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Deutsch
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Published:
2022-03-10
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2,319
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1/1
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26
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87
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393

Cosmopolitan sagt:

Summary:

Vincent verschickt gerne bunte Herzen in seinen Nachrichten. Adam googelt was die eigentlich bedeuten.

Notes:

Inspiriert von Adam Raczek vs. Emojis von gruenglas . Und vom schrecklich spezifischen Emoji-Herzen Guide der Cosmopolitan Website.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Adam starrte auf sein Handy und kratzte sich am Hinterkopf. Er hatte sich ja schon vor Jahren an SMS gewöhnt und dieses Whatsapp war auch gar nicht so kompliziert, wenn man es erstmal ein paar Wochen genutzt hatte. Mittlerweile sendet er ja selbst gerne Nachrichten - Textnachrichten wohlgemerkt, wenn er was sagen wollte, dann hatte man doch dafür den Anruf erfunden. Und bei der ein oder anderen Gelegenheit hatte er sogar so einen Emoji verwendet. Ein Daumen hoch war eben schneller versendet als irgendeine getippte Bestätigung. Bei solchen Sachen beließ er es dann aber auch. Im Gegensatz zu Vincent, der ausgiebig Emojis nutzte. Fast jede seiner Nachrichten wurde von einem der kleinen Bilder begleitet.

Das störte Adam ja auch eigentlich nicht. Manchmal musste er zwar googlen, was dann jetzt dieses spezielle gelbe Gesicht bedeuten sollte, aber allgemein konnte er Vincents Nachrichten ganz gut deuten.

Außer wenn er wieder irgendwelche Herzen schickte. 

"Ich freue mich schon 💛"

Hatte er einmal geschrieben als Adam ihn zum Grillen eingeladen hatte. Damals hatte er die Augenbrauen hochgezogen und die Nachricht Wiktor gezeigt, der gerade neben ihm stand. 

Der hatte ihm dann erklärt, dass Herzen zwar schon - so hatte Adam das in Erinnerung - immer noch eine romantische Geste waren, aber eben nicht immer. Vor allem die Herzen, die nicht rot waren nutzte man heutzutage scheinbar auch freundschaftlich.

Adam war das alles sehr suspekt. Er hatte ja nichtmal gewusst, dass es diese kleinen Herzen in verschiedenen Farben gab. Aber damals hatte er dann doch nur mit den Schultern gezuckt und sich nicht zu viele Gedanken gemacht. Sollte Vincent ihm doch irgendwelche bunten Herzchen schicken, so lange da nur freundschaftliche Gefühle dahinter steckten war ja alles in Ordnung.

Aber jetzt hatte Vincent ihm schon wieder geschrieben.

"Hey, kannst du nachgucken ob meine Wasserflasche noch auf meinen Schreibtisch steht? Wäre echt nett von dir 🧡"

Jetzt war das Herz also orange. Adam runzelte die Stirn. Aber Wiktor hatte wie die meisten aus dem Büro bereits Feierabend gemacht. Nur noch Wolle war außer ihm da und der war wahrscheinlich keine große Hilfe auf diesem Gebiet.

Naja, erstmal rollte er mit dem Stuhl zur Seite und siehe da, dort neben seinem Bildschirm stand Vincents Wasserflasche. So ein holzfarbenes Mehrwegding aus Bambus oder so ähnlich.

Adam zückte wieder sein Handy und öffnete den Chat.

"Ja die steht noch hier. Soll ich dir die vorbeibringen, wenn ich nach Hause fahre?"

Das sollte doch ein völlig normales Angebot unter Kollegen sein. Ohne irgendwelche bunten Bildchen, die seiner Nachricht noch irgendeine andere Bedeutung verliehen. Zufrieden lehnte sich Adam auf seinem Stuhl zurück. 

 

Zwei Minuten später leuchtete sein Handy mit einer neuen Nachricht auf.

"Das wär echt nice von dir. Bist der Beste 💜"

Adam fuhr sich durch die Haare und stöhnte leise. Warum war denn das Herz jetzt lila? 

Für einen Moment beschloss er sich darum einfach keine Gedanken zu machen, aber dann übermannte ihn doch die Neugier. Er musste doch wissen, ob und was Vincent ihm damit sagen wollte, wenn er ständig solche bunten Herzchen verschickte. 

Die beste Anlaufstelle war vermutlich das Internet. Also gab er kurzerhand "Was bedeutet ein buntes Herz" in die Suchleiste ein. Und siehe da, gleich der erste Eintrag sah doch vielversprechend aus. 

