Actions

Work Header

Dead to the world (German/Deutsch)

Summary:

Es gab Tage, da wusste er nicht, was er überhaupt noch hier auf der Welt tat...

Notes:

Dies hier ist die deutsche Übersetzung meiner gleichnamigen Fanfiktion.

Ich hab mich entschlossen, alle meine Fanfiktions nach für nach auf deutsch zu übersetzen. Der Grund wieso ich meine Storys ursprünglich auf englisch geschrieben habe, war der, dass ich mich mehr in englisch versuchen wollte - und weil ich Gravity Falls nur auf englisch gesehen habe (ich bevorzuge fast immer die originalen Versionen bei Serien und Filmen).
Dementsprechend bin ich auch nur mit den original englischen Namen und Begriffen wirklich vertraut. Ich werde versuchen, alles so gut es geht ins deutsche zu übersetzen, bloß manche original englischen Begriffe wie Weirdmageddon (= Seltsamageddon) oder Waddles (= Schwabbel) werde ich im englischen Original belassen, um es mir einfacher zu machen. Ich hoffe, dass stört euch nicht.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Als er hilflos zusah, wie sein Körper die Leiter erklomm, im vollen Bewusstsein dessen, was als nächstes kommen würde, hatte er große Wut verspürt. Wut auf Bill, dafür, dass dieser ihm dies alles antat. Wut auf Mabel, dafür, dass sie nicht rechtzeitig seine hilflose Situation erkannt hatte. Wut auf sich selbst, dafür, dass er so naiv und dumm gewesen war.

Er schloss die Augen, als Bill an den Rand des Wasserturms trat. Er musste es nicht sehen.


Seine Wut auf Mabel verpuffte in dem Moment, als er sah, wie sie zusammenbrach. Er sah zu, wie sie nachts auf seinem Bett lag, mit dem Gesicht nach unten, und in sein Kissen weinte und schrie, während ihr Körper von unkontrollierbaren Schluchzern ergriffen wurde.

Er setzte sich neben ihr und sprach ihr ein paar aufmunternde Worte zu, in einem verzweifelten Versuch, sie zu beruhigen; sie irgendwie zu trösten. Als seine Worte keinen Effekt erzielten, legte er stattdessen seine Hand auf ihre Schulter-

und sah zu, wie die Hand durch ihren Körper ging.


Er lauschte seinem Gronkel und Soos und Wendy, wie sie, um der Kasse versammelt, über das Geschehene diskutierten. Die Drei gaben sich viel Mühe dabei, nur über dieses Thema zu reden, wenn Mabel nicht anwesend war, um sie nicht noch mehr zu verstören.

Die Drei spekulierten darüber, warum Dipper dies getan hatte. Soos hatte geglaubt, dass dies ein kindliches Experiment oder eine Monsterjagd war, die einfach nur fatal schief gegangen war. Wendy hatte geglaubt, dass dies vielleicht ein bewusster Mordversuch von jemandem war, der das alles einfach nur wie einen Unfall aussehen ließ, auch wenn es keine offiziellen Beweise für ihre Theorie gab.

Und Gronkel Stan... nun, er hatte gehofft, dass seine zwei Angestellten recht mit ihren Vermutungen hatten. Aber er war auch besorgt darüber, dass dies tatsächlich ein ernstgemeinter Suizidversuch gewesen war und das er vielleicht - vielleicht - so sehr in seiner Rolle als Dippers Großonkel versagt hatte, dass er dem armen Jungen zu viel Druck auferlegte und nicht mal merkte, wie Dipper Anzeichen an Depressionen oder Selbstmordgedanken gezeigt hatte.
Bei dem Gedanken brach Stan in Tränen aus.

Natürlich versuchte Dipper, ihn aufzumuntern und seinen Gronkel vom Gegenteil zu überzeugen. Doch Stan weinte einfach weiter, unfähig, seine Worte zu hören.


Es war der vierte Tag in Folge, dass Wendy die Einladung ihrer Freunde, mit denen abzuhängen, ausgeschlagen hatte, um stattdessen lieber alleine in ihrem Zimmer oder im Wald rumzuhängen. Wo auch immer keine Leute anwesend waren, die sie nerven könnten, und wo sie in Ruhe nachdenken konnte.

Manchmal sprach sie ihre inneren Gedanken auch laut aus. Die meiste Zeit über waren es Fragen und Spekulationen darüber, was wohl an dem Tag geschehen war und wer dem Jungen etwas angetan haben könnte. Aber manchmal waren es auch Zweifel, ähnlich wie Stans; darüber, ob es tatsächlich Suizid gewesen war und ob sie wirklich so blind sein konnte, offensichtliche, beunruhigende Anzeichen in Dipper zu übersehen.

