Work Text:
"Du glaubst gar nicht, wie Leid mir dein zukünftiger Seelenverwandter tut." Er lachte hämisch und verschrenkte seine Arme vor der Brust. Die anderen in der Klasse seufzten, er tat es schon wieder. Sie warf ihm nur einen wutenbrannten Blick zu.
Es war wirklich kein Geheimnis, dass Jung Hoseok das Prinzip, dass jede Seele von Geburt an einen Seelenverwandten zu geteilt wurde, albern fand. Nur wenige dachten so wie er, doch diese paar wenigen waren laut genug um die anderen herunter zuziehen.
Y/N stand gerade vor der Klasse und hielt einen Vortrag über einen Schriftsteller, der wirklich wenig mit diesem Prinzip zu tun hatte und trotzdem fand er einen Weg sich wieder darüber aufregen zu können.
"Wieso kümmert dich das so sehr? Mein Seelenverwandter hat doch wohl nichts mit dir zu tun.", knurrte sie mit zusammen gebissen Zähnen. "Naja, gar nichts, aber der arme Typ ist doch nur zu bemitleiden. Da sucht man die ganze Zeit nach seinem Seelenverwandten und dann.. naja bekommt man dich. Eine Schande, wirklich.", durch die Klasse gingen ein paar zustimmende Kicher-Geräusche und ein paar genervte seufzer. Y/N wusste wirklich nicht was sie Hoseok angetan hatte, dass er immer auf sie abzielen musste.
Sie waren diese Diskussion schon so oft durch gegangen und trotzdem tat es Y/N jedes mal weh so etwas zu hören. Sie biss sich heftig auf die Backen und fuhr so schnell wie möglich mit ihrem Referat weiter.
Sie hatte schon viele Geschichten darüber gehört, wie Seelenverwandte sich endlich gefunden hatten, jedes mal hieß es, dass das Aussehen der Person völlig irrelevant sei, da man, auch wenn der Seelenverwandte nicht der eigentlich Typ sei, von allem des Seelenverwandtem total begeistert wäre.
Trotzdem hatte Y/N, seit sie Hoseok kannte, die unglaubliche Angst, dass ihr 'Auserwählter' wirklich enttäuscht wurde von ihrer Persönlichkeit und ihrem Aussehen. Davor hatte sie nicht mal darüber nachgedacht, doch er hatte es ihr in den Kopf gesetzt und sie hasste es.
Als Y/N Hoseok vor drei Jahren zum ersten Mal traf, fand sie ihn von anhieb sympathisch. Er schien sich mit allen zu verstehen und sprach zu der Zeit noch sehr gut vom genannten Prinzip. Er meinte sogar, dass er es nicht mehr erwarten könnte, endlich seine bessere Hälfte kennen zu lernen. Doch irgendwas musste Y/N getan haben um ihn um 180° verändert zu haben. Er verstand sich immer noch mit vielen Leuten und war im gesamten ein sehr liebensvoller und freundlicher Mensch, doch wenn es zu Y/N kam, schien er wie eine andere Person. Sie konnte sich nicht erinnern etwas getan zu haben, dass ihn so verärgert hatte, dass er seine Einstellung komplett änderte und beschlossen hatte sie auf einer täglichen Basis aufzuziehen.
Man muss eins gesagt haben: Hoseok war wirklich umwerfend schön, jedes mal wenn Y/N ihn ansah verspürte sie einen kleinen Freudenfunken, der, sobald er wieder anfing sie grundlos zu beleidigen, schon wieder verflogen war.
Genau deshalb blieb Y/N immer so weit weg wie möglich von ihm. Sie wendete ihren Blick ab, sobald er in ihrem Sichtfeld war, vermeidete jede Art von Körperkontakt und versuchte so gut wie möglich nicht mehr hinzuhören, wenn er sprach. Das stellte sich als äußerst anstrengend heraus, da er, wenn er nicht gerade über sie herzog, eine ausgesprochen sanfte und beruhigende Stimme hatte. Eine, der man gerne zu hörte.
