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Frühling

Summary:

Es ist Frühling. Adam und Vincent gehen in den japanischen Garten. Adam wird zum Photographer Boyfriend (tm) <3

Notes:

Ich möchte zurück in die Sonne im japanischen Garten vorletzte Woche... hier herrscht schon wieder Eiszeit :(
Wenigstens entwickelte sich daraus dieser Oneshot (so viel zum Thema 'ich mach mal eine Schreibpause' lmao) :)
Viel Spaß!

Work Text:

Es war ein wundervoll sonniger Frühlingsnachmittag, als Vincent und Adam es endlich schafften beide ein paar Stunden Zeit zu finden. Es war schon fast ironisch, dass sie sich jeden Tag ständig sahen und doch nie Zeit nur für sich hatten. Bis auf die Autofahrten zwischen Befragungen vielleicht, aber gerade romantisch waren die ja nicht. Was sie heute vorhatten, war es aber allemal!

Ihre Finger ineinander verschränkt, spazierten sie jetzt durch den Steinbogen in den japanischen Garten, wo die Sakura schon die Kirschbäume schmückten.
Adam ließ Vincents weiche Berührungen und die sanfte Frühlingssonne in seine Haut sickern.
Die Luft war erfüllt von Vogelgezwitscher und sich in der Brise wiegenden Sakurablättern, die langsam ihren Weg auf die Erde hinunter fanden, wie Schneeflocken, die sich Schicht für Schicht über die Welt legten und sie behutsam zudeckten. Das Gras war schon kaum noch zu erkennen unter dem ganzen Pink. Man konnte auch die kleinen glitzernden Bächlein hören, die unter den Brücken fröhlich über die Steine plätscherten.

Von alledem bekam Adam wenig mit, denn seine Aufmerksamkeit war wichtigerem gewidmet, nämlich Vincent zu beobachten, wie er eben jene Bilder in sich aufsog.
Irgendwann realisierte Adam, dass Vincent ihn seinerseits von der ansah, und nutzte sofort die Gelegenheit, um ihm einen Kuss auf die Lippen zu hauchen.
Vincent lächelte in den Kuss, aber schob ihn rasch mit einer Hand auf seiner Brust von sich weg.
„Adam?!“
„Ja, Serduszko?“
„Ich glaub, wir waren nicht die Einzigen mit dieser Idee...“
Plötzlich bemerkte auch Adam das Stimmengewirr, das von all den anderen Leuten im Park ausging und sah sich etwas verdutzt um. Es war sogar ziemlich überfüllt hier, voll von Pärchen, die Fotos machten. Schon komisch, irgendwie hatte er die alle bis jetzt gar nicht wahrgenommen.

Adam sah zurück zu seinem Partner, der ihn verunsichert anblinzelte und wusste Vincents Sorge um ihn und seine Laune zu schätzen, aber er war fest entschlossen sich heute von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen zu lassen, nicht wenn er Vincent endlich mal ein paar Momente ganz für sich beanspruchen konnte.
Ihm kam eine Idee und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Ich weiß was!“, sagte er und holte etwas aus seiner Tasche: Die Kamera war ein Geschenk von Vincent gewesen. Nachdem sie keine Filme mehr für die alte Olympus seines Vaters produzierten, hatte ihm Vincent dieses digitale Modell zu seinem Geburtstag geschenkt. Er musste sich gerade noch daran gewöhnen, aber er musste zugeben, die ganzen neuen Funktionen waren schon spannend.

Vincent sah ihn verwundert an, als er sie jetzt aus der Tasche zog und damit winkte. „Wir passen uns an!“

Vincent lachte überrascht und hielt sich die Hand vor den Mund, als er realisierte, dass Adam schon das erste Foto knipste. Mit einem sanften Nicken nahm er jetzt Adams Arm, hakte sich unter und vergrub dabei etwas sein Gesicht in Adams Schulter, um sich so erstmal gekonnt der Kamera zu entziehen... So schlenderten sie gemütlich über den Steinweg und ließen sich weiter von den gefühlt ersten Sonnenstrahlen des Jahres berieseln. Während sie versuchten so gut es ging zu vermeiden auf irgendwelchen Fotos von Fremden verewigt zu werden.

