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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2021-10-31
Words:
2,118
Chapters:
1/1
Kudos:
18
Bookmarks:
1
Hits:
326

Versprochen

Summary:

Leo rettet Karin aus dem brennenden Haus und besucht sie wie versprochen im Krankenhaus (aber nicht nur, um ihr durch eine Scheibe hindurch zuzuwinken, @tatort autoren).

Notes:

Ich habe mir ein paar dramaturgische Freiheiten genommen... Wir ignorieren einfach, dass Leo eigentlich Nils Klotzsche stützt und nicht Karin als sie aus dem Haus kommt, okay? Das passt mir nämlich so gar nicht.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

 

“Karin, wir müssen hier raus!”

Wieder und wieder versuchte Leo irgendwie zu Karin durchzudringen. Diese schien immer noch zu glauben, dass sie Martha Kolodziejczyck zum Aufgeben bewegen könnte, aber Leo war klar, dass es dafür längst zu spät war. Sie mussten dieses Haus verlassen, bevor das unvermeidliche eintrat und eins der Streichhölzer zündete.

Karin!“, rief Leo noch einmal verzweifelt und endlich nahm ihre Partnerin sie wahr und schaute zu ihr.

„Wir müssen jetzt gehen!“ Die Eindringlichkeit schien Karin schließlich zu überzeugen. Sie nickte schwach und gab ein schmerzerfülltes, kurzatmiges „Okay“ von sich, das Leo das Herz zerriss. Trotzdem zögerte sie keine Sekunde, griff nach Karins Arm und zog sie hoch und in Richtung Tür. Am Türrahmen angelangt widerstand Karin Leos Druck, drehte sich noch ein letztes Mal zu Martha um und fiel dabei vor Erschöpfung auf die Knie. Leo war zu langsam um sie aufzufangen und spürte, dass dieser Moment, dieser letzte Blick, ihrer Kollegin wichtig war. Trotzdem fiel es ihr schwer, nicht sofort weiterzulaufen und Karin in Sicherheit zu bringen. Wie in Zeitlupe beobachtete sie, wie das Streichholz, welches schließlich angegangen war, langsam herunterbrannte und zu Boden viel. Die Flammen die sofort in die Höhe schossen brachten sie jedoch sofort zum Handeln. Mit aller Kraft griff sie Karin unter die Arme und zog sie hoch, raus in den Flur. Diese schien alle Energie verlassen zu haben und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, sodass Leo fast ihr gesamtes Gewicht stemmen musste während sie so schnell wie möglich die Treppe herunter aus dem Haus stolperten.

Endlich an der frischen Luft angekommen sackte sie unter der Last zusammen und beide vielen zu Boden. Sofort beugte sich Leo über Karin um nach ihr zu sehen. Nur unterbewusst nahm sie wahr, dass Schnabel mit der Verstärkung angekommen war und Anweisungen verteilte, dass irgendwo im Haus etwas explodierte und immer mehr Blaulicht und Sirenen sie umgaben, als nach und nach auch Feuerwehr und Rettungswagen ankamen. Ihr Fokus war nur auf ihrer Partnerin, die schwer atmend und mit von Schmerz verzerrtem Gesicht vor ihr lag.

„Karin, kannst du mich hören? Ist alles in Ordnung?“, fragte sie panisch. Ein leichtes Nicken war die einzige Antwort die sie bekam, allerdings schien es als würde das nur ihre erste Frage beantworten. Dann verlor Karin das Bewusstsein. Leo wollte irgendetwas tun um zu helfen, aber sie wusste nicht was. Sie fühlte sich vollkommen machtlos und konnte nur auf ihre regungslose Partnerin starren, bis sie schließlich – Sekunden, Minuten später? – sanft weggezogen wurde. Sie wollte sich dagegen wehren, aber sie wusste, dass die Rettungssanitäter, die sich nun ihrer annahmen deutlich mehr für Karin tun konnten als sie selbst.

Während Karin auf eine Trage gehoben und in einen Rettungswagen geschoben wurde legte Schnabel Leo einen Arm um die Schulter und reichte ihr ein Taschentuch. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie tränenüberströmt war, aber sie war zu besorgt, um sich darum zu kümmern, was ihr Chef darüber denken mochte.