"Weißt du, sobald du deinen Seelenverwandten hast wirst du den Namen Hoseok gar nicht mehr erkennen. Der Kerl und sein Schwachsinn wird dir so egal sein, glaub mir.", Stephanie drückte Y/N's Schultern beruhigend, während diese aggressiv in ihrem Salat stocherte. "Woher willst du das wissen, vielleicht nervt er mich dann nur noch mehr und versucht ihn davon zu übereden wie scheußlich und blöd ich doch eigentlich bin." Y/N's Freundin hatte ihren auch noch nicht gefunden, also konnte sie schlecht eine Ahnung davon haben wie das wirklich ablief. "Ach, spätestens wenn er seine findet, wird er dich vergessen haben und dann vergesst ihr euch beide und alles ist wieder gut." Steph wurde immer gut von Hoseok behandelt, so, dass sie eigentlich befreundet waren, doch da er seine Angewohnheit Y/N runter zu machen nicht los wurde, ignorierte Steph ihn mittlerweile.
Es war Januar und die Stadt war voll geschneit und trotzdem hatte ihr Kunstlehrer es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht seine Schüler aus dem Haus zu bringen und Landschaften zu zeichnen. Und wie das Schicksal wollte, wollte er, dass sie zu zweit durch die Stadt liefen, sich ein Gebäude oder was auch immer aussuchten, in ihrem persönlichen Lieblingsstil zeichneten und dann mit dem Partner und deren Stil verglichen.
An sich war das eine sehr kreative Idee, doch das änderte sich, sobald er freudig verkündete, dass sie anhand Zetteln ihren Partner ziehen würden. Y/N verstand sich eigentlich gut mit allen, doch die Gefahr, dass sie mit Hoseok oder einer seiner Anhänger zusammen getan wurde war ihr trotzdem zu hoch. Nervös stand sie in der Reihe, die sich vor ihrem Lehrer gebildet hatte. Sie war einer der letzten und so hatten viele sich schon zu ihren Partnern gestellt. Ihr fiel auf, dass Hoseok unschlüssig neben Stephanie stand. Sein Blick landete auf ihr und Y/N hielt den Augenkontakt kurz nur um dann ihren Blick lässig weiter durch die Schülerschar schweifen zu lassen um es so aussehen zu lassen als hätten sich ihre Blicke nur zufällig getroffen.
Sie zog einen Zettel aus dem Jutesack, den ihr Lehrer ihr positiv strahlend entgegen hielt. 7. stand dort mit dickem, roten Filzstift geschrieben und Y/N atmete tief aus. Jetzt war es wohl entschieden. "Welche Nummer hast du?", rief Stephanie ihr zu. Sie hielt ihren Zettel hoch. "Sieben.", rief sie laut. Y/N nickte Stephanie auffordernd zu doch diese zog eine Schnute und schüttelte den Kopf.
Plötzlich stolzierte Hoseok weg von Stephanie auf einen laufenden Mitschüler. Er hatte wohl seinen Partner gefunden. Erleichtert fasste sich Y/N an die Brust. Jetzt konnte es nur gut werden. Doch sie hatte sich getäuscht. Der genannte Mitschüler stolzierte an ihr vorbei, ohne Hoseok und hielt seinen Zettel hoch. "Wer hat noch 12?" Stephanie blickte auf und winkte ihn zu sich. Y/N spürte ein Tippen auf ihrer Schulter. Das musste wohl ihr Partner sein. Breicht lächelnd drehte sie sich um "Ja?"
Ihr lächeln fiel. Hoseok wedelte einen Zettel mit einer roten 7 vor ihrer Nase und zuckte dann unschuldig mit den Schultern. Y/N seufzte und beobachtet die warme Atmewolke, die sie ausgeatmet hatte in der klirren, kalten Luft. Sie drehte sich entschieden um und forderte ihn mit einem entschlossenem "Komm." zum laufen auf. "Was würdest du am liebsten zeichnen?", so motiviert wie möglich drehte sie sich, während sie auf matschigen Straßen stapften, zu ihm um.