Ein paar Leute warfen ihnen etwas zu lange Blicke zu. Adam ging jetzt einfach mal davon aus, dass sie wissen wollten, wo Vincent sein sehr vorteilhaftes Jeanskleid und die frühlingshaft geblümte Bluse herhatte, oder, dass es einfach nur frustrierte Singles waren, die sich über ekelhaft verliebte Pärchen ärgerten. Gott weiß, er war schon oft in derselben Situation gewesen.
Wenigstens hatten aber auch sie den Anstand sich zu verzeihen, immer dann, wenn Adam seine Kamera auf Vincent richtete. Sich aus Fotos von Fremden zu ducken ist nunmal so etwas wie ein Urinstinkt des Menschen und den machte er sich jetzt eben zu Nutze.
Mit ihm hinter und Vincent vor der Kamera, schafften sie es so doch irgendwie diese Momente nur für sich zu haben. Nur Vincent, eingerahmt vom quadratischen Visier der Kamera, und Adam hinter der Linse.
Also knipste Adam einfach fröhlich weiter Bilder, während sich Vincents Wangen ein immer tieferes Rot färbten „Ist langsam genug?“ Eine Frage und eine Beschwerde zugleich.
Adam schüttelte den Kopf. „Nie!“
Vincent legte seine Hand über die Linse und sah ihn streng an.
„Okay, okay…“, akzeptierte Adam endlich und ließ die Kamera enttäuscht sinken. „Aber einen Gefallen tust du mir doch oder?“
„Welchen denn?“
„Stell dich mal da unter den Baum!“, zeigte er über die Wiese zu einem besonders schön blühenden Exemplar.
„Einfach nur so?“, fragte Vincent gespielt misstrauisch.
„Einfach so!“, lächelte Adam ihn unschuldig an. Vincent hatte vielleicht den Hundeblick erfunden, aber das bedeutete nicht, dass er immun dagegen war.
Vincent verdrehte die Augen, „Na gut!“ Adam hatte wirklich Glück, dass sein Freund so eine Engelsgeduld hatte.
Vincent ging hinüber und sah über die Schulter zu Adam. Die Kirschblüten tanzten im Wind um ihn herum und verfingen sich in seinen Locken.
Adam kam näher, um das alles richtig einzufangen, doch Vincent entwischte ihm und versteckte sich hinter den Ästen voller Kirschblüten und lugte nur verstohlen heraus.
Adam folgte ihm und versuchte ihn durch die Blüten hindurch zu erwischen. Flink kletterte Vincent vor ihm weg und hockte etwas erhöht zwischen den Ästen des Baums. Er sah belustigt auf ihn herab und ließ Blütenblätter auf Adam hinunterregnen. Der ließ resigniert seine Kamera sinken und breitete seine Arme aus. „Ach komm schon!”, beklagte er sich.
„Fotoshooting vorbei?”, fragte Vincent.
Adam nickte widerwillig und seufzte überrascht, als sich Vincent jetzt schwer in seine Arme fallen ließ.
Vincents Augen glänzten frech. „Du hast da was!“
Es fing damit an, dass er die Blütenblätter aus seinen Haaren zupfte und endete irgendwie, mit seinen Fingern in Adams Haaren vergraben und seinen Lippen auf Adams. Hier im Schatten des blühenden Baumes hatten sie ein paar Augenblicke für sich alleine. Für zarte Küsse und dazwischen gehauchte Worte, die nur für den anderen bestimmt waren. Für atemlos geflüsterte Liebkosungen und leises Kichern. Für warme, neugierige Hände, die auf weiche Haut trafen. 

Dann ernteten sie sich aber prompt ein paar böse Blicke, weil sie die Foto-Location blockierten und hasteten, hochrot im Gesicht und atemlos lachend, über die Wiese zurück auf den Weg.


