Work Text:
It feels like a tear in my heart
Like a part of me missing
And I just can't feel it
I've tried and I've tried
Tears on my face, I can't take it
If lonely's a taste, then it's all that I'm tasting
Do you hear my cry?
Eiji saß auf dem kalten Boden der Galerie, starrte das große Bild an das allein an der weißen Wand hing, ein Fenster in die Vergangenheit, alles was ihm von dem Jungen den er immer noch aus ganzem Herzen liebte geblieben war. Der Wind schien in die blonden Haare zu greifen, während das goldene Licht der untergehenden Sonne seine Haut zum leuchten brachte. Nichts wollte Eiji lieber als die Hand ausstrecken und den anderen berühren, die Haut unter seinen Fingern fühlen, nur noch ein einziges Mal den Blick der jadegrünen Augen auf sich spüren, seine Stimme hören. Und Tränen traten in Eijis Augen, als ihm wieder bewusst wurde, dass er sich nicht an sie erinnern konnte. In seinen Erinnerungen war Ash immer noch lebendig, immer noch achtzehn. Die Worte die sie gewechselt hatten schienen tief in seine Seele eingemeißelt zu sein, doch es war, als hätte jemand den Ton gestohlen, als wären nur unzählige beschriebene Blätter zurückgeblieben.
Eiji nahm die Brille ab, legte sie neben sich auf den kalten Holzboden, dann vergrub er das Gesicht in den Händen, ließ seine Finger durch die langen, dunklen Strähnen seiner Haare fahren. Er wollte all das nicht mehr spüren, all den Schmerz der letzten acht Jahre. Sollte es nicht irgendwann leichter werden? Doch Eiji erschrak bei dem Gedanken.
Wenn er den Schmerz nicht mehr fühlte, würde es bedeuten, dass er Ash vergaß, dass was sie miteinander geteilt hatten. Er musste sich an den Schmerz klammern, weil es sonst nicht viel gab, was er noch von dem Jungen hatte den er liebte. Weil die Sehnsucht so viel leichter auszuhalten war, als die Schuldgefühle, die ihn jede Nacht heimsuchten, wenn er wachlag, sich verzweifelt wünschte er könnte die Zeit zurückdrehen.
Ash war strahlend wie die Sonne am Himmel gewesen, doch tief in sich wusste Eiji, dass er ihn mit sich in die Tiefe gerissen hatte. Er war der Todesengel für den Menschen gewesen der ihm am meisten bedeutete. Ein dunkler Vorbote. Denn wenn er nicht gewesen wäre, dann würde Ash noch leben. Dann wäre er nicht unvorsichtig gewesen. Und vor allem hätte er nicht sterben müssen um ihn zu beschützen.
Eiji hob den Blick wieder zu dem Foto das die Wand einnahm. Spürte die klebrige Spur der Tränen auf seinen Wangen. Dachte an all die Nächte zurück in denen er sich immer wieder gefragt hatte, warum Ash sich verwundet in die Bibliothek geschleppt hatte, warum er sich dafür entschieden hatte zu sterben.
Und immer wieder kam er zu dem selben Schluss.
Er hatte nicht gewollt, dass er selbst wieder in die Schusslinie von Männern wie Golzine oder Foxx geriet. Ash hatte nicht daran glauben können, dass sie in Japan wirklich ein neues Leben beginnen könnten, er musste überzeugt davon gewesen sein, dass sein altes Leben sie immer verfolgen würde.
„Ich wollte, dass du in Sicherheit bist.“, flüsterte Eiji in die Stille die ihn umgab.
Und fast war ihm, als würde ein sanfter Wind über seinen Körper streichen, ihn einhüllen und in sein Ohr flüstern. Wild schüttelte Eiji den Kopf. Eine weitere Illusion, wie so viele wenn er leise mit dem Jungen sprach den er so sehnlich vermisste.
