Work Text:
Fort und Fort
Die Straße gleitet fort und fort
Fort von der Tür wo sie begann
zur Ferne hin, zum fremden Ort
Ihr folge denn wer wandern kann...
Bilbo summte leise vor sich hin. Seine Reisegefährten hatten sich vor wenigen Tagen verabschiedet und nun war er ganz allein. Er genoss die Ruhe. Auf diesen Augenblick hatte er seit Monaten gewartet. Es war angenehm gewesen wieder mit Zwergen zu reisen. Und er freute sich darauf wieder Elben zu sehen.
Aber je weiter die Vorbereitungen zu seinem Geburtstag geschritten waren, je mehr die Hetze und der Trubel in Beutels End Einzug gehalten hatten, desto mehr hatte er sich danach gesehnt allein zu sein.
Allein mit der Straße.
Er fühlte sich endlich frei. Schon flogen ihm die Lieder zu, denen in den letzten Wochen selbst das weitläufige Beutels End zu eng gewesen war. Die ihn draußen vor dem Fenster neckten, während er Briefe schrieb und Kisten packte.
Die Straße gleitet fort und fort
Und ist sie dir auch gut bekannt
Schlüpft sie mit jedem neuen Schritt
Doch in ein anderes Gewand.
Denn zuhause bleibt man blind
Weil sich dort nichts rührt noch regt.
Ist dein Auge noch so scharf
Es öffnet sich nur auf dem Weg.
Ein wenig regte sich sein Gewissen, beim Gedanken alle so plötzlich verlassen zu haben.
Vor allem Frodo.
Aber ein langer Abschied hätte ihm ebenso wenig gefallen wie seinem Vetter. Am Ende hätte er Frodo noch mit etlichen Anweisungen belastet, wie er den Haushalt zu führen hätte der jetzt doch seiner war und Frodo hätte ihn mit Fragen über die Reise bestürmt auf die Bilbo selbst keine Antwort hatte.
Nein, so war es am Besten.
So konnten sie beide frisch beginnen. Ohne Sorgen über das Leben das sie zurück ließen.
Die Straße gleitet fort und fort
Gönnt mir kaum die Zeit zur Rast
Fort von Vielem, das mir lieb
Doch fort auch von so mancher Last.
Starren Dreck und dicken Staub
Wasch ich ab in ihrem Lauf
War der erste Schritt auch schwer
Stürm' ich nun erquickt bergauf
Er war wirklich erfrischt, wie nach einem kühlen Bad. Diese Frische war auch nötig, denn in Bruchtal würde der Trubel wohl erneut beginnen, denn in all ihrem uralten Wissen, waren Elben doch nicht an Hobbits gewöhnt.
Trotzdem schien ihm Elronds Haus nun einladender als sein Eigenes. Nein... nicht mehr sein Eigenes. Sollte er je nach Beutels End zurückkehren, würde er dort genauso zu Gast sein wie bei Elrond Halbelb.
Und auf diese Rückkehr hoffte er nicht. Die Unruhe, die ihn seit seinem Abenteuer ergriffen hatte und wohl nie mehr würde abschütteln können, sollte sich nicht im ganzen Auenland verbreiten. Er gehörte dort nicht mehr hin. Hatte es eigentlich seit Jahren schon nicht mehr.
Die Zeit und die Straße, beide mussten sie fortgleiten. Was auch immer sie in den letzten Jahren aufgehalten hatte – er war froh, dass nun endlich wieder alles seine Richtigkeit hatte:
In Beutels End lebte wieder ein junger Beutlin.
Bloß hoffte er, dass er ihm mit seinen Besitz nicht allzu viel Unruhe vererbt hatte.
Die Straße gleitet fort und fort
Fort von der Tür, die nicht mehr mein
Fort vom „Einst“ dem Morgen zu
Fort von der Lampe mildem Schein
Einem Ander'n leuchtet sie
Nun den Weg zum warmen Herd.
Finde er dem Frieden dort,
der für mich nicht wiederkehrt.
