Actions

Work Header

Alles Verrücken

Summary:

"Ich glaube nicht, dass Tarotkarten die Zukunft vorhersagen können, aber sie können einem die Augen öffnen, für etwas was schon längst da ist!"

Vincent legt Adam die Karten und Adam legt eine flotte Sohle beim Tanzen hin.
aka. Vincent winkt mit dem Zaunpfahl und Adam winkt zurück.
Das einzige Problem dabei: Beide würden den Zaunpfahl nicht mal erkennen, wenn man sie damit K.O. schlagen würde...

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

„Magst du noch auf einen Kaffee mit raufkommen?“, fragte Vincent als sie unten an seiner Haustür standen.
Adam warf einen flüchtigen Blick auf seine Uhr und sah Vincent mit hochgezogener Augenbraue an.
Ach klar, es war schon nach sechs und es war ja nicht so als ob sein Dienstpartner nicht auch so schon genug Probleme damit hatte einzuschlafen.
„Auf ‘n Bier?“, lenkte er schnell um, versuchte nicht zu verzweifelt rüberzukommen, wusste nicht mal ob er Bier daheim hatte.

Das mit dem Bier hatte Adam wohl überzeugt und so saßen sie noch am späten Abend bei Vincent auf der Couch, vertieft in ihr Gespräch. Vincent hatte ein paar Kerzen angezündet und das Licht im Wohnzimmer warf überall fliesende Schatten. Ein paar Bierflaschen und ein halb leeres Weinglas standen schon vor ihnen auf dem Couchtisch und das warme Licht der Kerzen reflektierte flackernd im farbigen Glas. Im Hintergrund hatte Vincent irgend eine Spotify Playlist angemacht, die sie beide ausblendeten, um sich besser auf die Worte des anderen konzentrieren zu können.
Das Gespräch war irgendwie wieder bei dem Fall gelandet, den sie heute abgeschlossen hatten.
„Da hat uns die Wahrsagerin wohl doch schlussendlich den ausschlaggebenden Hinweis geliefert“, bemerkte Vincent.
„Ja“, gab Adam ungern zu, „aber die hat doch nur ständig in Rätseln gesprochen...das ist doch alles was die können!“, warf er ein. Adam hatte den Hinweis ersteinmal sehr weit hinten angestellt und war erst über einige Umwege wieder darauf zurückgekommen. „Hm…“, machte Vincent und schaute ihn schief an.
„Was?“
„Naja…“ Vincent, der aussah als ob ihm eine Idee gekommen wäre, stand auf und ging zielstrebig auf eines der Bücherregale zu. „Ich finde ja so Sachen auch ziemlich spannend...sowas kann wirklich sehr viel über eine Person aussagen.“ Er stellte sich auf die Zehenspitzen und fischte etwas vom obersten Regal.
Adam las was auf der kleinen rechteckigen Schachtel in Vincents Hand stand. „Tarot?...willst du mir jetzt auch noch die Karten legen?!“, fragte er spöttisch.
Vincent nahm eine Kerze von der Kommode und setzte sich damit auf den Parkettboden.
„Wenn ich darf…“
Adam setzte seine Bierflasche ab. „Vincent, echt jetzt?“
„Komm, ist doch spannend!“
„Bescheuert ist das...“, murrte Adam, währen er sich schon schwerfällig erhob und sich Vincent gegenüber auf den Holzboden setzte.

