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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2021-03-26
Updated:
2021-12-13
Words:
3,701
Chapters:
2/?
Kudos:
1
Hits:
25

Minis OneShot Sammlung

Notes:

Vorwort: Wie das immer so ist, wenn man RPGs schreibt, spuken einem Ideen im Kopf herum, die sich in der eigentlichen Geschichte gar nicht so umsetzen lassen, wie man das möchte. Und genau darum geht es hier. Die kleinen und großen Ideen, die verschriftlich gehören.

Disclaimer: Die Charaktere gehören alle Aleris und mir und werden nicht vergeben. Bei uns müssen die Schätzchen schon genug durchmachen

Gewidmet: bjorn_ironside, die mir seit geraumer Zeit auf die Nerven geht, dass ich was schreiben soll

Und ohne weiteres Vorgeplänkel geht es nun los mit dem ersten Oneshot und einem meiner Lieblinge: Blake

Chapter 1: Abschlussfeier

Chapter Text

An manchen Tagen fragte Blake sich wirklich, was in seinem Leben schief gelaufen war. Dabei müsste man eigentlich meinen, dass er sich über den heutigen Tag wirklich freute. Schließlich war es seine Abschlussfeier. Sein Weg in die Freiheit. Aber wie das nun einmal so war, war seine Vorstellung von diesem Tag eine gänzlich andere gewesen. Und das eben diese Vorstellung nicht erfüllt wurde, war auch allein seine Schuld… wie so vieles in den letzten Jahren.

Mit einem Seufzen fuhr Blake sich noch einmal durch die Haare, richtete seine Krawatte und wandte schließlich den Blick von seinem Spiegelbild ab um das Bad und sein daran angrenzendes Zimmer zu verlassen und sich auf den Weg in die Aula zu machen, wo in nicht einmal einer halben Stunde die Zeugnisvergabe stattfinden würde. Wenn Blake ehrlich war, hatte er nicht sonderlich viel Lust auf die große Feier, aber wer fragte ihn schon danach? Noch vor einem halben Jahr wäre es sicherlich viel schöner gewesen, doch er hatte damals seine Entscheidungen getroffen und erst im Nachhinein festgestellt, was für einen Fehler er begangen hatte. Und dieser Fehler war leider Gottes nicht mehr rückgängig zu machen. Die Auswirkungen jedoch waren gravierender, als Blake es sich je vorgestellt hätte. Aber nun gut. Damit würde er irgendwie leben müssen und wenn man bedachte, durch wie viel Scheiße er sich in seinem jungen Leben schon gekämpft hatte, sollte das nun wirklich ein eher kleines Problem sein.

Wie gewohnt setzte er sein verschmitztes Grinsen auf, als er zu seinen Klassenkameraden stieß. Und ebenso wie gewohnt nahmen sie ihm seine gute Laune ab. Der einzige, der genau das nicht tat, war sein bester und ältester Freund Dylan. Dieser erkannte auf einen Blick, was in Blake vor sich ging, so, wie er es schon immer getan hatte. Einen kurzen Augenblick lang haderte Blake mit sich, ob er zu ihm gehen und mit ihm reden sollte, genau wie früher, doch da begannen die ersten Schüler schon in die Aula zu laufen und sie schlossen sich ihnen an.
In der Aula warteten die Eltern und Familien der Schüler, doch Blake wusste, dass er auf seine Eltern gar nicht zu hoffen brauchte. Seine Mutter schaffte es einfach nicht, sich von der Unterdrückung seines Vaters zu lösen und dieser selbst wäre wohl der absolut letzte, das Blakes Abschluss feiern wollte. Schließlich hatte er mehr als nur einmal deutlich gemacht, wie sehr er seinen – wohlgemerkt einzigen – Sohn verabscheute.
Und natürlich war es genauso, wie Blake es erwartet hatte. Lediglich seine Schwester Joanne und ihr Partner Ryan saßen in der Halle, direkt neben Kimberly, der älteren Schwester von Dylan, die auch als einzige aus seiner Familie anwesend war. Insgeheim hatte Blake ja darauf gehofft, auch Aidans Gesicht unter ihnen zu sehen. Sein Lächeln, welches immer dafür sorgte, dass Blakes Knie ganz weich wurden… Aber ebenso wusste er, dass dieser Wunsch nicht mehr und nicht weniger als ein Traum war. Aidan würde nicht auf seiner Abschlussfeier erscheinen. Im Leben nicht. Dazu hatte Blake viel zu viel zwischen ihnen kaputt gemacht. Und er bereute es jeden einzelnen Tag.

