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Characters:
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Language:
Deutsch
Series:
Part 3 of Funkenflug
Stats:
Published:
2021-05-18
Words:
914
Chapters:
1/1
Comments:
1
Kudos:
25
Bookmarks:
1
Hits:
315

Wolfsstunde

Summary:

Leo ist müde, macht sich Gedanken über ihre Beziehung mit Karin und fragt sich ob ein Bananewitz nicht doch angebracht gewesen wäre.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Es war mitten in der Nacht als der Notfallalarm von Leos Handy los ging. Sie wusste es, bevor sie überhaupt auf die Uhr gesehen hatte. Ihr Schädel fühlte sich bleiern an. Mit einem gezielten Griff hatte Leo ihr Handy in der Hand und schaltete den Alarm aus.

 


4:13

 


Eine Uhrzeit zu der wirklich niemand wach sein sollte. Leo schloss kurz noch einmal die Augen, dann richtete sie sich auf und knipste die Lampe neben ihrem Bett an.
Sie schaute nochmal auf das Handy, aber bis auf die Koordinaten des Einsatzortes hatte sie bisher keine weiteren Informationen erhalten.
Leo strich sich ihre Locken aus dem Gesicht und griff nach dem Haargummi, dass sie vor wenigen Stunden erst auf dem Nachtisch abgelegt hatte. Keine Chance ihre Mähne jetzt in einem Dutt zu bändigen. Ein Zopf würde es wohl auch tun.
Plötzlich ging der Alarm wieder los. Ein zweiter Alarm war ungewöhnlich. Leo lies ihre Haare wieder los und griff verwundert nach dem Handy. Doch ihr Bildschirm war schwarz.
Da stöhnte Karin hinter ihr. "Ugh. Ich hatte gehofft das sei ein Fehlalarm."

Karin hatte den Alarm von Leos Handy trotz der geringen Lautstärke doch gehört. Seit ihrer Kindheit hatte Leo einen leichten Schlaf. Irgendwann waren ihr die späten Arbeitszeiten ihres Vaters aufgefallen. Und der besorgte Gesichtsausdruck ihrer Mutter, wenn sie ihren Kindern mal wieder erklärte, dass Papa einen Einsatz hatte. Obwohl Leo meistens dennoch einschlafen konnte war es immer beruhigend gewesen den Haustürschlüssel ihres Vaters im Schloss zu hören.

Immerhin hatte Leo so nicht die undankbare Aufgabe ihre Freundin zu wecken. Karins Decke raschelte und ihr Alarm verstummte. Kurzdarauf saß sie neben Leo. Karin sah definitiv so fertig aus wie Leo sich fühlte. Frisur zerzaust, Schulter schlaff und sie starrte mit leerem Blick auf den Boden.
Leo überlegte schon, wie sie Karin motivieren könnte ganz aufzustehen, da blinzelte Karin ein paar Mal, stand auf und lief zielstrebig zu ihrem Klamottenhaufen auf dem Stuhl neben der Tür.
Leo tat es ihr kurzerhand gleich. Aus ihrem Schrank zog sie die extra bereitgelegten Kleidungsstücke. Ein Notfall hieß nun mal wenig Zeit zum Anziehen und leider bedeutete ein Notfall meist auch einen sehr langen Arbeitstag. Also hatte Leo sich schon vor einigen Jahren Klamotten zusammengelegt, die professionell genug, aber auch angenehm genug waren, um sie mindestens 24 Stunden zu tragen.
Sie waren beide in Windeseile angezogen und trafen sich in Leos kleiner Küche wieder.
Karin sah mittlerweile einigermaßen bereit für die Zivilisation aus und Leo hoffte das träfe auch auf sie zu. Karin goss sich ein Glas Wasser ein und lehnte sich gegen das Waschbecken.
"Willst du was frühstücken?" bot Leo an, obwohl sie selbst keinen Hunger hatte. Es war einfach zu früh. Ihr Körper war noch nicht bereit dazu wach zu sein.
"Ne. Ich muss eh gleich los.", meinte Karin.
"Mhmm." Das war das Problem, wenn niemand aus dem Kollegium wusste, dass man zusammen war. Würden sie gemeinsam, mitten in der Nacht gleichzeitig am Tatort auftauchen, wäre das mehr als verdächtig.
Irgendwann da könnten es ruhig alle wissen, aber gerade war ihre Beziehung noch zu frisch. Es war erstaunlich einfach mit Karin zusammen zu sein, aber es war kompliziert eine Kollegin zu daten.

Karin nahm einen letzten kräftigen Schluck aus ihrem Glas, stellte es neben die Spüle und verließ die Küche Richtung Garderobe im Flur.
Leos Blick fiel auf die Obstschale auf dem Küchentisch. Sie könnten sich später auf dem Weg zum Präsidium was zu Essen holen, aber wer wusste schon wie viel Zeit zwischen Tatort und Fahrt zur Wache liegen würden. Wenigstens eine Banane sollte drin sein.
Leo brach zwei Stück ab und folgte Karin in den Flur. Den kurzen Weg nutze sie, um eine der beiden Bananen zu schälen und ein Stück abzubeißen.
Karin hatte bereits ihre Stiefel geschnürt und verstaute gerade ihre Dienstwaffe im Holster. Wenn Leo nicht noch immer so müde wäre, hätte sie möglicherweise einen Bananen-Pistolen-Witz gemacht, jetzt reichte sie Karin einfach nur die zweite Banane.
"Nimm wenigstens n Banane mit."
Karin nickte dankbar als sie die Banane entgegennahm. Sie hielt kurz in ihrem Ankleidungsprozess innen und nutze die Nähe zu Leo für einen Kuss. Dann griff sie ihre Jacke von der Garderobe und schlüpfte hinein. Leo lehnte sich an die Wand und beobachte wie Karin sich kurz die Zeit nahm um ihre Haare unter der Jacke hervor zu holen und in einen Zopf zu binden. Die Banane steckte sie in die linke Jackentasche.

"Bis gleich." Karin war schon fast aus der Wohnungstür, als Leo endlich reagierte.

"Vielleicht sollten wir Schnabel von uns erzählen."
Leo wusste auch nicht warum sie das jetzt sagte. Ihr war es bisher wichtiger als Karin gewesen die Beziehung privat zu halten. Aber irgendwie störte sie es jetzt, dass sie nicht einfach gemeinsam fahren konnte, sondern sie noch für mindestens 5 Minuten in der Wohnung warten musste.
Karin drehte sich zu ihr um. Ihr Gesichtsausdruck war immer noch müde, aber sie nickte und lächelte Leo zu, bevor sie Tür hinter sich zuzog.

Leo spürte das Verlangen Karin hinterher zu laufen und sie zu küssen, aber das müsste wohl bis nach Dienstende warten.
Sie hatte sich so oft ausgemalt wie schwer es sein, würde mit Karin zusammen zu arbeiten und zusammen zu sein. Leo hatte Angst gehabt, dass sich ihre Beziehung als Kolleginnen dadurch drastisch verändern würde. Selbst als klar war, dass die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhten. Es waren Momente wie dieser, der all die Befürchtungen von Leo zu Nichte machte. Ja es war kompliziert, aber Karin machte es ihr einfach.

Notes:

Möglicherweise musste ich in letzter Zeit häufiger zwischen 4:00 und 4:30 aufstehen. Da hat man Ideen. Aber schlechte Bananen-Situations-Komik kommt eher gegen 23 Uhr.

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