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Category:
Fandoms:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 7 of Wurzel!Verse - Amancham und die Wurzelzwerge
Stats:
Published:
2011-01-30
Completed:
2011-03-07
Words:
12,306
Chapters:
4/4
Kudos:
1
Hits:
201

Doppelt gewurzelt hält besser

Summary:

Eliot taucht in meinem Zimmer auf und sorgt für ziemliche Unruhe in meinem eingespielten Leben ... Lindsey ist eifersüchtig. Oder so.

Chapter Text

Vor einer Weile hat Spike mal gesagt, Lindsey und ich würden uns anhören wie ein altes Ehepaar. Seit 20 Jahren verheiratet, viel zu viel Zeit miteinander verbracht und ständig nur am Zanken und Keifen. Gut. Wir kabbeln uns wirklich häufig, weil wir beide stur sind und weil Lindsey auch nach mittlerweile drei Jahren noch immer denkt, dass er mir sagen kann, wie ich meine Geschichten zu schreiben habe. Aber ein altes Ehepaar? Ich habe das nie so empfunden und fand Spikes Anmerkung übertrieben. Doch wie heißt es so schön? Recent events got me thinking.

Wie so oft vertrieb ich mir einen ruhigen Nachmittag mit Schreiben. Dollhouse und Leverage mit ein bisschen Angel. Das war zu verlockend, um es nicht wenigstens zu versuchen. Schon seit Leverage angelaufen war, grübelte ich mir den Kopf kaputt, wie ich Lindsey und Eliot am besten in eine Story packen konnte. Ich meine … ernsthaft! Zweimal mein Lieblingsschauspieler in einer Geschichte. Das musste einfach mal sein. Natürlich hatte es sich die Hauptperson der Geschichte nicht nehmen lassen, auf meinem Tisch aufzutauchen. Es ist wohl unnötig, zu sagen, dass Eliot sowas von nicht begeistert war. Weder von mir, noch von der Story, seiner neuen Umgebung oder sonst etwas. Dabei konnte sich Eliot wirklich glücklich schätzen! Zumindest war nicht gleich die erste Geschichte, die ich über seinen Charakter verbrach, eine Slashstory und er musste nicht mit einem Kerl ins Bett.

Aber – Slash oder nicht – Eliot war nicht begeistert. Nicht, dass mich das wirklich gestört hätte und zu meinem Glück ist der Knabe ja das genaue Gegenteil von Lindsey. Schön. Die Tatsache, dass er knurrend und knöchelknackend auf meinem Schreibtisch auf und ab stapfte, war nicht gerade beruhigend, aber zumindest hielt er die Klappe.

Anders als Lindsey verschwand Eliot jedoch nicht. Seit nunmehr drei Tagen war er immer da und der schien auch nicht zu schlafen. Eliot war wach und am rumrennen, wenn ich ins Bett ging und er war immer noch oder schon wieder wach und am auf und ab stapften, wenn ich morgens wieder die Augen aufschlug. Dafür tauchte Lindsey nicht auf und ich hatte längst den Verdacht, dass dieser sich einen Spaß erlaubte und er nur Eliot spielte. In dem Fall spielte er ihn aber gut. Eliot redete nicht viel. Nicht mit mir und auch sonst mit niemandem und nichts und überhaupt. Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass Lindsey das durchhalten würde. Nicht so lange.

Am vierten Tag meiner Leverage-Exkursion schlug ich die Augen auf und stutzte. Es war erschreckend ruhig im Raum. Nur um die Situation zu verdeutlichen: Wer schon einmal in einem Raum mit einem nachtaktiven Nager in seinem Käfig geschlafen hat, kann sich vorstellen, wie sich meine Nächte anhörten. Raschel, raschel, krabbel, raschel, schlurf … nicht, dass er übermäßig laut gewesen wäre, aber einfach hörbar aktiv.