Und wann immer ihre Gedanken in diese Richtung gingen, fing sie unvermeidlich an, sich selbst die Schuld für vermeintliche Kränkungen zu geben. Darüber, wie sie den Jungen nicht genug vor den Sticheleien ihrer Freunde beschützt hatte oder wie sie vielleicht die falschen Wörter verwendet haben könnte, als sie ihn nach dem Besuch im Bunker abblitzen ließ...

Dipper beschwichtigte sie oft darüber, dass keines dieser Sachen schuld war und das Wendy sich keine Selbstvorwürfe machen sollte.

Aber nach dem neunten mal gab er es schließlich auf, alles zu erklären.


Bill, sadistisches Monster das er nun mal war, hatte extra eine höhnische Notiz für Mabel hinterlassen, gut versteckt in Stans Auto, in welcher er alles erklärte. Aber die ersten Tage über fand niemand diese Notiz, da alle noch zu sehr in ihrer eigenen Trauer gefangen waren.

Dipper schrie sie jedes mal an, wann immer sie im Auto saßen.

Die Notiz, schaut auf die Notiz! Es erklärt alles! Ich hab mich nicht von dem Turm geworfen, Bill hat es getan! Die Notiz, Leute!

Niemand fand sie für über eine Woche, trotz seines konstanten Rufen. Als Mabel endlich über die Notiz stolperte, geschah es durch puren Zufall.


Seine Eltern unternahmen viele Planungen für seine bevorstehende Beerdigung. Dipper saß jedes mal dabei und erzählte ihnen verschiedene Wünsche und Ideen, die ihm so in den Sinn kamen. Sachen, die er mochte, oder von denen er dachte, dass die cool wären.

Immerhin, eine Beerdigung war an sich schon deprimierend genug, da konnte man auch ebenso gut versuchen, sie ein wenig interessant und unvergesslich zu machen.

Zwei Wochen später, als die Beerdigung endlich von statten ging, wurde sein schlichter Sarg in ein schlichtes Grab gesenkt, während die Gäste in ihren schlichten, schwarzen Outfits herum standen.


Großonkel Ford war der Hammer! Er war alles, was Dipper sich erträumt hatte und noch viel mehr. Er war schlau, er war cool und er war mit Dipper verwandt.

Dipper war mit dem Autor verwandt!!

Der Junge folgte seinem neuen Onkel überall hin, nachdem Stan ihn aus dem Portal gerettet hatte, und beobachtete Ford dabei, wie dieser seine Experimente durchführte oder aufregende Abenteuer erlebte. Und als Ford und Stan endlich Bill ein für alle mal besiegten - und dabei Dipper rächten - war der Junge so stolz auf ihn gewesen.

Er erzählte Ford sogar selbst, wie großartig und unglaublich dieser war und hoffte mit aller Macht, dass sein Großonkel ihn hören konnte. Das dieser bemerken würde, wie der Geist seines Großneffen um ihn herum schwebte und etwas dagegen tun könnte.

Er hoffte vergeblich.


Mabel besuchte sein Grab jeden Tag, selbst Jahre später, um ihm Blumen zu bringen und ihn über alle Neuigkeiten in ihrem Leben zu informieren. Dipper saß jedes mal direkt neben ihr und versuchte, eine echte Konversation mit ihr zu halten, indem er ihr Fragen stellte und Antworten gab.

Mabel gab nie irgendein Anzeichen darauf, dass sie ihn hörte.

Diese Besuche endeten immer auf dieselbe Art, indem sie sich massenhaft bei ihm entschuldigte, dafür, dass sie ihn im Stich gelassen hatte. Dipper im Gegenzug entschuldigte sich dafür, den Deal damals gemacht zu haben und nun nicht mehr für sie da sein zu können.

Niemand konnte je auf die Entschuldigung des Anderen antworten.


Es war so plötzlich geschehen. Im ersten Moment hatte seine Mutter die Straße überquert, ihre Hände voll mit Einkaufstaschen - im nächsten Moment lag sie neben der Straße, nachdem sie von einem betrunkenen Autofahrer erwischt wurde.

Sie hatte es nicht überlebt.

Es war der erste Tod nach Dippers gewesen und genauso plötzlich, wie seiner. Mabel hatte am schlimmsten geweint, als sie das Trauma des Verlustes von neuem durchlebte und ihr Bruder war wieder mal unfähig, sie zu beruhigen, trotz seiner ständigen Versuche.

Er wünschte sich nur, dass er seiner Mutter rechtzeitig Lebewohl sagen konnte, bevor es passiert war; im vollen Bewusstsein dessen, dass es keinen Unterschied gemacht hätte.


Gronkel Stan war der Nächste, der verschied, sieben Jahre später.

Dieses mal war es ein friedvoller Tod gewesen. Er hatte seine Tage in einem norwegischen Krankenhaus verbracht, nachdem er sich in letzter Zeit etwas schwach und krank gefühlt hatte, und war friedlich im Schlaf entschlummert.

