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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationships:
Characters:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2019-03-13
Completed:
2019-04-04
Words:
14,260
Chapters:
10/10
Kudos:
1
Hits:
114

Every Now and Then - Teil 2 (GERMAN)

Chapter 1: Das Kribbeln

Chapter Text

Kapitel 1: Das Kribbeln

Ich erinnere mich. Wir saßen an einem dieser dunklen Holztische, mit den Lampen darauf. Du saßt nicht einige Stühle entfernt von mir, wie sonst, an einem anderen Tisch, sondern mit mir und mir gegenüber. Ich weiß nicht, wann du damit angefangen hattest, aber es machte mir nichts aus. Ganz und gar nicht. Ich mochte es, wenn du bei mir warst, und ich hatte es schon immer komisch gefunden, dass du so viel Abstand zu mir hieltest. Während den letzten paar Tagen war mir klargeworden, dass ich deine Nähe sogar brauchte. Es war nicht, dass ich sie zum Überleben brauchte, wie die Luft zum Atmen, aber manchmal fühlte es sich ein bisschen so an. Du warst in deinem Stuhl zurückgelehnt und wirktest entspannt und ruhig sogar. Deine Augen lagen auf mir, wie sie das immer zu tun schienen, abgesehen von den Momenten, in denen sie geschlossen waren. Meine waren auf ein Buch über Vampire gerichtet. Gott, ich liebe Vampire. Ich weiß nicht was es ist, aber irgendetwas an ihnen fasziniert mich. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen besessen von ihnen und davon sie zu jagen. In mir fängt es immer zu kribbeln an, wie wenn man eine sehr kalte oder sehr heiße Dusche nimmt und das Wasser einen zum ersten Mal trifft, oder wenn die Temperatur von heiß zu extrem kalt wechselt, innerhalb einer Sekunde, wie wenn ein Geist erscheint. Oder wie wenn man in einem Aufzug ist und er anfängt nach unten zu fahren. Es ist ein nervöses, unruhiges, erregendes Kribbeln, dass sich irgendwie fantastisch anfühlt und befriedigend auf eine eigenartige Art und Weise, jedes Mal, wenn ich einen ihrer Köpfe abschlagen kann. Zuerst kommt es langsam, aber dann ganz plötzlich.

Meine Augen glitten über die Seiten glorreicher Information, aber hin und wieder konnte ich mir nicht helfen und wurde abgelenkt von dem plötzlichen Drang nachzusehen, ob du immer noch da warst, und zu lächeln, wenn ich feststellte, dass du es warst. Ich kann es nicht in Worte fassen, aber ich konnte es fühlen. In allem, der Luft um uns herum, den Tischen, an denen wir saßen, dem Scotch, den wir jede einzelne Nacht zusammen tranken, und in deinen Augen. Es war da, aber ich konnte es noch nicht wirklich greifen, denn ich verstand es nicht so richtig. Aber alles, das wir taten, und alles, das wir sagten, und alles, das wir fühlten sogar, schien sich verwandelt zu haben, verändert, in etwas neues. Ich brauchte keine weiteren Beweise, um zu wissen, dass es real war. Als Jäger kann ich es mir nicht leisten nicht aufgeschlossen zu sein, wie wenn wir es mit etwas zu tun hatten, mit dem wir es bisher noch nie zu tun gehabt hatten; nur weil ich es zuvor noch nie gesehen hab, heißt nicht, dass es nicht existiert. Und ebenso wenig musste ich Liebe zuvor schon einmal erlebt haben, um zu wissen was es ist und wie es sich anfühlt.

Mein Handy klingelte und schreckte mich aus wo immer ich gewesen war. Meine Aufmerksamkeit war auf dem Telefon und dem Anruf, der reinkam, Für einen Augenblick starrte ich es nur an, unsicher ob ich ihn annehmen oder ignorieren sollte, aber dann entschied ich mich ranzugehen. Die Stimme am Telefon war die von Rick, einer meiner Jägerfreunde. Ich kannte ihn seit mehreren Jahren, immer mal wieder arbeiteten wir zusammen an einem Fall und irgendwo im Laufe der Zeit, trotz seiner eigenwilligen und einsamer-Wolf-mäßigen Natur, war er ein guter Freund geworden. Er war gerade dabei mir von einem Job zu erzählen, bei dem Fangzähne eine Rolle spielten, als ich meine Augen zurück zu dir bewegte und ein sich ausbreitendes Lächeln in meinem Gesicht nicht verhindern konnte. Zugegeben, es war nicht wirklich an dich und dein eigenes gerichtet, sondern an das, was Rick gerade sagte. Ich legte auf und da war es. Das Kribbeln in meinem Inneren, aufsteigend von ganz tief unten, leise aber gehört, und es machte mich nervös mit Aufregung. Wie ein Buschfeuer, das alles niederbrannte und alles vernichtete, an das ich jemals gedacht habe, sodass ich nun nur noch an Vampire denken konnte.

„Was ist los?“, fragtest du.

„Wir haben einen Fall“, verkündete ich so fröhlich, es war beinahe, als würde ich über etwas schönes sprechen, aber wirklich, für mich war es das tatsächlich.

„Das war Rick“, sagte ich nach einer kurzen Pause und es war mir egal, dass du ihn nicht kanntest, „er hat mir schon vor ein paar Tagen von einem Vampirnest draußen in Wisconsin erzählt. Wir sind drin.“

Ich klappte das Buch zu und rannte fast aus dem Zimmer, zu Sammy, denn ich musste ihm einfach davon erzählen. In diesem Moment interessierte es mich nicht wirklich, dass ich dich in dem Raum allein zurückließ, andererseits warst du kein Kind, auf das ich aufpassen musste. Du warst ein erwachsener Mann, der für eine Minute alleine zurechtkommen konnte, und ich war viel zu glücklich und aufgeregt, dass ich die Möglichkeit bekam die Köpfe von ein paar Vampiren abzuschlagen, um innezuhalten und sicherzustellen, dass das für alle okay war. Vielleicht ein bisschen egoistisch, aber das war nicht meine Absicht.

Ich war so blind. Hätte ich nur für den Bruchteil einer Sekunde angehalten und dich angesehen, wirklich angesehen, hätte ich vielleicht erkannt, dass etwas mit dir nicht stimmte. Ich hätte die Zweifel und die Angst und das Unbehagen in deinem Gesicht und deinen Augen gesehen und hätte verstanden, dass du nicht so vorfreudig warst wie ich es war, dass irgendeine Idee oder ein übler Gedanke sich in deinem Engelkopf entwickelte. Ich hätte verhindern können, dass es später merkwürdig zwischen uns werden würde. Aber wie gesagt, ich war blind.