“Oder soll ich dir lieber aus der Hand lesen?”, schlug Vincent grinsend vor, und nahm im nächsten Moment schon Adams Hand in seine.
Adam wollte sich wehren, aber schaffte es aus irgend einem Grund nicht seine Hand wegzuziehen.
Eine Weile starrte Vincent nur auf seine Handfläche und fuhr sachte mit seiner Fingerspitze die Linien darauf nach.
“Und?”, erkundigte sich Adam irgendwann.
“Brauch noch einen Moment”, sagte Vincent, während er eine Hand weg nahm und sein Smartphone aus der Tasche fischte.
“Was machst du?”
“Ich google das kurz...”
Adam lacht ihn aus. „Na von wegen Experte...“
Vincent lies sich nicht beirren und sah weiter forschend auf seine Handfläche hinunter und checkte dann was auf seinem Handydisplay stand. „Du wirst ein langes und erfülltes Leben haben“, sagte er dann leichthin.
Adam war skeptisch, natürlich war er das.
“Stand das echt da?!”
“Klar steht das da!”, lächelte Vincent und lies sich sein Handy nicht aus der Hand schnappen.
Er strich jetzt über die kürzere Linie auf Adams Handfläche.
„Mit dem Sexleben schaut ’s auch gut aus“, deutete er dann, kaum auf sein Handy lugend.
Adam lachte laut auf. „Wie war das mit ‚sexuell unausgelastet‘?!“
Vincent konnte nicht glauben, dass er ihm den Kommentar immer noch vorhielt.
„Ja...kann sich ja noch ändern!“
Adam schnaubte belustigt. Verpasste Vincents vielsagenden Blick.
„Warum ist das witzig?“, wollte Vincent ernsthaft wissen.
„Naja…“, Adam deutete mit der Bierflasche in der Hand auf sich selber.
„Was?“
„Vincent, ich will jetzt echt nicht über Selbstbild reden oder so irgendwas...komm mir nicht wieder auf deiner Psychologen-schiene!“
Vincent verzieht den Mund. „Okay...keine Psychologen-schiene!“
Stattdessen nahm er Adam kurzerhand das Bier ab und stellte es auf dem Boden, bevor er sich nach vorne lehnte und ihm fest in die Augen sah. Adam schaute überall hin, nur nicht zu Vincent. Auch als der sein Gesicht zwischen seine Hände nahm, schaute er nur flüchtig zu ihm hoch und interessierte sich dann gleich wieder viel mehr für seine Fingernägel.
Vincent strich ihm behutsam sein Haar aus dem Gesicht. Strich ihm sanft über den drei bis fünf Tage Bart.
„Adam, du bist wunderschön!“
„Vincent, ich sagte…“
„Ist kein Psychologen Ding“, verteidigte er sich, „ist ein Vincent Ding...“
Adam hob jetzt doch überrascht seinen Blick und Vincent begegnete ihm tapfer, auch wenn seine Wangen sich plötzlich sehr heiß anfühlten. „Naja...hab eben auch einen Type“, zuckte er die Schultern.
„Und dein Typ sind abgewrackte alte Männer?“
„Also erstens, nennt man das Silver Foxes…“, erklärte er und strich noch eine Strähne von Adams grauendem Haar aus seiner Stirn.
Schon wieder schnaubte Adam und verdrehte die Augen.
Vincent hätte am liebsten weiter geredet, wäre spezifischer geworden...sein Typ war nämlich Polnisch-Deutsche Kripo Hauptkommissare die schwer von Begriff sind.
„Komm lass Vincent!“, Adam schloss seine Finger um Vincents Handgelenk und zog seine Hand weg.
SEHR schwer von Begriff!

