Chapter Text
Holding back the flood in this skyscraper town.
You gave all that sweat and blood.
Now you think you’re gonna drown.
You can’t tell that you’re bigger
than the sea that you’re sinking in.
And you don’t know what you got,
but you got it at your fingertips.
You got it in you.
When the lights go out and leave you standing in the dark.
No one ever told you this would be so hard.
I know you think your fire is burning out,
but I still see you shining through.
You got it in you.
(GOT IT IN YOU - BANNERS)
To the secret hero himself - R.A.B.
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„Uh, nun wen haben wir denn da? Noch einen Black? Normalerweise wäre das eine leichte Entscheidung, doch nachdem dein Bruder Sirius letztes Jahr sämtliche Regeln gebrochen hat…“, beginnt der sprechende Hut und ich kneife die Augen fest zu.
„Oh bitte, schick mich einfach nach Slytherin.“, flehe ich stumm. Es wäre ein Desaster, wenn sie mich, Regulus Arcturus Black, in ein anderes Haus als Slytherin stecken würden. Meine Familie würde ausrasten. Besonders Mutter.
✧✦✧
Zu gut erinnere ich mich an den Tag, als mein Bruder vor einigen Monaten aus Hogwarts zurückgekehrt ist. Schon am Anfang des Schuljahres waren unsere Eltern außer sich darüber, dass mein Bruder die Frechheit besaß nach Gryffindor zu gehen. Das Haus der Blutsverräter.
Weihnachten hatte er in Hogwarts verbracht und so war es der erste Tag der Sommerferien, an dem wir uns nach dem langen ersten Schuljahr wieder sahen.
Mutter und Vater waren an dem Tag nicht zuhause und so durfte ich Sirius allein vom Gleis abholen. Der Weg bis zum Bahnhof war nicht weit. Zu Fuß musste man nur etwa 20 Minuten durch die stets überfüllten Straßen Londons laufen, bis man am Bahnhof King’s Cross ankam. Die Stadt war ständig in Bewegung und es schien immer ein Hauch von Nebel und Rauch in der Luft zu liegen. Das war so wegen der Muggel, hatten mir meine Eltern erklärt, wegen all der Maschinen, die sie erfunden hatten.
Manchmal wünschte ich, wir würden auf dem Land leben. In einem kleinen Haus mit Garten in dem ein großer Baum stehen würde, unter dem man an sonnigen Tagen in Ruhe lesen konnte. Nachts würden Sirius und ich vermutlich stundenlang draußen sein und den Himmel nach Sternschnuppen absuchen.
All das war in London nicht möglich. Die Lichter der Stadt, die aus all den Muggelhäusern drangen, stahlen den Sternen die Show.
Ich weiß noch, wie ich am Gleis 9 3/4 auf einer Bank saß und begann in einem Buch zu lesen, weil ich viel zu früh dran war.
Durch die vielen Menschen bemerkte ich meinen Bruder erst, als er mit einem strahlenden Grinsen vor mir auftauchte. In unseren jungen Jahren war es oft nur unsere Größe, an der man uns unterscheiden konnte. Sirius hatte genau wie ich sturmgraue Augen und lockige beinahe schwarze Haare, die ihm etwa bis zum Kinn reichten, während ich meine meist etwas kürzer trug. Er war genauso schmal und schlank wie ich, doch während ich meist etwas dürr wirkte, stand ihm diese schlaksige Statur irgendwie. Es gab nur einen riesigen Unterschied, der jetzt besonders ins Auge stieß. Der gold-rote Gryffindorschal um seinen Hals. Es wirkte merkwürdig fremd, ihn mit so leuchtenden Farben zu sehen, doch es hielt mich nicht davon ab aufzustehen und meinen Bruder fest zu umarmen.
„Hast du mich etwa so sehr vermisst, Reg?“, fragte Sirius mich lachend, während er die Umarmung brüderlich erwiderte, doch ich hörte an seiner Stimme, dass es ihm ähnlich ging.
