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Deutsch
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Published:
2021-11-19
Words:
3,112
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1/1
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Same Old Lang Syne

Summary:

Heilig Abend, viele Jahre nach Ende des Kriegs. Draco wollte bloß schnell vor Ladenschluss Kaffeefilter kaufen, da begegnet ihm ein Mensch, den er für immer verloren glaubte. Songfic zum gleichnamigen Lied von Dan Fogelberg. Dramione.

Work Text:

SAME OLD LANG SYNE

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Es hat angefangen, zu schneien.

Die Meteorologen hatten ein schneefreies Weihnachtsfest vorhergesagt, was vielen Menschen die Laune gehörig vermiest hatte. Doch jetzt sieht man, wohin man auch blickt, nichts als glückliche Gesichter. Menschen, die bloß ihre letzten Weihnachtseinkäufe vor Ladenschluss erledigen wollten, bleiben mitten auf der Straße stehen, das Gesicht gen Himmel gewandt.

Die meisten Menschen empfinden Weihnachten als eine magische Zeit. Man ist ein bisschen netter als sonst, man lächelt ein wenig offener. Man gibt ein wenig mehr als üblich und erwartet weniger als Gegenleistung dafür.

Auch wenn die Weihnachtszeit mich selbst nie so stark bewegt hat, habe ich doch stets gewusst, was die anderen an dieser Zeit finden. Und um ehrlich zu sein habe sie insgeheim ein wenig darum beneidet. Weihnachten hat mir immer vor Augen geführt, was mich von den anderen trennt. Was mir fehlt.

Trotzdem hatte der Anblick der prachtvoll geschmückten Weihnachtsbäume in Hogwarts mich jedes Jahr aufs Neue in Staunen versetzt. Damals, vor all den Jahren. So viel ist in der Zwischenzeit geschehen, dass es mir beinahe vorkommt, als hätte es meine Kindheit nie gegeben. Viel Zeit, wirklich Kind zu sein, hat sowieso kaum einer von uns gehabt.

Der Krieg hat sich über Jahre gezogen. Potter war schon früh gefallen, ganz alleine inmitten des Schlachtfelds. Auch Voldemort war irgendwann gestorben, doch der Krieg hatte trotzdem weiter getobt. Bis irgendwann beide Seiten eingesehen hatten, dass ein Sieg dieses ganze Leiden und Sterben und all die Zerstörung nicht wert war. Da hatte man dann Frieden geschlossen. Und niemand hatte sich die Mühe gemacht, die Leichen zu zählen. Oder die Gefallenen zu ehren. Letztlich ging es den Überlebenden nur darum, zu vergessen und die Bruchstücke ihres alten Lebens so gut wie möglich wieder zusammenzusetzen. Das klingt ziemlich traurig, oder? Nun, das ist es auch.

Aber auch wenn das Individuum weiter leidet und darum kämpft, die Dämonen der Vergangenheit zu begraben, die Menschheit hat den bitteren Krieg überlebt und ist gestärkt und um einige Erfahrungen reicher aus ihm hervorgegangen.

Die Menschen wissen die kleinen Dinge im Leben wieder zu schätzen. Sie sind dankbarer und sich gegenseitig verbundener, als sie es je zuvor waren. Also ist es nur verständlich, dass sie sich über den Schnee freuen, wie es sonst nur kleine Kinder tun.

Auch ich habe viel verloren während des Kriegs. Auch ich habe gelitten. Auch ich kämpfe noch immer gegen die Dämonen meiner Vergangenheit. Aber ich beschwere mich nicht. Wie all die anderen habe auch ich gelernt, mich mit wenig zufrieden zu geben.

Nach dem Krieg war ich der Zauberwelt überdrüssig geworden. Es war ohnehin nichts mehr übrig: Kein Ort, an den ich zurückkehren konnte. Niemand, der auf mich wartete. Ich hatte alles verloren. Mein altes Leben, alles was mir je gehört und woran ich je geglaubt hatte, lag in Trümmern vor mir.

Also war ich gegangen. Ich hatte alles hinter mir gelassen, all meine Galeonen bei Gringotts in englische Pfund wechseln lassen und ganz von Neuem begonnen, im London der Muggel.

Ich habe mir selbst eine zweite Chance gegeben und sie genutzt, so gut es ging. Ich habe einen sicheren Job und ein geregeltes Einkommen, eine gemütliche wenn auch kleine Wohnung in ruhiger Lage. Schlecht ist es mir nie gegangen in meinem neuen Leben. Nur gegen die Einsamkeit habe ich nie etwas tun können. Sie ist zu meinem ständigen Begleiter geworden.

