Work Text:
„Was hast du getan?“
Die Stimme war so scharf, dass Justus sie im ersten Augenblick nicht erkannte.
„Ich habe einen kleinen Schnüffler gefangen“, antwortete der Mann, der ihn vor zwei Stunden bei seiner Observierung erwischt hatte. Er klang selbstzufrieden, hatte die Gefahr im Tonfall des anderen offenbar noch nicht erkannt.
„Sei still und setz dich hin“, kam der harsche Befehl, und Justus hörte, wie der Mann ihn befolgte, sich auf die Bank fallen ließ, neben der er Justus abgesetzt hatte.
„Entschuldige, Justus, das sollte nicht passieren.“ Schlagartig war Victor Hugenays Stimme weicher geworden, während er den Verband durchschnitt, den der andere mangels Seil eng um Justus‘ Handgelenke geschlungen hatte.
Die Berührung von Hugenays warmen Händen auf seiner Haut jagte einen Schauer durch Justus‘ Körper.
„Dir ist kalt“, stellte Hugenay fest, missdeutete die Reaktion, worüber Justus nicht böse war. Außerdem stimmte es – die Nacht war herein gebrochen, und auf diesem Parkplatz nahe der Steilküste war es empfindlich kühl geworden. Und seine Jacke lag bei seinem Rucksack im Gebüsch.
Im nächsten Augenblick legte Hugenay ihm etwas um die Schultern, und erst eine Sekunde später verstand Justus, dass der Kunstdieb ihm gerade sein Jackett gegeben hatte. Die Erkenntnis machte ihn sprachlos.
Mühsam, vorsichtig darauf bedacht, den teuren Stoff nicht auf den feuchten Boden gleiten zu lassen, kam er auf die Füße, sah sich zum ersten Mal nach Hugenay und dessen… Geschäftspartner um.
Der Mann saß tatsächlich auf der Bank, beobachtete sie mit offenstehendem Mund. Irgendwie konnte Justus es ihm nicht verdenken.
„Du bist verletzt“, sagte Hugenay leise, seine Finger strichen sacht über Justus‘ aufgeplatzte Lippe, riefen ein Kribbeln in seinem Magen hervor.
Halb so schlimm, wollte er sagen, Hugenay beschwichtigen, dessen Blick mörderisch geworden war, doch da hatte dieser sich schon umgewandt.
Wie aus dem Nichts schlug er dem anderen Mann ins Gesicht.
