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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Characters:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2021-06-09
Updated:
2021-08-03
Words:
25,796
Chapters:
11/12
Comments:
14
Kudos:
21
Bookmarks:
1
Hits:
249

:reuniting

Summary:

Das Ende von Beta Hearts war, kurz gesagt, offen. Und auch wenn vieles angedeutet und die Handlungsbögen abgeschlossen wurden, blieben doch ein paar Fragen unbeantwortet.
Dies ist mein Versuch, die Geschichte weiter zu spinnen und alles zur letzten Illustration im Buch, dem Gruppenfoto, hin aufzulösen und so nah wie möglich an den etablierten Charakteren zu bleiben. Natürlich mit einer Portion Kitsch drüber gestreuselt, das hier ist immerhin eine Fanfiction!

Notes:

Work in Progress! Ich freue mich immer über Feedback jedweder Art.

Chapter 1: :continuing

Chapter Text

… Andra lächelte, bis er verschwunden war und sie nachrücken konnte. Mit mehr Hoffnung im Herzen, als sie in den letzten Jahren empfunden hatte, teilte sie dem Supporter ihren Zielort mit.

Im nächsten Moment wurde ihr der Boden unter den Füßen weggerissen und für einen Bruchteil einer Sekunde wirbelte sie durch das Nichts, ihr Körper und Geist nicht mehr als ein wirbelder Strom aus weißem Rauschen. Kurz schwankte die Welt um sie herum, dann nahmen ihre Sinne wieder ihre Tätigkeit auf und Andra konnte sich orientieren.
Auch wenn sie mittlerweile so oft über die CyberFields gereist war, so hatte sie doch jedes Mal das Gefühl, ihr Magen sei an einer leicht anderen Stelle wieder integriert worden. Vielleicht würde sie sich nie richtig daran gewöhnen, aber heute scherte sie die leichte Übelkeit kaum, als sie vom Field hinabstieg und sich auf den Weg zum Ausgang der improvisierten Station machte.
Berlin war eine der Städte gewesen, die Alaska und Liza dem Erdboden gleich gemacht hatten, nachdem KAMI aufgetaucht war. Doch anstatt dem trostlosen Trümmerhaufen, den Andra zu sehen befürchtet hatte, erwartete sie ein geschäftiges Treiben in den Ausläufern der zerstörten Stadt: Die Menschen hatten auch hier begonnen, die Stadt aufzuräumen und wieder aufzubauen. Planen waren als provisorische Dächer über Mauern gespannt, Kinder rannten sorglos umher während unzählige Menschen sich aus dem Schutt ein neues Leben bauten.
Viele der Baukonstruktionen, die einst durch ihre fehlerhafte Programmierung für die Wucherzonen gesorgt hatten, waren nun demontiert und umfunktioniert worden, sodass sie den Wiederaufbau ungemein beschleunigten.

Beschwingt setzte Andra ihren Weg in die Stadt fort. Die Wärme in ihrem Innern gab ihr Energie und erinnerte Sie an die Hitze des Wüstensandes, der einmal ihre Heimat gewesen war. Wie groß die Welt doch geworden war! Der Gedanke, dass Sie noch vor einem Jahr vorgehabt hatte, ihr ganzes Leben in diesem einen Dorf zu fristen kam ihr nun reichlich absurd vor. Und doch war das Dorf, trotz allem was sie inzwischen damit verband, ihr Zuhause gewesen. Der einzige andere Ort, den sie jemals so bezeichnet hatte war Okijens Wohnung in Ulan Bator gewesen.
Okijen. Ohne bewusst darüber nachzudenken, verzogen sich ihre Mundwinkel zu einem leichten Lächeln, als sie an ihn dachte. An den Klang seiner Stimme vorhin am Telefon.
Sie konnte sich genau vorstellen, wie er vermutlich gelächelt hatte, als sie ihm das Treffen vorgeschlagen hatte. Verdammt, wieso war sie nicht wütend auf ihn? Wieso hatte sie sein Gesicht so lebhaft vor Augen und wieso schlug ihr Herz so schnell?
Kurz schloss sie die Augen und atmete tief ein und wieder aus. Dieses Chaos in ihr würde sie ein andermal lösen. Bald, hoffentlich. Aber nicht heute. Heute hatte sie andere Pläne. Bevor sie sich noch mehr Gedanken über die Zukunft machen konnte, musste sie die Vergangenheit ordnen. Und vielleicht würde ihr hier jemand helfen können.