„Gwiazdko?“, legte Vincent behutsam seine Hand auf Adams Arm.
Adam liebte es, wenn Vincent ihn so nannte. Egal welchen Kosenamen er ihm gab. Es war völlig egal, ob er sein Herz, sein Mond oder sein Stern war. Seine Stimme und die Art wie er manchmal noch ein bisschen über die Laute stolperte, das war es, was Adams Herz zum Hüpfen brachte. Irgendwie befüllte das die Worte mit noch mehr Bedeutung, mit noch mehr Zärtlichkeit, und Adam musste jedes Mal mit der Hitze kämpfen, die Vincents Stimme durch seine Adern jagte.
Da es hier in der Öffentlichkeit ungünstig wäre einfach zu schmelzen und sich in eine Pfütze auf dem Boden zu verwandeln, musste er sich damit zufriedengeben Vincent an sich zu ziehen und ihm einen zarten Kuss auf die Schläfe zu drücken „Ja?“
„Könntest du die Kamera nochmal kurz rausholen?“, fragte Vincent verlegen.
Adam blinzelte überrascht und schob seine Sonnenbrille auf die Stirn, damit das Vincent auch sehen konnte. „Ah, jetzt doch?!“
„Das ist so ein schöner Hintergrund“, argumentierte Vincent.
„Find den Vordergrund auch ziemlich nett“, gab Adam zurück und schlang seinen Arm um Vincents Hüfte.
Vincent kniff ihn leicht in den Arm und Adam blitzte ihn nur schelmisch an.


Vincent saß schon, etwas gezwungen lächelnd, da und wartete bis Adam endlich einen guten Winkel gefunden hatte. Der knipste ein paar Mal ab, aber war unzufrieden mit den Fotos. Sie wurden Vincent einfach nicht gerecht! Das Licht fiel auch nicht schön! So würde das nicht gehen!
Da kam ihm eine Idee und eine Glühbirne blitzte fast sichtlich über seinem Kopf auf.
„Okay, warte!“, murmelte er und hastete schnell den kurzen Steinweg zum Bach hinunter.
Vincent sah ihm belustigt nach. „Adam, du musst das nicht so ernst…nehmen...“
Zu spät. Adam war schon dabei, seine Schuhe und Socken auszuziehen.
Vincent musste fast schmerzhaft sein Lachen unterdrücken und stützte seinen Kopf verlegen in seine Hände.
„Idiot!“
Adam rollte seine Jeans etwas hoch und stapfte in den Bach. Verzog keine Miene, um nicht zu verraten, dass sich seine Zehen sofort wie Eiszapfen anzufühlen begannen.
Von dieser Perspektive hatte er den Fluss, die Brücke und Vincent auf dem Bild und dahinter, durch die Brücke eingerahmt, die rosaroten Kirschbäume, und die besonders schönen Magnolien, die dem ganzen noch die romantische Stimmung gaben. Etwas unsicher auf den Beinen hockte er sich auf einem Stein hin und versuchte das perfekte Foto hinzubekommen. Eines, das Vincent wirklich gerecht wurde.
Als er endlich zufrieden war, hatte er kaum noch Gefühl in seinen nackten Füßen und fand, als er versuchte herauszuwaten, auf dem glitschigen Untergrund von abgerundeten Kieseln, keinen richtigen Halt. Er strauchelte etwas und schaffte es gerade noch so das Gleichgewicht wiederzuerlangen. Jetzt machte er sich Sorgen um die Kamera um seinen Hals, das wäre ein teurer Spaß wenn er jetzt einfach so vornüber ins Wasser fallen würde. 
„Äh Vincek, kannst du mir kurz helfen?“
Vincent sprang auf. „Alles gut Adam?“
„Ja, ja, nimm mir nur bitte kurz die Kamera ab!“, bekam Adam zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus. Das kalte Wasser begann jetzt wirklich zu zwicken.
Langsam und etwas wackelig kam Vincent über die größeren Steine zu ihm, um nicht mit den Schuhen ins Wasser zu treten. Er steckte seine Hand nach der Kamera aus und Adam streckte sie ihm entgegen, aber Vincent bekam sie knapp nicht mit den Fingern zu fassen. 
Adam konnte nicht weiter zu ihm hin, ohne mit Sicherheit auszurutschen, aber wenn er seinen Arm noch einen Millimeter weiter streckte, würde er sich die Schulter auskugeln. Vincent versuchte ihm entgegenzukommen und lehnte sich dabei nur ein bisschen zu weit nach vorne.