Ich krabbelte verwundert aus meinem Bett und sah mich um, ob der Kleine sich jetzt doch mal

irgendwo zum Schlafen verkrochen hatte. Dann schaltete meinen Computer an und ging in die Küche, um mir Kaffee aufzukochen. Dem wirren Impuls mich in mein Zimmer zu stellen und nach ihm zu fragen, unterdrückte ich doch. Am Ende würde er noch antworten und ich konnte mich weiterhin böse von ihm anstarren lassen!

Auch als ich zurückkam, war alles ruhig und von Eliot fehlte jede Spur. Also machte ich es mir bequem und startete meinen Tag. Und für etwa eine halbe Stunde hatte ich meine Ruhe. Aber eben nur so lange …

*Puff*

Ich musste nicht einmal den Kopf drehen, um zu sehen, dass es Lindsey war. Er stand direkt auf meiner Tastatur und somit vor meiner Nase. Die Arme vor der Brust verschränkt, starrte er mich mit einem extrem finsteren Blick an.

„Morgen“, murmelte ich und gönnte mir gleich noch einen Schluck Kaffee. Lindsey beobachtete mich – schweigend! Wo sind Rotstift und Kalender, wenn man sie braucht? – und nickte mir dann knapp zu.

„Genug von dem Zeug intus, dass du mir nicht gleich den Kopf abreißt, wenn ich den Mund aufmache?“, erkundigte er sich in – verzeiht die Wortwahl, aber ein anderes Wort trifft einfach nicht zu – reichlich angepisstem Tonfall. Ich hob die Hand, um ihm zu bedeuten, dass er bitte schweigen solle, kippte mir die restliche, halbe Tasse auf Ex runter und schenkte nach.
„Jetzt ja“, meinte ich dann, meine Stimme noch immer rau und nicht wirklich gebrauchsfertig, wie jeden Morgen.

„Zigarette?“

„Zu früh!“ Was dachte Lindsey denn? Ja, ich brauchte meine Guten-Morgen-Kippe, um wirklich zu funktionieren … aber doch nicht so kurz, nachdem ich erst aus den Federn gekrochen war!

„Dein Pech.“ Er zuckte die Schultern und stemmte die Hände dann in die Hüften. „So. Und wo ist er?“

„Huh?“

„Dein neuer Spielgefährte, oder was auch immer der sein soll!“, brauste Lindsey auf. „Meinst du, ich hab den noch nicht gesehen? Ich meine … okay, ich sag nicht, dass du mit niemandem sonst reden darfst, aber das? Bin ich dir nicht mehr genug, oder was? Willst du mich ersetzen? Soll ich jetzt meine Sachen packen und gehen? Ist es das, was du willst?“

„Was? Moment, Lindsey! Ich …“

„Ich wüsste ja eh gern, was die Scheiße soll! Hast du mich geklont oder was? Oder wie hast du das angestellt? Ich meine, ich war immer für dich da! Ich hab dir immer geholfen, wenn du Fragen hattest, ich hab immer hergehalten, wenn du Dampf ablassen und was quälen musstest … und so dankst du es mir? Indem du mich einfach klonst? Was zum Teufel hab ich getan, dass ich sowas verdiene?“

Mehrmals hatte ich während seines Wutausbruchs den Mund geöffnet und doch wieder geschlossen. Der Zwerg hatte sich so richtig in Rage geredet und ich kam einfach nicht dazu, die Sache richtigzustellen. Am Ende gab ich auf und hoffte, dass er sich auch mal wieder beruhigen würde. Es war definitiv zu früh am Morgen für einen derartigen Wutausbruch!

„Toll! Du sitzt da und glotzt mich blöd an. Na, dann weiß ich ja, wo ich stehe: Lindsey wurde ausrangiert. Schönen Dank auch. Dann kann ich ja gehen.“ Er schüttelte den Kopf und wirkte ehrlich enttäuscht. Irgendwie tat mir der Kleine wirklich leid. Zumal es ja überhaupt keinen Grund für ihn gab, sich unerwünscht oder gar ersetzt zu fühlen. Eliot war so völlig anders als er und würde niemals seine Position einnehmen können. Davon mal ganz abgesehen, dass der mürrische Kämpfer das auch gar nicht wollte. Zu meiner Verwunderung quittierte Lindsey seine Worte allerdings nicht mit einem *Puff* und verschwand wirklich. Nein, er wandte sich ab und trottete über die Tastatur, die Hände in die Hosentaschen gestopft und die Schultern hochgezogen. Ohne ein Wort oder mich noch einmal anzusehen, hopste er von der Tastatur und schlich offensichtlich niedergeschlagen über den Tisch von mir weg.

