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Characters:
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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-12-13
Words:
1,111
Chapters:
1/1
Comments:
20
Kudos:
40
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5
Hits:
148

Wahre Liebe, Die Immer Und Immer Sich Gleich Bleibt

Summary:

Adam schreibt Briefe an Vincent (im Stile von Schiller, wie er es an Goethe getan hat)

Notes:

You had to be there, I guess

Work Text:

Werter Herr Ross,
Ich hoffe, dieser Brief erreicht Sie in guter Gesundheit und ebensolcher Laune. Mir meines abrupten Abgangs sehr bewusst, lasse ich Sie auf diesem Wege wissen, dass ich wohlbehalten in einem kleinen Sanatorium residiere um mich dort meiner Genesung zu widmen, körperlich als auch seelisch.
Grämt es Sie sehr, dass ich mich nicht persönlich verabschieden konnte? Ich mag es mir nicht vorstellen, und doch haben Sie mein vollstes Verständnis, wenn dem so ist.
So verbleibe ich in der Hoffnung, dass Sie es in Ihrem Herzen finden, mir zu verzeihen und verbleibe ehrerbietigst,
Ihr Adam Raczek

+~+

Sehr geehrter Herr Ross,
es ist schon beinahe töricht es einzugestehen, aber Sie fehlen mir doch ausserordentlich. Meine Mitstreiter in dieser Einrichtung sind zwar alle sehr umgänglich, doch mit Ihnen wäre es, so mag ich es vermuten, doch auskömmlicher.
Man verordnete mir unter anderem eine Liegekur, und wären Sie hier, so könnten ich im Liegen doch den ein oder anderen Kriminalfall mit Ihnen besprechen, sofern Ihnen danach der Sinn stünde.
Arbeiten Sie gerade an einem solchen Fall? Sind Sie gar so beschäftigt, dass meine Nachricht Sie inkonveniert? Ich wünsche es Ihnen nicht.
Auch ich gehe Beschäftigungen nach, Gespräche mit dem Seelenarzt und Spaziergänge, immerzu Spaziergänge. Für die Durchblutung, so heißt es hier.
Wenn diese Spaziergänge doch nicht so eintönig, so sinnentleert wären.
Aber nun muss ich mich sputen, man ruft zur Abendgymnastik.
So sei Ihnen sportlich gegrüßt von Ihrem
Adam Raczek

+~+

Mein lieber Herr Ross,
mit Betrüben musste ich feststellen, dass sich Ihr Dasein auf Erden in Bälde erneut jährt, und ich dies nicht mit Ihnen zelebrieren können werde. Sie lassen sich doch hoffentlich feiern, von Freunden und Familie? Von unseren werten Kollegen? Unser lieber Herr Król zaubert eine gar fantastische Nuss-Sahne-Torte, einfach himmlisch, sage ich Ihnen.
Ich muss gestehen, weniger himmlisch ist das Essen, das uns hier serviert wird - alles mager und schonend und fürchterlich fad. Und Alkohol ist uns strikt untersagt, was natürlich absolut sinnig ist, unser eh schon tristes Dasein hier aber nicht lustiger gestaltet.
Übrigens las ich mit Bestürzen von diesem grauenvollen Mord in unserer schönen Stadt, die auch Sie Ihre Heimat nennen. Ermitteln Sie gerade in diesem Fall?
Nicht, dass ich mich mit meiner Expertise aufdrängen möchte, Sie wissen ja selbst, was Sie am besten tun. Ausserdem hat es mir der Arzt untersagt, ich soll mich ja schonen.
Auch wenn ich es für ratsam halte, die Ehefrau des Toten näher in Augenschein zu nehmen.
Aber lassen Sie mich nicht gegen die Anweisungen der Ärzte verstoßen, sondern Ihnen alles Gute wünschen für Ihr nächstes Lebensjahr. Auf Ihr Wohl! So proste ich Ihnen aus der Ferne zu, ganz brav mit Kamillentee.
Es grüßt Sie herzlichst,
Ihr Adam Raczek

+~+

Mein werter Vincent,
Sie mögen mir meine zittrige Handschrift verzeihen, doch meine Nerven wollen sich noch nicht wieder beruhigen.
Was war ich überrascht, Sie hier zu sehen - wie Sie so plötzlich und unerwartet vor mir standen, ich gestehe es gern, ich fand mich schockiert!
Und was für ein Spiel des Schicksals ist es, dass Sie zufällig hier sind, aus beruflichen Gründen, Sie ja gar nicht wussten, dass Sie mich hier zu erwarten haben!
Ich kann nicht verhehlen, dass ich mich trotz der Umstände doch sehr freute, Sie zu sehen. Umso erschrockener war ich, Ihr Antlitz näher zu betrachten. Sie wirkten so erschöpft und ausgelaugt.
Schlafen Sie auch genug?
Sorgenvoll,
Ihr Adam Raczek

+~+

Mein lieber Vincent,
kaum hatte ich meinen letzten Brief aufgegeben, da schämte ich mich auch schon für meine Wortwahl. Wer bin ausgerechnet ich, Sie nach Ihren Schlafgewohnheiten zu fragen?
Ich hoffe, Sie können mir verzeihen.
Ihr Adam Raczek

+~+

Lieber Vincent,
es erfüllt mich mit großer Freude, Ihre Einladung zu erhalten. Ein Gartenfest, wie wunderbar!
Der Arzt ist der Meinung, es wäre eine gute Abwechslung für mich, ich befände mich auf einem guten Weg in Richtung Besserung.
Nur noch glücklicher macht es mich, dass Sie anscheinend nicht erbost waren über meine letzten Briefe - was war ich besorgt, dass Sie mir meine Wortwahl, meine allzu offene Unverschämtheit übel nehmen.
Umso mehr sehe ich freudig dem nächsten Monat entgegen, da wir uns wiedersehen - wir waren viel zu lang voneinander getrennt!
Bestellen Sie doch auch einen herzlichen Gruß an die Kollegen Król, Kamensky und Pawlak im Besonderen - auch hier freue ich mich äußerst auf ein baldiges Wiedersehen.
Voller Vorfreude,
Ihr Adam Raczek

+~+

Mein geliebter Vincent,
was war das für ein Hallo, als ich in Deinen Garten schritt - all die Kollegen, die sich freuten, mich zu sehen, es war mir schon beinahe unangenehm, in einer solchen Aufmerksamkeit zu stehen.
Und dann warst da Du, und mir barst beinahe das Herz aus der Brust bei Deinem Anblick.
Ist es vermessen Dir zu sagen, wie wundervoll du ausgesehen hast, in diesem hellen, blumenbesprenkelten Kleid? Wie schön das Strahlen auf Deinem Gesicht, als Du mich erblicktest?
Wie aufmerksam Deine Augen, wie warm, liebevoll, auf mich gerichtet?
Wie umwerfend Deine Lippen, lachend, sprechend, mich küssend?
Oh, wie zuwider ist mir nun mein Zimmer in diesem Sanatorium, wie leer mein Bett, jetzt wo ich weiß wie es ist, in der Wärme Deiner Umarmung zu schlafen!
Ach, es ist schon doch sonderbar, ich fühle mich beinahe wie ein törichter Backfisch beim Schreiben dieser Worte.
Und doch möchte ich es von meinem kleinen Balkon rufen, so dass es der Ort, das Land, die ganze Welt es höre.
Ich liebe Dich!
Wie lang wird mir jetzt der restliche Aufenthalt vorkommen, wie bittersüß die Zeit des Wartens, bis wir uns wiedersehen?
Ich zähle die Tage. Die Stunden. Die Sekunden gar.
Mit all meiner Zuneigung, der Deine.
Adam

+~+

Mein über alles geliebter Adam,
Du würdest mich vermutlich nun schelten, oder Dich herzlich über mich amüsieren, und Du hättest nicht Unrecht, so verkehrt unsere Rollen nun sind.
Sitze ich doch zu später Stunde - oder in den ersten Morgenstunden - an diesem Tisch, während Du schläfst, und schreibe diese Zeilen, die ich nicht zu Papier bringen kann, wenn Du dabei in meiner Nähe bist.
Weißt Du eigentlich, wie glücklich Du mich machst? Wie froh ich bin, dass ich Dich jetzt endlich habe?
Und ja, endlich - Du magst wieder lachen, über die relative Kürze unserer Bekanntschaft, und unter welch ungünstigen Stern sie anfangs stand.
Für mich ist es doch eine halbe Ewigkeit, dass sich mein Herz nach Dir gesehnt, schon damals, als Du mich in deinen Garten einludst, während Deine Augen nicht von meinen Beinen weichen konnten.
Wie hätte ich Dir da noch widerstehen können?
Und jetzt, jetzt bist Du hier, jeden Morgen und jeden Abend, und mein Herz ist voller Liebe in allen Sekunden dazwischen.
Aber nun muss ich enden, denn Du liegst immer noch im Bett, und ich sehne mich nach Deiner Wärme.
Auf ewig der Deine,
Vincent