Es war eigenartig, Joanne vor Stolz auf ihren kleinen Bruder beinahe platzen zu sehen, während Blake einfach nur damit zu kämpfen hatte, seine Fassade aufrecht zu erhalten. Natürlich freute er sich über seinen Abschluss, welcher zwar nicht der beste war, aber ihm dennoch zahlreiche Wege in die Freiheit ermöglichte. Aber auf der anderen Seite nagte sein Liebeskummer erheblich an ihm. Dabei war es bereits ein fast ein halbes Jahr her, dass Aidan sich von ihm getrennt hatte.

Es war gerade einmal Ende Januar, als es geschah. Die Weihnachtsferien hatten Aidan und Blake noch glücklich zusammen verbracht, aber da hatte Blake auch noch beharrlich über seinen Faux pas geschwiegen. Doch langsam begann sein schlechtes Gewissen ihn aufzufressen, so dass er schließlich keine andere Möglichkeit mehr gesehen hatte, als Aidan endlich reinen Wein einzuschenken…
Aidan steckte schon mitten in seiner Ausbildung zum Polizisten und es war ein Wunder gewesen, dass er an diesem Wochenende frei bekommen hatte, um zu seiner alten Schule zu fahren und den Samstag mit Blake zu verbringen. Die Fernbeziehung war für beide nicht leicht und während Aidan sich in die Arbeit stürzte, mit dem festen Ziel, für sich und Blake ein angenehmes Leben aufzubauen und diesen in Zukunft vor seinem Vater zu schützen, hatte Blake einen anderen Weg gefunden, mit dem ganzen Stress umzugehen. Und dieser Stress hatte ihn wie so oft in die Arme seines besten Freundes getrieben und leider Gottes auch in sein Bett.

Der Samstag war kalt und bewölkt und die Luft roch nach Schnee. Doch trotzdem hatte Aidan Blake am Internat abgeholt, um mit ihm in das nahegelegene Dorf zu gehen, ganz so, wie es auch der Großteil der Schülerschaft an diesem Wochenende tat. Zumindest wenn ihnen der Ausgang nicht gestrichen worden war, wie es leider doch ganz schnell passieren konnte, wenn man sich nicht an die Regeln hielt. Aber Blake hatte alles getan, damit das bei ihm nicht eintraf. Er war immer pünktlich zum Unterricht gegangen, auch wenn das Bett viel verlockender gewesen war. Aber seit dem Sommer hatte er schließlich eine Vorbildfunktion für seine beiden Schützlinge inne und diese wollte schließlich auch erfüllt werden.
Hand in Hand schlenderten Aidan und Blake durch die Gassen und blieben vor so manchem Schaufenster stehen. „Ist alles in Ordnung bei dir?“, erkundigte sich Aidan, dem natürlich aufgefallen war, dass sein Freund sich anders verhielt als sonst. Wortkarger, und lange nicht so fröhlich, wie Blake sich sonst oft gab. Zumindest immer dann, wenn sie zusammen waren.
Blake haderte sehr mit sich. Am liebsten würde er einfach schweigen, das Thema unter den Tisch fallen lassen und so weitermachen wie bisher. Aber auf der anderen Seite war da eben auch sein schlechtes Gewissen, welches ihn seit geraumer Zeit plagte und sich nicht zum verstummen bringen ließ.
Geräuschvoll atmete der Dunkelhaarige aus und schenkte Aidan einen entschuldigenden und zugleich auch verzweifelten Blick. „Um ehrlich zu sein, ist gar nichts in Ordnung“, brachte er hervor und musste sich zusammenreißen, damit seine Stimme nicht brach. „Ich hab richtig Mist gebaut…“
Aidan blieb stehen und blickte Blake an und augenblicklich breitete sich ein ganz beschissenes Gefühl in ihm aus. Er konnte nicht einmal genau sagen, was es war, aber es schien, als würde nun seine ganze Welt aus den Angeln gehoben werden. „Was ist passiert?“, fragte er und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme ernst und zugleich belegt klang.
Unsicher knabberte Blake auf seiner Unterlippe und blickte zu Boden. Konsequent wich er dem Blick des Älteren aus. In diesem Moment fühlte er sich wieder so jung und unsicher wie es früher immer gewesen war, wenn er seinem Vater gegenüber stand. Und dabei war Aidan nun wirklich niemand, vor dem Blake Angst haben musste. Doch trotzdem war gerade dieses Gefühl vorherrschend in dem jungen Mann.
„Aidan…. Ich… es tut mir Leid…“, murmelte Blake und erste Tränen glitzerten in seinen dunklen Augen, während er tief durchatmete. „Ich habe dich betrogen…“, sprach er und seine Worte waren kaum mehr als ein Flüstern. Dennoch verstand Aidan jedes Wort und es fühlte sich an, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggerissen werden.
Einige Minuten lang herrschte Schweigen zwischen ihnen und Blakes Herz fühlte sich mit jeder einzelnen Sekunde mehr an, als würde es jeden Augenblick stehen bleiben.
Woher Aidan die Kraft nahm, Blake tatsächlich anzusehen, wusste dieser wohl selbst am allerwenigsten. Und doch blickte er seinen Freund… oder vielmehr Exfreund direkt an, als er sagte, was ausgesprochen werden musste. „Ich liebe dich, Blake…. Aber du hast mein Vertrauen missbraucht…“, begann er und auch seine Stimme brach unter den folgenden Worten. „Es ist aus…“, kam es von Aidan, ehe dieser auf dem Absatz kehrt machte und ging. Seine Worte jedoch hallten in Blake nach und er schaffte es kaum, den Sinn dahinter zu erfassen, auch wenn er eigentlich offensichtlich war.
Wie Blake es an diesem Nachmittag geschafft hatte, ins Internat zurückzukehren, wusste er nicht und auch die weiteren Tage verliefen irgendwie wie durch Nebel.

