Actions

Work Header

Flying too close to the sun (German/Deutsch)

Summary:

Fiddleford wird während des verhängnisvollen Testversuchs nicht in das Portal gezogen und warnt daher Stanford auch nicht vor den Gefahren, die dahinter lauern.

Notes:

Dies hier ist die deutsche Übersetzung meiner gleichnamigen Fanfiktion.

Ich hab mich entschlossen, alle meine Fanfiktions nach für nach auf deutsch zu übersetzen. Der Grund wieso ich meine Storys ursprünglich auf englisch geschrieben habe, war der, dass ich mich mehr in englisch versuchen wollte - und weil ich Gravity Falls nur auf englisch gesehen habe (ich bevorzuge fast immer die originalen Versionen bei Serien und Filmen).
Dementsprechend bin ich auch nur mit den original englischen Namen und Begriffen wirklich vertraut. Ich werde versuchen, alles so gut es geht ins deutsche zu übersetzen, bloß manche original englischen Begriffe wie Weirdmageddon (= Seltsamageddon) oder Waddles (= Schwabbel) werde ich im englischen Original belassen, um es mir einfacher zu machen. Ich hoffe, dass stört euch nicht.

 

Extra-Info zu dieser Story: Der Titel dieser Fanfiktion basiert auf der Geschichte von Ikarus, der mit seinen Flügeln aus Wachs und Federn zu nahe an die Sonne geflogen war und als Folge darauf in seinen Tod stürzte. Ich dachte mir, dass der Titel gut zur Story passen würde, zumal McGucket und Ford genau dieselbe Geschichte im offiziellen Journal 3 erwähnen (welches auf englisch rausgekommen ist).

Work Text:

Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen.

Dieser Gedanke raste durch Fiddleford McGuckets Kopf, während er hilflos zuschaute wie der Himmel sich blutrot verfärbte und unvorstellbare, albtraumhafte Kreaturen hinunter zur Erde abstiegen, währenddessen ein dreieck-förmiger, lachender Dämon hoch oben in der Luft schwebte.

Er wusste, dass dieses Portal schlecht war. Er hatte es schon seit einer Weile gewusst und hatte sogar - ohne Erfolg - versucht, Stanford von seinem Projekt abzubringen. Aber wenn sein Partner eines war, dann war es dickköpfig.

Er erinnerte sich noch gut an das Meeting im Diner, einen Tag vor dem allerersten Aktivierungstest. Er erinnerte sich daran, wie er alle Recherchen von Ford in einem einzigen Dokument zusammengefasst und den Wissenschaftler dazu gedrängt hatte, dieses Dokument zu veröffentlichen und das andere Projekt aufzugeben.

Natürlich wollte Stanford nichts davon hören.

Dieses Portal war für ihn alles gewesen. Es war sein Ticket zu Wissen, zu Ruhm und Anerkennung. Er hatte sich schon immer als etwas besseres gesehen, im Vergleich zu allen anderen und dieses Projekt würde ihn sicherlich auf dasselbe Niveau wie Einstein oder Newton erheben. Vielleicht sogar noch höher. Und genau deswegen hatte Stanford darauf bestanden, dass sie den Testversuch durchführen würden, komme was wolle - ganz gleich, ob McGucket dabei sein würde oder nicht.

Und so war Fiddleford - verdammt sei sein schwaches, sentimentales Herz - widerwillig beim Testlauf dabei gewesen. Immerhin musste er auf Nummer sicher gehen, dass nichts furchtbar schief lief und das er stets ein Auge auf seinen Partner werfen konnte. So sehr Stanfords Dickköpfigkeit ihn auch oft frustrierte, wollte er nicht, dass dem Kerl etwas zustieß.

Die Nacht vor dem Test hatte er sogar mit dem Gedanken gespielt, einfach in Fords Haus einzubrechen, den Anderen aus dem Untergrund-Labor auszuschließen und eigenhändig das Portal zu zerlegen. Einzig der Gedanke daran, wie verletzt und wütend Stanford auf ihn seien würde, zusammen mit der geringen Wahrscheinlichkeit, dass Fiddleford falsch mit seiner Annahme lag und das Portal wirklich ganz harmlos war, hatte ihn davor abgehalten.

Er war positiv überrascht, als der Test gut verlief. Keine Explosionen, kein Stromausfall, keine seltsamen Phänomene... nichts. Stanford war so glücklich und stolz auf sich selbst gewesen, nachdem es vorbei war und selbst McGucket hatte sich ein wenig entspannt, im Glauben daran, dass er einfach nur überreagiert hatte.
Okay, er hatte immer noch ein unsicheres Gefühl, wann immer er in der Nähe dieses Dings war, aber solange alles ordnungsgemäß nach Plan verlief, fiel ihm kein guter Grund ein, dass Projekt zu stoppen. Und selbst wenn er einen guten Grund gehabt hätte, hätte Ford ihm eh nicht zugehört. Und so hatten sie einfach weiter gemacht.