Adam griff hastig nach seinem Bier und nahm einen langen Schluck.
Gleichzeitig griff Vincent entschlossen nach seinem Tarot Deck und blinzelte Adam erwartungsvoll an.
„Na dann mal los“, gab Adam endlich nach, wobei sich die Begeisterung sichtlich in Grenzen hielt.
Die flackernde Kerzenflamme, die tiefe Schatten in Vincents Gesicht kerbte, verlieh dem ganzen noch die nötige Atmosphäre, während er sorgfältig die Karten mischte.
Andächtig erklärte er Adam was die drei Karten bedeuteten, die er vor ihnen auf den Holzboden gelegt hatte.
„Die erste Karte deutet auf die Vergangenheit, also vergangene Einflüsse die sich in der jetzigen Situation herauskristallisieren. Die mittlere Karte steht für die Gegenwart. Die letzte Karte steht für die Zukunft, also für den Ausgang der Situation.“
„Ja ja, okay okay!“, Adam griff ungeduldig nach der ersten Karte, aber Vincent kam ihm zuvor und drehte sie um. Für einen Moment betrachtete er die Karte und versuchte sich zu erinnern was sie bedeutete.
„Die Königin der Schwerter...aber...verkehrt herum...“
„Und das bedeutet...“
Vincent runzelte die Stirn. „Wenn eine Karte verkehrt herum gezogen wird...repräsentiert das vor allem die negativen Eigenschaften der Karte…Die Königin der Schwerter kann...kontrollierend sein, kann Einfluss ausüben wo er nicht erwünscht ist und jemanden davon abhalten das zu machen was sie für richtig halten, um eine bestimmte Norm zu wahren...“ Vincent wollte schon weiterreden, als er bemerkte wie Adam sichtbar schluckte und seine unbeteiligte Fassade ein paar Risse bekam.
Wie von selber war seine Hand an seine Kehle gewandert und spielte nervös mit dem Anhänger an seiner Taufkette. Vincent kannte diesen Impuls nur zu gut. Die Worte hatten etwas in Adam ausgelöst. Er hatte etwas in seinem Leben darin wiedererkannt, das hatten die Karten so an sich.
Schnell drehte er die nächste Karte um. Er wollte nicht zu schnell zu viel in Adam aufwühlen.
„Der Gehängte...“
„Wird ja immer besser!“, murmelte Adam.
„Weißt du, die Karten, die darfst du nicht so wörtlich nehmen!“
„Was heißt es denn?“, wollte sein Partner wissen, der kurz zu vergessen schien, dass er sich eigentlich unbeteiligt geben wollte.
„Es steht für Veränderung und dafür, dass man die Sachen aus einer neuen Perspektive betrachtet...“
„Aha…“, machte Adam „und was, wenn ich keine Veränderung will?“
Vincent gab ihm nicht gleich seine Antwort, sondern dachte erst ein paar Augenblicke darüber nach. „Veränderung kann schmerzhaft und verwirrend sein, sie kann aber auch sehr befreiend sein. Es ist deine Entscheidung ob du sie annehmen willst oder nicht!“
Ein paar Momente verstrichen in kompletter Stille und irgendwann warf Vincent Adam einen kurzen Blick zu, um zu sehen ob er die letzte Karte aufdecken sollte. Adam schien immer noch etwas seinen Gedanken nachzuhängen und Vincent räusperte sich leicht.
Adam holte tief Luft, als ob er gerade aus tiefem Wasser aufgetaucht wäre. „Okay... bringen wir ’s hinter uns!“, sagte er schnell.
Ruhig griff Vincent nach der letzten Tarotkarte. Drehte sie langsam um. Die bunte Oberfläche der Karte schimmerte im Kerzenlicht und er konnte kurz nicht erkennen was sie zeigte. Adam kam ihm zuvor.
„Die Liebenden“, der ältere Mann zog eine Augenbraue hoch. „Lass mich raten, soll ich nicht so wörtlich nehmen…?“
Vincent schluckte, wusste nicht ob er lachen oder lieber weinen sollte. „In dem Fall ist es eigentlich ziemlich nah dran...“
Adam lehnte sich etwas nach vorne und sah sich die Karte genauer an, belächelte die zwei nackten Figuren die darauf abgebildet waren. „Na dann brauch ich mir ja keine Sorgen machen...“, sagte er ironisch. Vincent verschränkte die Arme vor der Brust und verzog seinen Mund. „Adam...“
„Ach komm Vincent, denkst du wirklich das kann man ernst nehmen?!“
Vincent biss sich fast schmerzhaft auf die Unterlippe. „Tarot kann sicher nicht die Zukunft voraussagen, aber es kann manchmal die Augen für etwas öffnen, das schon längst da ist!“ Vielleicht hatte man etwas zu viel von Vincents Verbitterung herausgehört, denn Adam senkte bedacht die Stimme. „Okay Vincent… ich hab ’s ja kapiert!“
LEIDER EBEN NICHT!