Den ganzen Weg über bis nach Hause erzählte mir Sirius von seinen neuen Freunden und von Hogwarts. Was sie alles erlebt und all die Streiche, die sie gespielt hatten. Von James Potter, seinem neuen besten Freund, der es auf Anhieb geschafft hatte Gryffindors Sucher zu werden. Von Remus Lupin, der unglaublich nett war, aber ein Geheimnis zu haben schien, dem sie sicher bald auf die Schliche kommen würden und von Peter Pettigrew, einem kleinen dicklichen Jungen, der irgendwie dazu gehörte.
Mit funkelnden Augen hörte ich ihm zu. In nur zwei Monaten würde ich das erste Mal selbst durch die Tore von Hogwarts treten und vor lauter Aufregung vergaß ich, ihm zu erzählen, was dieses Jahr alles passiert war. Wie oft unsere Eltern Besuch von finster dreinblickenden Personen bekamen oder selbst zu Besuch im Malfoy Manor, dem Wohnsitz der Familie Malfoy in Wiltshire waren. Es waren Todesser, das wusste ich. Sie trafen sich in der Stadt unweit von Bristol um Absprachen zu machen oder sich über Neuigkeiten zu informieren. Unsere Eltern waren ihre Unterstützer, auch wenn sie selbst kein Dunkles Mal trugen und dem dunklen Lord nie offiziell die Treue geschworen hatten. Sie stimmten den Grundsätzen der Todesser zu und auch, wenn sie es bisher nie ausgesprochen hatten, so würden sie es begrüßen, wenn wir uns ihnen eines Tages anschließen würden.
Wir verbrachten den Tag im Zimmer von Sirius, aßen Schokofrösche und redeten über die Schule.
Es schien sich nichts verändert zu haben.. und doch war alles anders… Das sollte ich wenige Stunden später am eigenen Leib erfahren.
Meine Eltern kamen erst zum Abendessen nach Hause. Ich hatte mich bereits umgezogen und stand nun vor dem Spiegel, um den letzten Knopf meines schwarzen Hemdes zu schließen und ja nicht versehentlich einen auszulassen.
Es war nur ein normales Abendessen, doch wir hatten gelernt stets noble und ganz im Sinne des Familiennamens, schwarze Kleidung zu tragen.
Ich hatte das Ganze nie hinterfragt und es einfach so akzeptiert.
Das schwarze Hemd stand mir recht gut, auch wenn es mich etwas blass und noch dünner wirken lies. In meinem Zimmer mit der silbrigen Tapete und den Möbeln aus Ebenholz fiel ich so beinahe nicht auf. Alles in diesem Haus war alt, aber auch kostbar. Das Bett hatte feine in das Holz eingearbeitete Schnörkel und schwere dunkelgrüne Vorhänge versperrten die Sicht nach draußen auf das Nachbarhaus, von wo man uns dank der Schutzzauber eh nicht hätte sehen können. Ich mochte dieses Zimmer nie. Nur ein kleines Bücherregal über meinem Bett war mir wirklich wichtig. In diese Bücher konnte ich immer entfliehen, wenn Mutter schlecht gelaunt war oder lautstark mit Sirius zu streiten begonnen hatte.
Wie sehr wünschte ich mir, auch an diesem Abend einfach auf dem Bett sitzen bleiben zu dürfen und mich hinter den Seiten eines dicken Buches verstecken zu können.
Seit Sirius im vergangenen September dem Hause Gryffindor zugeteilt wurde, war die Stimmung im Haus noch um so einiges angespannter geworden. Ich wollte mir nicht einmal vorstellen, wie es nun sein würde, da er wieder hier war. Er war stolz auf die Entscheidung des sprechenden Hutes. Schon vorher war es sein Ziel gewesen mit den Traditionen unserer Familie zu brechen. Koste es, was es wolle.
Es würde ihn vermutlich eines Tages den Kopf kosten, weil Mutter aus Wut ein Messer nach ihm warf. Aber bei meinem Glück, würde es mich treffen, den Sohn, der schon immer versucht hatte seinen Eltern alles Recht zu machen, um nur ja keinen Ärger zu provozieren.
Mit einem leisen Seufzen strich ich das Hemd glatt, bevor ich in den Flur trat.