"Hmm.", überlegend sah er hoch in den grauen Himmel. "Ich könnte mir vorstellen, dass die schneebedeckte Kirche schön zum zeichnen wäre." Überrascht blieb Y/N stehen. Er nahm das ganze ernst und seine Idee war gar nicht mal schlecht. Sie sah ihn an und nickte eifrig. "Und du?" Er sah auf den losen Knopf ihrer braunen Winterjacke, die sie von ihrer älteren Schwester vererbt hatte und schon mehr als sie selber miterlebt hatte. "Ich hatte nen ähnlichen Gedanken. Die kleine Klosterschule neben der Kirche." Seine Augenbrauen hebten sich und er wiegte den Kopf hin und her. "Wir könne uns ja entscheiden wir dort sind, lass uns erst mal in die Richtung gehen." Er stapfte voraus. Y/N lief ihm schnell nach aber nicht ohne ihren gewohnten Sicherheitsabstand von ihm zu halten. Dort angekommen waren sie sich überhaupt nicht einig. Beide Gebäude sahen unglaublich schön aus und würden ein tolles Bild ergeben.
"Weißt du auf was ich gerade noch mehr Bock hätte?", Y/N runzelte ihre Stirn während sie sich umsah. Hoseok zeigte vor sich. "Den kleinen Schuppen da?" Kichernd drehte sie sich zu ihm und nickte zustimmend. Endlich sah er ihr auch ins Gesicht. Sein Blick war so sanft und sein leichtes lächeln erschreckte Y/N so sehr, dass sie schnell wieder weg sah. Der alte Geräteschuppen zwischen Kirche und Kloster war einfach und nichts besonderes und trotzdem hatte die alte, morsche Fassade etwas schönes, geheimnisvolles. Der Schnee sah auf dem dunklen Ebenholz noch heller als auf dem Boden aus. "Sollen wir?", fragte sie während sie schon ihren Zeichenblock und Stift heraus kramte. "Warum nicht." Hoseok tat es ihr gleich und so legten sie die Sitzpolster, die sie von ihrem Lehrer bekommen hatten auf den Boden und begannen eifrig Skizzen zu gestalten.
Hoseok benutzte seine Finger um die Abschnitte der Hütte besser einschätzen zu können und Y/N beobachtete ihn beeindruckt. "Wow, du bist so professionell..", bemerkte sie anerkennend. Er lachte kurz leise, sah aber nicht zu ihr auf. "Naja, ob man es glaubt oder nicht, so schlecht bin ich gar nicht mal. Ich zeichne relativ oft.", murmelte er vor sich hin. "Welchen Stil benutz du?", Y/N war äußerst beeindruckt. Wer hätte gedacht, dass Hoseok so freundlich werden konnte. Vielleicht war es, weil er für Kunst einen Schwachpunkt hatte.
"Realistisch. Du?"
"Comic."
Hoseok sah überrascht auf. "Ehrlich? Lass mal sehen." Beschützend hob sie ihren Zeichenblock gegen ihre Brust. "Nuh-uh. Erst am Ende."Er klickte mit der Zunge, beließ es aber dabei und fokussierte sich weiter auf seine Arbeit. Nach ein paar Minuten in denen sie schweigend in ihren Blöcken vertieft waren räusperte Hoseok sich. Y/N sah überrascht hoch. "Das mit dem Seelenverwandten-Ding.. ähm-.." Er spielte nervös an seinem Stift herum. "Naja... Es tut mir leid." Sie starrte ihn ungläubig an. Hatte Jung Hoseok sich gerade bei ihr entschuldigt? Plötzlich sah sie ihre ganze Situation mit anderen Augen. "Ist schon in Ordnung. Ich weiß ja, dass du das ganze nicht unterstützt und ich rede trotzdem verhältnismäßig oft darüber. Das muss nerven. Tut mir auch leid." Er schüttelte heftig den Kopf und sah ihr ernst in die Augen. "Du musst dich nicht entschuldigen. Du redest schließlich nicht mehr als die anderen darüber, du verdienst nicht zu unhöflich behandelt zu werden. Es is' nur..." Er hielt ihrem Blick stand doch sie merkte wie schwer es ihm fiel ihr in die Augen zu sehen. "ok, das wir jetzt persönlich aber ich erklär dir mal wieso ich so nen Hass auf diese ganze Sache entwickelt habe."
"Ich kenne diese eine... Person. Die Sekunde in der ich sie zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich unglaublich zu ihr hingezogen gefühlt. Es war mit nichts vergleichbar. Alles an ihr hat mich sofort fasziniert." Y/N nickte und Hoseok atmete tief aus. "Weißt du, genau wie man es sich vorstellt, wenn man seinen Seelenverwandten trifft, nur besser. Es is auch immer noch so, jedes mal, wenn ich sie sehe, rast mein Herz, mein Atem stockt und ich tue irgendwas unüberlegtes."