...Und so landeten sie beide im Bach. 
Natürlich hatte Adam versucht Vincent aufzufangen, das hieß aber nicht, dass es ihm auch gelungen war. Am Ende saßen sie beide im Wasser, Vincent halb auf seinem Schoß. Der japste, als das kalte Wasser über seine nackten Beine floss. Adam seufzte nur resigniert, während das Wasser sich in seine Jeans sog. Sobald sich ihre Blicke trafen, prusteten sie beide ungehalten los. War ja klar, dass ihr perfekter Tag buchstäblich ins Wasser fallen würde!
Adam hielt immer noch Kamera in die Höhe, damit sie nicht mit dem Wasser in Berührung kam und jetzt streckte er seine Hand aus und schoss ein Foto, als er dem lachenden Vincent einen Kuss auf die Wange drückte, und noch einmal knipste er ab, als Vincent sich jetzt zu ihm drehte und seine Lippen auf seine presste. Trotz des kalten Wassers, war ihm plötzlich wieder ganz, ganz warm.


Jetzt liegen sie im Gras und lassen ihre Sachen an ihren Körpern trocknen. In der sich senkenden Sonne beginnen sie schon immer länger werdende Schatten zu ziehen.
Vincent liegt an Adams Brust gelehnt da und sie sehen sich zusammen die Bilder auf der Kamera an.
„Hast recht, die sind schön!“, gibt Vincent zu, „aber da fehlt was!“
Adam legt die Kamera auf seiner Brust ab und sieht Vincent erstaunt an. „Ach ja, was denn?“
Vincent stützt sich auf seinem Ellbogen auf, nimmt ihm die Kamera ab und knipst drauf los.
Adam lässt es über sich ergehen. Irgendwie hat er es ja auch verdient, vielleicht hat er es vorhin etwas übertrieben. Jetzt war er es, der rot wurde. „Okay...reicht schon!“, winkte er ab.
Unschuldig lächelnd reicht ihm Vincent die Kamera zurück. „Warum soll nur ich verewigt werden?“
Weil Vincent das bessere Motiv ist? Was soll Adam mit Bildern von sich selber anfangen?!
Adam zieht eine Augenbraue hoch, als er sich die neuen Bilder jetzt ansieht. In allen Fotos sieht man verschwommen Vincents Finger im Bild und kaum etwas von Adams Gesicht.
Vincent bemerkt seinen Gesichtsausdruck. „Was?“
Gekonnt verbeißt sich Adam ein blödes Grinsen und schüttelt den Kopf. „Ich liebe dich!“
„Ich dich auch!“, antwortet Vincent schnell und versucht einen verstohlenen Blick auf das Display zu erhaschen, aber Adam dreht die Kamera schnell zur Seite.
Vincents Blick wird misstrauisch. „Aber die löschst du jetzt nicht!“, ermahnt er Adam und stupst ihn mit einem warnenden Zeigefinger an.
„Ne...die bleiben da drauf“, verspricht Adam. Aber sowas von!
Zufrieden legt sich Vincent wieder hin und schmiegt sich an ihn. Haucht ein paar sanften Küsse an seine bekleidete Brust und vergräbt dann sein Gesicht in seinem weichen Hemd.
Langsam wird der Lärm der anderen Leute weniger, bis sie fast alleine im Park sind. Sie bemerken den Unterschied kaum, denn sie sind schon längst wieder in ihre eigene kleine Welt versunken.