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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-02-19
Completed:
2022-02-22
Words:
2,699
Chapters:
2/2
Comments:
12
Kudos:
95
Bookmarks:
2
Hits:
538

Fight for Me

Summary:

Vincent hatte schon ein ungutes Gefühl als sie vor dem Bikerschuppen standen. Aber Verdächtige waren eben Verdächtige und er würde Adam da auch ganz bestimmt nicht alleine reingehen lassen.

Notes:

In Heimatliebe wird Lenski von jemanden einer polnischen Heimatfront beleidigt und Raczek weist ihn zurecht. Sowohl im Münsteraner als auch im Weimarer Tatort sind die Kommissare irgendwann mal mit einem Bikerclub konfrontiert. Das hat sich in meinem Kopf zu dieser Idee verschmolzen.

Wenn ihr das noch nicht gemacht habt, dann lest euch bitte vorher die Tags durch.

Chapter 1

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Vincent hatte schon ein ungutes Gefühl als sie vor dem Bikerschuppen standen. Aber Verdächtige waren eben Verdächtige und er würde Adam da auch ganz bestimmt nicht alleine reingehen lassen. 

“Du kannst auch draußen warten,” bot Adam erneut an und Vincent schüttelte den Kopf. Er konnte schon selber auf sich aufpassen. Und er würde sich definitiv nicht unterdrücken lassen. Wenn er sich da jetzt nicht reintraute, dann hatten die Vorurteile schon gewonnen, bevor er die Chance hatte sich selbst ein Bild davon zu machen was bei den Stahllöwen so vor sich ging.

Also lief er mit erhobenem Kopf neben Adam zum Tor und war vielleicht ein bisschen beruhigter, als er merkte, dass Adam probeweise nach seiner Dienstwaffe tastete.

 

Das Tor wurde ihnen von einem unwirschen, bärtigen Mann Mitte 40 geöffnet. Der sah definitiv nicht begeistert aus als sie ihm ihre Dienstausweise unter die Nase hielten. Und obwohl nur Adam redete musterte er Vincent mehr als auffällig.

In seiner Brust begann sich etwas zusammen zuschnüren, aber Vincent versuchte den sauren Geschmack in seinem Mund einfach runterzuschlucken und sich nichts anmerken zu lassen. Einfach ignorieren, einfach ignorieren. 

Drinnen waren ungefähr zehn Männer und die doppelte Anzahl an Motorrädern. An den Wänden hingen Poster mit stilisierten Totenköpfen. Es roch nach Schweiß, Kraftstoff und Motorenöl. Vincent musste seine Hand in die Hosentasche stecken, um das nervöse Trommeln seiner Finger auf dem Oberschenkel zu verbergen.

“Wir würden gerne mit Ihnen über Rajmund Jasiński reden,” verkündete Adam laut in den Raum hinein. Vincent beobachtete sorgfältig die Körpersprache, der Biker, die sich jetzt mit verschränkten Armen an ihre Maschinen lehnten und sich immer wieder Blicke zuwarfen, die er nicht ganz deuten konnte.

Als nach einer halben Minute immer noch Stille herrschte seufzte Adam. “Hören Sie, ich fahr ja selber Motorrad - eine BMW R 80 G/S - aber ich muss meine Männlichkeit nicht dadurch unter Beweis stellen, Menschen die mir blöd kommen am Grund der Oder zu parken.”

Die Atmosphäre im Raum verschob sich spürbar. Irgendwo zog jemand angewidert die Nase hoch und aus einer Ecke klang unverständliches Getuschel. Ob Adam bewusst war, dass Provokation mit solchen Menschen vielleicht nicht die richtige Taktik war?

Vincent zwang sich sich zu räuspern. “Für den Anfang würde es uns schon reichen, wenn Sie uns sagen, ob sie Rajmund kennen,” bot er diplomatisch an. 

Irgendwo im Hintergrund hörte er gesenkte polnische Stimmen. Einer der Biker löste sich aus der Masse und kam auf sie zu. Vincent festigte seinen Stand und erinnerte sich daran, dass er ausgebildeter Polizist war. Er wusste mit solchen Situationen umzugehen. Er und Adam hatten hier die Oberhand.

“Wir kennen keinen Rajmund,” sagte der Berg von einem Mann vor ihnen in stark polnischen Akzent.

“Dafür war er aber, laut den GPS Daten seines Handy, sehr oft hier bei Ihnen,” widersprach Adam. 

“Wir kennen keinen Rajmund,” wiederholte ihr Gegenüber. “Oder?” fügte er hinzu und der Raum antwortete mit einem bestätigenden Grölen.

Adam stemmte die Hände in die Hüften und wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, als der Mann Vincent einen abfälligen Blick zuwarf und etwas auf polnisch sagte. Irgendwo im Raum rief jemand “Pedał”. Ein Wort, dass Vincent in seiner Zeit in Frankfurt nicht nur einmal gehört hatte.