"Herz-Emoji Bedeutung: Wir erklären, wofür die unterschiedlichen Herz-Emojis stehen"

Das war doch genau was Adam wissen wollte. Die Webseite wirkte ihm zwar ein bisschen zu pink und voller Werbung um seriös zu sein, aber welche seriöse Webseite beschäftigte sich schon mit diesem Thema?

 

Adam überflog die Einleitung und den ersten Abschnitt - was das rote Herz bedeutete war ihm ja sehr wohl bekannt.

Der zweite Abschnitt beschäftigte sich direkt mit dem orangenen Herz, dass Vincent ihm heute in seiner ersten Nachricht gesendet hatte.

"Mittelfinger an die Liebe" - naja, das klang ja nicht so nett. Und dort bei Don'ts stand auch noch "Schickt es nie an die Leute, die euch wirklich etwas bedeuten"

Hm, na gut. Vincent war eben doch nur sein Kollege. Und wenn Adam sich einredete, dass da doch so ein bisschen mehr zwischen ihnen war oder sein könnte, dann redete er sich das anscheinend wirklich nur ein. 

Etwas gekränkt scrollte er weiter. Als nächstes wurde die Bedeutung des gelben Herzens erläutert. Das hatte ja vielleicht zur Abwechslung eine Bedeutung, die man mit einem Herz assoziierte.

Na also. "Platonisches Ich Liebe Dich" klang ja schonmal, nun, anders. Und wenn man das für Familie und gute Freunde verwendete, dann war er für Vincent vielleicht doch mehr nur ein Kollege. Auch wenn er ihm da ganz schön gemischte Signale schickte.

Andererseits war ja das gelbe Herz jetzt auch schon ein paar Wochen her. Vielleicht war ja irgendwas vorgefallen, dass Adam nicht bemerkt hatte, aber ihn wieder zum bloßen Kollegen degradiert hatte. 

Naja, vielleicht sollte er erstmal die Bedeutung von diesem lilanen Herz nachlesen, bevor er irgendwelche Schlüsse zog. Immerhin war dies das aktuellste Herz, das Vincent ihm geschickt hatte. Das musste doch am akkuratesten in seiner Bedeutung sein. Oder sollte er lieber alle Herzen aus ihrem Chatverlauf in seine Betrachtung einbeziehen? Eventuell zählen welche Farbe die Herzen von Vincent am öftesten hatten?

Nein, so weit konnte er wirklich nicht gehen. Er hatte doch nur ganz kurz googlen und keine wissenschaftlichen Analysen von ihrem Chatverlauf durchführen wollen.

 

Also. Fokus. Das lilane Herz.

"Das lilafarbene Herz ist nur etwas für Eingeweihte."

Aha. Ob Vincent erwartete, dass Adam zu diesem komischen Kreis der Eingeweihten gehörte? Er wusste doch eigentlich, dass Adam mit dem Internet und solchen Chats nicht viel am Hut hatte.

"Alle, die von seiner Bedeutung wissen, erwarten euch eine halbe Stunde später nackt neben sich liegen."

Adam klappte die Kinnlade runter. Na das hatte er nun wirklich nicht erwartet. Er blinzelte und las den Abschnitt nochmal. Aber da stand es. Schwarz auf weiß. Unter Don't stand sogar "Schickt das Emoji niemandem, mit dem ihr keinen Sex wollt."

Das wirkte doch sehr eindeutig. 

Aber er hatte Vincent doch nur angeboten ihm seine Wasserflasche vorbeizubringen. War das jetzt auch irgendein geheimer Code, den er nicht verstand. Verstand die junge Generation es als Aufforderung zum Geschlechtsverkehr wenn jemand seine Flasche vergaß?

Nein, das konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Vor fünf Minuten hatte ihm Vincent doch auch noch ein Herz in einer ganz anderen Farbe geschickt. 

 

"Ich mach dann Feierabend." Wolles Stimme ließ Adam von seinem Bildschirm aufgucken. Er fühlte sich ein bisschen ertappt, obwohl er ja nichts schlimmes gemacht hatte. Nur ein bisschen über die Bedeutung von Emoji Herzen recherchiert.

Adam räusperte sich. "Ja, tschüss. Bis morgen, Wolle."

Er wartete geduldig bis er Wolle auf dem Parkplatz in sein Auto steigen sah. Dann fuhr auch er seinen Computer runter. Angesichts dieser neuen Informationen über Vincents Nachricht würde er sowieso nicht konzentriert weiter arbeiten können. Immer noch sehr verwirrt packte er Vincents Flasche in seinen Rucksack. Wenn das lilane Herz nun wirklich bedeutete, dass Vincent. Dass Vincent mit ihm. Nun ja, dass Vincent halt mit ihm.

