Work Text:
Daniel Jackson stand am Fenster seines Esszimmers und betrachtete
nachdenklich die untergehende Sonne. Die Abenddämmerung zauberte
wunderschöne zartrote Farbenkleckse in den Himmel. Es wurde langsam
Herbst, einige Blätter auf den Bäumen fingen schon an sich gelb und rot
zu färben. Dieses immer wieder aufs Neue faszinierende Spektakel der
Natur stimmte den jungen Wissenschaftler sonderbar melancholisch. Er
seufzte und drehte sich vom Fenster weg.
Nun glitt sein Blick über den hübsch gedeckten und mit Blumen und
Kerzen liebevoll dekorierten Esszimmertisch in der Mitte des Raumes. Er
war für zwei Personen gedeckt. Aus der Küche zog ein leckerer Duft von
Braten und gedünstetem Gemüse herein.
Daniel erwartete Besuch. Es sollte eigentlich ein ganz normales
Abendessen werden und Daniel hatte versucht die Einladung so zwanglos
wie möglich auszusprechen, aber eigentlich hatte er heute Abend vor, sich
etwas von der Seele zu reden. Ein Geständnis zu machen. Ein Geständnis,
das schon lange fällig war. Er wollte der Person, die er heute erwartete,
seine Liebe gestehen. Heute Abend würde er über seinen Schatten
springen und die Wahrheit sagen.
Zu lange hatte er diese Gefühle mit sich herum getragen. Denn nachdem
er endlich über den Tod seiner Frau Sha´re hinweg war, was sehr lange
gedauert hatte, musste er sich langsam eingestehen, dass sein Herz
mittlerweile schon längst wieder jemand anderem gehörte. Jemand, den er
in der langen Zeit als Mitglied von SG1 schätzen gelernt hatte. Dieser
Jemand wusste nichts von Daniels Gefühlen. Heute Abend würde er sie
sagen, die drei berühmten Worte und heute Abend würde er endlich
wissen, ob seine Gefühle erwidert wurden.
Er war furchtbar aufgeregt. Wie ein kleiner Junge, der vor einer Prüfung
stand. Seine Hände waren ganz kalt und sein Herz schlug schneller. Er
hatte schon so viel erlebt, war auf unzähligen Planeten gewesen, hatte die
verrücktesten Abenteuer überstanden, doch jetzt fühlte er sich wieder wie
der Grünschnabel, der er einst war, bevor er das erste Mal das Stargate
durchquerte.
Dieses Geständnis würde viel verändern. Entweder würde er sich an
diesem Abend furchtbar lächerlich machen und eine gute Freundschaft
zerstören, oder es würde ein neuer Abschnitt in seinem Leben beginnen.
Ein Leben an der Seite eines Menschen, der ihm so viel bedeutete.
Auf dem Weg zur Küche, wo er nach dem Essen schauen wollte,
überprüfte er beim Vorübergehen noch einmal sein Outfit im
Garderobenspiegel. Er hatte sich für diesen besonderen Anlass extra ein
neues Hemd gekauft. Sein störrisches Haar sah fast zu brav aus, weil er
beim Versuch es einigermaßen zu bändigen, etwas zu viel daran
herumexperimentiert hatte. Na ja, das war jetzt nicht mehr zu ändern.
Daniel, du benimmst dich wie ein törichter Teenager, der sein erstes Date
hat, sagte der Mann in dem Spiegel zu ihm. Er streckte seinem Spiegelbild
die Zunge heraus. Das, was er vorhatte, war wirklich sehr töricht, ja, es
war gegen jede Vernunft, doch das war ihm jetzt egal. Wenn er es noch
länger für sich behielt, würde er platzen.
Der Braten war fast gut. Daniel stellte den Ofen ein wenig kleiner und
ging wieder zurück ins Esszimmer. Sollte er die Kerzen auf dem Tisch
schon mal anzünden? Vielleicht verschreckte er mit dieser "Candlelight-
Dinner" Atmosphäre ja seinen Besuch? Er beschloss kurzerhand, es
trotzdem zu tun. Weil er das Licht von Kerzen mochte. Es verlieh dem
Raum eine angenehme Ruhe.
Es klingelte an der Haustür. Daniels Herz machte einen Satz. Jetzt war es
also soweit. Mit Schmetterlingen im Bauch ging Daniel an die Tür und
öffnete sie.
"Guten Abend, Danny."
"Hallo, Jack. Schön, dass du gekommen bist."
"Bin ich zu früh?"