Die Kolonie der Yuna, zu der sie unterwegs war, hatte sich zum Zeitpunkt des Einschlags weit genug außerhalb der Stadtgrenzen befunden, dass die meisten Einwohner die Explosion überlebt hatten. Nun waren sie diejenigen, die an vorderster Front mithalfen, das Chaos zu beseitigen und die wenigen Überlebenden aufzufangen.
„Andra! Hier herüber!“, hörte sie da eine Stimme rufen. Sie sah sich um und erblickte Rosa, die ihr aus einer kleinen Menschengruppe entgegen gelaufen kam.
„Rosa“, lachte Andra erleichtert und lief auf die Frau zu, die vor sechs Monaten so einen entscheidenden Teil zu KAMIs Niederlage beigetragen hatte.
„Schön, dich zu sehen“. Sie meinte es ehrlich. Rosa lächelte nur und wollte ihr gerade die Hand geben, da schien sie sich jedoch eines Besseren zu besinnen und senkte ihren Arm wieder.
„Ihr Yuna findet das seltsam, oder?“
„Ich hab mich dran gewöhnt“, lachte Andra, war jedoch gerührt über die umsichtige Geste. „Du hast wohl mit vielen Yuna zu tun?“
Rosa nickte und setzte sich in Bewegung, in Richtung der improvisierten Häuser. „Wer hätte gedacht, dass DVM und die Yuna mal so dicht an dicht zusammenarbeiten würden, hm?“, fragte sie im gehen. Andra nickte bedächtig. Es würde noch viel Zeit brauchen, bis sich die Menschen an die neuen Umstände gewöhnten.
Die meisten Yuna hatten es da einfacher, da sie schon immer abseits des Weltgeschehens gelebt hatten und oft an eine Existenz mit minimalen Ressourcen gewöhnt waren. Trotzdem waren sie nun mit den überlebenden Städtern konfrontiert, die alten Grenzen und Mauern eingerissen die sie so lange voneinander getrennt hatten. Vorurteile und Ängste waren an der Tagesordnung, doch genau dort versuchte Andra anzusetzen und zu vermitteln.
Sie fand es faszinierend, so viele verschiedene Schicksale und Lebensphilosophien kennen zu lernen. Wenngleich ihr Fokus vornehmlich auf den Yuna lag, so hatte sie doch in den vergangenen Monaten so unterschiedliche Menschen getroffen, die aus so unterschiedlichen Richtungen zusammenkamen. Sie hatte mit ehemaligen Mitgliedern von DVM gesprochen; die Sekte selbst hatte sich zwar zwangsläufig aufgelöst, aber ihre Organisation und Strukturierung war gemeinsam mit Gruppierungen wie Der Waage oder Ziran der Grundstein für die sich nur langsam neu formierende Gesellschaft gewesen. Trotzdem hatten viele der ehemaligen Mitglieder mit Existenzkrisen zu kämpfen: Gerade jene, die KAMI vergöttert hatten, waren nach dessen Deaktivierung in ein bodenloses Loch gefallen, ihr gesamtes Weltbild war vor ihren Augen zusammengefallen.
Rosa schien nicht zu diesen Menschen zu gehören und selbst wenn, so verbarg sie es gut in ihrem Innern.
„Hast du noch Kontakt zu deinen Begleitern von damals?“, unterbrach Rosa Andras Gedankenfluss. „Dieser Junge, wie hieß er noch gleich? Luke?“
Sie stockte, doch ihre Frage hing unausgesprochen in der Luft. Immerhin hatte Rosa Luke nur kurz kennen gelernt, und während der wenigen Tage war er die meiste Zeit schwerverletzt und im Delirium gewesen. Doch Andra winkte bloß ab, wie um die Besorgnis ihrer Begleiterin zu zerstreuen. „Ihm geht es gut, soweit ich weiß. Ich treffe seinen Freund Flover oft. Wo Ellis und Byth sich verstecken wüsste ich allerdings selbst zu gern“.
„Die außergewöhnliche Mechanikerin? Die könnten wir hier wirklich gut gebrauchen“, nickte Rosa. Offenbar gab es auch hier Menschen, die mechanische Prothesen der einen oder anderen Art nötig hatten.

Sie erreichten die Hütte, in der die Älteste der hiesigen Yuna lebte, ohne weitere Umschweife. Rosa verabschiedete sich von Andra mit einem Lächeln und der Bitte, doch später bei ihr und Nelson vorbeizuschauen. Dann verschwand sie um eine Häuserecke, und Andra war allein. Sie atmete kurz tief durch und zupfte ihr Oberteil zurecht, dann klopfte sie an die hölzerne Tür.
„Willkommen“, begrüßte sie eine runzlige, alte Frau, die sich mit einer Hand auf einen Gehstock stützte und mit der anderen die Tür aufhielt. Andra lächelte und wollte soeben den Gruß erwiedern, da stockte sie.

Die Erkenntnis brodelte zunächst wie ein unugtes Gefühl in ihrem Unterbewusstsein, bevor sie sie wie ein Schlag traf und Andra die Augen aufreißen ließ: Die Frau war der Ältesten aus ihrem Dorf wie aus dem Gesicht geschnitten.