Er beobachtete die vielen Menschen und lächelte vor sich hin, während er an sein Zuhause dachte. Am Freitag würde er wieder in Montreal sein und dann noch das Wochenende haben, bevor er zurück in den Alltag musste. Vielleicht schau ich auch Samstag schon im Jugendhaus vorbei und schau nach was alles passiert ist während ich weg war, überlegte er und kramte schließlich sein Handy aus der Hosentasche. Die Kamera hatte er im Hotel gelassen um zumindest den letzten Tag nicht immer durch eine Linse zusehen. Allerdings, ließ er es sich nicht nehmen ein Selfie zu machen und in die WhatsApp-Gruppe vom Jugendtreff zu schicken. Antworten würde er erst heute Abend erwarten, immerhin waren es 10h Zeitunterschied und bei den anderen war es somit erst 3 Uhr am Morgen. Sami freute sich schon darauf die Gruppe wiederzusehen. Seine Arbeit im Sportstudio als Trainer sorgte zwar dafür, dass er alle Rechnungen begleichen konnte, die restliche Zeit verbrachte er damit das Jugendhaus zu unterstützen in dem er selbst früher so viel Zeit verbracht hatte. Der Job, der ihm das Gefühl von Erfüllung gab, anderen Leuten- ins besondere den Jugendlichen- die Perspektiven auf zu zeigen die ihm selbst gegeben wurde. Grade dann wenn die eigenen Eltern nicht sonderlich hilfreich dabei sind, wenn man seine Zukunft planen möchte.
Dem Selfie folgte schließlich noch ein Bild von seinem Mittagessen, als dieses endlich vor ihm auf dem Tisch stand. Das Handy fand dann seinen Weg zurück in die Hosentasche, sodass der Kanadier sich seinem knurrenden Magen widmen konnte. Gute 40min später hatte Sami schließlich auch schon die Rechnung bezahlt und verließ das Restaurant mit einem zufriedenen Lächeln. Den letzten Tag wollte er es sich noch mal so richtig gute gehen lassen, wann würde er sich schon wieder so viel Zeit nehmen können um Japan zu besichtigen? Es zog ihn also weiter in die Einkaufsmeile um noch die letzten Souvenirs zu kaufen. Er hatte versucht an alle zu denken, aber das meiste war irgend so ein Touristenzeug wie Schlüsselanhänger, Essstäbchen oder ähnliches. Sami betrat das gut klimatisierte Einkaufszentrum und sah sich orientierungssuchend um, als das passierte was er eigentlich nicht hatte mitbekommen wollen. Die Erde unter seinen Füßen begann zu wackeln und zu beben und das erste was ihn durchflutete war Panik. Es krachte um ihn herum, als Regale umfielen und Porzellan zerbrach. Die Sicherheitseinweisung des Reiseanbieters zum Verhalten bei einem Erdbeben war aus seinem Kopf gefegt, obwohl er wusste dass es da etwas gab. Die Leute um ihn herum, waren schneller unterwegs und brachten sich wie selbstverständlich in entsprechende Schutzbereiche. Bevor Sami auch nur richtig reagieren konnte, wurde er einfach von einem Unbekannten mit gezogen. Grade rechtzeitig, denn eine nahestehende Wand stürzte in sich zusammen und hätte den Kanadier getroffen. Sein Herz raste in seiner Brust und die Angst die ihn gepackt hatte wurde von dem ausgestoßenen Adrenalin noch verstärkt.
Ihm blieb kaum Zeit zu realisieren was passiert war, da hörte das Beben auch schon wieder auf. Sein Blick welcher noch an der Stelle hing, an der er gestanden hatte, flog zur Seite und traf auf braune ruhige Augen. Der Mann der ihn mit gezogen hatte, der ihm eigentlich das Leben gerettet hatte mehr oder weniger, war mehr als eindeutig Japaner und in dem Bruchteil der Sekunde wie der Rothaarige den Unbekannten musterte, fiel ihm deutlich die ungewöhnliche Frisur auf, welche aus einem Undercut bestand, wobei die üblichen schwarzen Haare, die jedoch eine ungewöhnliche Länge aufweisen mussten in einem Dutt verschwanden. Der Fremde sprach etwas auf Japanisch, nickte und verschwand dann zwischen den anderen Menschen. Dem Kanadier blieb keine Chance sich zu fangen oder ein „Danke“ zu formulieren. Perplex und noch immer mit wild schlagendem Herzen wegen der Aufregung, stand Sami in dem Türrahmen eines Geschäfts und versuchte gänzlich zu begreifen was eigentlich passiert war. Das geschah allerdings erst als er zurück in seinem Hotelzimmer war und die Anspannung von ihm abfiel. So hatte er sich das alles nun wirklich nicht vorgestellt gehabt, wie sein Urlaub enden sollte. Er erfuhr, dass es nur ein leichtes Erdbeben gewesen war und die Schäden sich auch gering hielten. Es wurmte ihn jedoch das er sich nicht hatte bedanken können, immerhin hatte der fremde Mann ihn vor schlimmeren Verletzungen bewahrt. Sami legte sich auf den Rücken und sah hinauf zur Decke und er seufzte schwer.