In der oberen Etage des Grimmauld Place gab es nur zwei Zimmer und ein kleines Bad. Das von meinem Bruder lag direkt gegenüber von meinem und war erheblich größer. Er war der Erstgeborene, damit hatten sie an ihn noch mehr Erwartungen und weil er in ihren Augen wertvoller war, hatte er auch das größere Zimmer. Oder zumindest war es so, bis er letzten Sommer sämtliche Erwartungen zunichte gemacht hatte.
Leise klopfte ich. „Bist du fertig?“, fragte ich.
Nur Sekunden später öffnete sich die Tür. „Jap“, kam es gelassen von meinem Bruder, doch ich blieb in der Tür stehen und betrachtete ihn skeptisch.
Er trug zerrissene, ausgeblichene Jeans und ein Shirt mit dem Logo einer Muggelband, die ich nicht kannte. Absolute Muggelkleidung.
„Ehm… könntest du dich bitte umziehen? Mutter wird das sicher nicht gefallen..“, begann ich vorsichtig.
Unsicher sah ich zu meinem Bruder hoch und ich sah das sonst so präsente Grinsen auf seinen Lippen kurz verrutschen. Einen Moment hatte ich Hoffnung, er würde es tatsächlich tun, doch dann wurde sein Grinsen plötzlich noch breiter.
„Stimmt, du hast Recht, da fehlt noch was!“, sagte er und schlang grinsend den Gryffindorschal von vorhin um seinen Hals.
Es würde Ärger geben. Gewaltigen Ärger. Ich seufzte leise und ging mit hängendem Kopf die Treppe hinunter bis in die Küche im Untergeschoss. Das Gewölbe aus rauen Steinwänden gefiel mir noch nie. Selbst im Sommer wurde es in dem düsteren fensterlosen Raum nie wirklich warm. Das einzige Licht stammte von einem Kamin am anderen Ende des Raumes und da mein Vater immer Pfeife rauchte, hingen dicke Rauchschwaden unter der Decke. Allein bei dem Geruch drehte sich mir der Magen um.
Nur kurz begrüßte ich meine Mutter, bevor ich mich neben meinen Vater an den Esstisch setzte, den Kreacher, unser Hauself, bereits gedeckt hatte. Aus Gewohnheit setzte ich mich absolut gerade hin. Ich wusste, dem strengen Blick meiner Mutter würde nichts entgehen. Sie hatte ihre langen lockigen Haare stets zurückgebunden und trug auch an gewöhnlichen Tagen fürnehme Kleider. Eine Gestalt vor der man sich fürchten konnte. „Wo ist dein Bruder?“, zischte sie und erhob ausnahmsweise dabei nur leicht die Stimme. Es gab Tage, an denen ich mir nicht sicher war, ob sie je aufhören würde zu schreien.
„Er wird sicher gleich da sein, Walburga“, murmelte mein Vater hinter seiner Zeitung, gerade als ich zu einer Antwort ansetzen wollte. Im Vergleich zu Mutter war Vater meist recht ruhig. Nur wenn er zu viel geraucht oder getrunken hatte, konnte er regelrecht aus der Haut fahren und dann war man froh, wenn man ihm nicht in die Quere kam. Mit seinen dunklen längeren Haaren und den beinahe schwarzen Augen, war Orion Black definitiv nicht hässlich. Sicher wäre er in jüngeren Jahren bei den Mädchen sehr beliebt gewesen, doch eine Heirat aus Liebe stand für ihn nie zur Frage. Er hatte seine eigene Cousine heiraten müssen, um die Reinheit seines Blutes zu bewahren. Ganz so, wie es in den altehrwürdigen Familien Tradition war.
Ich blickte auf als mein Bruder, scheinbar gelassen, die Treppe runter kam. Für jeden, der ihn kannte war es offensichtlich, dass er nervös war. Nur würde er es nie zugeben.
Im selben Moment erblickte auch unsere Mutter ihren Sohn und stieß beim Anblick seiner Kleidung einen spitzen Schrei aus, als hätte sie einen Geist gesehen. Kreacher ließ deswegen vor Schreck ein Glas fallen, welches klirrend auf dem Boden zersprang. Mein Vater schlug mit seiner Faust auf den Tisch, während er schwungvoll aufstand und Sirius wutschnaubend betrachtete, der völlig erstarrt auf dem letzten Absatz der Treppe stand, seit Mutter zu Schreien begonnen hatte.