Aber trotz dieses Nebels hatte er es irgendwie geschafft, seine Abschlussprüfungen zu schreiben und sogar zu bestehen. Sonst stände er nun nicht hier und würde in wenigen Minuten sein Zeugnis entgegennehmen. Aber nun gut, dazu musste man auch sagen, dass ihn nach seiner missglückten Beziehung ein wahrer Arbeitseifer gepackt hatte. Denn der Hauptpunkt, der ihn immer abgelenkt hatte, war nun aus seinem Leben verschwunden. Und er wollte zusammen mit Dylan das Internat verlassen und irgendwo ein neues Leben beginnen. Wie dieses Leben aussehen sollte, nun darüber war Blake sich noch nicht besonders einig. Dylan wusste schon ziemlich genau, wie seine Zukunft verlaufen sollte, aber bei Blake war noch nichts eindeutig. Doch er war ja auch noch jung und hatte Zeit, seinen Weg zu finden. Fehlschläge erlebten schließlich alle mal.
Die Rede des Schulleiters flog an Blake vorbei, ebenso wie die Rede ihres Schulsprechers, aber es war ja ohnehin nur das übliche Blabla. Dass sie alle ihren Weg finden würden und ihnen nun alle Türen offenstanden. Nichts weltbewegendes also.
Doch schließlich stand auch Blake auf dem Podium und bekam sein Zeugnis. Applaus brannte auf, wie bei jedem Absolventen, und Blake zeigte wie üblich sein strahlendes Lächeln, welches er mittlerweile beinahe schon perfektioniert hatte.
Nachdem auch alle anderen ihre Zeugnisse erhalten hatten, flog Joanne auf ihn zu und zog ihn fest in den Arm. „Ich bin so stolz auf dich, Blake“, sprach sie und hatte Mühe ihre Tränen zurückzuhalten. Aber die Geschwister hatten schließlich auch schon viel durchlitten und sie hatten nur noch einander.
Er schenkte ihr ein zaghaftes Lächeln, als er auch schon Ryans Hand in seinen Haaren spürte, wie er diese durchwuschelte. „Hast du gut gemacht, Kleiner“, meinte er und war ebenfalls stolz auf Blake, obwohl sie eigentlich nichts miteinander zu tun hatten. Aber auch der Stolz und die Freude von Joanne und Ryan war Blake im Grunde egal. Der einzige, der nun wichtig gewesen wäre, wäre Aidan gewesen und das dieser nicht hier war, versetzte ihm einen schmerzhaften Stich. Er konnte ja schließlich nicht ahnen, dass sich etwas geändert hatte…
Denn wenn er auch nur im Ansatz etwas geahnt hätte, wäre ihm auch das wissende Lächeln auf den Lippen seiner Schwester nicht entgangen, welche eindeutig noch ein kleines Detail wusste. Aber Blake fiel es nicht auf und so dachte er sich auch nichts weiter dabei, als Joanne ihn schon einmal nach oben schickte, damit er seine Sachen holen konnte. Schließlich war ja abgemacht, dass Dylan und natürlich auch er selbst die erste Zeit bei Joanne und Ryan leben würden. Ihre Elternhäuser waren schließlich so absolut keine Option.
Und es bot sich schließlich an, das Auto schon zu beladen, bevor die kleine Abschlussfeier gleich stattfinden würde. Nichts großes, schließlich bestand die Klasse aus gerade einmal sechs Schülern.
Zusammen mit ihren Angehörigen und den Lehrern würde ihre Runde also aus nicht einmal 30 Mann bestehen. Nichts im Vergleich zu den großen Abschlussfeiern, die an gewöhnlichen Schulen stattfanden. Aber schließlich war das Internat auch keine gewöhnliche Schule, wie jedem der Anwesenden mehr als nur bewusst war.
