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Verona

Summary:

Crowley schlägt einen Club als geheimen Treffpunkt vor.

Notes:

Hey alle,

die Inspiration schlug zu, als ich das neue Muse-Album hörte. Also macht es euch gemütlich, haut euch "Verona" von Muse auf die Öhrchen und habt viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße
Kitty

Work Text:

Verona

 

Dunkelheit. Hitze. Beinahe feucht. Enge. Wogende Körper reißen ihn mit. Zerren und ziehen an ihm. Wirbeln ihn immer weiter gen Mitte. Dröhnende Bässe hämmern in seinen Ohren. Lassen alles seltsam dumpf erscheinen. Flackernde Blitze machen aus geschmeidigen Bewegungen Standbilder. Ein heller Fleck inmitten von grau und schwarz. 

 

-ooo-

 

Natürlich ist er zu spät! Wie hätte es auch anders sein können! Gerade war er auf dem Weg zu seinem Wagen gewesen, um den Engel am vereinbarten Ort zu treffen, als sein Handy klingelte. Er hätte es einfach klingeln lassen sollen. Im Nachhinein betrachtet… nun denn… was bringt es sich über alte Entscheidungen zu ärgern, die sich auch durch einen kleinen Tobsuchtsanfall nicht rückgängig machen lassen. 

Allerdings erweist sich ein bisschen Wut durchaus hilfreich, besonders wenn man als Wesen der Hölle in eben solchem Tempo durch die Londoner Innenstadt heizt, um den favorisierten Engel nicht noch länger warten zu lassen. 

Vielleicht hätte Crowley nicht unbedingt einen Club als Treffpunkt vorschlagen sollen. Eine weitere Entscheidung, für die er sein Vergangenheits-Ich mal kurz mit dem Kopf gegen die nächste harte Oberfläche klatschen will… aber gut… was geschehen ist, ist geschehen. 

In einer einzigen geschmeidigen Bewegung parkt Crowley den Bentley in der Parklücke direkt vor dem Club, öffnet die Fahrertür und steigt aus. Lange Schritte führen ihn vorbei an der Schlange der wartenden Menschen, die ihn nur anschauen, während er an ihnen vorüberschreitet, die Haare ein letztes Mal richtend. Das Knäuel Menschen direkt vor dem Eingang, unterbricht seine Diskussion mit dem Türsteher und tritt beiseite, ohne dass Crowley seinen Schritt auch nur verlangsamen muss. 

Innen schlägt ihm sofort die vertraute Mischung aus Musik, Hitze, verbrauchter Luft und Ekstase entgegen. Zufriedenheit zupft an seinem Mundwinkel. Wäre er nicht verabredet, wäre es eine willkommene Abwechslung sich ins Getümmel zu stürzen und sich ein wenig mitreißen zu lassen. Nichts haben die Menschen so sehr perfektioniert wie die Zerstreuung. 

Crowley schaut auf seine Uhr. Verdammt, der Engel ist seit mindestens 15 Minuten allein hier drin. Vermutlich sogar noch länger, denn seien wir ehrlich, der Engel kommt nicht pünktlich zu einem Treffen. Er plant immer ein stattliches Zeitpuffer ein, man weiß ja nie, was passiert.  

 

-ooo-

 

Was hatte sich der Dämon nur dabei gedacht, diesen Ort als Treffpunkt vorzuschlagen?!? Was, wenn man ihn hier entdeckt? Der Engel steht in Mitten der tosenden Menge und versucht so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten… mit mäßigem Erfolg, wie er sich selbst eingestehen muss. Von allen Seiten zupft, zerrt oder schubst es. Wo bleibt Crowley nur? Der Engel möchte sich garnicht ausmalen, wie rüde die Mitteilung ausfallen würde, sollte seine Abteilung Wind davon bekommen, wo er sich gerade herumtreibt. Er würde eine gute Erklärung vorweisen müssen. Vielleicht sollte er pro forma die ein oder andere gute Tat wirken. Er braucht sich nur kurz umsehen um mindestens ein Duzend Menschen auszumachen, denen ein winziges Wunder gut tun würde. Dieser junge Mann direkt neben ihm beispielsweise, natürlich kann Arziraphale hinter die grelle, wild tanzende Fassade blicken. Und natürlich erkennt er die Unsicherheit, das Unglück, die Verzweiflung. Ein kurzes Prickeln ist alles, was der junge Mann spüren wird. Nicht mehr, als das, was ein Windhauch in seinem Nacken auslösen würde und Arziraphale lächelt. 

 

Can we kiss 

With poison on our lips 

Well I'm not scared 

Can we touch and taste

forbidden bliss

They can't stop us now, 

I won't let you be alone 

I am coming for you

 

Der Fokus des Engels verschiebt sich. Weg von den Menschen um ihn herum hin zur Musik. Dieses Musikstück ist anders als die anderen, die Arziraphale hier bisher vernommen hat. Keine donnernden Bässe, die sein Hirn zermartern. Stattdessen eine Melodie, die seine aufgewühlte Seele ein wenig besänftigt. Die ersten Worte des Sängers strömen hinab aus den Boxen hinein in das dunkle Treiben. Die verkrampften Hände, einander unentwegt knetend, fallen auseinander. Der Engel schließt die Augen. 

 

-ooo-

 

Crowley schiebt sich durch die tanzende Menge. Irgendwo hier muss der Engel doch sein. Eigentlich müsste er auffallen wie ein bunter Hund und dennoch durchkämmt er seit Minuten die einzelnen Räume des Clubs. 

