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Rating:
Archive Warning:
Fandom:
Character:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-12-27
Words:
511
Chapters:
1/1
Hits:
3

Blaue Klänge

Summary:

tfw regen schön ist, oder: wer braucht schon Handlung oder Charaktere

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Plötzlich wird alles rot. Ein prächtiges Spiel aus Dreiecken und Kreisen baut sich pulsierend auf und wieder ab. Meine Brille ist voller Regentropfen und die rote Warnlampe zeigt mir an, dass der Bahnübergang geschlossen ist. Ich halte eine Hand vor die Leuchte, das Farbenspiel ist zwar prächtig, aber sonst sehe ich nichts, und fahre bis an die Schranke. Dort halte ich an und nehme mein Handy hervor: «bin in 10 min zu Hause», meine Eltern wissen sicher gerne, wann ich komme. Bevor ich das Handy wieder wegstecke schaue ich schnell auf die Uhr, 21 nach zwölf, das sollte kein Problem sein. Ich wische noch schnell den Regen vom Display und stecke das Handy in die Tasche. Dann nehme ich mir die Zeit, meine Brille am Shirt abzutrocknen, während ein Zug vorbeifährt. Die Schranken öffnen sich wieder und ich fahre alleine über die Zuglinie. Ein Witz, den jemand vorhin gemacht hat, kommt mir in den Sinn und ich muss wieder lächeln, zu Schade, dass ich ihn nie selbst so gut rüberbringen würde. Weitere Geschehnisse des Abends gehen mir durch den Kopf, während ich meine Fahrradlampe neu ausrichte, sie bleibt nie dort, wo ich sie will. Ich bin schon fast da, als mir die Gedanken ausgehen und ich den Regen endlich höre, ein wunderschönes Geräusch, wenn auch übertönt vom Lärm, den ich beim Fahren mache. Nachdem ich für eine besonders tückische Anhöhe abgestiegen bin steige ich also nicht wieder auf, sondern konzentriere mich stattdessen voll und ganz auf den Regen, während ich möglichst leise dem Weg folge.
Ich schliesse die Augen und konzentriere mich auf mein Gehör. Zuerst ist da nur das prasseln, allumfassend und gemässigt, egal wo man steht, doch dann komme ich zum Wald und beginne ein Rauschen zu hören, viel lauter als alles andere landen die Tropen auf den zahllosen Blättern und bilden einen Wasserfall, so hört es sich zumindest an. Der Wasserfall übertönt das Rauschen jedoch nicht, sondern vermischt sich damit und etwas völlig neues entsteht, manchmal tritt das Prasseln mehr hervor und manchmal tritt es in den Hintergrund, wie eine Band, die für den Solisten platzt macht. Und auch der Solist lässt nicht lange auf sich warten, denn ich bin beim Haus angekommen, wo sich grössere Tropfen bilden, die dann mit einem lauten Platsch herunterfallen, ganz zufällig mal hier und mal da. Doch zusammen mit dem allgegenwärtigen bildet sie Musik, die ich nie gehört hätte, hätten mich meine Gedanken nur für ein bisschen länger abgelenkt.
Doch so plötzlich, wie die Musik kam, verschwindet sie auch wieder, denn ich bin nun angekommen. Ich öffne die Tür zum Fahrradraum und seine Stille ist wie ein Schlag ins Gesicht, plötzlich höre ich nur noch das leise, unmelodische Summen der Lampe, welches in meinen Ohren laut nachhallt, nach dem schönen Regen. Auch die Helligkeit ist auffallend, nachdem ich die Augen geschlossen hatte und nur das Nachtblau des Regens sah, ein Bild, welches sich in meinem Kopf breit gemacht hat und nun durch braune Wände verdrängt wird. Ich schliesse also noch mein Fahrrad ab, gehe hinein und wünsche meinem Vater eine gute Nacht.

Notes:

Vor einigen Jahren wollte ich ausprobieren, ob ich in der lage bin einen Text zu schreiben, der keine Erläuterung ist. Also habe ich mich am beschriebenen Abend hingesetzt und diesen Text verfasst.