Work Text:
Am I my worst enemy?
Maybe my thoughts are killing me
Second guess myself because
I think that I am not enough
The damage I've caused myself is hard to believe
I'm stuck with the thoughts and it makes it hard to breathe
Filling empty space to run from the pain
It's a quiet battle in my head making me insane
I'm not enough
I don't feel loved
Justus sah auf den Muffin zwischen seinen Fingern, der vierte den er aß, den ersten den er wirklich bewusst ansah. Und mit einem Mal fühlte er unangenehm deutlich die Rollen die sich an seinen Seiten bildeten, aufeinanderlagen und die Scham kam schlagartig hoch. Vermischte sich mit dem Ekel den er vor sich selbst empfand. Die Stimme in seinem Inneren ihn wieder daran erinnerte, dass ihn nie so jemand wirklich lieben würde. Die Stimme seiner Tante im Ohr, wie sie ihm von klein auf immer wieder daran erinnert hatte, dass er abnehmen sollte. Die Erinnerung an die unzähligen gescheiterten Diäten die sein Leben begleiteten.
Und mit einem Mal kochte Wut heiß in seinem Inneren auf und Justus war überrascht von der lodernden Flamme die seine Tante versengen wollte, wie er sie dafür hasste, dass sie ihn immer wieder daran erinnerte, dass er nie jemanden kennen lernen würde, solange er so aussah wie er aussah, dass dieser Teil von ihm nicht geliebt werden konnte. Und keine zwei Tage nach diesen Gesprächen stand der nächste Kirschkuchen auf dem Tisch und er meinte die Enttäuschung auf Tante Mathildas Gesicht sehen zu können, wenn er versuchte abzulehnen, die Diät dieses eine Mal wirklich durchzuziehen.
Grenzen die er nicht setzen konnte, weil sein schlechtes Gewissen es nicht zuließ. Und Justus schluckte, erinnerte sich daran wie sich das Muster weiter gezogen hatte, damals mit Lys. Er war nicht bereit gewesen, hatte mehr Zeit gebraucht, wollte sich auf ihr erstes Mal vorbereiten. Doch als sie in der schwarzen Spitzenunterwäsche vor ihm gestanden hatte, ihre Augen sich mit Tränen gefüllt hatten, als sie leise fragte, ob ihm nicht gefiel was er sah, da war hatte er nachgegeben, seine Grenzen aufgegeben, um nicht wieder dieses schlechte Gewissen spüren zu müssen, dass ihn schon viel zu lange verfolgte.
Justus biss sich auf die Unterlippe, stellte den angebissenen Muffin zurück auf den Teller zu den anderen. Wollte die leise Stimme nicht hören die tief in seinem Inneren kaum wahrnehmbar flüsterte, dass sein Übergewicht ihn vor weiteren Erfahrungen wie der mit Lys schützte, dass dies der einzige Weg war nicht gegen sich handeln zu müssen, ohne diejenigen zu verletzen die er liebte, wenn er gar nicht erst wieder in so eine Situation geriet, er zu abstoßend war als das sich ein Mädchen wieder auf ihn einlassen wollte.
Justus Gedanken verirrten sich zu Peter, zu den vielen Mädchen die ihn anhimmelten und wie oft der zweite Detektiv haarscharf an einem grob unhöflichen Verhalten vorbeigeschrammt war, wenn er wieder eines von ihnen abgewiesen hatte. In diesen Momenten hatte Justus nur die Eifersucht gespürt, doch jetzt spürte er auch die Erleichterung darunter.
Und langsam, wie eine Luftblase die auf seinem Inneren hochstieg, schob sich das Bild seiner Eltern vor seine Augen und Justus spürte einen Druck in seinem Hals, der Kloß schien mit jeder Sekunde größer zu werden, nahm ihm die Luft zum atmen. Und wieder kreiste der Satz in seinem Inneren, vertrieb jeden anderen Gedanken. Immer wurde er verlassen. Er war es nicht wert, dass sie bei ihm blieben. Es war nur eine Frage der Zeit.
Und Justus versuchte sich auf den Gedanken zu konzentrieren, dass seine Eltern nicht vorsätzlich gestorben waren, ihn nicht hatten verlassen wollen. Doch es blieb das Gefühl des kleinen Jungen zurück für den es sich so angefühlt hatte, als wäre es ihre freie Entscheidung gewesen. Die Wut die ihn die Ohnmacht und Hilflosigkeit nicht fühlen ließ. Die Verzweiflung das diejenigen die ihm auf dieser Welt am nächsten standen, auf die er angewiesen war, alleine zurück gelassen hatten. Gefühle die ihn seit mehr als zehn Jahren begleiteten. Wie oft schon hatte er versucht diese Gefühle wegzurationalisieren. Sich selbst logisch zu erklären, dass es keinen Grund gab so zu fühlen, doch sie verfolgten ihn hartnäckig.
Er versuchte seine Aufmerksamkeit zu Tante Mathilda und Onkel Titus zu lenken, zu Peter und Bob, sich selbst davon zu überzeugen, dass sie ihn nicht verlassen hatten. Doch eine Stimme in seinem Inneren raunte, dass es nur eine Frage der Zeit war bis auch sie ihn verließen. Lys bereits gegangen war, ein sich ewig wiederholender Kreislauf aus dem er nicht ausbrechen konnte. Und wenn er schon dazu verdammt war alleine zu sein, war es dann nicht einfacher gar nicht erst andere an sich heran zu lassen? Bevor er wieder glaubte an dem Verlust zu zerbrechen.
Justus strich mit den Fingern über seinen Bauch. Ein weiterer Schmerz vor dem er sich schützen wollte, ein weiterer Vorteil daran nicht attraktiv zu sein. Es minderte die Verluste in seinem Leben, verbaute ihm Chancen, aber das schlimmste Leid seiner Kindheit wehrte er so ab. Und beinahe spürte Justus soetwas wie Dankbarkeit, verstand das der Teil den er schon so lange für seine Schwäche hasste, ihn beschützte.
Leicht drückte Justus mit den Fingern auf seinen Bauch, spürte wie das Fett weich unter ihnen nachgab, er das Gefühl ein kleines bisschen weniger hasste. Und die Frage bildete sich in seinem Kopf, ob es ihm leichter fallen würde abzunehmen, wenn er lernte Grenzen zu setzen und den Verlust seiner Eltern verarbeitete?