"Aber,", sie unterbrach ihn. "Das sind doch alles gute Emotionen, oder nicht?" Hoseok sah vor sich in den kalten Schnee und wog seinen Kopf hin und her. "Jep, das könnte man meinen. Aber all diese Emotionen tuen auf einmal scheiße weh, wenn man merkt, dass die andere Person nicht so fühlt."
Oh.
Y/N musterte ihn traurig. "Anfangs dachte ich schon, dass sie meine Seelenverwandte ist, denn sie gab nicht den Anschein als würde sie mich hassen doch... sie mochte mich eindeutig nicht auf die Weise wie ich sie." Y/N kaute auf ihrer Lippe. Das klang schrecklich, vor allem mit dem Vorwissen wie sehr sich Hoseok damals auf seinen Seelenverwandten gefreut hatte.
"Naja, irgendwann hab ich bemerkt, dass ich nicht ihr Soulmate sein kann, sonst wären wir schon lange glücklich zusammen und ich würde an ihr kleben wie Uhu. Und ich hasse den Gedanken, dass sie jemanden anderes so sehen könnte unglaublich." Er hatte aufgehört zu zeichnen. Sein Blick war leer und seine Haut war weiß. Sie war sprachlos, er hatte ihr schließlich gerade sein ganzes Herz ausgeschüttet und was darin lag war mehr als traurig.
Y/N stand entschieden auf. "Wichtige Frage!", sie stützte ihre Fäuste in ihre Seiten und Hosoek sah überrascht auf. "Wann und wie hast du gemerkt, dass du sie magst?" Hoseok lies einen unbeeindruckten Lacher heraus. "Mögen ist eine große Untertreibung. Ich habe gemerkt, dass ich sie liebe in dem Moment, in dem sie in unser Klassenzimmer gelaufen ist und ihr Blick auf mich fiel."
Jemand aus unsere Klasse also. Sie spürte ein starkes Stechen in ihrer Brust. War das etwa eifersucht? Konnte nicht sein. Sie schüttelte sich kurz um wieder zu ihren Sinnen zu kommen. "Also im aller ersten Augenblick? Ihr habt euch nur angesehen?", wiederholte sie und er nickte stirnrunzelnd. "Ok was wäre wenn...", Y/N starrte entschlossen in seine Augen. "Wenn.. wenn dieser eine Blick in deine Augen einfach nicht gereicht hat?" Keine Reaktion.
"Vielleicht ist sie jemand, der mehr als einen Hinweis braucht bei solchen Sachen? Solche Gefühle fangen schließlich erst an, wenn man realisiert, dass man den Soulmate getroffen hat. Vielleicht hast du es einfach sehr viel schneller gemerkt?" Hoseok legte seinen Zeichenblock auf den Boden neben ihn und stand mit Schwung auf. Das ganze Gefasel über Seelenverwandte hatte sie ganz hibbelig gemacht und das Hoseok jetzt so nahe neben ihr war, war ihr nicht ganz wohl.
Sein Blick war entschlossen aber trotzdem auf eine gewisse Weise sanft. "Du könntest recht haben.", er ballte seine Fäuste. "Ja, ehrlich gesagt klingt das sogar ziemlich nach ihr. Was glaubst du, muss ich machen, damit sie es merkt?" Er trat einen Schritt nach vorne und sie stolperte automatisch ein wenig zurück. "Naja... habt ihr euch schon mal berührt?", Y/N hatte keine ahnung wie man jemaden dazu bringen konnte, sie hatte es selbst ja noch nie erlebt. Er schüttelte den Kopf. "Nein eigentlich weicht sie sogar immer eher aus." "Na, vielleicht ist es das?", Y/N lächelte aufmunternd und er erwiderte das lächeln selbstbewusst. "Findest du ich sollte es ausprobieren?" Sie nickte zögernd und sein lächeln verbreitete sich nur.