Die Zwillinge lernten erst zwei Wochen später von dem Tod, als Großonkel Fords Brief mit der Post erschien. Er informierte Mabel über den Tod und darüber, wie Fords Tage der Weltumsegelung nun offiziell vorbei waren, da Ford dies nicht ganz alleine fortführen wollte.

Er verkaufte letztendlich das Boot und zog nach Gravity Falls zurück, wo er mit Soos und dessen Familie zusammenlebte und die restlichen Jahre seines Lebens in der wundervollen Oregon Natur und all den Seltsamkeiten, die darin lebten, verbrachte.

Mabel besuchte Ford oft und manchmal schwelgten sie gemeinsam in Erinnerungen an den früheren Abenteuern in Gravity Falls und an Gronkel Stan. Dipper saß jedes mal dabei und trug seine eigenen Storys vor, im vollen Bewusstsein dessen, dass sie ihn nicht hören konnten, aber mit dem innigen Wunsch, dennoch dazuzugehören.


Sobald deren Vater verstorben war, war Mabel ganz allein. Zumindest fühlte es sich so für sie an. Okay, sie hatte immer noch ihre Freunde und Gronkel Ford, aber die meisten von ihnen lebten oben in Gravity Falls, weit von ihrem Heim in Kalifornien entfernt.

Sie hatte oft mit sich selbst debattiert, ob sie nicht nach Gravity Falls ziehen sollte, um den anderen näher zu sein und Dipper war Feuer und Flamme für den Plan gewesen.

Aber letzten Endes entschied sich Mabel immer dafür, zu Hause zu bleiben, da sie Dipper in seinem Grab nicht zurücklassen wollte.

Natürlich stießen Dippers Erklärungen, dass sie ihn nicht alleine lassen würde, da er immer an ihrer Seite war, auf taube Ohren.


Es dauerte viele weitere Jahre, bis Großonkel Ford schließlich verstarb, aber als er es tat, hatte Dipper ein Loch in seinem Herzen verspürt. Bis ganz zum Schluss hatte er noch immer an den kleinen Hoffnungsschimmer festgehalten, dass sein Onkel seine Situation ändern könnte.

Dies würde nun offensichtlich nicht mehr passieren.

Nun, da Ford tot war und der Großteil ihrer restlichen Freunde über die Jahre aus Gravity Falls weggezogen waren, ließen Mabels Besuche zu der Stadt drastisch nach. Stattdessen besuchte sie den Ort nur einmal jährlich, um Soos zu sehen.

Und überhaupt war Mabel viel zu beschäftigt damit gewesen, ihr eigenes Leben zu leben und sich mit Arbeit, Beziehungen und allem anderen herumzuschlagen.

Dipper folgte ihr noch immer überall hin und kommentierte manchmal ihr Leben. Einmal, als er ihr eine alte Geschichte aus deren Kindheit erzählte, war seine Zwillingsschwester abrupt stehengeblieben und hatte sich hastig umgedreht, um ihn mit weiten, geschockten Augen anzustarren.

Und für einen kurzen, verrückten, erleichterten Moment hatte Dipper tatsächlich gehofft...

Und dann hatte sie sich an die Stirn geschlagen und laut kommentiert, dass sie ihre Brieftasche zu Hause vergessen hatte, bevor sie hastig zurück eilte.

In dem Moment wusste er...

Es war wirklich permanent.


Es gab Tage, da wusste er nicht, was er überhaupt noch hier auf der Welt tat...

Der Tag, an dem seine Zwillingsschwester im Alter von 68 Jahren auf dem Totenbett verstarb, war einer von diesen.

Dipper hatte an ihrer Seite gestanden, als sie ihren letzten Atemzug tat, und auf ihr friedvolles, regungsloses Gesicht herabgesehen. Dieses mal hatte er nichts gesagt.

Er wusste nun mit Sicherheit, dass niemand ihn hören würde.

Notes:

Kleiner Nebenfakt: Ich hab in dieser Story kurzzeitig meine andere Fanfiktion “Lamentations of an older sister” referenziert, da beide auf derselben Episode basieren und es irgendwie gepasst hatte. Ihr könnt diese Story quasi als Partnerstory zu der anderen sehen.

Und eine weitere Neuigkeit: Da ich zurzeit so in kreativer Laune bin, hab ich seit langem angefangen, mal wieder Fanarts zu zeichnen und momentan bin ich dabei, Fanarts zu meinen Gravity Falls Fanfiktions zu erstellen. Ihr könnt sie unter dem Link finden:
https://www.deviantart.com/neko343/gallery/78734014/gravity-falls

Und das Fanart zu dieser Fanfiktion findet ihr hier:
https://www.deviantart.com/neko343/art/Dead-to-the-world-882547102

Series this work belongs to: