Chapter Text
Im Lehrerzimmer herrschte wie so oft ein heilloses Durcheinander. Diesmal lag es aber nicht an Peeves, sondern an Professor Flitwick, der bei dem Versuch acht dicke Bücher auf einmal zu tragen, direkt in Professor McGonagalls Schreibtisch gestolpert war. Diese lies nun seufzend einen Aufräumzauber wirken, während Flitwick sich entschuldigte.
Die anderen Lehrer bereiteten sich gerade auf die erste Stunde vor. Nur Lupin saß gelangweilt an seinem Pult, den Kiefer auf die Hand gestützt und versuchte seine Augenlieder davon abzuhalten, zuzufallen. Gestern hatte er allen möglichen Papierkram erledigt, der aufgrund seiner neuen Stelle entstanden war. Entschlossen, am gestrigen Abend alles zu erledigen, war er bis fünf Uhr morgens wach gewesen. Nun versuchte er irgendetwas Interessantes um ihn herum zu finden, dass ihn wacher machen würde. Doch es war nur das übliche morgendliche Lehrergeplänkel. Professor McGonagall appellierte gerade an ihre Kollegen ihr bei einem Problem mit einer Schülerin zu helfen.
„Von wem genau reden wir hier?“, fragte Madam Hooch. „Adrianna Lennox“, antwortete Professor Sprout mit einem Seufzen. Lupin erkannte den Namen der Schülerin nicht, aber es war ja auch erst der dritte Tag des neuen Schuljahres. Lupin beschloss, sich einen Kaffee zu machen. „Es ist ja auch nicht so, dass sie schlechte Noten hätte“, tönte es gerade von McGonagall. „Im Gegenteil, sie ist brillant. Aber ich fürchte das eben diese Tatsache ihr zu Kopf gestiegen ist und sie denkt, sie könnte machen was sie will.“ Lupin begann dem Gespräch über die gute Schülerin, die sich nicht richtig benahm, zu lauschen. „Es ist nicht nur die Art, wie sie ihre Schuluniform trägt. Im Unterricht meldet sie sich grundsätzlich nie. Aber wenn man sie aufruft, dann weiß sie die Antwort immer.“ Die anderen Lehrer nickten zustimmend. Sie schienen die gleichen Erfahrungen gemacht zu haben. „Ich dachte, dass sie über die Ferien vielleicht ein wenig erwachsener werden würde, aber stattdessen scheint sich ihre Haltung nur noch verschlimmert zu haben.“ „Nun, erwachsen ist bei ihr so eine Sache“, meinte Professor Sprout. „Ich weiß, was du meinst, Pomona.“ Lupin wusste es nicht. Aber er sollte es noch herausfinden. McGonagall kam nun endlich zum Punkt. „Der Grund warum ich Ihnen das erzähle ist, dass ich hoffe, dass einer von Ihnen sie zur Vernunft bringen kann. Mich stempelt sie nur als alte Dame ab, die niemals Verständnis für ihre… ähm… Phase haben könnte.“ „Sie ist doch eine Ravenclaw, oder?“, fragte Professor Vector. „Damit ist Filius jawohl zuständig.“ McGonagall runzelte halb amüsiert, halb verzweifelt die Stirn. „Filius? Sie ist fast drei Mal so groß wie er, vor allem mit diesen Absätzen. Und können Sie sich vorstellen, wie er dem Mädchen klarzumachen versucht, dass ihr Verhalten unangebracht ist? Da prallen Welten aufeinander.“ Zum Glück war Professor Flitwick gerade nicht in Hörweite, dachte Lupin. Gleichzeitig musste er Professor McGonagall jedoch zustimmen. „Ich dachte, es wäre besser, wenn jemand Jüngeres mit ihr reden würde.“ „Na, dann sind die Vertrauensschüler doch am besten dafür geeinigt“, wandte Madam Hooch ein. „Ich habe bereits mit ihnen geredet, aber man hat sehr stark gemerkt, dass sie bei ihren Mitschülern sehr unbeliebt ist“, erwiderte Professor McGonagall. „Sie waren sich außerdem sicher, dass Adrianna ihre Hilfe niemals annehmen würde. Sie traut niemandem, sagten sie. Man müsste wohl etwas subtiler an die Sache herangehen.“ „Also schön“, meinte Madam Hooch. „Ich mach‘s. Ich war auch mal ein kleiner Rebell.“ Das konnte sich Lupin gut vorstellen, obwohl er sie erst seit kurzem kannte. Weniger gut vorstellen konnte er sich, dass sie subtil vorgehen würde. Madam Hooch war ein sehr direkter und ungeduldiger Mensch. Lupin war sich jedoch sicher, dass er mit der ganzen Sache nichts zu tun haben wollte, also machte er sich auf den Weg zu seinem Klassenzimmer. Gleich würde er seine erste Stunde mit Harry haben. Er war ziemlich nervös.