Dann. Ja, was eigentlich dann?

Adam blieb im Raum stehen. 

Darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht. Okay, das stimmte nicht ganz. Er hatte schon manchmal darüber nachgedacht. In Situationen in denen es wahrscheinlich recht unangemessen war an seinen Kollegen zu denken. 

Aber das waren eben nur so Gedanken, die er nur für sich hatte. Und nach denen er sich oft ziemlich schlecht fühlte. Fast schon schämte.

Alles in allem waren das auch eher so Fantasien. Wunschvorstellungen, von denen er gar nicht wusste, wie nahe er denen in der Realität wirklich kommen wollte. 

Überhaupt war das auch ne ganz schlechte Idee. Sie waren doch Kollegen. Da war einfach kein Platz für solche Emotionen oder Verstrickungen. 

Das würde er Vincent sagen. Genau das. Das war rational, logisch, nachvollziehbar und dann musste Vincent auch gar nichts von Adams eigentlichen Gefühlen wissen. 

 

Während der Motorradfahrt zu Vincent versuchte er sich im Geiste bereits die richtigen Worte zurecht zu legen. Fasste einen ausführlichen Plan, damit ihm bloß nicht seine eigenen verräterischen Gefühle in die Quere kommen würden. 

Zuerst die Wasserflasche übergeben, dafür war er ja schließlich hergekommen. Dann würde er das Gespräch unauffällig auf Vincents Nachricht und das lilane Herz lenken. Kurz nachhaken, dass Vincent auch wirklich meinte, was das Internet ihm da attestierte. Und dann würde er ihm erklären warum das mit ihnen beiden eine wirklich ausgesprochen schlechte Idee war.

Als er bei Vincent klingelte machte der fast sofort auf. Mit einem Lächeln nahm er die Flasche entgegen, die Adam ihm hinhielt. Ihm fiel auf, dass er sich bereits umgezogen hatte. Er trug nicht mehr die engen schwarzen Hosen von heute Vormittag, sondern weit geschnittene Hosen mit wildem Muster, die ihm nur knapp bis zu den Waden reichten. Adam musste sich daran erinnern, was er eigentlich sagen wollte. 

Vincent kam ihm zuvor. "Willst du noch kurz mit reinkommen?”

Adam schluckte. Wollte er das? Eigentlich wollte er das hier so schnell wie möglich beenden, bevor er noch Dinge tat, die er später bereuen würde. Aber es fühlte sich auch falsch an das Ganze im Hausflur zu besprechen.

“Klar, gerne.”

Er folgte Vincent ins Wohnzimmer wo leise orientalische Musik lief. Auf dem Fußboden lag eine Yogamatte, es roch leicht nach diesen Räucherstäbchen, die Adam ihm mal geschenkt hatte. Er blieb stehen während Vincent sich auf sein Sofa plumpsen ließ. 

Adam räuspert sich und steckte die Hände in die Hosentaschen. “Deine Nachricht vorhin.”

Vincent wirkte überrascht. Hatte er nicht damit gerechnet, dass er seine Emoji Sprache verstehen würde?

“Also, du hattest ja so ein lila Herz geschickt,” fuhr Adam fort. Vincent runzelte die Stirn.

“Und ich hab da mal gegoogelt was das bedeutet.” Jetzt guckte Vincent plötzlich eher amüsiert. War das vielleicht ein, wie sagte man noch gleich, ein Prank gewesen? Hatte Vincent ihm dieses Herz geschickt, damit Adam sich falsche Hoffnungen machte und er sich dann über ihn lustig machen konnte? Das wirkte eigentlich gar nicht wie Vincents Art, aber warum fing er denn jetzt an zu lachen? Egal. Einfach weiter reden, bei der Sache bleiben.

“Naja, und im Internet stand.” Adam schluckte. Es war auch wirklich schwer bei der Sache zu bleiben wenn Vincent so kicherte. Irgendwie verletzte ihn das jetzt schon ein bisschen. Fand Vincent die Vorstellung mit ihm, fand er die wirklich so abwegig, so lustig?

“Ich find das grade echt nicht witzig,” sagte er in scharfen Ton und verschränkte die Arme.

“Adam, bevor du weiter redest," fing Vincent an und klang immer noch amüsiert. "Du solltest wissen, dass ich keine Ahnung davon hab was die Farben von irgendwelchen Herzen offiziell bedeutet.”