Mit einem stummen Seufzen auf den Lippen stieg Blake die Stufen in den ersten Stock hinauf, wo sich die Schülerzimmer befanden. Gestern schon hatte er sich von Nick und Sebastian, seinen Schützlingen, verabschiedet. Denn im Gegensatz zur Abschlussklasse war der jüngere Jahrgang gestern schon in die Sommerferien aufgebrochen. Leicht wehmütig dachte Blake an das vergangene Jahr zurück. Mit Nick und Sebastian war es nicht gerade leicht gewesen. Es hatte viele Spannungen gegeben, aber irgendwie hatten die drei ungleichen Jungen sich zusammengerauft. Großartig eine andere Wahl hatten sie ja auch schließlich nicht gehabt.
Kopfschüttelnd vertrieb Blake diesen Gedanken wieder. Seine Zeit hier war nun vorbei, also kein Grund, noch länger in der Vergangenheit zu hängen. Doch besagt Vergangenheit traf ihn wie ein eiskalter Schlag in die Magengrube, als er seine Zimmertür öffnete und niemand geringerem als Aidan gegenüber stand.
Entgeistert und doch auch mit einem leisen Anflug von Hoffnung starrte Blake seinen Exfreund an und wusste im ersten Moment gar nicht, was er zu der ganzen Situation sagen sollte, so unwirklich kam sie ihm vor.
„W-was machst du hier?“, kam es stockend von ihm und in Blakes Innerstem tobte gerade eine ganze Bandbreite von Emotionen.
„Hey Blake…“, war die Antwort von Aidan, ebenso stockend, doch trug er ein scheues Lächeln auf den Lippen. „Ich… ich wollte dich sehen…“
War Blake zuvor schon sprachlos gewesen, so war er es nun erst recht. Warum gerade heute? Das ergab doch überhaupt keinen Sinn. Es war ja schließlich nicht so, als wäre seit ihrer Trennung nicht bereits ein halbes Jahr vergangen. Theoretisch müsste da doch genug Zeit zwischen liegen, jemanden sehen zu wollen, ohne das gerade auf den Tag seines Abschlusses legen zu müssen. Es sei denn…. Es sei denn, es gab eine tiefere Bedeutung hinter dem ganzen. Doch diesen Gedanken gestattete sich Blake gar nicht erst. Denn wenn er falsch lag, wäre der Schmerz nur umso heftiger, als er es ohnehin schon war.
Und so war es auch kein Wunder, dass Blakes Antwort bissiger klang, als es beabsichtigt war. „So, du hast mich gesehen. Sonst noch was?“, harkte er nach. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Aidan grundlos hierher kam.
Aidan entkam ein schweres Seufzen. „Mach es mir doch nicht so schwer…“ Aidan war schon immer der vernünftigere von ihnen beiden gewesen und so war es nun auch nicht weiter verwunderlich, dass er die Gesprächsführung übernahm.
Kraftlos lehnte er sich an einen der Schreibtische. „Die letzten Monate waren sicher für uns beide nicht leicht…“, begann er und alles, was Aidan sich auf seiner Fahrt hierher in seinem Kopf an Formulierungen zurecht gelegt hatte, war nun wie weggeblasen.
„Wie kommst du denn darauf?“, erklang die leise Erwiderung von Blake, welcher immer noch nicht verstand, was das ganze hier eigentlich sollte.
Erneut seufzte Aidan auf. In seinem Kopf war das alles bedeutend einfacher gewesen. Aber wie das Leben nun einmal so spielte, war es alles andere, aber eben nicht einfach.
Tief atmete er durch. „Pass auf, dass wir uns gegenseitig sehr wehgetan haben, müssen wir nicht weiter thematisieren, aber… Fakt ist, dass… ich dich vermisse und sich an meinen Gefühlen für dich in den letzten Monaten nichts geändert hat“, sprach Aidan mit schneller Stimme, welche sich während des Redens ein paar Mal überschlug.
Genauso wie Blake hatte Aidan viel Zeit zum nachdenken gehabt. Er war wütend auf Blake gewesen, verletzt, enttäuscht. Aber nach einer Weile hatte er sich auch denken können, wie es dazu gekommen war. Die Fernbeziehung war für sie beide schwer gewesen und Blake und Dylan hatten schon immer eine besondere Verbindung gehabt. Zwar hatte Aidan die Bestätigung nie gehabt, aber die Vermutung, dass Dylan derjenige war, mit dem Blake ihn betrogen hatte, war doch sehr präsent. Wie könnte es auch nicht sein, Blake hatte ihm schließlich viel über seine tiefgehende Freundschaft zu Dylan erzählt.
Sie waren alle nur Menschen und es war nicht so, als hätte Aidan nicht selber die ein oder andere Versuchung erlebt, die ihn an den Rande seiner Selbstbeherrschung getrieben hatte. Doch offenbar war er in diesem Punkt einfach stärker als Blake gewesen.
Aidans Worte brauchten eine gewisse Zeit, bis sie in Blakes Verstand angekommen waren. War das hier genau das, woran es sich anhörte? Oder sollte Blake sich vielleicht doch lieber auf Schwerhörigkeit oder Halluzinationen testen lassen?
„Und was schlägst du nun vor? Einen Neuanfang?“, fragte Blake leise mit einem kleinen Anflug von Hoffnung in der Stimme, jedoch ohne wirklich darauf einzugehen, dass es ihm haargenau so ging wie Aidan. Auch er hatte den Älteren vermisst und auch er liebte ihn noch immer. Aber bis vor wenigen Minuten hatte er nicht darauf zu hoffen gewagt, ihn jemals wieder zu sehen. Von einer erneuten Chance für ihre Beziehung ganz zu schweigen.
„Wenn das auch das wäre, was du möchtest“, antwortete Aidan und stieß sich vom Schreibtisch ab, kam ein paar Schritte auf Blake zu.
Das Herz schlug Blake bis zum Hals und er glaubte, zu träumen, als er diese Worte vernahm. „Ich… ich hätte nie gedacht, dass du mir noch eine Chance gibst…“, murmelte er und schluckte hart, ehe auch Blake zwei Schritte auf Aidan zu machte. „Scheiße, es… es tut mir Leid, was passiert ist… und-“
Doch Aidan würgte Blakes weitere Worte ab, in dem er einen weiteren Schritt auf Blake zu ging. „Ist okay, Blake“, sprach er und schüttelte den Kopf. „Vergessen wir die Sachen und machen dort weiter, wo wir vor einem Jahr aufgehört haben.“ Schließlich hatten sie sich vor genau einem Jahr voneinander verabschiedet, als Aidan seinen Abschluss gemacht hatte.
Ein Schulabschluss war auch immer der Anfang einer neuen Etappe im Leben. Und in diesem Fall war es auch eine neue Etappe in ihrer Beziehung.
Das Lächeln auf Blakes Lippen war kaum zu übersehen, als Aidan die letzte kurze Entfernung zwischen ihnen überwand und seine Lippen sanft und voller Liebe auf Blakes legte.