„Oi!“ Ich streckte die Hand aus und fing den davonschleichenden Gnom ein. „Darf ich jetzt auch mal was sagen? Oder hast du dir schon lange in den Kopf gesetzt zu verschwinden und das ist jetzt nur ein Vorwand?“

„Lass mich los!“, zeterte Lindsey und zappelte in meiner locker geschlossenen Hand herum. Verwundert beobachtete ich meinen Lieblingsnervzwerg und fragte mich, warum er sich nicht einfach verpuffte. Machte er ansonsten doch auch ständig! „Du tust mir weh!“ Eine glatte Lüge, da war ich mir sicher. Ich zerquetschte ihn ja nicht. Ganz im Gegenteil. Ich hielt ihn so locker und vorsichtig in meiner Hand, als wäre er ein rohes Ei.

„Hör mal auf zu zappeln, Lindsey. Ich will dir ja nicht weh tun aber du erwartest doch nicht, dass ich dabei zugucke, wie du abdampfst, eh?“

„Hast ja schon nen neuen Spielgefährten“, lamentierte der Kleine. Er klang sowas von gekränkt, dass es mir echt das Herz in der Brust zerreißen wollte.

„Du phantasierst doch, Lin. Und jetzt hör mir mal fünf Minuten zu. Danach kannst du immer noch gehen.“

„Bleibt mir ja nix anderes übrig, eh? Lässt mich ja doch nicht los.“ Jetzt war ich wirklich verwirrt. Wenn Lindsey tatsächlich verschwinden wollte, warum tat er es dann nicht einfach? Ich war ernsthaft versucht, ihn zu fragen, warum er sich nicht einfach verpuffte. Aber andererseits hatte ich echt Panik, dass ich ihn nur an etwas erinnern würde, was er vergessen hatte und wenn ich das Wort nur aussprechen würde, wäre er verschwunden, ehe es meine Lippen verlassen hatte. Allerdings machte er nicht im Geringsten Anstalten, sich auch nur annähernd zu beruhigen. Ich konnte ihn im Moment nicht einmal loslassen, weil er vermutlich in seinem kindischen Tobsuchtsanfall runtergefallen wäre und sich womöglich noch wehgetan hätte.

„Lindsey hör jetzt bitte auf so zu zappeln. Am Ende knallst du mir noch auf die Tischplatte.“ Himmel. Seit wann sagte ich eigentlich „Bitte“, wenn ich mit dem Zwerg redete? Und grundgütiger! Seit wann hörte Lindsey auf mich? Das wurde langsam wirklich besorgniserregend! Der Wurzelzwerg hörte nämlich tatsächlich auf, herumzuzappeln und sich aus meiner Hand zu winden – oder es zumindest zu versuchen – und hing daraufhin geradezu schlaff in meiner locker geschlossenen Faust. „Hey, Kleiner. Alles okay?“, erkundigte ich mich reichlich verstört. War er jetzt eingeschlafen? In Ohnmacht gefallen? Alles sehr seltsam.

„Nein. Gar nicht okay. Dachte, das hätte ich grade schon klargestellt“, murmelte er niedergeschlagen. Okay. Jetzt herrschte in meinem Kopf wirklich Alarmstufe rot. Für gewöhnlich rastete Lindsey nämlich immer total aus, wenn ich ihn „Kleiner“ nannte.