Und da war es schon geschehen. Y/N dachte immer, alles wäre wie in Zeitlupe doch von einer auf die andere Sekunde hatte Hoseok ihre Hand ergriffen und zog sie sanft näher an sich heran. Ihr Puls war auf einen Schlag auf 180, sie hörte auf zu atmen und ihr Herz klopfte in ihrem Kopf. Hoseok sah sie lächelnd an doch alles was sie hörte waren dumpfe Töne seiner beruhigenden Stimme. Ihre Knie sackten ein, doch er stützte sie mit einem Arm auf ihrem Rücken und presste sie enger an sich, um sie oben zu halten. "Ich glaub ich fall gleich um.", ihre Stimme zitterte und ihre Hände hatten sich in seine Jacke gekrallt.
Noch immer konnte sie nicht genau entziffern was er antwortete. Er starrte sie wortlos an, ein breites Lächeln auf dem Gesicht und Y/N fragte sich ob sie je etwas beruhigenderes als das gesehen hatte. Seine Anwesenheit machte sie unglaublich nervös und ihr Körper vibrierte wie Espenlaub und trotzdem beruhigte sein fester Halt und sein Lächeln, dass wie der Sonnenschein persönlich aussah, unglaublich. Er setzte sich, mit ihr immernoch an sich gepresst, vorsichtig auf die Matten, völlig unbeeidruckt von dem Fakt, dass er gerade seine lang erarbeitete Skizze kaputt machte. Er lies ihre Hand los und strich vorsichtig über ihre Wange, als würde er gerade etwas wertvolles aus Porzellan betrachten. "Waah, das fühlt sich noch besser an als gedacht." Y/N schluckte heftig. Ihr Hörsinn war zurück gekehrt und ihre wolkigen Augen löcherten Hoseok. Dies konnte er nur mit aller größter Mühe, indem er sich auf ihre weiche Wange konzentrierte, ignorieren. "Schaut euch diese Schönheit an.", wisperte er während seine Fingerspitzen sanft Y/N's Gesicht abtastete. Sie war nicht im Stande etwas intelligentes zu erwidern also stotterte sie vor sich hin. "Ha- Hast du nicht gesagt mein zukünftiger Seelenverwandter täte dir Leid?" Hoseok stoppte seine Bewegungen nicht, doch sein Blick erwiderte nun ihren. "Naja, du weißt ja jetzt, dass ich das alles gemacht hab um dich entweder a) zu vergessen oder b) auf zu wecken, dass wir für einander bestimmt sind." Sie lachte zwar leicht, doch sie runzelte trotzdem die Stirn. "Das is aber nicht die feine Art so was zu machen." Hoseok lächelte entschuldigend. "Mir würde er trotzdem Leid tun. Ich weiß nicht was ich machen würde, wenn du jemanden anderes als Seelenverwandten hättest." Hoseok lehnte sich leicht vor, sein warmer Atem immer näher an Y/N's Gesicht.
"Warte.", Y/N presste zwei Finger gegen Hoseoks leicht geöffnete Lippen und ein leichter Schauer fuhr ihren Rücken runter. Hoseok bewegte sich nicht und sah sie nur überrascht an. "Ich hab grad erst realisiert, dass du es bist. Allein das macht mich gerade schon unglaublich nervös und glücklich zugleich und wie nah du gerade bist, macht es nicht besser. Ich hab jetzt schon n Gehirn aus Pudding ich will wirklich nicht wissen war passiert wenn wir..." Sie brach ab, zu peinlich berührt um ihren Satz zu beenden. Hoseok nahm ihre Hand in sein eigene und übte leichten Druck gegen ihre Finger auf seinen Lippen aus. Er nahm sie weg von seinem und drückte sie dann sanft auf Zoe's Mund. Zoe's Gesicht wurde noch röter als es davor schon war und er lächelte, überglücklich über den Einfluss den er auf sie hatte. "L-lass uns langsam zurück gehen.", stotterte sie, immernoch überwältigt von den starken Gefühlen. "Och nöö." Hoseok umarmte sie fest und wog sie hin und her in einem rhytmischen Thempo.