Plötzlich blitzte etwas in Adams Augen auf und die Karten waren völlig vergessen.
„Hey, mach mal was lauter!“
Vincent blinzelte ihn an, „Was?“
Adam zeigte auf die Boxen. „Komm, das ist MEIN Song!“
Er stand sehr schwerfällig aus dem Schneidersitz auf und musste erst Mal seine schmerzenden Knie massieren.
Vincent musste lachen. Was war denn plötzlich in Adam gefahren? „Adam, die Nachbarn!“
„Was machen die dann, die Polizei rufen?“, grinste der ältere Mann.
Vincent lächelte verschmitzt. Adams plötzliche gute Laune war ansteckend. Er lies sich von ihm aufhelfen und drehte die Boxen etwas lauter. Die Nachbarn konnten ja vielleicht auch mal eine Nacht mit Ohrstöpseln schlafen?

Aber sein Musikgeschmack war das jetzt auch nicht unbedingt.
„Na komm“ deutete Adam ihm näher zu kommen, nahm ihn an der Hand und zog ihn an sich.
Vincent konnte ihn nur mit offenen Mund anstarren. Er glaubte gerade für einen kleinen Moment den jüngeren Adam zu sehen. Konnte sich aber in seiner Vorstellung nicht ganz darauf einigen wie genau Vergangenheits-Adams Haare denn gestyled waren. Ob zu so einer richtig geleckten Schleimer-Frise oder doch im Punk Style... Alles was er wusste, war, dass sicher sehr viel Haargel involviert gewesen war.
„DAS war dein Lied?“, fragte er belustigt. (Es ist „(Du musst ein) Schwein sein“ von den Prinzen)
„Hab doch gesagt ich bin ein alter Mann, dazu haben wir damals noch in der Disco getanzt.“
„DAMALS“, lachte Vincent. Adam war so dramatisch über sein Alter.
„Na, du bist da noch im Sandkasten gehockt!“, gab Adam zurück.
Ach ja DAMALS im entfernten Jahre 1995. Vincent verdrehte die Augen und lies sich in Adams Berührung ziehen. Sie tanzten weiter zum nächsten Song, und zu dem danach...