„Ach Lindsey.“ Ich seufzte und war ernsthaft versucht, mir ein Kissen zu holen und den Kleinen darauf zu hocken. Tischplatte war ja wirklich so hart und überhaupt … Uh! Was dachte ich da eigentlich? Vorsichtig öffnete ich meine Faust, hielt meine andere Hand dicht darunter und tatsächlich plumpste Lindsey in meine Handfläche wie ein nasser Sack und blieb dort auch liegen, eingerollt wie ein Hündchen. „Guckst du mich heute auch mal noch an oder muss ich mit deinem Rücken reden?“, erkundigte ich mich leise und stupste ihn vorsichtig mit dem Zeigefinger.

„Mag nicht.“ Himmel! Was war der heute wieder anstrengend!

„Na schön. Dann red ich halt mit deinem Rücken“, meinte ich resignierend. „Also. Wo der Kerl jetzt ist, weiß ich nicht. Und nein, ich habe dich weder geklont noch will ich dich ersetzen. Ich weiß, der Kerl hat ne gewisse Ähnlichkeit …“

„Gewisse Ähnlichkeit? Das könnte mein Zwillingsbruder sein!“ Ich verdrehte die Augen und lehnte mich zurück. Aber immerhin wusste ich jetzt mit Sicherheit, dass mir Lindsey zumindest zuhörte.

„Könnte, isser aber nicht. Der Typ heißt Eliot und der sieht aus wie du, weil Christian Kane den in der Serie Leverage spielt …“

„Der schon wieder“, murrte Lindsey und wenigstens klang er jetzt nicht mehr niedergeschlagen, sondern genervt. Ein Fortschritt, wie ich fand. Ich liebte ja einen am Boden zerstörten Lindsey in meinen Geschichten … aber das dann in Original auf meinem Schreibtisch oder – wie in diesem Fall – in meiner Hand zu haben war weit weniger angenehm und unterhaltsam.

„Tut mir leid, aber der ist nun mal Schauspieler und im Moment spielt er Eliot und ich hab eine Geschichte mit Eliot angefangen und dann stand der plötzlich vor mir. Und glaub mir, dem passt das noch viel weniger als dir!“

„Eliot, huh?“ Lindsey schniefte kaum hörbar und rappelte sich auf, sah mich aber noch immer nicht an.

„Uhu“, bestätigte ich sanft. „Eliot. Nicht Lindsey und auch nicht Lindsey zwei. Der ist total anders als du … und hab ich dir nicht schon mal gesagt, dass dich niemand ersetzen könnte?“

„Nö.“ Spinner. Natürlich hatte ich das gesagt. Schon öfter. Das wusste ich mit Sicherheit! Aber ich wollte ja nicht schon wieder einen Streit vom Zaun brechen und deswegen sagte ich nichts dazu.

„Dann sag ich es jetzt eben. Und du schreibst dir das besser hinter die Ohren, mein Lieber! Was für eine Szene … wegen nichts und wieder nichts!“ Klar, in erster Linie war ich erleichtert, dass er wieder auf dem Weg zu meinem normalen, nervenaufreibenden Lieblingszwerg war … aber bisschen wütend war ich dann doch auch, dass er mir so etwas überhaupt unterstellt hatte.

„Eliot“, sinnierte Lindsey vor sich hin. „Was ist das überhaupt für ein doofer Name?“

„Komm hier rüber, dann zeig ich dir, wie doof der Name ist! … und das von einem Kerl, der nen Mädchennamen trägt.“ Oha! Ich hatte nicht gemerkt, dass Eliot hier war. Ups. Lindsey war das Auftauchen seines „Doppelgängers“ scheinbar ebenso entgangen, denn der starrte jetzt auch ins Regal hinüber, wo Eliot wieder einmal mit geschlossenen Fäusten und in Kampfstellung stand. Das machte der ja wirklich ständig und ich war ehrlich froh, dass er augenscheinlich noch nichts davon wusste, dass er seine Größe eigentlich ändern konnte. Einen wütenden, fäusteschwingenden Eliot in Lebensgröße wollte ich definitiv nicht in meinem Zimmer haben!