„Das wusste er.“
Eiji schreckte auf, sein Kopf schnellte herum. Dann blieb sein Blick an Sing hängen. Er war groß geworden, sein breiter Körper zeugte von den vielen Stunden Kampftraining. Schwer ließ der junge Mann sich neben Eiji fallen, seine feinen Züge waren beinahe ausdruckslos, nur ein dunkler Schatten schien über seinen Augen zu liegen die starr auf das Foto gerichtet waren.
„Ich war sein Todesengel.“, wiederholte Eiji die Anschuldigung die er sich selbst immer wieder entgegenschleuderte. Doch Sing schüttelte leicht den Kopf, dann sah er ihn durchdringend an.
„Du hast ihm gezeigt was es bedeutet zu lieben. Und geliebt zu werden.“
Eiji biss sich auf die Unterlippe, doch er konnte die Tränen nicht zurückdrängen die sich wieder in seinen Augenwinkeln sammelten. Nur zu gerne wollte er Sings Worten glauben, sie um sich schlingen wie eine schützende Decke. Doch er wusste es besser. Kannte die Wahrheit die ihre Krallen tief in sein Innerstes geschlagen hatte.
Eine weitere Erinnerung drängte an die Oberfläche und Eiji wurde beinahe schlecht als er daran dachte. Wie naiv er doch gewesen war.
Das Bild des Leoparden hatte es überschattet, ein stolzer Jäger, genauso wie Ash es gewesen war. Einer der den Tod nicht fürchtete, weil er die Qualen des Lebens kannte, für den der Tod ein bittersüßer Ausweg dargestellt hatte. Doch er hatte es nicht ernst genommen, hatte ihm gesagt, dass er kein Leopard war, dass er sein Leben ändern konnte. Und hatte Ash nicht bewiesen, dass sein Überlebenswille stärker war, als der der meisten anderen Menschen? Bei all den Narben die seine Seele davongetragen hatte, hatte er bis zum Schluss darum gekämpft frei zu sein.
Das was weder Golzine noch Foxx geschafft hatten, hatte er selbst verschuldet. Seinetwegen war Ash unvorsichtig gewesen, seinetwegen hatte Lao ihm die todbringende Wunde zufügen können und nur seinetwegen hatte Ash sich dazu entschieden an einem ruhigen Ort zu sterben. Die Kämpfe des Lebens hinter sich zu lassen, keinen weiteren mehr ausfechten zu müssen.
Warme Tropfen rannen ihm über die Wangen, suchten sich ihren Weg über seine Haut, hinterließen feuchte, salzige Schlieren, doch all die Tränen konnten den Schmerz nicht hinfortspülen der sein Innerstes ausfüllte. Eine Last so bleiern und schwer und manchmal hoffte Eiji geradezu sie würde ihn ebenfalls verschlingen, ihn zu dem Menschen bringen den er mehr als jeden anderen liebte. Und doch war da eine Stimme in seinem Hinterkopf, ein leiser Nachhall einer Stimme die vielleicht mal Ashs gewesen sein mochte, die ihn daran erinnerte das Leben zu leben, was auf sie beide gewartet hätte, wenn er nur nicht wie ein dunkler Schatten in Ashs Leben getreten wäre. Er hatte das Licht des anderen gestohlen und doch nur den Wunsch verspürt es erstrahlen zu sehen. In einer anderen Welt. Eine Welt die nur ihnen zusammen gehörte.
Eiji zuckte zusammen, als sich eine warme Hand auf seinen Arm legte, er Sings Augen begegnete die beinahe jedes Licht schluckten, so dunkel waren sie. Tiefe Teiche, doch nicht kalt und abweisend, sondern mitfühlend und nur für einen kurzen Augenblick wollte Eiji in ihnen ertrinken. Nichts von dem fühlen müssen was Ashs Tod hinterlassen hatte. Doch Sings Worte waren wie Geschosse die direkt auf sein Herz zielten.
„Seine Seele wird für immer bei dir sein.“