„Da hat die Hütte gebrannt sag ich dir!“, Adam war schon ganz außer Atem und Vincent bemerkte die Schweißperlen auf seiner Stirn.
„Ach?“, brachte Vincent unter Lachen hervor. Bei Adams meeega lässigen Dancemoves konnte er sich das nicht verkneifen.
„Witzig, ja?“
Vincent schüttelte den Kopf, aber konnte sich das Grinsen einfach nicht von Gesicht wischen.
„Na dann zeig DU doch mal was du drauf hast!“, forderte Adam ihn heraus und tanzte ihn etwas zu übermütig an. Vincent stolperte und Adam versuchte ihn aufzufangen, wobei sich ihre Beine ineinander verhedderten. Adam konnte gerade noch so verhindern, dass Vincent sich am Boden den Kopf anstößt. Für einen kurzen, ewigen, Moment liegt Adam auf Vincent. Seine Hand schützend unter seinem Kopf, die andere stützend auf dem Boden um nicht komplett auf Vincent drauf zu liegen, wogegen der gerade nicht wirklich etwas einzuwenden gehabt hätte. Mit jedem seiner angestrengten Atemzüge, drückte sich Adams Brust gegen Vincents, und dem wurde ganz schwindlig, als er Adams Atem hauchzart auf seinen Lippen spürte...und das nicht nur, weil der gerade sehr stark nach Bier roch...
„Ah Jezu! Sorry...“, lachte Adam, er war anscheinend schon beschwipster als gedacht.
Anstatt aufzustehen und Vincent hoch zu ziehen, landete er glucksend neben ihm auf dem Boden.
Vincent konnte endlich etwas aufatmen. Sein Kopf war hochrot und sein Herz klopfte ihm im Hals. Er fühlte sich als hätte er mehr als nur eine Runde getanzt… Verknallt zu sein war ja wie ein Extremsport, das hielt doch niemand auf die Dauer aus!
Sie lagen noch eine Weile da, ließen sich von der Musik berieseln und beobachteten die flackernden Schatten an der Zimmerdecke.
Vincent würde am liebsten für immer so bleiben. Er merkte wie er langsam schläfrig wurde und sein Kopf fiel auf Adams Schulter.
Adam stupste sein Kinn mit der Schulter an.
„Ich sollte gehen, hm? Du solltest schlafen!“
Vincent hob widerwillig den Kopf. Musste sich erstmal seine Haare aus dem Gesicht wischen um Adam anzusehen. Dann sah er von ihm hoch zu den leeren Bierflaschen auf dem Tisch.
„Ich nehm mir ein Taxi, keine Sorge…“, beschwichtigte sein Kollege ihn.
„Ach was, du kannst hier schlafen...“, bot er, in VÖLLIG neutralem Ton, an.
Der ältere Mann beäugte das Sofa skeptisch, dachte wohl an seinen armen Rücken.
„Du musst nicht aufs Sofa, ich hab ja auch ein Bett!“
„Vincent…“
„Ach komm, da ist doch überhaupt nichts dabei!“, ADAM da ist WIRKLICH überhaupt nichts dabei!
„Es ist nur...du weißt ja, mit mir und dem Schlafen, das ist so ein bisschen...na du weißt schon…“
„Ich weiß...das ist auch okay!“, versicherte Vincent.
„Ich will dich nicht vom Schlafen abhalten...“
„Keine Sorge Adam!“, lächelte Vincent, “und du kannst das Bett für dich alleine haben. Für mich ist das Sofa total okay!“
Adam schüttelte vehement den Kopf. „Will dich auch nicht aus deinem eigenen Bett verjagen…“
Ist überhaupt kein Problem. ÜBERHAUPT NICHT...Bitte bleib noch hier!
Vincent brachte so etwas wie ein Lachen zu Stande. „Du würdest mich sicher nicht verjagen...wenn ich DICH nicht störe…“
Vincent konnte sehen wie sich in Adams Kopf die Zahnräder drehten. Dann nickte er.

 