Über Jahre und Jahre hinweg habe ich mein neues Leben geführt und mein altes so gut verdrängt wie ich nur konnte. Es gibt Momente, in denen ich mich der Illusion hingeben kann, dass meine Erinnerungen nichts weiter sind als die Reste eines ungewöhnlich langen Traums, eines Fiebertraums, der mir nachhängt. Doch meist reicht ein kurzer Blick auf meinen linken Unterarm, um mich in die Realität zurückzuholen. Das dunkle Mal ist nie ganz verblasst.

Jahr um Jahr zieht vorbei, unbemerkt. Frühling wird zu Sommer und Sommer zu Herbst, und jedes Jahr im Winter muss ich an die Weihnachtsbäume in der großen Halle denken. Hogwarts ist während des Kriegs vollständig niedergebrannt.

Ich kann kaum etwas nennen, das in meinem neuen Leben von Bedeutung ist. Kaum etwas, das durch die dumpfen Grautöne hindurchscheint, die mich umgeben. Nur eine Sache. Eine einzige Situation. An einem kalten Winterabend wie diesem war es, als mein neues Leben plötzlich mein altes kreuzte. An einem vierundzwanzigsten Dezember, heute vor… viel zu vielen Jahren. Doch egal wie viel Zeit noch vergehen wird, an diesen Abend werde ich mich zurückerinnern, solange ich lebe.

Es war der Moment… in dem ich sie wiedertraf.

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Met my old lover in the grocery store,
The snow was falling Christmas Eve.
I stole behind her in the frozen foods,
And I touched her on the sleeve.
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Es hatte angefangen, zu schneien. Am Morgen schon rieten die Meteorologen dazu, das Haus nur im äußersten Notfall zu verlassen. Der Verkehr kam fast vollständig zum Erliegen und die Schneeberge türmten sich am Rande der Gehwege meterhoch. Es war eine weiße Weihnacht wie aus dem Bilderbuch.

Es gibt einen kleinen Supermarkt, nicht weit von meiner Wohnung entfernt, und da mir ausgerechnet an diesem Abend die Kaffeefilter ausgegangen waren - und ich mir die Weihnachtsfeiertage ohne Kaffee schwerlich vorstellen kann - kämpfte ich mich kurz vor Geschäftsschluss durch die Schneewehen zum Laden. Und wer war noch nicht in einer solchen Situation: Du betrittst einen völlig überfüllten Raum und die erste Person, die dir ins Auge fällt, ist wohl die letzte, die du dort anzutreffen erwartet hätte.

Sobald ich durch die Türe trat, sah ich sie. Sie stand mit dem Rücken zu mir vor einer der Gefriertruhen im hinteren Teil des Ladens, und obwohl ich sie seit Jahren nicht gesehen hatte, erkannte ich sie sofort. Ich hätte ihr langes, wildes, kastanienbraunes Haar unter tausenden wiedererkannt.

Langsam, fast ohne mein aktives Zutun, ging ich auf sie zu. Mein Herz schlug so laut in meiner Brust, dass ich glaubte, sie müsste mich jede Sekunde allein dieses Geräusches wegen bemerken. Doch sie tat es nicht.

Erst, als ich leicht ihren Ärmel berührte, hob sie ihren Blick und drehte sich zu mir um.

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She didn't recognise my face at first,
But then her eyes flew open wide.
She went to hug me and she spilled her purse,
And we laughed until we cried.
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Als sich unsere Blicke trafen, hörte die Welt für einen Moment auf, sich zu drehen. Sie war noch immer genauso schön wie in meiner Erinnerung. Schöner gar.

Sie maß mich mit einem unverwandten Blick. Sie erkannte mich nicht sofort und ich stand reglos da und gab ihr Zeit. Ich konnte nicht anders, als sie einfach nur anzusehen.

Und auf einmal erkannte sie mich. „Draco“, hauchte sie, die Augen groß und voller Staunen. „Bist du das?“

Ich lächelte sie an und meine Stimme klang sicherer als ich mich innerlich fühlte, als ich ihr antwortete: „Ja, Hermine. Ich bin es.“

Sie schüttelte mehrmals den Kopf, biss sich auf die Unterlippe. Dann atmete sie zitternd ein und aus. „Draco“, sagte sie erneut, bevor sie die Distanz zwischen uns überwand und mir in die Arme fiel. Ihr Geldbeutel fiel herunter und sein Inhalt verteilte sich auf dem Fußboden, doch keiner von uns ließ vom anderen ab. „Ich dachte, du bist tot…“ Sie umklammerte mich, als hinge ihr Leben davon ab, und ich erwiderte die feste Umarmung. Doch ich wusste nicht, was ich ihr antworten sollte; auch ich hatte sie für tot gehalten.

Schließlich lösten wir uns voneinander, nur ein wenig, sodass wir uns in die Augen blicken konnten. Die braunen Iriden waren groß, der Blick glasig, und aus heiterem Himmel heraus bebten ihre Lippen und ein brüchiges Lachen ergoss sich aus ihrer Kehle. Sie lachte und lachte, und dann fielen die ersten Tränen, doch irgendwie lachte sie noch immer. Und dann verschwamm auch meine Sicht und ich stimmte ein in ihr Lachen, und irgendwie ist das seltsam: Bis heute weiß ich nicht, worüber wir lachten, was wir beweinten, und ich glaube, dass auch Hermine es nicht wusste. Doch es tat gut. Es tat so verdammt gut. Und als wir uns voneinander lösten, fühlte ich mich so befreit wie seit Jahren nicht mehr.

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We took her groceries to the checkout stand,
The food was totalled up and bagged.
We stood there lost in our embarrassment,
As the conversation dragged.
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Die Menschen in unsere Nähe warfen uns Blicke zu. Von irritiert bis amüsiert war alles dabei, doch wir bekamen nicht viel davon mit. Wir lächelten uns an und ich half ihr, die Münzen vom Boden aufzusammeln.

Dann gingen wir zur Kasse. Und während der Kassierer ihre Sachen zusammenzählte und verpackte, standen wir schweigend nebeneinander und wussten nicht so recht, was wir sagen sollten. Es war nicht so, als ob wir nichts gehabt hätten, worüber wir hätten reden können, es war eher so…, dass es zu vieles gab. Ich wusste gar nicht, wo ich hätte beginnen sollen.

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We went to have ourselves a drink or two,
But couldn't find an open bar.
We bought a six-pack at the liquor store,
And we drank it in her car.
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Mit den Einkäufen beladen traten wir hinaus in die eisige Nacht, und sofort verfingen sich die ersten Schneeflocken in Hermines buschigem Haar. Sie sah aus wie ein Engel in diesem Augenblick.

Unser Schweigen hielt vielleicht einen Moment zu lange an. Sie wurde rot und senkte verlegen den Blick. „Ähm...“ Sie blickte mich wieder an und lachte leicht. „Also! Was... Was machen wir jetzt? Ich meine… Wir müssen das doch irgendwie feiern… Dass wir uns hier getroffen haben, meine ich.“

Ich stimmte ihr zu und schlug vor, etwas trinken zu gehen. Wir luden die Einkäufe in ihren Wagen und machten uns auf die Suche nach einer offenen Kneipe. Doch es war Heilig Abend und alle Kneipen hatten bereits geschlossen.

Also gingen wir zurück zum Supermarkt und kauften einen Six-Pack Bier, den wir mit in ihr Auto nahmen.

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We drank a toast to innocence,
We drank a toast to now.
And tried to reach beyond the emptiness,
But neither one knew how.
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“Also, worauf trinken wir?”, fragte sie mich, nachdem wir es uns auf den vorderen Sitzen bequem gemacht und zwei der Flaschen geöffnet hatten.

„Ich weiß nicht...“, antwortete ich, und es war die volle Wahrheit. Mein Verstand war wie leergefegt.

„Nun“, sagte sie und sah mir in die Augen. „Ich trinke auf die Unschuld.“ Es kam mir ungewöhnlich vor, auf die Unschuld zu trinken, doch auf eine gewisse Art und Weise ergab es auch einen Sinn. …Trinken wir auf die Unschuld, die wir alle verloren haben…

„Gut. Dann trinke ich auf das Hier und Jetzt“, entgegnete ich. Wir stießen an und tranken. Auf die Unschuld. Und auf das Hier und Jetzt.

Dann unterhielten wir uns. Nicht über den Krieg oder das, was davor geschehen war. Es hatte keinen Sinn, darüber zu sprechen. Und es tat weh. Wir hatten uns eine Weile lang geliebt, damals. Wir hatten uns das Versprechen gegeben, uns niemals zu vergessen, was auch immer geschieht. Im Laufe des Krieges hatten wir uns aus den Augen verloren. Ich hatte geglaubt, sie sei gefallen, so wie der ganze Rest.