"Hoseok!! Ich weiß, dass du schon daran gewöhnt bist aber ich fühle das alles hier erst so richtig seit zehn Minuten oder so. Ich piss mich gleich ein so nervös bin ich." Er lachte los. "Zehn Minuten? Wir sitzen hier schon seit ner halben Stunde." Er stützte sein Kinn auf ihrem Kopf ab. "Was meinst du eigentlich mit 'so richtig'?" "Naja." Y/N schluckte. "Ich fand dich immer schön und war irgendwie zu dir hingezogen, außer wenn du mich geärgert hast natürlich. Und irgendwie hab ich immer gemerkt wann du in meiner Nähe warst und wann nicht. Deshalb konnte ich auch immer so gut ausweichen. Und deine Stimme fand ich schon immer so friedlich und angenehm anzuhören." Er lachte und drückte sie noch fester an sich. "Aah, das fühlt sich so schön an. Man ich sitz hier echt und umarm das Mädchen, dass ich Jahre lang geliebt hab ohne, dass sie es gemerkt, und sie flüstert mir süße Sachen zu. Ich kanns gar nicht glauben. Denkst du, du würdest einschlafen, wenn ich dir was vorsingen würde?" Y/N nickte in Hoseok Jacke hinein, ihr Gesicht tief darin verborgen.
"Sollten wir nicht wieder zurück zu unserer Klasse?", fragte sie nach einer Weile in der die beiden einfach nur dumm lächelnd in einander verschlungen waren. Hoseok zuckte mit den Schultern. "Wir können auch zu mir oder zu dir und uns aufwärmen." Y/N lachte leicht. "Die anderen wundern sich doch bestimmt wo wir bleiben." Hoseok schüttelte den Kopf und stupste auf ihre Nase. "Nope, die sind alle eingeweiht. Die wissen genau wo wir sind und was ab geht, die haben sich bestimmt schon ne Entschuldigung überlegt." Y/N saß auf und sah ihn entgesteitert an. "Sie wissen es?! Woher? Seit wann?" "Also Stephanie weiß es schon die ganze Zeit. Sie hat mich sogar zur Rede gestellt, als sie gemerkt wie sehr ich dich immer anstarr." Er stoppte kurz und sah sie grinsend an, während sie ihr Gesicht in ihrem Schal versteckte. "Und Mino weiß es jetzt eindeutig auch, denn ich hab ihn gebeten Nummern mit mir zu tauschen um mit dir in die Gruppe zu kommen." "Das konnte ich mir fast denken.", Y/N grinste breit zurück. Wenn sie nun an all die Tage zurück dachte, war Hoseok schon immer ein wenig auffällig um sie herum gewesen.
"Tja, aber schau uns an. Jetzt wissen wir es und trotzdem sitz ich wie bestellt und nicht abgeholt.", er seufzte einmal überdramatisch und schloss missbilligend die Augen. "Ah, ich weiß schon was du meinst. Glaub ja nicht, dass du dir alles erlauben kannst, nur weil wir Seelenverwandte sind.", Hoseok schob die Augenbrauen zusammen. "Du tust so, als hätte das Wort nicht so eine große Bedeutung, dabei heißt es wortwörtlich Seelen und verwandte. Nenn mir ein Wort, dass mehr Bedeutung hat." Zoe enschlingte sich aus seiner festen Umarmung und stand mit einem Ruck auf. "Karma.", sie grinste ihn frech an, schnappte sich in windeseile alle ihre Utensilien und sprintete los. Nach nur wenig Sekunden hörte sie Schritte und lautes Schnauben hinter sich. Vergnügt quiekte sie auf und beschleunigte ihr rennen noch mehr.
Bei der Klasse angekommen waren beide komplett außer Atem und konnten gerade noch ihre Zeichensachen vor ihren Körpern halten. Ein Rennen durch die halbe Stadt brauchte nunmal Kraft. "Da seid ihr ja!", erleichtert klatschte ihr Kunstlehrer seine Hände zusammen und nahm ihnen alles ab, um es zu verstauen. Stephanie warf Y/N einen bedeutungsschwangeren Blick zu und sie nickte nur bestätigend. Stephanie grinste breit und hob beide Daumen in die Luft. Diese waren natürlich nicht an Y/N gerichtet, sondern an Hoseok, der sich kurz dankend verbeugte und übers ganze Gesicht strahlte.
-Frühling-
Das zweite Schuljahr hatte angefangen und Hoseoks und Y/N's Beziehung hatte sich seit dem Tag drastisch verändert. Sie waren wie beste Freunde. Immer, wenn einer der beiden etwas auf dem Herzen hatte, richteten sie sich zueinander und mit ein paar warmen Schulterklopfen und Zumutsprechungen ging es ihnen gleich viel besser. Auch wegen total kleinen, unnötigen Sachen trafen sie sich oder telefonierten, genau so wie an einem späten Nachmittag im April.