Adam seufzte frustriert und rollte sich wieder auf den Rücken, versuchte endlich still zu liegen.
Vincent bemerkte sofort wie angespannt er da lag und sah die angestrengt hervorstehende Ader auf seiner Schläfe selbst im gräulichen Zwielicht.
Er setzte sich ein bisschen auf und streckte seine Hand aus.
Seine leichte Berührung an Adams Schulter lies den älterem Mann zusammenzucken, bevor er Vincents sanften Blick traf. Schon wieder seufzte Adam und sah ihn entschuldigend an.
Vorsichtig fanden Vincents Finger ihren Weg in Adams Haare. Glitten zärtlich hindurch. Strichen sachte über seine Stirn. Adam wehrte sich nur kurz, bevor er sich in die Berührung lehnte.
Vincent strich ihm weiter durchs Haar und lies immer wieder seine Finger um Adams Schläfe kreisen. Summte dabei leise vor sich hin. Er spürte wie sich Adam unter seiner Berührung langsam entspannte und seinen Kopf schwer an seine Brust lehnte. Glaubte sogar zu hören, wie Adam sich seiner gesummten Melodie anschloss. Nach einer Weile seufzte Adam zufrieden in die wohlige Ruhe.
„Wie zum Teufel machst du das, Vincent Ross?“, fragte er mit kratziger Stimme.
„Hm?“
„Du kommst in mein Leben und stellst alles auf den Kopf!“
Vincent lächelte und spürte ein nur allzu bekanntes kribbeln in der Magengrube. „Ich mach doch gar nichts!“
„Das ist es ja, du MUSST überhaupt nichts machen…musst nur du sein… und...und du hattest recht, ich will nicht, dass alles gleich bleibt…weil du das erste seit langem bist, was mich so fühlen lässt, als gäbe es noch etwas anderes...als gäbe es mehr...danke dafür Vincent!“
Vincents Augen fingen an zu brennen und eine Träne entwischte ihm. Diese Worte so plötzlich von Adam zu hören...das war einfach zu viel.
Adam spürte wohl wie Vincents Brust mit der Anstrengung zitterte nicht laut zu schluchzen, denn er setzte sich abrupt auf. „Weinst du?“
„Adam, das ist...du...“
„Shhshh“, machte Adam sachte, „hey, schau mich mal an…“, Vincent wandte ihm sein Gesicht zu und er wischte ihm eine Träne von der Nase und von der Wange. Vincent lächelte ihn trotz seiner verweinten Augen an und schniefte ein bisschen. Es war ihm so peinlich. Er konnte nicht einmal einordnen was es für Tränen waren. Glückliche oder einfach nur endlos frustrierte, darüber, dass Adam diese schönen Worte sagte und es für Vincent gerade nicht genug sein konnte.
„Jetzt reicht ’s aber wirklich, ja? Ist ja genug wenn einer von uns grad rührselig wird“
Und dann, ganz ohne Vorwarnung, lehnte sich Adam zu ihm und küsste ihn sachte auf die Stirn, bevor er ihm durch die unbändigen Locken strich.
Vincent glaubte zu träumen. Wer bist du und was hast du mit meinem Adam gemacht? SEIN Adam, ja?! Er tadelte sich insgeheim für den Gedanken. Vincent rückte etwas von Adam weg und legte sich auf die Seite. Hatte plötzlich Panik davor, dass Adam sich wieder an seine Brust lehnen würde und das Rasen seines Herzens hören würde oder das Flattern der Schmetterlinge in seinem Bauch.
„Śpij dobrze Vincent!“
„Schlaf gut...“

 

Es war noch früh, als Adam aufwachte und trotzdem fühle es sich an als hätte er mehr Schlaf bekommen, als in der gesamten vergangenen Woche. Vincent schlief noch tief und fest neben ihm. Das kühle Morgenlicht malte Muster auf die Matratze und Vincents Haut. Seine Locken waren ihm ins Gesicht gefallen, die Decke etwas über seine Schultern nach unten gerutscht. Adam deckte ihn behutsam wieder zu und er rührte sich ein bisschen im Schlaf, wachte aber nicht auf.
Er sah so schön aus.
Adam erinnerte sich an gestern...„Du bist wunderschön Adam!“ hatte Vincent gesagt, als wäre es das normalste auf der Welt, das zu seinem Kollegen zu sagen. Hatte ihn dabei ganz ernst angeschaut. Adam hatte versucht seinem Blick auszuweichen, aber hatte gleichzeitig nicht widerstehen können seine Augen näher zu studieren. Wie kann Vincent das so einfach sagen und sich nichts weiter dabei denken als ihn aufmuntern zu wollen, wenn Adam schon seit Wochen das selbe zu Vincent sagen wollte und sich wohl nie trauen würde. Wenn Vincent gerade nicht schlafen würde, hätte er es ihm jetzt vielleicht gesagt!? Ach wem machte er etwas vor, hätte er nicht... Wahrscheinlich war es einfacher so etwas zu sagen, wenn man nicht völlig hingerissen von einer Person war.