Der Schrei endete nach einer schrecklich langen Zeit und eine lastende Stille legte sich über den Grimmauld Place Nummer 12. Eine Stille, die nur von meinem leisen Wimmern durchbrochen wurde, als ich mit riesigen Augen zu meiner Hand sah.
Sie lag dummerweise genau dort, wo mein Vater mit der Faust den Tisch hatte treffen wollen, nur das er außerdem noch sein Messer in der Hand hatte, welches nun meine Handfläche durchbohrte.
Aller Augen wendeten sich mir zu, als ich mit meiner zittrigen rechten Hand das Messer umfasste und es aus der Tischplatte, sowie meiner verletzten Hand zog. Durch das ganze Adrenalin, das Dank des Schrecks durch meine Adern rauschte, gab ich dabei nicht einen Mucks von mir.
Mein Blick hob sich und ich sah in das Gesicht von Sirius, der kreidebleich geworden war. Ich hatte ihn gebeten sich umzuziehen, weil ich genau dieses Szenario hatte kommen sehen. Er hatte es absichtlich getan. So wie er es immer tat. Sirius lebte nur dafür um Mutter und Vater zu provozieren. Er schien nie zu merken, wie sehr wir alle darunter litten.
Ich spürte, wie sich meine Augen mit Tränen füllten, doch diese bekam niemand zu sehen, denn ich setzte eine eiskalte Miene auf und stürmte die Treppe hinauf. Das ich Sirius dabei anrempelte, war mir egal und ich hätte wohl die Tür meines Zimmer zugeknallt, wenn ich nicht gewusst hätte, dass dies noch mehr Ärger bedeuten würde.
Es vergingen einige Minuten bis ein behutsames Klopfen an meiner Tür ertönte und mein Bruder eintrat.
„Alles in Ordnung, Reg?“, fragte er halbherzig, doch ich sah ihm seine Schuldgefühle an. Wir beide wussten, dass absolut nichts in Ordnung war.
Ich saß mit angezogenen Beinen auf meinem Bett, seit Kreacher vor ein paar Minuten meine Hand verbunden hatte. Dank seiner Magie und dem Heiltrank, den er mir gegeben hatte, tat es nicht weh, doch ich hatte mich ziemlich erschreckt. Meine Augen waren noch immer gerötet, aber ich war nicht wütend auf meinen Bruder. Ich hatte nur Angst vor dem was noch kommen würde.
„Ich hab es dir doch gesagt.“, murmelte ich beinahe tonlos, „Sie.. es ist schlimmer geworden, seit du weg bist.“
Schnell wischte ich mir mit dem Handrücken eine Träne weg. Ich wollte nicht schwach wirken.
„Mutter ist schrecklich wütend und kommandiert Kreacher von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang herum. Vater raucht so viel, dass er oft abends nicht mehr lesen kann vor Benommenheit… Du bist nicht der Einzige, der es aushalten muss. Mach es nicht noch schlimmer.“, fuhr ich meinen Bruder an.
Für einen Moment verzogen sich seine Lippen zu einem schmalen Strich. Genau wie Mutter wurde Sirius gern laut wenn wir stritten und ich konnte die Beschimpfungen schon beinahe hören, doch er überraschte mich, indem er sich mit einem Seufzen neben mich aufs Bett sinken lies.
Einen Moment lang schwiegen wir beide.
„Es tut mir leid, dass du das alleine durchstehen musstest“, sagte er schließlich und ich konnte in seinen sturmgrauen Augen echtes Bedauern sehen, „aber ich kann nicht einfach so tun, als würde ich diesen ganzen Hokuspokus toll finden. Verstehst du das? Was unsere Eltern tun ist schlecht. Es ist die dunkle, die böse Seite, der sie sich angeschlossen haben. Ich bin anders! Ich will nicht so sein wie sie!“
Sein Blick war durchdringend, als er mich ansah.
„Wie sieht’s bei dir aus, Reggie? Bist auf ihrer oder auf meiner Seite?“, fragte er mich plötzlich und ich spürte, wie sich mir die Kehle zuschnürte.