"Hoseok!!", meldete sie sich aufgeregt. "Ja, Maus?" Ihr Brauch kribbelte angenehm. Dieser Kosename rutschte ihm öfter ausversehen raus. Manchmal bemerkte er es gar nicht, doch wenn schon, dann veränderte sich seine Gesichtsfarbe in ein delikates Pink und sie schmelzte fast dahin. "Was ist dein Lieblingskäse?" Hoseok überlegte angestrengt. "Hmm... Gute Frage. Tilsitter?" "Gott sei Dank..."
Er lachte lautlos auf. "Was hat diese Antwort denn jetzt bedeutet?" "Na, man muss sich nur vorstellen du hättest irgendwie... Butterkäse zum Beispiel gesagt. Ich wüsste ehrlich nicht wie ich damit umgehen hätte sollen. Ich meine... das ist der größte 0815-Käse. Da fehlt doch total der Charakter.", die Worte sprudelten nur so aus Y/N heraus. Wenn es ein anderer gewesen wäre, hätte er jetzt über sie gelacht, sie als verrückt abgestempelt. Gesagt, dass die Lieblingskäsesorte rein gar nichts mit dem Charakter der jeweiligen Person zu tun hatte. Doch es war Hoseok, und der lächelte, die Hände in den Hosentaschen und den Blick auf den Rot-goldenen Himmel gerichtet und gab Y/N vollkommen recht.
"Glaubst du Würmern macht Sex Spaß?" "Ich glaub hier muss ich dich stoppen.", er lachte laut und drückte auf den Auflegschalter. Wenn man solche Gespräche mit ihr zu lange andauern lies, gingen sie meistens in eine falsche Richtung. Er betrachtete noch einmal die langsam untergehende Sonne und machte sich auf den Weg zu Y/N's Haus und holte sie ab.
"Woah, ich hab den Winter über vergessen wie wunderschön der Frühling eigentlich ist." Zustimmend nickte Hoseok. Sie standen an einem kleinen Hügel in der Nähe der Stadt und schauten über die mit Abendlicht beleuchteten Häuser und Felder in der Ferne. Hoseok's Blick strich weg von der Stadt und auf das strahlende Mädchen. Sie kuschelte sich in ihren Kapuzenpulli und zog die Kapuze über den Kopf. Sie stopfte ihre Haare in die Kapuze, zog fest an den Schnüren und band eine Schleife. Hoseok betätschelte ihren Kopf. "Dir ist aber aucht echt komplett egal wie du aussiehst, huh?" Y/N sah ihn überrascht an und machte eine Pose im Sinne von 'Was, gefällts dir etwa nicht?' Hoseok schaltete sofort und tat, als würde er Fotos von ihr schießen. "Yes, Girl, gib mir Arsch, gib mir Titten, Rock das Ding."
Lachend kam sie auf ihn zu und boxte ihn saft auf den Arm. "Natürlich juckt mich das.", sie steckte ihre Hände in die Taschen ihres Pullis. "Nur bei dir ist es mir egal." Hoseok schloss einen Arm um ihre Schulter und gluckste. "Soll ich das jetzt positiv oder negativ aufnehmen?" Y/N legte ihren Kopf auf seine Schulter. "Tja, bei dir fühl mich halt wohl. Das gehört halt zum Seelenverwandt sein dazu." Hoseok blieb still und drückte sie enger an sich. "Komplett wohl fühlst du dich ja scheinbar doch noch nicht bei mir.", wisperte er belegt. Natürlich wusste sie wovon er redete.
Sie wich dem Thema schon seit einer Weile aus. Bis jetzt war ihre Beziehung rein freundschaftlich gewesen. Außer Umarmungen und schnelle Wangenküsse war nie etwas zwischen ihnen passiert. Y/N kaute auf ihrer Unterlippe. Natürlich wollte sie ihm auch näher kommen, doch sie fand einfach nie den richtigen Zeitpunkt und wenn er dann mal da war, war sie einfach viel zu nervös den Schritt wirklich zu wagen. "Weißt du es gibt ja auch...", sie suchte nach richtigen Worten. "...platonische Seelenverwandte."