Es hatte sich zuerst falsch angefühlt sich mit Vincent das Bett zu teilen. War zwar nicht so, als ob er noch nie mit einer Kolleg*in im selben Bett geschlafen hatte, mit Olga war das ja auch nicht ganz ohne Peinlichkeiten verlaufen, aber das hier war ganz etwas Anderes. Das fühlte sich irgendwie an wie ein Trick. Weil Vincent ja nicht wusste, dass Adam es insgeheim so sehr wollte, dass er es sich selbst nicht einmal so richtig eingestehen konnte. Es war einfacher sich das alles nicht einzugestehen, als sich irgendetwas auszumalen, was es nicht gab...und nie geben konnte. Die schnellste Art über so eine Schwärmerei hinwegzukommen, war sie völlig zu ignorieren. Wenn Adam das nicht machen würde, würde es ihn langsam in den Wahnsinn treiben. Immerhin musste...oder durfte... er Vincent jeden Tag sehen. Als sie dann aber trotzdem zusammen im Bett lagen, und Vincent wieder wie selbstverständlich Adam die Nähe gegeben hatte nach der er sich nie trauen würde zu fragen. War es alles aus ihm herausgebrochen. Wie wichtig ihm Vincent war, wie viel Licht er in sein Leben brachte. Natürlich hatte er dabei auch einen Teil verschwiegen, und schämte sich jetzt schon für jedes einzelne Wort DAS er gesagt hatte. Wie lächerlich war es, dass er an den kleinen Kuss auf die Stirn wohl noch monatelang denken würde. Dass sein Herz so fest gepocht hatte, dass er Angst gehabt hatte Vincent hätte es mitbekommen. Die Angst hatte er gestern die ganze Zeit gehabt. Als Vincent seine Hand nahm, als sie tanzten, als sie atemlos am Boden lagen... Ständig hatte er befürchtet Vincent würde ihn durchschauen. Vielleicht hatte er das ja auch schon längst. Trotzdem war Adam dankbar für alles was gestern passiert war, denn solche Momente gab es nur in Nächten wie diesen… Nie in ihrem echten Leben. Wo sie Kollegen waren! Rief er sich selber ins Gedächtnis. Partner! Nicht mehr, und nicht weniger. Es war so einfach diese Tatsache mit Vincent zu vergessen, wenn auch nur für ein paar Momente. All diese Ermahnungen waren auch jetzt gerade völlig sinnlos, jetzt wo er neben Vincent lag, so nah, dass er ihn hätte an sich ziehen können. Ehrlich gesagt war dieser Moment gerade der ehrlichste den er mit sich selber seit Monaten über dieses Thema hatte. Sich einzugestehen wie schön Vincent war.
Nicht nur so objektiv und ganz neutral betrachtet, sondern eben so ganz ganz subjektiv, so in Adams Augen...war Vincent einfach so schön. Genau bei dem Gedanken öffnete Vincent plötzlich die Augen und Adam fuhr beinahe aus seiner Haut vor Schreck. Fühlte sich sehr ertappt.
„Morgen“, brummte Vincent, als er sah, dass Adam wach war. „Hast du geschlafen?“
Adam musste fast lachen, darüber, dass Vincent das „gut“ in dem Satz nicht für nötig gehalten hatte.
Er nickte zur Antwort und Vincent lächelte ihn verschlafen an. Wurde schlagartig noch schöner.
„Ich geh zum Bäcker und hol uns was zum Frühstück...gib mir nur so fünf Minuten...“, grummelte Vincent und kuschelte sich wieder in seine Decke ein.
„Das kann ich doch machen!“, winkte Adam schnell ab.
Die Diskussion blieb ihnen erspart, denn in dem Moment klingelten ihre beiden Handys.
Adam rollte sich aus dem Bett und holte seines aus der Jackentasche und warf Vincent seines auf die Matratze. Der nahm es und verzog sich damit wieder unter die Decke bevor er abnahm.
Eine halbe Minute später schlägt Vincent die Decke zurück und sieht Adam gequält an.
„Na los, Frühstück auf dem Weg!“, sagt Adam während er sich sein Hemd zuknöpft, „Kaffee geht auf mich!“

Notes:

Da hat Vincent wohl doch noch seinen Kaffee bekommen <3
PS: pls don't come for me... I'm a Tarot Noob