Wir redeten über dies und das. Gesprächsthemen wechselten einander ab, unbemerkt. Sie waren auch eher nebensächlich. Wir redeten allein um des Redens Willen. Um unsere Stimmen zu hören, welche die Stille und die Kälte für ein paar süße Minuten durchbrachen; die quälende Einsamkeit, die tief in unseren Herzen wohnte.

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She said she'd married her an architect,
Who kept her warm and safe and dry.
She would have liked to say she loved the man,
But she didn't like to lie.
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Hermine erzählte mir, dass sie ihr altes Leben hinter sich zurückgelassen hatte, so wie ich. Und dass sie wie ich ins London der Muggel gekommen war. Sie lebte in einem kleinen Haus etwas außerhalb, am anderen Ende der Stadt. Zusammen mit dem Mann, den sie geheiratet hatte; einem Architekten, der gut zu ihr war.

Sie hatten ein sicheres Einkommen. Keine Kinder, nein. Sie waren beide ganztags beschäftigt und hatten keine Familien mehr. Kurzes Schweigen. Und deshalb keine Zeit für Kinder.

Ich fragte sie, ob sie glücklich ist. Sie lachte kurz auf und antwortete, Glück sei so ein idealisierter Begriff und wahres Glück erreichen konnten nur die Menschen, die niemals Leid erfahren hatten. Und diese Menschen waren nicht weise genug, ihr Glück zu erkennen.

Ich fragte sie, ob sie ihren Mann liebt. Sie presste ihre Lippen zusammen und schüttelte langsam den Kopf. Sie sagte, sie wünschte, sie könnte das von sich behaupten... Doch sie wolle mich nicht anlügen.

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I said the years had been a friend to her,
And that her eyes were still as blue.
But in those eyes I wasn't sure if I saw,
Doubt or gratitude.
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Ich glaube, sie war ein wenig verbittert. Und es tat weh, sie so zu sehen. Ich schob meine Hand vorsichtig unter ihr Kinn und zwang sie dazu, mir in die Augen zu blicken. Ihre Wangen waren gerötet, von der Kälte oder dem Bier oder einer Mischung aus beidem, und auf ihren Augen lag erneut ein nasser Schimmer.

Plötzlich wusste ich mit Sicherheit, dass ich noch immer für sie empfand. Ich hatte nie aufgehört, diese Frau zu lieben. Doch das sagte ich ihr nicht.

Stattdessen erzählte ich ihr, dass die Jahre gut zu ihr waren. Dass ihre Augen noch immer so strahlten wie früher. „Du hast dich kaum verändert, Hermine“, flüsterte ich, und ich zwang ein sanftes Lächeln auf meine Lippen, obwohl sich alles in mir ganz furchtbar verkrampfte. Und einem inneren Drang folgend sprach ich die folgenden Worte: „Ich habe dich sofort erkannt, weißt du? Sofort, als ich den Laden betrat.”

Ihre Gesichtszüge entspannten sich und sie lehnte sich in die leichte Berührung meiner Hand, und mein Daumen streichelte ganz sacht über ihre Wange. Ich wusste, dass sie dankbar war für meine Worte. Doch ich wusste auch, dass sie ihnen keinen Glauben schenkte.

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We drank a toast to innocence,
We drank a toast to now.
And tried to reach beyond the emptiness,
But neither one knew how.
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Ich hatte gar nicht gemerkt, dass sich unser Biervorrat seinem Ende neigte. Mit unseren halbleeren Flaschen stießen wir ein letztes Mal an. Ein weiteres Mal tranken wir auf die Unschuld und das Hier und Jetzt, denn in jenem Moment erschien beides so wichtig, dass es gar nicht oft genug erwähnt werden konnte.

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We drank a toast to innocence,
We drank a toast to time.
Reliving in our eloquence,
Another 'auld lang syne'...
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Und dann hatte ich plötzlich eine neue Idee und wir stießen sofort noch einmal an. Auf die Unschuld und, wie ich ihr erklärte, auf die Zeit. Denn die Zeit ist der einzig konstante Faktor auf dieser Erde und ein jeder ist ihr unterworfen. Und die Zeit heilt alle Wunden. Und kommt Zeit, kommt Rat. Und mit der Zeit kann alles geschehen, Könige werden entthront und Felsen werden zu Sand gewaschen.

Hermine lachte angesichts meines Enthusiasmus und stimmte munter mit ein. Und ihr Lachen ließ mich für den Moment vergessen, dass unser Bier fast leer war und sich unser Gespräch dem Ende zuneigte, langsam aber unaufhaltsam. „Frohe Weihnachten...“, flüsterte ich.