"Nein. Wir hatten doch diese Uhrzeit ausgemacht."
Der Mann, der vor der Tür stand, lächelte.
"Stimmt. Die Einladung trifft sich übrigens gut, weil wir etwas Wichtiges
miteinander besprechen müssen."
Daniel machte einen Schritt zurück, um seinen Freund und Teamkollegen
vorbei ins Haus zu lassen.
"Komm doch erst mal rein.",
sagt er und versuchte dabei seine Nervosität zu unterdrücken. In seiner
üblich gelassenen Art betrat Coronel Jack O´Neil das Haus und trottete
durch den Flur. Das war nichts ungewöhnliches, denn er hatte Daniel
schon oft besucht und benahm sich immer, als wäre er dort zu Hause.
Plötzlich blieb er jedoch im Flur stehen und drehte sich zu Daniel um.
"Ach, hätte ich beinahe vergessen. Ich habe uns was zu trinken
mitgebracht."
Er hielt dem jungen Wissenschaftler eine schmale, längliche Tüte
entgegen. Daniel nahm sie an sich und schaute hinein.
"Oh, Wein. Danke."
Während Jack das Esszimmer ansteuerte, verschwand Daniel schnell in
der Küche, wo er erst einmal tief Luft holte und sich theatralisch gegen
den Kühlschrank lehnte. Sein Mut schwand gefährlich schnell, denn er
begann schon zu überlegen, sein Vorhaben bis auf Weiteres zu
verschieben.
Verdammt, warum war Jack auch so furchtbar nett zu ihm? Seit einiger
Zeit hatte Jack sich von einer ganz anderen, einer liebenswürdigen Seite
gezeigt. Er hatte Daniel sogar zu einigen seiner Angeltouren
mitgenommen, hatte versucht sich seine sarkastischen Sprüche zu
verkneifen, wenn Daniel einmal wieder, wie Jack es immer auszudrücken
pflegte, sein wissenschaftliches Kauderwelsch herunterratterte. Er
versuchte sicher nur Daniel ein guter Freund zu sein. Doch damit hatte er
Daniels Gefühle für ihn nur verstärkt. Gefühle, die Daniel sich zu Anfang
nicht erklären konnte und die er lange zu unterdrücken versucht hatte.
Dieser Abend endet in einem Desaster, dachte Daniel und seufzte. Doch
trotzdem wollte er es durchziehen. Jetzt gibt es kein zurück, Daniel
Jackson, sagte er in Gedanken zu sich selbst. Er schnappte sich zwei
Gläser aus einem der Küchenschränke, holte die Weinflasche aus der
Tasche, die er immer noch krampfhaft in seiner Hand hielt und eilte ins
Esszimmer.
"Gibt´s was zu feiern?",
fragte Jack, als Daniel das Zimmer betrat. Die Stimme des Coronel klang
leicht irritiert. Er zeigte auf den Tisch und blickte Daniel dabei fragend an.
"Ähm.nein. Also. Das heißt.",
stotterte Daniel verlegen und verfluchte sich selbst für sein Gestammel.
So ging das nicht. Am besten er brachte es gleich hinter sich. Er nahm
allen Mut zusammen, holte tief Luft und sagte, so ruhig wie sein
klopfendes Herz es ihm erlaubte:
"Jack, ich muss dir etwas Wichtiges sagen. Ich..."
"Zuerst muss ich dir aber etwas Wichtiges sagen!",
unterbrach ihn Jack. Seine Stimme klang sehr bestimmt und Daniel
wusste, wenn Jack so sprach, hatte er etwas sehr Wichtiges auf dem
Herzen. Er vermutete ein Problem im Stargate-Center.
"Kann das nicht warten?",
sagte er missmutig, denn er hatte jetzt absolut keine Lust über die Arbeit
zu reden.
"Nein, kann es nicht!"
Jetzt klang Jack sogar etwas ungeduldig.
"Na gut...",
lenkte Daniel schnell ein, über die Reaktion seines Freundes überrascht
und ein wenig erschrocken. Doch er wurde auch etwas neugierig. Warum
reagierte Jack so über.
"...du zuerst."
Kurzerhand vergaß er seine Nervosität und schaute seinen Freund
erwartungsvoll an.
"Wir sind doch Freunde geworden?",
begann der Coronel und wurde plötzlich sehr unruhig. Daniel nickte.
Verständnislos beobachtete er, wie Jack seine Unruhe noch untermalte,
indem er plötzlich anfing im Zimmer auf und ab zu laufen.