„Komm“, sagte er „wir fahren dem RTW hinterher“. Er schob sie sanft auf den Beifahrersitz seines Wagens und setzte sich schweigend hinters Steuer. Auch auf der Fahrt sprachen sie kein Wort miteinander. Leo starrte aus dem Fenster versuchte irgendwie ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen, aber ihre Gedanken wirbelten unaufhaltsam durch ihren Kopf und die Angst um Karin ließ sich nicht unterdrücken.

Was wenn sie zu spät gekommen war? Schnabel hatte ihr ausdrücklich verboten, alleine das verbrannte Gebäude zu betreten, aber ihre Angst um Karin und ihr Bauchgefühl waren um einiges stärker gewesen, als ihr sonst so ausgeprägter Wille, alles nach Protokoll zu machen. So war sie ohne zu zögern und mit gezückter Waffe hinein gelaufen. Trotzdem war ihr klar, dass sie Schuld daran hatte, dass es überhaupt so weit gekommen war. Erst als sie erfahren hatten, dass Karin verschwunden war hatte Leo bemerkt, dass diese kurz vorher versucht hatte sie anzurufen, sicherlich um ihr etwas Wichtiges zu sagen. Aber sie war so beschäftigt gewesen, dass sie ihr Handy unbeachtet am Schreibtisch liegen gelassen hatte, obwohl sie gewusst hatte, dass Karin dazu neigte, auf Bitten im Bett zu bleiben nicht zu hören. Nach all den Jahren der Unsicherheit und Karins Schwierigkeiten, sich ihrer Partnerin anzuvertrauen, wenn sie Probleme hatte, hatte Leo das eine Mal versagt, dass Karin offenbar nicht gezögert hatte, sie vor einem Alleingang zu informieren.

Schon vor Beginn der Ermittlungen hatte sich Karin seltsam verhalten und sich zurückgezogen, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass niemand bemerken würde, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Aber Leo hatte es natürlich sofort bemerkt – an den Augen, die ihrem Blick auswichen, an den Antworten auf ihre Fragen, die noch karger ausfielen als sonst, an Karins Anspannung. Zuerst hatte sie es als Sorge um Aaron abgetan, aber nach einer Weile war sie überzeugt gewesen, dass mehr dahinterstecken musste. Nachdem Karin ihre ersten, weniger direkten Versuche an die Wahrheit zu kommen abgeblockt hatte, hatte sie sich entschlossen, ihre Kollegin direkt anzusprechen. Sie war überrascht gewesen, dass Karin sich ihr für ihre Verhältnisse sehr schnell und vollumfänglich anvertraut hatte. Auch als der Stalker sich bei Karin gemeldet hatte, hatte sie Leo sofort darüber informiert. Leo fühlte sich, als seien sie endlich einen Schritt weitergekommen, ihre Vergangenheit schien nicht mehr zwischen ihnen zu stehen und Hoffnung war in ihr aufgekeimt, dass doch mehr werden konnte aus ihrer kollegialen Freundschaft. Karin hatte ihr vertraut, ihrem Chef nichts über ihre Sorgen zu sagen, das war das eine. Aber noch viel mehr hatte es Leo bedeutet, dass sie ihr auch vertraut hatte, selber zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen war, ihn doch einzuweihen. Und als es soweit gewesen war, war Karin nicht sauer gewesen.

Aber jetzt hatte sie möglicherweise all das wieder zerstört. Das einzige, das mindeste was sie jetzt noch tun konnte war, ihr Versprechen zu halten und Karin im Krankenhaus zu besuchen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage. Sie fürchtete sich davor, was Karin sagen würde, wenn sie wieder zu Bewusstsein kam... wenn sie wieder zu Bewusstsein kam. Niemand wusste, ob sie nach dem letzten Vorfall noch eine weitere Dosis der Nanobots abbekommen hatte und ob das Labor rechtzeitig ein Gegenmittel herstellen würde. Was wenn die Strapazen der letzten Stunden zu viel für Karins Herz gewesen waren und es einfach stehen bleiben würde? Nur weil Leo ihren Anruf nicht gehört hatte.