Irgendwie hatte er sich das Ganze irgendwie unproblematischer ausgemalt. Ein Treffen an einem Ort wie diesem erschien ihm eigentlich recht klug. Viele Menschen, auf der Suche nach flüchtigen Abenteuern,  an die sich am nächsten Tag niemand mehr erinnern möchte. Anonymität und Dunkelheit. Ein Ort, den der Himmel freiwillig mied und die Hölle für ausreichend verdorben hielten, sodass die Anwesenheit von Abgesandten für unnütz erachtet wurde. Aber manchmal zerschellen selbst die an sich unfehlbaren Pläne des Dämons an der Realität. 

Dann plötzlich sieht Crowley etwas Helles aufblitzen. So schnell es da war, so schnell verschwindet es auch wieder in den Menge der wogenden Körpern. Taucht erneut auf, verschwindet, einem Irrlicht gleich. Hypnotisierend.  

 

-ooo-

 

Der Engel steht still. Sieht nicht länger. Er fühlt. Er hört.

 

Keep us apart, it's too much to ask 

We're running away 

Take off your clothes and take off your mask 

 

Irgendetwas zupft an einem Inneren. Eine Erinnerung, die gekitzelt wird, neugierig, aber dennoch nicht gänzlich an die Oberfläche tritt. Daher lässt er sich weiter treiben. Die Musik nimmt ihn mit, in der Hoffnung, den Fetzen irgendwann zu ergreifen und ihn ans Licht zu ziehen. Das Gefühl des Bekanntseins ist zu übermächtig, um es zu ignorieren. 

 

It's not over now, 

I won't leave you in the dark 

Because I need you so 

 

Die Worte schmecken süß auf seiner Zunge und dennoch kann er sie nicht aussprechen. Ein letzter Funke scheint immer zu fehlen. Er fühlt weiter.  

 

-ooo-

 

Es blitzt erneut auf. Crowley ist sich sicher, er hat sein Ziel gefunden. Inmitten der Menge der tanzenden Menschen, dunkel und wogend, steht der Engel. Er hebt sich ab. Weiß, Creme und Gold wo sonst nur Grau, Schwarz und Tristesse ist. Aber auch Stillstand, wo sonst Unruhe ist. Ein heller Fels in der rauen, schäumenden Brandung der Tanzenden. 

Crowley kann nicht anders, als das Bild genauer zu betrachten. Der Engel steht ihm zugewandt, nimmt ihn aber dennoch nicht wahr. Die Augen geschlossen, steht still er auf der Tanzfläche, Ruhe im Wahnsinn, der ihn umgibt. Die Hände sind nicht, wie sonst ein typisches Zeichen der Angespanntheit des Engels, ineinander verschränkt. Vielmehr liegen beide Arme entspannt an den Seiten hinab. Die Falten der Besorgnis im Gesicht sind beinahe gänzlich geglättet. Wie kann etwas gleichzeitig so sehr aus seinem Umfeld herausstechen und sich dennoch so passgenau einfügen?

Nun kann Crowley nicht anders und nimmt die Musik wahr, die nun auch ihn empfängt. 

 

Can we kiss, contagion

on our lips 

Well I don't care 

We can touch and feel forbidden bliss 

They can't stop us now, 

I won't let you feel alone 

Because I need you so 

 

Wie die Motte zum Licht begibt sich Crowley auf den Weg durch die Menschenmenge.  

 

-ooo-

 

Zwei Menschen. Masken. Ein Ball. Ein Kuss. Fetzen von Informationen, Erinnerungen und Wünschen drehen sich, wie Puzzleteile im verzweifelten Versuch das passende Gegenstück zu finden.

Liebe. Verbotenes Glück. Gestohlene Küsse. Irgendetwas rastet ein. Informationen fügen sich langsam zusammen und ergeben ein stimmigeres Bild. 

Verzweiflung. Flucht. Letzter Ausweg. Gift. 

 

You and me 

Throw caution to the wind 

And I will risk everything just to feel 

the warmth and the voltage of your skin 

If this is my last day on earth, I just want to be with you 

You are all that's true

 

Verona.

Da ist das letzte Puzzleteil findet seinen Platz. 

Shakespeare. The Globe. Crowley. Nur Crowley.  

 

-ooo-

 

Crowley überbrückt Meter um Meter. Immer wieder verschwindet sein Ziel kurz aus seinem Blickfeld, nur um Sekunden später erneut zu erscheinen, sobald die Menschen den Engel denn freigeben. 

Dann steht er nur wenige Zentimeter vor ihm. Noch immer hat Arziraphale ihn nicht bemerkt. 

 

 -ooo-

 

Eine Berührung an der rechten Schulter. Federleicht. Doch sie reicht aus, um Arziraphale ins Hier und Jetzt zurückzuholen. Blaue Augen öffnen sich. Blicken den Dämon vor ihm direkt an. Tiefblau, aufgewühlt und dennoch klar, wie die See nach einem Sturm. Sehen so tief, dass Crowley beinahe versucht ist, den Blick abzuwenden.

Eine Hand, bedächtig geführt, bis sie ihr Ziel erreicht. Crowley kann nicht anders, schmiegt sich wie selbstverständlich hinein. Schließt die Augen, nimmt das Gefühl der weichen Wärme an seiner Wange auf. Spürt, wie ein Finger sanft die Kanten und Ecken seiner Erscheinung nachfahren. 

„Crowley“, so leise gesprochen, dass er mehr den Hauch auf seiner Haut wahrnimmt, denn den Ton, der das Wort eigentlich begleiten sollte. 

„Crowley“,er spürt die Bewegung der fremden Lippen an den eigenen, in der Sekunde, in der sie sich auf die seinen legen. 

Ein Kuss. 

 

We will kiss, 

with poison on our lips 

Well I'm not scared 

We will touch and reach forbidden bliss 

They can't stop us now, 

I won't let you die alone 

Because I love you so

 

Die Welt steht still. Für einen Moment.