Natürlich musste Lindsey darauf eingehen und *Puff* war er von meiner Hand verschwunden und tauchte einen Wimpernschlag später direkt vor Eliot im Regal auf, und noch ehe ich irgendetwas sagen konnte, um Eliot abzuhalten oder Lindsey mitzuteilen, dass er seinem Doppelgänger nicht gewachsen war, traf ihn auch schon ein augenscheinlich deftiger Kinnhaken von Eliot und mein Lieblingsnervzwerg taumelte nach hinten.
„Eliot! Hör auf!“ Er schien tatsächlich zu gehorchen, denn Eliot sah mich etwas verwirrt an und ließ die Fäuste sinken. Nun war es Lindsey, der sich mit einem deutlich vernehmbaren Knurren auf ihn stürzte. Obwohl Lindsey einen kleinen Vorteil hatte, weil er Eliot mit seinem Angriff überraschte, gewann der Hitter natürlich sofort wieder die Oberhand und während ich noch immer mit lauter Stimme versuchte, die Aufmerksamkeit der beiden Streithähne auf mich zu ziehen, bewegten die sich gefährlich nah auf den Rand des Regalfachs zu. Gerade als ich aufsprang und nach ihnen greifen wollte, rollten die beiden aber aus dem Regal herunter und stürzten in die Tiefe … begleitet von meinem erschrockenen Aufschrei.

*Puff*

„Eliot? Lindsey?“ Keine Antwort. Also entweder hatte Lindsey sie beide weggepufft oder Eliot hatte sich bei dem Sturz das Genick gebrochen und lag jetzt irgendwo in der Spalte zwischen Tisch und Regal. Ich schluckte und ging auf die Knie um den Boden abzusuchen, wobei ich mich fieberhaft fragte, ob die Wurzelzwerge eigentlich sterben konnten.

*Puff*

„Scheiße! Was war das?“ Ich ruckte hoch und schlug mir prompt den Kopf an der Tischplatte an, weil ich halb unter meinem Schreibtisch herumgekrochen war. Mit einer Hand meinen schmerzenden Kopf reibend, spähte ich über die Tischkante und sah sowohl Eliot als auch Lindsey dort stehen, noch immer ineinander verkeilt, aber vor allem Eliot war wohl gerade zur Salzsäule erstarrt und starrte verwirrt um sich. Ich atmete auf und stand endlich auf.

„Hattest du Angst um ihn?“, knurrte Lindsey missmutig, ließ Eliot los und nutzte dessen Verwirrtheit, um sich aus seinem Griff zu befreien. Mit vor der Brust gekreuzten Armen starrte mich mein Lieblingsnervzwerg an.

„Ah … um euch beide?“, schlug ich vorsichtig vor. Ein genervtes Schnauben war Lindseys einzige Reaktion, ehe er mit einem erneuten *Puff* verschwunden war. Seufzend ließ ich mich auf meinen Stuhl fallen und ging die letzten paar Minuten irritiert erneut durch. Warum zum Teufel führte Lindsey sich so absolut kindisch auf! Ich beschloss, dass es definitiv zu viel Aufregung am frühen Morgen gewesen war, rollte mir schweigend eine Zigarette und verließ mein Zimmer, wohl wissend, dass Eliot sich noch immer nicht bewegt hatte und noch immer reichlich verwirrt wirkte. Scheinbar hatte ihm noch niemand erklärt, dass er jetzt ganz tolle neue Fähigkeiten hatte, wo er doch nur eine Ausgeburt meiner wirren Gedanken war und somit die Gesetze der Physik nicht auf ihn zutrafen … oder so ähnlich.

*Puff*

„Schick ihn weg!“ Ich schloss für einen Moment die Augen, lehnte mich an die Hauswand und nahm noch einen kräftigen Zug an meiner Zigarette. „Ich mein’s ernst! Wenn dir wirklich irgendwas an mir liegt, schickst du ihn weg!“ Ich drehte den Kopf in Zeitlupe zum Fensterbrett und sah Lindsey seufzend an.