„Ja...“, stimmte sie zu. „Mal wieder...“

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The beer was empty and our tongues were tired,
And running out of things to say.
She gave a kiss to me as I got out,
And I watched her drive away.
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Das Bier war leer und die Worte versiegt. Wenn ich noch länger blieb, würde der zerbrechliche Moment unserer Zusammenkunft zerstört, also musste ich aussteigen und gehen. Eine logische Konsequenz.

„Also, dann...“, sagte Hermine und schluckte.

Ich senkte meinen Blick, plötzlich unfähig, ihr in die Augen zu sehen. „Ja... Also dann.“ Ich öffnete die Beifahrertür und machte Anstalten, hinauszuklettern.

Doch dann umschlangen mich ihre Arme von hinten. „Draco“, wisperte sie heißer, und ich konnte nichts tun, als mich umzudrehen und sie in eine feste Umarmung zu ziehen. „Hermine...“ Ich glaubte in diesem Moment, sie würde erneut anfangen zu weinen, und ich hatte Angst davor; denn so hätte ich sie niemals verlassen können.

Doch Hermine weinte nicht. Vielleicht war auch sie zu lange allein gewesen und hatte all ihre Tränen bereits im Supermarkt vergossen. Sie fasste sich wieder, viel zu schnell, und löste sich aus meiner Umarmung. „Wir... Wir sehen uns doch wieder, oder?“, fragte sie unsicher. Suchend glitt ihr Blick über mein Gesicht und ich meinte, so etwas wie Furcht in ihren Augen erkennen zu können.

„Natürlich“, sagte ich. Die Lüge fiel mir nicht schwer.

Sie neigte ihr Gesicht nach vorn und unsere Lippen berührten sich in einem einzelnen, sanften Kuss.

„Leb wohl, Draco“, sagte sie, während ich nun endgültig aus dem Wagen stieg. „Und frohe Weihnachten.“

„Frohe Weihnachten“, sagte auch ich. Leere Worte, nur Platzhalter für das, was ich wirklich sagen wollte. Noch lange stand ich auf dem Gehweg und blickte die Straße hinab; noch als ihr Wagen meinem Blick längst entschwunden war und sich der Schnee in eisigen Regen verwandelt hatte.

Ich hatte ganz versäumt, Kaffeefilter zu kaufen. Und ich hatte versäumt, Hermine zu fragen, was sie am Heiligen Abend kurz vor Ladenschluss in den kleinen Supermarkt verschlagen hatte. Was sie dort suchte, am anderen Ende der Stadt, ganz allein.

Ich werde es niemals erfahren.

Doch jedes Jahr an Weihnachten kommt die Frage zu mir zurück.

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Just for a moment I was back at school,
And felt that old familiar pain.
And as I turned to make my way back home,
The snow turned into rain...
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Wenn ich die Augen schließe, kann ich Hermine vor mir sehen. In der großen Halle am Heiligen Abend, kurz vor Ausbruch des Krieges. Sie steht unter den hohen, buntgeschmückten Weihnachtsbäumen und mit dem smaragdgrünen Kleid und der goldenen Halskette sieht sie aus wie ein Engel. Ich gehe auf sie zu, langsam, Schritt für Schritt, und als sie mich bemerkt, funkeln ihre Augen und sie schenkt mir ein offenes Lächeln. Sie streckt mir ihre Arme entgegen.

Meine Augen öffnen sich und die Erinnerung verblasst. Tief in mir drin spüre ich den altvertrauten Schmerz. Ich glaube, Hermine war glücklich gewesen, damals. Doch vermutlich nicht weise genug, dieses Glück zu erkennen.

Lasst uns anstoßen auf die Unschuld. Auf das Hier und Jetzt und auf die Zeit. Auf unsere verlorene Unschuld und unsere verlorene Zeit.

Ich habe Hermine nie wiedergesehen.

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ENDE

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Verfasst habe ich diese Geschichte im November 2006, komplett überarbeitet im November 2021, genau fünfzehn Jahre später.

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Das verwendete Lied ist von Dan Fogelberg und heißt „Same Old Lang Syne“. Inspiriert wurde ich zu dieser Geschichte, als ich vor beinahe zwanzig Jahren eine Fanfiction zum Videospiel Final Fantasy 8 auf fanfiction.net las, die sich auch um die Weihnachtszeit und dieses Lied drehte. Die Story berührte mich derart, dass ich mir das Lied von Dan Fogelberg nach dem Lesen anhörte – Es ist für mich bis heute eines der schönsten und emotionalsten Weihnachtslieder.