Doch statt meinem Bruder zu antworten, wendete ich meinen Blick ab.
„Hast du gehört, was mit unserer Cousine Andromeda passiert ist?“, fragte ich leise, „Sie hat sich in einen Muggelstämmigen verliebt. Wir waren zu Besuch, als sie ihn der Familie vorgestellt hat. Tante Druella ist ausgerastet, aber das war nichts im Vergleich zu Onkel Cygnus. Er… er hat ihr in die Augen gesehen, seiner eigenen Tochter, und hat ihr den Cruciatus Fluch aufgehetzt. Ich… ich hab nicht hingesehen, aber ich habe ihre Schreie gehört … und Bella, sie hat gelacht. Sie hat ihre gefolterte Schwester ausgelacht. Alles nur, weil Meda einen Muggel liebt.“, erzählte ich was im Frühjahr passiert war und brauchte einen Moment bis ich wieder genug Mut aufbringen konnte, um meinen Bruder anzusehen. Angst lag in meinen Augen.
„Jetzt ist dort, wo ihr Platz in unserem Stammbaum war, nur noch ein schwarzer Brandfleck und sie haben gesagt, dass dies allen passiert, die unsere Familie derart verraten.“, murmelte ich.
Der Blick meines Bruders war bestürzt, aber er schien nicht zu verstehen, wovor ich mich so fürchtete. Seine Sorge galt eher Andromeda und dem Muggel. Wahrscheinlich hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er es nicht einmal gewusst und ganz vergessen hatte, unserer Lieblingscousine einen Brief zu schicken, weil er vermutlich viel zu abgelenkt von all seinen Freunden gewesen war.
„Narcissa hat mir beim letzten Treffen heimlich versichert, dass es ihr gut geht. Sie scheint noch Kontakt zu ihrer Schwester zu haben.. aber sie darf nicht einmal darüber reden. Es ist, als wäre Meda nie ein Teil unserer Familie gewesen… und so möchte ich nicht auch enden.“, gestand ich ihm.
Sirius sah mich lange an, doch schließlich stand er auf, als wäre im plötzlich eingefallen, wie spät es schon ist.
„Mal ehrlich, Reg“, murmelte er und gähnte, „von so einer Familie will ich gar kein Teil mehr sein“
Ich starrte an diesem Abend noch lange auf die geschlossene Tür, durch die mein Bruder gegangen war.
Sirius hatte sich verändert, während er in Hogwarts war.
Alles hatte sich verändert.
✧✦✧
Zurück in der Realität bemerke ich, dass ich völlig in Gedanken versunken bin, während der sprechende Hut noch immer darüber grübelt, in welches Haus er mich schicken soll.
Natürlich hat er meine Gedankengänge verfolgt und es scheint ihn noch grüblerischer zu stimmen.
„So, so, du willst also nach Slytherin, um dem Zorn deiner Eltern zu entgehen.“, stellt der Hut fest.
„Doch Junge, du weißt hoffentlich, dass du dich nicht ewig hinter diesem Bild des perfekten Erben der Familie Black verstecken kannst? Du hast etwas in dir. Einen großen Mut… wenn du doch bloß nicht so vernarrt darin wärst… ach was soll’s…SLYTHERIN!“, ruft der Hut und ich atme erleichtert aus, als die innerliche Anspannung von mir abfällt.
Ohne jemanden anzusehen, gehe ich gefolgt von spärlichem Applaus zum Tisch der Slytherins. Die Große Halle ist das wohl Beeindruckendste, was ich je gesehen habe. Die Sterne scheinen durch die verzauberte Decke auf uns herab und der Raum, mit den vier langen Tischen der Häuser, wirkt unendlich groß. Während alle anderen Erstklässler ihre Hälse recken, um möglichst viel dieser magischen Eindrücke in sich aufzunehmen, versuche ich möglichst nirgendwo hinzusehen, denn ich spüre den lastenden Blick meines Bruders, der mich zweifelsohne vom anderen Ende der Halle beobachtet.