Seine Nervosität und Paranoia kamen zehnfach zurück, als Stanford ihm eines Tages anvertraute, woher dieser seine Inspiration für das Portal her hatte. Der Wissenschaftler hatte ihm davon erzählt, wie er jede Nacht in seinen Träumen von einer „Muse“ besucht wurde, welcher ihm all die Pläne für die Maschine gezeigt hatte und mit dem er mehrere Deals geschlossen hatte...

Er war überzeugt davon, dass Stanford offiziell seinen Verstand verloren hatte. Oder das dieser in den Klauen eines ruchlosen Geistes oder Dämons gefangen war, der ihn nur ruinieren wollte. Stanford hatte es nicht gut verkraftet, als Fiddleford seine Gedanken laut geäußert hatte und es war zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden gekommen.

Nach diesem Erlebnis war deren Beziehung extrem angespannt. Dennoch, die Arbeit an dem Portal musste weitergehen. Fiddleford hatte noch mehrere halbherzige Versuche unternommen, den Anderen dazu zu überreden, dass Projekt abzubrechen oder wenigstens solange zu pausieren, bis die beiden mit absoluter Sicherheit wussten, wofür dieses Ding wirklich da war und was Stanfords „Muse“ damit plante. Doch Stanford wollte nichts davon hören und so ließ McGucket dieses Thema ruhen.

Wieder mal kam ihm die Idee, einfach einzubrechen und diese verfluchte Maschine zu zerstören, doch wie schon zuvor handelte er nicht. Stattdessen verwendete er seine Freizeit dafür, weiter an seinem eigenen Gerät zu arbeiten, der Memory-Pistole, welche er immer mehr verfeinerte und benutzte. Manchmal spielte er mit dem Gedanken, diese Pistole auf sich selbst und Stanford anzuwenden, um sie beide das Portal vergessen zu lassen, aber wie schon mit seinen vorigen Ideen war er zu feige, um es einfach zu tun.

 

Jetzt wünschte er, er hätte es getan.

Das manische Gelächter des dreieckartigen Dämons war mittlerweile ohrenbetäubend, während er hoch über den angsterfüllten Bewohnern von Gravity Falls schwebte. Dämonische Augäpfel mit Flügeln flogen überall umher, verwandelten Menschen zu Stein und verschleppten sie, während die anderen Monster ihren eigenen Spaß damit hatten, die Bevölkerung zu terrorisieren.

Es war nun jedermann für sich selbst, als die Menschen alle um ihr Leben flohen und Gebäude und Tiere sich in höllische Kreaturen verwandelten, die den Leuten hinterher jagten. Fiddleford starrte ihnen hinterher, komplett erstarrt vor Schock und Angst, aber der Anblick eines Jungen, wie er zu Stein verwandelt wurde und wie dessen entsetzte Mutter um ihn weinte, riss ihn endlich aus seiner Starre. Er musste hier weg!

Er drehte sich um und rannte los, weg von dem Gemetzel und den Schreien, doch er stoppte plötzlich, als er Ford erblickte, welcher mitten auf der Straße stand. Genau wie sein Partner zuvor schien Stanford vor Schock erstarrt zu sein; sein Blick war auf den Himmel gerichtet - auf seinen ehemaligen Freund und Muse - und sein Gesicht war leichenblass. McGucket verschwendete keine Zeit und griff seinen Partner beim Arm, um den benommenen Mann mit sich mitzuschleifen. Sie rannten beide mehrere Minuten lang durch Gassen und Gebäude, immer darauf bedacht den Monstern auszuweichen, bis sie endlich Unterschlupf in einem Warenlager fanden, in dem sicheren Wissen, dass niemand ihnen gefolgt war.

Stanford fiel sofort auf die Knie und vergrub das Gesicht in seinen Händen, während er das volle Ausmaß der Situation realisierte. Er war verraten worden. Er war von seiner Muse verraten worden. Von seinem Freund. Fiddleford hatte die ganze Zeit lang recht gehabt. Bill hatte ihn nur benutzt. Das Portal war gefährlich gewesen. Er war verraten worden und hatte es nicht mal realisiert. Wollte es nicht mal realisieren. Er hatte die Warnungen seines Partners alle in den Wind geworfen und nun musste jedermann den Preis dafür zahlen. Mein Gott, er hatte die Erde dem Untergang geweiht! Dies war alles nur seine Schuld. Alles seine Schuld! Alles seine Schuld! Alles seine-

Er realisierte erst, dass er all seine Gedanken laut ausgesprochen hatte, als Fiddleford ihn an den Schultern rüttelte und Ford dazu zwang, in seine Augen zu sehen: „Stanford, reiß dich zusammen! Es ist keine Zeit für Selbstvorwürfe. Wir müssen von hier weg!“

Doch Fiddleford machte sich ebenso Selbstvorwürfe für den momentanen Albtraum; für all die Momente in denen er seine Pläne, dass Portal zu sabotieren, nicht verfolgt hatte oder in denen er jedes mal das Argument aufgegeben hatte, anstatt Ford etwas Verstand einzureden.

Aber wie er bereits erwähnte, hatten sie gerade keine Zeit dafür. Die Monster wanderten noch immer draußen herum, auf der Suche nach neuen Opfern, und es war nur eine Frage der Zeit, bis die beiden entdeckt werden würden. Sie mussten ein besseres Versteck finden und sich irgendwas, egal was, einfallen lassen, um diesen Wahnsinn zu stoppen. Um Bill zu stoppen.

„Wofür?“, fragte Ford mit schwacher Stimme, als McGucket ihm seinen Plan erläuterte: „Bill hat bereits gewonnen. Es ist vorbei. Ich hab die Erde verdammt...“

Er sah so besiegt aus, wie er da auf dem Boden saß, pure Resignation auf seinem Gesicht, und für einen Moment erwägte Fiddleford, sich neben ihn auf den Boden zu legen. Einfach... aufzugeben. Er hatte immer noch die Memory-Pistole bei sich, gut versteckt in seiner Jacke. Er könnte einfach... Ford und sich selbst damit abknallen. Er könnte sie beide alles vergessen lassen und dann einfach... warten. Warten auf den Untergang.

Immerhin, was für eine Chance hatten zwei Menschen gegenüber einer Armee von Monstern? Gegenüber Bill selbst? Gegenüber dem riesigen Riss im Himmel?

Doch bevor er noch weiter in diesen selbstzerstörerischen Gedanken versinken konnte, wanderten seine Gedanken zurück zu der Errichtung des Portals. Zu all den Momenten, in denen er Zweifel zu der Maschine gehabt hatte und wie er es jedes mal versäumte, es zu stoppen. Wie er sich geweigert hatte, es zu sabotieren und wie er immer vor seinen und Fords Argumenten zurückgewichen war.

Und schau nur, wo ihn all das hingeführt hatte.

Er schüttelte seinen Kopf. Nein. Er konnte denselben Fehler nicht nochmal wiederholen. Deswegen kniete er sich nieder, bis er auf Augenhöhe mit seinem Partner war, und sprach mit Nachdruck: „Schau, Stanford, wir können nicht einfach hier sitzenbleiben und nichts tun. Ja, deine Muse mag vielleicht vorerst gewonnen haben, aber wir haben immer noch das Portal. Wir haben immer noch die Blaupausen und deine Tagebücher. Es muss irgendeinen Weg geben, dies alles rückgängig zu machen.“

„Wie?“, fragte Stanford ungläubig. „Es hat bereits so lange gebraucht, dieses verdammte Portal zu bauen und ich brauchte trotzdem Bills Hilfe dafür. Selbst wenn es einen Weg gäbe, es umzukehren, kann es uns trotzdem Monate oder gar Jahre kosten.“

„Dann werden wir halt Monate oder Jahre dafür aufopfern. Komm schon, Stanford, lass es uns wenigstens versuchen!“, sprach Fiddleford, begierig darauf, diese fürchterliche Situation zu beheben, in der sie sich gerade befanden und die sie beide ausgelöst hatten.

Der Andere dachte lange und angestrengt darüber nach. Zumindest wies er seine Idee nicht sofort zurück, was Fiddleford ein kleines bisschen Hoffnung gab. Vielleicht, wenn sie beide zusammenarbeiteten und mal endlich auf ihre gegenseitigen Einwände hörten, könnten sie dies alles beheben.

Nach einem stillen und angespannten Moment sprach Ford endlich langsam: „Ich habe einige Informationen und Prophezeiungen zu Bill in meinen Tagebüchern. Vielleicht können wir darin etwas nützliches finden. Aber wir müssen erst zu meinem Haus zurückkehren, um die Tagebücher und Blaupausen zu holen und die ganze Stadt ist voll von Monstern übersät. Wir sollten uns erst einen Plan überlegen und schauen, ob wir an eine Waffe kommen können, bevor wir uns raus wagen.“

Erleichterung überflutete ihn bei diesen Worten. Glücklich darüber, seinen Partner an seiner Seite zu haben, machten sich die beiden daran, das Lagerhaus nach etwas Nützlichen zu durchsuchen. Fiddleford war gerade dabei, ein paar Eisenstangen zu inspizieren und darüber zu sinnieren, ob man diese in eine improvisatorische Waffe umbauen könnte, als Fords Stimme zu ihm rüber klang, leise und unsicher.

„Was ist, wenn wir versagen... oder keinen Weg finden, dies zu beheben?“

Die Memory-Pistole wog schwer in McGuckets Jacke.

„Nun, dann werden wir wohl oder übel auf das Ende warten müssen, fürchte ich.“

Eine unangenehme Stille legte sich über den beiden nach diesen Worten. Dennoch suchten die Männer weiter, entschlossen darüber, irgendwas zu finden und dieses Chaos zu beseitigen. Sie waren die einzigsten zwei Leute, die kompetent genug waren, gegen Bill anzutreten. Sie mussten es zumindest versuchen.

Es war das einzigste, was sie noch tun konnten.

Series this work belongs to: