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Xavi steht am Sicherheitsausgang und spürt sein Herz bis in seine Kehle schlagen. Er weiß, es ist albern. Albern, so aufgeregt zu sein, denn er steht hier weiß Gott nicht zum ersten Mal, ganz im Gegenteil. Er hat seinen Mann inzwischen so oft hier abgeholt und doch nicht oft genug. Oder eigentlich viel zu oft, denn wie viel schöner wäre es, sich gar nicht mehr gegenseitig am Flughafen abholen zu müssen und stattdessen gemeinsam in einer Stadt, einer Wohnung zu leben.
Wie immer machen Xavi diese Gedanken ein wenig traurig. Eine Lösung scheint nach wie vor nicht in Sicht, und so bleibt ihnen nur das. Immerhin das. Sich alle paar Wochen zu sehen und gegenseitig vom Flughafen abzuholen.
Der Spanier seufzt und fährt sich mit einer Hand durch seine dunklen Haare. Etwas unsicher sieht er an sich hinunter und fragt sich erneut, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat. Adam und Leo, die bereits gestern angekommen sind und sich jetzt diskret im Hintergrund halten, deren Blicke Xavi aber dennoch auf sich spürt, haben ihm eindeutig zugeraten. Haben ihm gesagt, wie verdammt gut er in diesem dunklen Anzug mit dem dunkelblauen T-Shirt unter der Jacke und den weißen Sneakers aussieht.
„Karow wird dich auf der Stelle vernaschen wollen“, hat Leo gesagt und das Revers von Xavis Jackett glattgestrichen.
„So wie wir jetzt gerade“, hat Adam hinzugefügt, sich etwas vorgelehnt und Xavi einen sanften Kuss auf die Wange gedrückt.
„Haltet bloß die Klappe“, war alles, was Xavi antworten konnte. Statt noch mehr zu sagen, senkte er seinen Kopf und musste tief Luft holen, so seltsam geschmeichelt fühlte er sich von den Worten der beiden Männer, die er längst nicht mehr in seinem Leben missen wollte und die er liebte, tief und innig und doch auf eine andere Art und Weise als er Karow liebte. Ihnen allen ging das so miteinander und, so dachte Xavi für einen Moment, vermutlich musste das so sein, wenn das, was sie zu viert miteinander hatten, funktionieren sollte. Und es funktionierte, eine Tatsache, die Xavi auch jetzt noch manchmal kaum fassen konnte.
Nervös schiebt Xavi seine Hände in die Hosentaschen, nur, um sie gleich wieder herauszuziehen. Wenn Karow doch nur endlich durch die Schiebetür käme und ihn küssen würde, dann könnte er sich entspannen. Er weiß, es gibt keinen Grund für Nervosität, denn er wartet auf den Mann, der ihn schon längst nicht mehr im Geringsten daran zweifeln lässt, dass das, was sie miteinander haben, für immer sein soll. Er wartet auf den Mann, der so verdammt viel verloren hat, mehr noch als Xavi selbst, und der bei Xavi endlich das gefunden hat, was er schon so lange Jahre gebraucht und verdient hat.
Xavi spürt einen leichten Luftzug hinter sich und hört gleich darauf Adam neben seinem rechten Ohr flüstern: „Sei nicht so nervös, Bonet. Du bist der schönste Mann im ganzen Terminal… uns beide wird Karow nicht mal bemerken, sobald er dich sieht.“
„Ich hätte euch Nervensägen gar nicht mitnehmen sollen. Ihr macht mich wahnsinnig“, sagt Xavi und schiebt seinen Ellenbogen sanft aber bestimmt in Adams Bauch. Der blonde Mann kichert und erwidert amüsiert: „Bin schon weg. Wir fummeln ein bisschen im Wartebereich, falls ihr uns gleich sucht.“
„Wir warten daheim auf euch“, gibt Xavi frech zurück und beobachtet Adam aus den Augenwinkeln dabei, wie er wieder zu Leo hinüber geht und sich neben ihm auf die Bank fallen lässt. Er sieht gerade noch, wie Leo einen Arm um Adams Schultern schlingt und ihn näher an sich zieht, da gleiten endlich die milchigen Sicherheitstüren auseinander und Xavi weiß, ja, er spürt regelrecht, dass Karow nur noch wenige Schritte von ihm entfernt ist. Dass er einer der Ersten sein wird, die durch die Tür kommen – und genau so ist es.
Als könne es gar nicht anders sein, treffen ihre Blicke sich sofort in dem Moment, in dem Xavi nicht mehr über andere Passagiere hinweg nur Karows blonde Haare erkennen, sondern in sein Gesicht sehen kann. Dieses Gesicht, das von so viel Schmerz, aber auch von so viel Freude und Liebe erzählen kann. Und das genau jetzt genau davon erzählt: von Freude und Liebe und auch von einem Hauch Überraschung, als Karow seinen Blick kurz von Xavis Augen löst und auf seinen Anzug fallen lässt, nur, um Xavi gleich darauf mit einem breiten und verdammt unverschämten Grinsen wieder anzusehen.
„Scheiße, Baby, du hast Nerven“, sind die ersten Worte, die Karow wenige Schritte später in Xavis Ohr flüstert, bevor er ihn auch schon an sich zieht und küsst. Ein Kuss, nach dem sich beide Männer seit drei Wochen gesehnt haben und der sich fast schon unerträglich sehnsüchtig und verlangend anfühlt. Xavi liebt alles daran. Und doch muss er den Kuss für einen Moment unterbrechen und Karow antworten: „Gefällt‘s dir nicht?“
Er weiß genau, dass Karow gefällt, was er gesehen hat und was er nun unter seinen Händen spürt, als er diese über Xavis Rücken und an seinen Arsch gleiten lässt.
„Mir gefällt nicht, dass du mich offensichtlich umbringen willst“, gibt Karow zurück und löst sich ein klein wenig von Xavi, um ihn erneut betrachten zu können, mit seinen Händen aber immer noch an Xavis Hüfte und Hintern.
„Die beiden Nervensägen meinten, du würdest mich sofort vernaschen, wenn ich das anziehe“, sagt Xavi und erntet ein amüsiertes Lachgrunzen von Karow.
„Gut, dass du auf sie gehört hast, aber… hattest du Zweifel?“ Karow hebt seine Hände und fährt mit den Fingern unter die Aufschläge von Xavis Jackett. Schiebt seine Hände schließlich unter die Jacke, findet mit seinen Daumen Xavis nur von dem dünnen T-Shirt bedeckte Nippel und reibt ein bisschen darüber. Der Spanier kann ein leises, fast gequältes Stöhnen nicht unterdrücken. Er lässt seinen Kopf nach vorne fallen, lehnt seine Stirn an Karows Schulter und sagt heiser: „Roberto… du hast mir so den Kopf verdreht, dass ich manchmal an meinem eigenen Namen zweifle. Und wenn du jetzt nicht aufhörst…“
„Was dann?“, fragt Karow und reibt wie aufs Stichwort noch etwas fester über Xavis Nippel. Ein hilfloses Lachen entkommt Xavi. Er hebt seinen Kopf und sieht Karow tief in die Augen, als er sagt: „Dann schaffen wir’s so schnell nicht nach Hause.“
„Oder ganz besonders schnell…“, murmelt Karow und presst seine Lippen endlich wieder auf Xavis. Fährt mit einer Hand unter Xavis Jackett herum bis an seinen unteren Rücken, wo er mit der flachen Hand in diese kleine Kuhle und seinen Mann dadurch noch fester an sich presst. Es ist deutlich zu spüren, wonach beiden Männern verlangt, wie erregt sie bereits sind, hier, mitten im Flughafenterminal. Auch Karow trägt einen Anzug mit einem T-Shirt unter der Jacke, und ihre Schwänze reiben durch den glatten Stoff ihrer Hosen zum Verrücktwerden fordernd aneinander.
Bevor Xavi komplett seinen Verstand verliert, leckt er ein letztes Mal in Karows Mund, zieht zurück und sagt, bereits ein wenig atemlos: „Okay, so schnell wie möglich.“
Kurz darauf sitzen sie auf der Rückbank des Mietwagens, den Adam am Vortag besorgt hat und an dessen Steuer er jetzt sitzt. Im Rückspiegel wirft er Xavi einen Blick aus der Abteilung Ich hab’s dir doch gleich gesagt zu. Xavi kneift die Augen zusammen, als wolle er sagen Ich will nichts hören, Schürk, dann richtet er seine Aufmerksamkeit wieder ganz und gar auf den Mann neben sich. Diesen Mann, der sich jetzt zu Xavi lehnt, ihm einen Kuss auf die empfindliche Haut direkt unterhalb seines Ohres drückt und leise sagt: „Du bist viel zu schön in diesem Anzug, du hast ja keine Ahnung. Und trotzdem…“
„Und trotzdem…?“, murmelt Xavi, während er sich beinahe in den Berührungen und Liebkosungen von Karows Lippen verliert.
„Und trotzdem werd‘ ich ihn dir gleich vom Leib reißen müssen… schon im Treppenhaus…“
„Alles klar, Herr Kommissar“, erwidert Xavi und kann es kaum erwarten. Diesen Anzug wird er in Zukunft öfter tragen müssen.
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