Work Text:
"Was eine Scheiße..."
Jan grinste leicht hinsichtlich des Tonfalls seiner Kollegin. In der Regel fluchte Rosa äußert selten, doch wenn sie es tat, dann während einer gemeinsamen Nachtschicht. Immer dann, wenn der Koffeinspiegel schon zu stark gesunken war und bei ihrem aktuellen Fall auch nichts weiterging. So wie jetzt. Dieser Ritualmord oder was auch immer das für eine Inszenierung hatte sein sollen, war aber auch verdammt knifflig.
So knifflig, dass sich Rosa im Laufe des Abends mehrmals die Haare gerauft hatte, obwohl die eigentlich zu einem Dutt hochgesteckt waren. Der war inzwischen logischerweise halb auseinander gefallen. Schon zum dritten Mal pustete Rosa sich genervt eine Strähne aus dem Gesicht und sah dann flehend zu Jan. "Könntest du kurz?"
Jan hatte noch gar nicht verstanden, was sie meinte, aber er kam auch nicht dazu Rosa weiter zu fragen. Denn seine Kollegin zog nun ihr Haargummi mit einem leisen Schnippen vom Kopf und einen Augenblick später fielen ihre blonden Haare in sanften Wellen über ihre Schultern. Und Jan war sprachlos.
Regelrecht handlungsunfähig. Er starrte Rosa einfach nur an, mit offenem Mund und geweiteten Augen, völlig baff von ihrer Schönheit. Ihre Haare umspielten perfekt ihr Gesicht, hatte so eine schöne Länge, glänzten im warmen Licht der Bürolampen und sahen einfach nur unfassbar weich aus.
"Jan?" Rosa sah ihn mit schief gelegtem Kopf abwartend an.
Ein wenig zu hastig nickte er und sprang auf, um den Tisch zwischen ihnen zu umrunden. Er nahm das Haargummi aus Rosas Hand, stellte sich hinter sie und war erstmal kurz überfordert. Schon wieder. Zum Glück schien Rosa nichts davon zu merken, denn sie sah auf ihren Bildschirm und klickte hin und wieder mit der Computermaus, scrollte ein wenig durch alte, nun digitalisierte Akten und Befunde.
Vorsichtig nahm Jan Rosas Haare in seine Hände, auch die Strähnen, die ihr vorn über die Schultern fielen. Seine Finger streiften dabei die weiche Haut an ihrem Hals. Krampfhaft versuchte Jan sich zu kontrollieren. Er hob den Zopf ein Stück höher, umfasste ihn mit einer Hand und fuhr mit der zweiten Hand durch die Haare an Rosas Hinterkopf, um die noch losen oder leicht verknoteten Strähnen in den Zopf zu bekommen.
Spätestens da verlor er jegliche Fassung. Und Rosa ging es wohl plötzlich ganz ähnlich.
Seine Finger streiften ihren Nacken und Rosa erschauderte förmlich unter seiner Berührung. Auch Jan lief eine Gänsehaut über die Arme. Er strich seine Finger ein zweites Mal nach oben, noch langsamer diesmal. Langsam genug, um seine Fingerkuppen ausgiebig über ihre kühle Haut tanzen zu lassen.
"Hat dir schon mal jemand gesagt, wie verdammt hübsch du bist?"
Rosa entwich ein atemloses Keuchen. "Jan..."
"Ich weiß, ich weiß", wisperte er. Jan zwang sich kurz die Augen zu schließen, um sich ein wenig einzukriegen. Ihm war leicht schwindlig, als er die Augen wieder öffnete und Rosas Haare ein paar Mal wickelte, bis ein Dutt entstand. Ein wenig unförmig, aber er hielt, und das musste genügen. Denn ein zweites Mal würde und konnte Jan das nicht mehr tun, sonst vergaß er sich ja völlig.
Aber vielleicht war es dafür auch schon zu spät und er hatte es nicht gemerkt. Und dieser Funken schien auch auf Rosa übergesprungen zu sein.
Sie atmete schwer und hielt die Augen geschlossen, während Jan ihr verstohlen eine lose Strähne hinters Ohr schob. Irgendetwas an ihrem Atem fesselte ihn, sodass er unbedingt näher sein musste. Langsam näherte er sich ihr von hinten, drückte sanft seine Nase an ihre Schläfe, bis Rosa sich zu ihm umdrehte. Sie stand von ihrem Stuhl auf, darauf bedacht ihm in ihrer Bewegung so nah wie möglich zu bleiben.
Gierig reckte sie ihm ihr Kinn entgegen. Ihr Atem brannte auf seinen Wangen und Jan wurde nicht nur deshalb ein wenig rot. Er senkte seinen Kopf, drehte ihn leicht zur Seite, wich ihrem Versuch aus, um sie ein wenig zu necken. Rosas Antwort war ein Lächeln und dann schob sie ihn mit sanften Druck nach hinten, bis er mit einem dumpfen Geräusch gegen die Fensterscheibe knallte.
Nun gefangen gab er nach und neigte seinen Kopf, um Rosas hungrigem Kuss mit mindestens genauso viel Gier zu begegnen. Ihre Lippen auf seinen entfachten ein Feuer in ihm. Jan wurde gleichzeitig heiß und kalt als würde er in Flammen stehen. Rosa nahm ihm die Luft zum Atmen, doch Jan konnte sich kein schöneres Gefühl vorstellen. Ihr Lippen kollidierten wieder und wieder in immer leidenschaftlicher werdenden Küssen. Jans Finger tanzten erneut über Rosas Nacken, sie erschauderte kurz, küsste ihn dann noch inniger. Ihre Hände waren plötzlich überall, Jan konnte sich selbst nur noch schwerlich beherrschen.
"Bist du dir sicher?" hauchte er gegen ihre Lippen.
Rosa nickte knapp und schubste ihn mit einem Grinsen fester gegen die Scheibe, bevor sie zu einem weiteren Kuss ansetzte, den Jan prompt erwiderte. Es würden noch viele mehr folgen in dieser Nacht, soviel stand fest.