Nur vorsichtig hebe ich nach einer Weile den Kopf, um zum Tisch der Gryffindors rüber zu sehen. Der Blick meines Bruders ist kühl und doch durchdringend. Man sollte meinen, ich hätte mich in den letzten Wochen daran gewöhnt, doch nun scheint sein Zorn noch größer geworden zu sein. Als hätte der sprechende Hut mit seiner Entscheidung meinen Verrat besiegelt.
Ich schlucke schwer und senke den Blick wieder. Nur spärlich traue ich mich etwas zu essen, nachdem Dumbledore, der Schuldirektor, seine Rede beendet hat. Zwar bin ich froh in Slytherin gelandet zu sein, doch die Enttäuschung meines Bruders lastet auf mir.
Die Zeit scheint nicht vergehen zu wollen, doch irgendwann erhebt sich ein Fünftklässler, der sich als unser Vertrauensschüler herausstellt und bittet uns ihm zu folgen. Froh, endlich dieser Halle entkommen zu können, stehe ich auf und beeile mich mit der kleinen Gruppe Erstklässler mitzuhalten.
Wir gehen durch die Gänge und sind alle darauf bedacht nicht zu trödeln, um auf keinen Fall den Anschluss zu verlieren. Schließlich kennen wir uns alle nicht aus.
Das Schloss erscheint mir wie ein riesiges Labyrinth. Wie soll ich mich hier bloß je zurechtfinden?
Ich bin ganz in Gedanken versunken, daher keuche ich erschrocken auf, als ich am Arm gepackt werde und mich jemand an die Seite zieht.
„Und wie gefällt es dir hier?“, fragt mich eine allzu vertraute Stimme. Es soll wohl freundlich und unbeschwert klingen, doch ich höre die Bitterkeit in der Stimme von Sirius.
Normalerweise wende ich den Blick ab und weiche ihm aus, wenn er diesen Ton anschlägt, doch heute nicht.
Ich erinnere mich zu gut an seine Worte zu Beginn der Ferien.
Daher verschränke ich die Arme und hebe leicht das Kinn. In meinen Augen liegt mehr Kälte denn je. Er behandelt mich seit unserem Gespräch an jenem Abend wie einen Verräter. Soll er doch bekommen was er sich so sehr wünscht.
„Was interessiert es dich eigentlich?“, frage ich, „Du hast selbst gesagt, du willst kein Teil dieser Familie mehr sein. Warum tust du also länger so, als wäre ich dein Bruder?“
Mir ist bewusst, dass ich diese Worte später bereuen werde, aber im Moment ist es mir egal. Ich habe keine Lust noch länger von ihm mit diesem kühlen enttäuschten Ausdruck angestarrt zu werden. Es reicht mir. Ich bin wer ich bin und das kann er nicht ändern, nur weil es ihm missfällt.
Seine Augen weiten sich und er lässt meinen Arm los, als hätte er sich verbrannt.
Ich meine kurz Verletzlichkeit in seinen Augen aufblitzen zu sehen, doch er überspielt es binnen Sekunden mit Gleichgültigkeit.
„Du bist gerade mal eine Stunde ein Slytherin und schon machst du ihnen alle Ehre, richtig? Bist jetzt also was Besseres, ja? Der würdige Erbe der Familie Black. Der zukünftige Todesser!“
Ein kaltes Lachen kommt über seine Lippen. Verachtung liegt in seinem Blick und ich muss mich anstrengen nicht einen Schritt zurück zu weichen.
„Du hast deine Seite gewählt, Regulus. Denke nicht, dass ich es nötig hätte, dir nochmal hinterherzulaufen.“
Damit dreht Sirius sich um und verschwindet im Gedränge.
Ich schließe die Augen für einen Moment als er gegangen ist. Ein kühler Wind weht durch ein Fenster hinein und spielt mit meinen Haaren.
Ich fühle mich leer. Allein. Da ist nichts mehr und es fühlt sich an, als würde man mir die Kehle zuschnüren. Stück für Stück…
Die kleine Narbe an meiner Hand brennt, doch ich bemerke es erst wirklich, als ich meine geballte Faust betrachte.
Ich würde mich nicht von ihm verletzen lassen.
Von niemandem.
Nicht mehr.
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