In sekundenschnelle hatte Hoseok einen zweiten Arm um sie gelegt und stand jetzt vor ihr. Er fegte ihre Kapuze vom Kopf und inspizierte ihr Gesicht. Zoe wurde unter seinem intensiven Blick heiß und sie wusste, dass sie etwas falsches gesagt hatte. "Platonisch, ehrlich?", Y/N konnte seinem Blick nicht standhalten und wich nervös aus. "Ich meine-" "Fühlst du ausschließlich platonische Gefühle mich? Sei bitte ehrlich, ist mir wichtig."
Sie spürte seinen warmen Atmen auf ihrer Haut, roch seinen betäubend angenehmen Geruch und war sich sicher – Nein. Was sie fühlte war nicht platonisch. Doch das war ihr schon immer bewusst gewesen. Also schluckte sie und schüttelte schüchtern den Kopf. Hoseok nickte zustimmend. "Dachte ich mir doch fast.", murmelte er und lehnte sich wieder zurück, doch sie griff wie automatisch nach ihm und zog ihn zurück zu sich. Überrascht sah er sie an, doch seine Hände glitten ihren Körper herunter und legten sich bequem um ihre Hüfte. "Du musst das nicht tun um mir etwas zu beweisen, weißt du." Y/N schüttelte den Kopf, und flüsterte ihm ins Ohr. "Nein... ich mach das, weil ich es will."
Ihr Herzschlag dröhnte in ihren Ohren und ihr Gesicht glühte. Auch Hoseok hielt den Atem kurz an und verstärkte seinen Halt. Sie wendete ihr Gesicht vor seins und sah ihn, ja fast schon verlangend an. Und wer konnte es Hoseok es schon verübeln, dass er diesem Blick – diesem Mädchen, seinem Mädchen, einfach nicht widerstehen konnte. Schon seit mehreren Jahren nun hatte er täglich mindestens einmal das Verlangen Y/N zu sich zu drücken und die Seele aus ihrem Leib zu küssen.
Mit dem Herz in den Ohren und ersticktem Atem näherten sich ihre Gesichte langsam, viel zu langsam für Hoseoks Geschmack und trotzdem ließ er es zu. Vorsichtig strichen ihre Lippen übereinander, Augen halb geschlossen, Blicke noch in einander verhakt. Seine Zunge strich sanft über ihre Unterlippe und schüchtern öffnete sie ihren Mund leicht, ihr Körper schüttelte sich genüßlich als ihre Lippen aufeinander trafen. Sie legte ihren Kopf leicht zur Seite und vertiefte den Kuss nachdrucksvoll, was er sofort erwiderte. Alles an ihr schien zu kribbeln, ihre Augen nun geschlossen, das Gefühl so atemberaubend, dass sie ihr etwas schwindelig wurde. Ihre Finger krallten sich leicht in seine Schultern, seine Lippen so weich und sanft gegen ihren eigenen. Hoseok schien es sehr ähnlich zu gehen, denn immer, wenn er sich kurz von ihr löste schnappte er zittrig nach Luft, nur um ihre Lippen fast etwas zu schwungvoll wieder zu vereinen. So standen sie noch Ewigkeiten auf dem Hügel, Hoseok nie zu gierig oder überstürzt und trotzdem mit Leidenschaft, die sie natürlich erwiderte, bei der Sache, dass ihre Sinne vor schönen Gefühlen langsam taub wurden. Widerwillig lösten sie sich voneinander und sahen sich schwer atmend an. Hoseok strich mit seinem Daumen sanft über Y/N's pinker, nun angeschwollener Unterlippe. "Wenn du ein Hund wärst, was wäre deine bevorzugte Rasse?", hauchte sie unter ungleichmäßigem Atem. Aus Hoseok's vorher ernstem, fast schon wildem Blick wurde nun ein liebevoller. Er lächelte sie seelig an. "Ein Wachtelhund." Y/N war den Tränen nahe. "Das sagst du nur, weil du mein Seelenverwandter bist und das zufällig meine aller liebste Hunderasse ist.", kicherte sie und Hoseok nickte. Egal was er sagte, es würde passen. Sie waren schließlich richtige, echte, total nicht platonische Seelenverwandte.