Schnabel erlöste sie aus ihrer Gedankenspirale indem er seine Hand auf ihre Schulter legte und ihr bedeutete, dass sie am Krankenhaus angekommen waren. Die nächsten Stunden vergingen zäh, aber ohne, dass Leo wirklich etwas wahrnahm. Zunächst saßen sie lange in einem Wartezimmer ohne etwas Neues zu hören. Auch Aaron stieß nach kurzer Zeit zu ihnen und schritt nervös im Zimmer auf und ab. Irgendwann kam endlich eine Ärztin zu ihnen und brachte gute Neuigkeiten. Zwar hatten sie Karin viele Beruhigungs- und Schmerzmittel geben müssen, aber sie hatte keinen schlimmen Verletzungen davongetragen und ihr Herz arbeitete wie es sollte. Sie schlafe und es sei ungewiss, wann sie aufwachen würde, aber es sei kein Problem, wenn sie zu ihr aufs Zimmer gingen und warteten.

Dort saßen sie also zu dritt und gähnten sich an, bis Schnabel Aaron anbot, ihn nach Hause zu bringen und am nächsten Morgen wieder abzuholen, damit er wenigstens ein bisschen Schlaf bekam. Auch Leo war todmüde nach den Tagen voller Sorge um ihre Kollegin, aber ihr Chef hatte schnell eingesehen, dass jeder Versuch, sie vom Stuhl neben Karins Bett loszukriegen sinnlos war. Sie würde nicht von ihrer Seite weichen, egal wie lange es dauerte. Wenn Karin die Augen öffnete würde sie da sein. Die beiden verabschiedeten sich und eine Weile saß sie alleine im Krankenhaus Zimmer und versuchte die Augen offen zu halten. Sie fühlte sich hilflos, wieder konnte sie nichts tun außer hier zu sitzen und zu warten. Irgendwann griff sie nach Karins Hand und verschränkte ihre Finger mit denen ihrer Partnerin. Wenn Karin bei Bewusstsein wäre hätte sich Leo vermutlich nie zu einer solch intimen Geste überwinden können, aber gerade war es das einzige, was ihr mit ihrer Angst half.

 „Karin, es tut mir so Leid. Aber ich bin hier, hörst du? Und ich werde nicht wieder gehen. Versprochen ist versprochen.“

 

________

 

Irgendwann musste Leo schließlich doch eingeschlafen sein. Sie erwachte, weil sie eine Bewegung spürte. Sie war erst etwas orientierungslos, aber als sie ihren Kopf hob sah sie in Karins geöffnete Augen. Karin war blass und sah erschöpft aus, aber in ihren Augen konnte sie den Ansatz eines Lächelns erkennen, dass es aus Kraftlosigkeit nicht bis zu ihren Mundwinkeln zu schaffen schien.

„Du bist da...“, brachte sie hervor und Leo nickte und zwang sich zu einem schüchternen Lächeln. Erst als sie leicht beschämt den Blick nach unten abwandte sah sie, dass ihre Hand immer noch mit Karins verschränkt war. Sie wollte sich möglichst unauffällig aus der Berührung lösen und hoffte, dass Karin nicht zu viel hineininterpretierte. Aber als sie versuchte, ihre Hand anzuheben verstärkte Karin den bis dahin kaum vorhandenen Druck. Keine Chance mehr, unbemerkt aus der Berührung zu kommen. Leo blieb nichts Anderes übrig, als Karin wieder anzusehen. Sie wollte schon ansetzen sich zu entschuldigen oder aber Karin kam ihr zuvor und flüsterte:

„Versprochen ist versprochen!“

Diesmal erreichte ein wehmütiges Lächeln auch ihre Mundwinkel und Leo entspannte sich. Mehr als das, aller Druck der letzten Stunden begann sich aufzulösen und ein großer Stein viel ihr vom Herzen. Für den Moment vergaß sie ihre Sorgen und Befürchtungen. Entgegen all ihrer Bedenken begann sie, mit ihrem Daumen sanft über Karins Handrücken zu streichen. Sie war nervös, doch es fühlte sich so richtig an, hier bei ihrer Partnerin zu sein. Und Karin schien nichts gegen ihre Gesellschaft und die Berührung zu haben. Sie schloss ihre Augen wieder und war nach kurzer Zeit zurück in einen ruhigen Schlaf geglitten. Das sanfte Lächeln auf ihren Lippen blieb zurück. Auch Leo fielen bald wieder die Augen zu.