„Als ob das jemals wirklich geholfen hätte, huh? Illy, Spike, Oz, Angel, du! Ich hab euch alle weggeschickt, oder es zumindest versucht. Und ihr seid immer noch hier. Die einen öfter, die anderen weniger häufig. Aber immer noch hier. Und Eliot hat scheinbar keine Ahnung, dass er überhaupt verschwinden kann …“

„Und?“, knurrte Lindsey missmutig.

„Und? Du könntest ja mal nett sein, und ihm etwas helfen?“, schlug ich etwas aufgebracht vor. „Du stellst dich sonst nie so an und hilfst Neuankömmlingen … warum bist du ihm gegenüber so gemein?“

„Die anderen sehen ja auch nicht aus wie ich!“, erboste sich Lindsey. „Hallo? Hast du dir den Kerl man angeguckt?“ Ich seufzte erneut.

„Himmel! Das hatten wir doch alles schon! Ich hab dir erklärt, warum er aussieht wie du und ich hab dir auch schon gesagt, dass ich nicht vorhabe, dich zu ersetzen oder sonst etwas! Jetzt hör endlich mit diesem eifersüchtigen Gehabe auf! Gibt gar keinen Grund dafür!“

„Eifersüchtiges Gehabe? Ich mag ihn einfach nicht. Basta. Ich muss ja auch nicht jeden Kerl mögen, den du hier auftauchen lässt.“

„Tust ja grade so als würd ich das mit Absicht machen!“

„Tust du auch. War dir doch wohl klar, dass der hier auftauchen würde, wenn du anfängst, über ihn zu schreiben, eh? Gib’s doch zu! Du wolltest ihn hier haben!“ Nicht ganz gelogen, aber auch nicht unbedingt wahr. Ich hatte die Vermutung gehabt, dass das passieren könnte … eine Vermutung, die sich offenbar bestätigt hatte. Aber es war ja nicht so, dass ich gezielt nach einer Idee zu einer Leverage-Geschichte gesucht hätte. Die war mir einfach so gekommen. Ich fühlte mich ehrlich nicht wirklich schuldig.

„Du kennst ihn nicht einmal. Woher willst du dann wissen, dass du ihn nicht magst?“, versuchte ich auf ein etwas anderes Thema zu lenken.

„Ist so. Den muss ich gar nicht genauer kennenlernen“, murrte Lindsey.

„Gib ihm ne Chance?“, bat ich vorsichtig. „Ernsthaft, Lindsey. Ich kann ja verstehen, dass …“

„Verstehen? Hast du hier auch nen Doppelgänger rumrennen, huh?“

„Nein“, gab ich matt zu. „Hab ich natürlich nicht. Aber …“

„Dann sag nicht, dass du es verstehst. Basta.“ Ich gab auf. Ganz offensichtlich war mit Lindsey nicht mehr zu reden. Nicht wenn es um Mr. Spencer ging. Also schwieg ich, weil mir auch gar nichts einfallen wollte, was ich sagen sollte, um die Situation irgendwie zu entschärfen. „Und warum hängt der eigentlich ständig hier herum, eh? Macht sonst auch keiner von uns.“

„Vielleicht weil er den netten Verpuffungstrick nicht kennt?“, schlug ich vor. „Wirkte reichlich überrascht von deinem kleinen Zaubertrick gerade.“ Lindsey schnaubte. „Wenn er wüsste, wie er verschwinden kann, würde er es bestimmt machen. Der ist eh nicht happy hier. Gar nicht. Also vielleicht …“ *Puff* Damit war also das Gespräch beendet.

Als ich wenig später wieder in mein Zimmer kam, waren die beiden verschwunden. Oder Eliot hatte sich wieder versteckt. Ich wusste es nicht und irgendwie war es mir auch gerade wirklich egal. Ich setzte mich wieder an den PC und tippte weiter. Lindsey schien wirklich eifersüchtig auf Eliot zu sein. Spikes wiederholte Aussage, wir wären wie ein altes Ehepaar, nahm ganz neue Bedeutung an. Ups.