Er wollte gerade die belegte Stimme erheben, als der Biker erneut anfing zu sprechen. Vincent verstand nicht was er da sagte, konnte nur die Stimmlage deuten. In diesem Moment war er froh über sein schlechtes Polnisch. Froh, dass er nicht verstand was ihm da entgegen gespuckt wurde. Und doch fühlte er sich dadurch nur noch hilfloser. Fühlte sich zurück in seine Jugend versetzt. Wehrlos und in die Ecke gedrängt. Er merkte wie sein Körper zu reagieren begann. Sein Atem wurde flacher, sein Herz schlug schneller. Er schielte unbewusst zum Ausgang. Zum Glück unversperrt.

Ein dumpfes Geräusch gemischt mit einem Knacken unterbrach den Redefluss des Bikers. Vincent brauchte eine Sekunde, um zu realisieren was passiert war.

 

Adam hatte dem Typen ins Gesicht geschlagen. 

 

Seine Hand war noch immer zur Faust geballt, als Vincent ihn ansah. Das Gesicht gerötet, seine Halsschlagader pulsierte.

“Jeśli to się powtórzy,” begann Adam. Ein Ausdruck der Vincent bekannt war - wenn das nochmal passiert. Darauf folgte etwas, was er für eine Beleidigung hielt, wobei er glaubte irgendwo das polnische Wort für Anzeige rauszuhören.

 

Um sie herum wurde es jetzt lauter. Schwere Stiefel schabten über Beton. Tiefe Stimmen murmelten auf Polnisch und auch Adam schien jetzt zu merken, was passierte. Er wirbelte einmal ungelenk um die eigene Achse. Gegner abzählen. Gefahr der Situation einschätzen.

 

Als Vincent jemanden in ihrer Nähe auf den Boden rotzen hörte war es für ihn genug. “Wir werden Sie nächste Woche einzeln auf’s Revier vorladen,” sagte er mit fester Stimme und überraschte damit niemanden so sehr wie sich selbst. 

Und dann zog er deutlich sichtbar seine Dienstwaffe. “Wir gehen jetzt,” verkündete er und nahm einen tiefen Atemzug, um seine Stimme stabil zu halten. “Und ich würde es sehr begrüßen wenn es hier weder zu Handgreiflichkeiten, noch zu mehr Beleidigungen kommt.”

 

Keiner der Biker schien sich jetzt mehr so sicher, in dem was auch immer sie vorgehabt hatten. Adam legte neben ihm eine Hand auf seinen Arm und dann liefen sie langsam rückwärts in Richtung des Ausgangs. Vincent hatte seine Waffe immer noch in den Raum gerichtet und verfolgte jede noch so kleine Bewegung. Erst als Adam das Tor öffnete und ihn sanft mit nach draußen zog ließ er den Waffenarm langsam sinken. 

Als das Tor mit einem Klacken wieder ins Schloss fiel steckte er die Waffe weg und fing wieder an zu atmen.

 

Sie liefen stumm nebeneinander her zum Auto und Vincent merkte wie seine Hand schon wieder zu zittern begann. Da pumpte gerade eine Menge Adrenalin durch seine Adern. Adam würde fahren müssen - wenn es ihm nicht genauso ging.

 

Sie stiegen beide ins Auto ein und mit dem schließen der Autotür merkte Vincent wie zumindest ein Teil der Anspannung von ihm abfiel. Er beschäftigte sich damit seinen Gurt anzulegen, aber neben ihm machte Adam keine Anstalten loszufahren. 

 

“Das da drinnen,” sagte er plötzlich und sah dabei herab auf seine Hand und beugte die Finger. Seine Knöchel waren rot, aber er schien unverletzt.

Vincent blieb stumm. Er hatte Mühe den Kloß runterzuschlucken, der ihm im Hals steckte.

“Das hätt ich nicht tun sollen.” 

Adam hatte recht. Sie konnten nur hoffen, dass der Biker ihn nicht wegen Körperverletzung anzeigen würde.

“Ich weiß, dass du dich selber verteidigen kannst,” fuhr er fort.

“Hab ich ja gesehen. Also, ich-” Adam wirkte als wüsste er selbst nicht wo genau er mit dem Satz hinwollte, den er angefangen hatte.

“Also ich weiß das. Aber da ist einfach was mit mir durchgegangen. Ich konnte einfach nicht länger zu hören, wie der dich…”

Vincent beobachtete Adam dabei wie er sich mit den Händen über die Oberschenkel fuhr und sie dann fahrig hob, um sich durch die Haare zu fahren.

“Ich weiß, ich hätte eher was sagen sollen. Kann ja nicht sein, dass jemand dich so behandelt. Und ich wollte auch wirklich, aber ich wusste nicht, also auf jeden Fall- Ich, ähm. Es tut mir Leid. Und-”

“Adam?”

Er wirkte sichtlich irritiert von der Unterbrechung.

“Hm?”

Vincent legte seine Hand auf Adams Oberarm und wartete darauf, dass er seinen Blick erwiderte.

“Danke.”

Notes:

Ich hoffe, dass wir so eine Szene nie in einer Episode ertragen müssen.
Wenn ihr hier nach was fluffiges/lustiges braucht, dann steht euch Speedy in meiner vorletzten fanfic als Emotional Support Hund zur Verfügung <3