 

_______

 

Wenige Zeit später – sie konnte nicht einschätzen, wie lange sie geschlafen hatte, aber lange konnte es nicht gewesen sein – erwachte Leo wieder. Diesmal schien ein Geräusch sie geweckt zu haben, was sie noch nicht einordnen konnte, welches aber sofort Panik in ihr hochsteigen ließ. Während sie sich aufsetzte registrierte sie mehrere Dinge gleichzeitig: sie hielt nicht mehr Karins Hand, ihre Partnerin wand sich hin und her im Bett und das Geräusch, was sie geweckt hatte war ein schmerzerfülltes Stöhnen. Offensichtlich schlief Karin noch, war aber erneut von einer Schmerzwelle gepackt worden.

„Karin. Karin, wach auf!“, sagte sie panisch, während sie aufsprang und den Rufknopf betätigte. Sie griff nach Karins Schultern und schüttelte sie leicht, bis diese die Augen öffnete. Im ersten Moment schien sie orientierungslos und ihre Augen suchten ängstlich ihre Umgebung ab, aber dann fokussierte sich ihr Blick auf Leo und sie beruhigte sich etwas. Trotzdem sah Leo ihr an, dass sie starke Schmerzen und sie sichtliche Probleme beim Atmen hatte.

„Leo- “, sagte sie leise und stockend. Sie wollte weitersprechen, brachte aber nur ein Stöhnen hervor und kniff die Augen zusammen. Gleichzeitig suchte ihre Hand Leos Unterarm und krallte sich daran fest. Leo legte ihre freie Hand auf Karins und strich wieder darüber, zögerte aber dann.

„Tut das weh?“, fragte sie. Karin schüttelte mit zusammengepressten Lippen den Kopf, sodass Leo die Bewegung wieder aufnehmen konnte. Sie nahm erschrocken, dass durch Karins geschlossenen Lider Tränen quollen und ihre Wangen benetzten. Ihre Atmung wurde immer schneller und abgehakter. Auch Leo stiegen Tränen in die Augen, sie konnte diesen Anblick kaum ertragen, aber wegsehen war keine Option. Karin brauchte ihre Hilfe, also musste sie endlich dieses Gefühl von Hilflosigkeit abwerfen und etwas tun.

„Karin, hörst du mich? Konzentrier dich nur auf meine Berührung, okay? Schau mich an und versuch mit mir zu atmen“. Tatsächlich schaffte Karin es, ihre Augen zu öffnen und ihre Atmung langsam ein bisschen zu beruhigen, aber auch nach ein paar Minuten wimmerte und schluchzte sie noch vor Schmerzen. Wo blieben nur diese Schwestern? Leo blickte in Richtung Tür und beschloss, kurz auf den Flur zu gehen und nach Hilfe zu fragen, aber als sie sich aufrichtete zog Karin an ihrem Arm. Sie drehte sich zurück und blickte ihr tief in die Augen.

„Bitte bleib“, bat Karin mit zittriger Stimme, hob ihre Hand und strich Leo eine Träne von der Wange. „Ich halte das ohne dich nicht aus.“

Leo nickte schließlich, atmete tief durch und lehnte sich vor, bis ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.

„Konzentrier dich nur auf meine Berührung, okay?“, flüsterte sie und überbrückte die letzte Distanz. Ganz vorsichtig berührten ihre Lippen Karins, die immer noch vor Schmerzen zusammengepresst waren, aber sich unter dem Kuss langsam entspannten. So verharrten sie fast regungslos, konzentriert auf den Kuss und Leo spürte wie Karins Anspannung immer weiter von ihr abfiel.

„Danke“, murmelte Karin erschöpft und ein sanftes Lächeln wanderte von ihren Lippen auf Leos.

 

 

 

Notes:

Das erste Mal, dass ich aus Leos Sicht schreibe, irgendwohin mussten halt diese ganzen unerfüllten Hurt/Comfort Gefühle aus der Folge.

P.S.: Nachdem tumblr die Gruppenfunktion gelöscht hat sind wir mit ein paar Leuten zu "goupme" umgezogen mit unserem Dresden wlw Chat, falls von euch noch jemand dazukommen möchte: https://groupme.com/join_group/70902182/2l7npetn