*Puff*

„Was tippst du?“

„Das was ich seit ein paar Tagen tippe“, gab ich zurück, ohne den Blick zu heben. Lindsey brummte etwas und marschierte dann über den Schreibtisch und baute sich vor dem Bildschirm auf, um mitzulesen. „Ich auch drin?“, erkundigte er sich überrascht.

„Irgendwie schon … irgendwie nicht.“

„Muss ich das verstehen?“

„Ah … ne.“

„Okay.“

„Wo ist Eliot?“

„Weg.“

„Das seh‘ ich. Was hast du gemacht?“, erkundigte ich mich lauernd und bohrte mit Blicken ein paar kräftige Löcher in Lindseys Rücken.

„Ihm den kleinen Trick mit dem Verschwinden erklärt und wir haben abgemacht, dass wir uns nicht zur gleichen Zeit hier aufhalten werden. Jetzt bin ich hier. Er kommt später wieder.“ Lindsey drehte mir noch immer den Rücken zu und die Löcher, die ich längst durch ihn gestarrt haben musste, schien er auch nicht zu merken … oder er ignorierte mich jetzt einfach.

„Ah … okay.“ Das klang, als hätten sie sich wenigstens einigermaßen arrangiert. Ich atmete innerlich auf und hoffte, dass Lindsey mich endlich vom Haken lassen würde.

„Ich mag ihn trotzdem nicht“, nahm mir Lindsey sofort wieder den Wind aus meinen Hoffnungs-Segeln. „Und er mich auch nicht, ganz nebenbei bemerkt. Beruht also auf Gegenseitigkeit und ich sehe nicht, warum ich mich dann bemühen sollte, mich mit dem Typen abzugeben.“

„Fair enough“, gab ich lahm zurück. „Aber wie wäre es, wenn ihr einfach nen Schwanzvergleich macht und die Sache ist dann endlich erledigt, anstatt dass ihr ständig in Faustkämpfe geratet? Du führst dich hier echt auf wie ein eifersüchtiger Hahn oder sonst etwas.“

„Und mit wem fickt er rum?“ Ganz offensichtlich beschloss Lindsey, meine Aussage gründlich zu ignorieren. Auch gut. War vermutlich auch besser so.

„Mit niemandem!“, erboste ich mich sofort. Das klang ja ganz so als wäre ich nicht in der Lage, eine Geschichte zu schreiben, in der kein Sex vorkam! Das war … nicht richtig!

„Was denn? Als ich hier ankam, durfte ich gleich Zeuge des vollen Ausmaßes deiner Verrücktheit werden und lesen, wie ich mit Angel poppe und der kommt so einfach davon?“ Hatte ich gehofft, ich wäre endlich vom Haken? Möööööp! Weit gefehlt! Lindsey war ganz offensichtlich nicht bereit, die Sache so schnell auf sich beruhen zu lassen.

„Sorry, aber in der Geschichte …“

„Mir egal, ob das passt oder nicht. Der soll schön durch die gleiche Hölle gehen wie wir anderen auch. So.“

„Nein. Das passt nicht und ende. Davon ab ist Eliot nicht schwul genug, in der Serie.“

„Ach … und ich bin schwul?“

„Ah … irgendwie schon ...“ Ich fingierte einen Hustenkrampf, aber natürlich konnte ich nicht über meine Worte hinwegtäuschen.

„Hm. Darüber reden wir noch“, erklärte mir Lindsey und mit einem weiteren *Puff* war er verschwunden. Ich verdrehte die Augen und tippte weiter. Immerhin gingen sie sich nicht mehr an die Kehle und Eliot hockte nicht ständig hier herum. Vermutlich war das das Beste, was ich in dieser Situation erhoffen konnte. Ich hoffte nur, Eliot würde doch wieder verschwinden, sobald ich mit dieser Geschichte fertig war, denn ich war mir ziemlich sicher, dass ich das Gezicke von Lindsey auf Dauer nicht würde ertragen können. Also hoffen und tippen.