"Nur..."
Jack blieb abrupt stehen und drehte sich zu Daniel um.
"...meine Gefühle für dich sind nicht mehr freundschaftlicher Natur."
Sein Blick wurde weicher, fast schon ein wenig schüchtern und von
seinem sonst so machohaften Gehabe war nichts mehr zu finden, als er
weiter sprach:
"Daniel, ich liebe Dich!
Er seufzte laut.
"Jetzt ist es raus!"
Unfähig etwas zu sagen, geschweige denn sich zu rühren, blickte Daniel
sein Gegenüber fassungslos an. Träumte er etwa? Hatte Jack, sein Jack,
eben die drei magischen Worte zu ihm gesagt?
"Danny? Sag doch was!",
sprach Jack ihn vorsichtig an, als er keine Antwort bekam.
"Oh Gott, ich habe alles zerstört! Wie konnte ich nur so direkt sein? Bitte
schau mich nicht so an. Nicht mit diesem traurigen Blick. Ich könnte es
nicht ertragen, wenn du mich jetzt hasst. Ich bin so ein Trampel!"
Nun klang er wirklich verzweifelt.
Endlich regte Daniel sich wieder. Er griff nach einem der Stühle, die am
Esstisch standen und ließ sich darauf nieder. Das musste er tun, weil seine
Beine plötzlich ihren Dienst versagten. Er senkte den Blick, versuchte
seine Fassung wieder zu finden. Leise, kaum hörbar flüsterte er:
"Ich dich auch."
"Was, Danny? Ich habe dich nicht verstanden."
Daniel hob seinen Kopf wieder und blickte seinem Freund, der nun direkt
vor ihm stand und ihn verständnislos anblickte, in die Augen und
wiederholte seine Worte laut:
"Ich liebe Dich auch, Jack!"
Die Augen des Coronel weiteten sich.
"Ich liebe dich schon lange. Frag mich nicht wie das passieren konnte. Ich
meine, schließlich war ich bisher immer nur mit Frauen zusammen. Aber
jetzt."
Er seufzte leise und senkte wieder den Kopf.
Jack bückte sich zu seinem Freund herunter, nahm dessen Gesicht in beide
Hände und flüsterte sanft:
"Ist das war?"
Als Daniel abermals nickte, drückte Jack ihm einen kurzen Kuss auf den
Mund und erhob sich wieder. Doch Daniel wollte mehr. Er stand abrupt
auf, schlang seine Arme um Jacks Hals und presste seine Lippen auf die
des Älteren.
Es war das erst Mal, dass Daniel einen Mann küsste. Es fühlte sich gut an,
vor allem weil dieser Kuss von Jack, dem Menschen den er liebte, so
bereitwillig erwidert wurde.
Nach einem langen, leidenschaftlichen Kuss ließ Daniel Jacks Hals los,
löste sich von dessen Lippen und blickte ihn verlegen an.
"Das hätten wir schon früher haben können, wenn wir nicht so furchtbar
feige gewesen wären.",
sagt Jack und umarmte den Jüngeren. Daniel antwortete nicht darauf. Er
genoss einfach die Nähe des Anderen.
"Ähm, Danny! Irgendwie riecht es hier verbrannt.",
bemerkt Jack plötzlich und rümpfte die Nase.
"Der Braten!",
rief Daniel aus, kämpfte sich aus Jacks Umarmung und eilte in die Küche.
Kurz darauf tauchte er wieder auf, in den, mit Küchen-Handschuhen
geschützten, Händen trug er ein heftig qualmendes Etwas auf einem
Backblech.
"Sag mal Jack, magst du den Braten gut durch?",
fragte Daniel mit einem schiefen Lächeln und hielt Jack das schwarz
gewordenen Stück Fleisch entgegen. Jack lachte.
"Eigentlich schon, aber der ist mir dann doch ein wenig ZU durch.",
war seine trockene Antwort.
Sie mussten beide loslachen. Daniel stellte das Blech auf den Tisch und
verkündete dann mit einem entschuldigenden Blick:
"Ich glaube wir müssen uns Pizza bestellen. Oder hast du eher Lust auf
chinesisch?"
"Ach weißt du, ich habe eigentlich gar kein Hunger. Ich habe jetzt eher
Lust auf etwas ganz anderes, als auf chinesisch.",
sagte Jack und beobachtete mit einem verschmitzten Grinsen, wie sein
Gegenüber plötzlich errötete.
Ende