“Aber-” unterbrach Adam ihn. “Aber du kennst dich doch aus mit dem ganzen Internetkram. Mit Social Media und so. Du hast selber gesagt-”

“Ich denke nicht, dass irgendjemand weiß was genau diese Herzen bedeuten sollen. Ich schicke die einfach, weil ich gerne Herzen schicke.”

“Aber, die verschiedenen Farben?”

“Naja, es soll ja nicht langweilig werden.” Vincent grinste. Adam konnte langsam wieder freier atmen. 

“Also war das ganze kein Komplott um mich bloßzustellen?”

“Dich bloßzustellen? Adam, komm schon. Du kennst mich doch.”

Adam zuckte mit den Schultern. Vielleicht hatte er wirklich zu viel über dieses Herz nachgedacht. Aber was gab es denn auch so blöde Internetseiten, die sich sowas ausdachten.

“Aber nur so aus Interesse,” sagte Vincent, “was sagt denn das Internet, was ein lilanes Herz bedeutet?”

Jetzt wurde Adam plötzlich sehr warm. Oh Gott, wenn er jetzt auch noch rot werden würde. “Ja, also. Zumindest die,” er warf einen Blick auf sein Handy, wo die Webseite immer noch offen war, "die Cosmopolitan sagt es wäre, und ich zitiere: perfekt für jeden booty call.”

Vincent begann schon wieder zu grinsen und stand vom Sofa auf. Eine seiner Hände spielte mit dem Kragen seines Hemdes, das war auch schon wieder so weit aufgeknöpft, das es Adams Blicke geradezu magisch anzog.

“So so, sagt die Cosmopolitan das?” 

“Ja,” sagte Adam knapp. Warum war seine Stimme denn jetzt plötzlich so rau?

“Und du dachtest?”

“Ich dachte gar nichts,” sagte Adam eilig. Warum kam Vincent denn jetzt immer näher?

“Also dachtest du nicht, ich würde dich-”

“Nö.”

“Aha. Und du hättest auch überhaupt kein Interesse?” Vincent stand jetzt so nah an ihm, dass Adam die Wärme spüren konnte, die er ausstrahlte. 

“Ich wüsste nicht wie du darauf kommst,” sagte er und begann selber ein bisschen zu grinsen. Oh Gott, Adam. Jetzt bloß nichts falsch machen.

“Mmh,” überlegte Vincent und griff nach Adams Hemd. “Vielleicht liegt es daran, dass du mich schon seit ich dich reingebeten habe mit so einem Blick anguckst.”

“So einem Blick,” wiederholte Adam amüsiert. Gut zu wissen, dass Vincent mittlerweile auch nicht mehr so wortgewandt war. Vielleicht hatten sie ja jetzt auch genug Worte gewechselt. Vincents Blick zumindest wanderte mittlerweile ziemlich eindeutig immer wieder zu seinen Lippen. 

Adam legte vorsichtig eine Hand auf Vincents Hüfte und wartete ab ob der protestierte, aber es kam kein Einwand. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass er ihn (wieder) einfach so berühren durfte. Dann neigte er seinen Kopf und sah Vincent in die mittlerweile erstaunlich dunklen Augen. 

“Darf ich?” 

Vincent nickte, Adams Herz setzte für einen Schlag aus. Mit einem Mal wurde ihm bewusst wie lange er sich das hier schon gewünscht hatte. Und jetzt war der Moment wirklich da, war tatsächlich Wirklichkeit geworden. Oh Gott, er konnte Vincents Atem spüren, war ihm so unfassbar nah und doch nicht nah genug. Und jetzt sollte er sich vermutlich auch langsam mal in Bewegung setzen und-

Oh Gott, das waren Vincents Hände, die sich in seine Haare schoben, ihn sanft näher zogen.

Fast schon hastig überwand Adam den letzten Zentimeter zwischen ihnen, bis sich ihre Lippen trafen. 

Für einen Moment war alles so unfassbar warm und gut, so gut. Bis sie sich nach viel zu kurzer Zeit voneinander lösen mussten, um nach Luft zu schnappen. Atmen war überhaupt viel zu überbewertet, wenn man stattdessen Vincent küssen konnte, fand Adam.

Aber diese Emoji Herzen, die waren eigentlich gar nicht mal so schlimm, dachte er. 

Dann zog Vincent ihn wieder zu sich und Adam dachte für eine Zeit lang nur noch an ganz andere Dinge.

Notes:

Eigentlich war gar nicht geplant, dass die beiden sich da am Ende küssen. Aber irgendwie isses einfach passiert.
Wenn auch ihr schon immer wissen wolltet welche Bedeutung all die bunten Herzen angeblich haben ist hier der Guide der Cosmopolitan