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Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2023-02-03
Words:
2,042
Chapters:
1/1
Kudos:
18
Hits:
466

Fake Love Don't Last

Summary:

„Ich mag kein Bier.“ Wenn Bob geahnt hätte was diese Worte auslösen, hätte er sie wohl niemals ausgesprochen.

Notes:

Dieser OS ist irgendwie mein Versuch die Gefühle, Gedanken und Eindrücke zu verarbeiten die Nimues Geliebter Gegner in mir hinterlassen hat.
Video-Empfehlung: The Great Dupe of Dating - Teal Swan (ca 15 Min)

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

 

You just don't know it yet, but you love me and I love you the same

One day we'll have a pretty wedding and I'll be your everything

We'll be together, yes forever, we will never ever part

Oh you don't know it yet, but baby, I've already got your heart

 

Beinahe ehrfürchtig strich Skinny sanft über Bobs Haut, die Blutergüsse die sich dunkel darunter abzeichneten, den Kontrast zu der weißen Spitze darüber noch verstärkten. Er sah so schön aus, die personifizierte Unschuld, die Lippen noch gerötet und leicht geschwollen. Die Hure noch unter der Oberfläche des Heiligen zu erahnen.

„Gefällt dir was du siehst?“

Als wüsste Andrews nicht was dieser Anblick mit ihm machte, wie sehr der Dämon in seinem Inneren den Engel verschlingen, ihn hinunter in seine Hölle ziehen wollte.

Skinny beugte sich über den Blonden, die weichen Lippen an seinen, der Kuss gierig, Hände die in seinen Nacken fuhren, ihn enger zogen. Und ein leichtes Seufzen kam über Bobs Lippen.

„Ich liebe dich, Skinny.“

„Cool.“

Skinny setzte sich auf, zog die Kippenpackung aus seiner Hosentasche.

„Ich geh rauchen.“

Er konnte die Enttäuschung in Bobs Augen erkennen, doch etwas in seinem Inneren konnte die Worte nicht erwidern.

Skinny lehnte mit dem Rücken gegen den Fensterrahmen, ein Bein hing hinaus, berührte fast das Gitter der Feuertreppe. Sein Blick folgte dem blauen Rauch der sich in den Himmel wand, sah ihn nicht. Seine Gedanken waren bei Bob, bei Stan Silver.

Drei dahin gehauchte Worte. Sie kamen so leicht über Bobs Lippen. Doch etwas in ihm konnte sie nicht erwidern, schien an ihnen ersticken zu müssen, wenn er sie über seine Zunge zwingen wollte. Und beinahe musste Skinny höhnisch auflachen, dachte daran, dass er sie schon einmal ausgesprochen hatte, sie gemeint hatte, als er Stan dabei in die Augen gesehen hatte.

Und wie von selbst drifteten seine Gedanken ab, zurück zu ihrem Anfang bei den Campern. Er hatte gewusst, dass das Satzzeichen sich in ihn verliebt hatte, hatte seine Blicke bemerkt, die flüchtigen Gelegenheiten die der andere gesucht hatte um ihm nah zu sein, ein Gespräch zu entspinnen. Doch mehr als oberflächliches Interesse daran der erste zu sein der den Langweiler fickte, hatte er nicht gehabt, bis zu jener Nacht. Das weiße Spitzenkleid hatte im Blaulicht geradezu geleuchtet, hatte sich eng an Bobs Körper geschmiegt, über seinen Hintern gespannt, die dunkelroten Lippen und dunkel geschminkten Augen die ihn in seinen Bann gezogen hatten. Der Dämon in seinem Inneren den Engel erkannt hatte, die Hure begehrte die in den lasziven Bewegungen durchgedrungen war. Seine Hand auf Bobs Hüfte, als er sich von hinten gegen ihn gedrängt hatte, schon hart gewesen war, als er die Tanzfläche betreten hatte. Die Nacht in der sich alles zwischen ihnen geändert hatte. Stan Silver an die Stelle von Bob Andrews getreten war, er sich so mühelos in sein Leben eingefügt hatte. Und jeder Blick aus den meerblauen Augen schien ihm zu versichern, dass Stan ihm gehörte, er das war was Skinny brauchte. Und Bob schien sich in Rauch aufzulösen, sich zu verflüchtigen bis kaum mehr als das unschuldige Gesicht von ihm übrig blieb. Stan hatte geschafft was Bob nicht vermochte. Dass er sich in ihn verliebte. Dass er sich ausgerechnet auf eine Beziehung mit einem der Satzzeichen einließ.

Skinny zog ein letztes Mal an der Kippe, schnipste den Stummel hinunter auf die Straße, dann stieß er den Rauch aus seinen Lungen. Er durchquerte das Wohnzimmer, ging in die kleine Küche, öffnete den Kühlschrank. Wie von selbst holte er zwei Bierflaschen heraus, hörte Bobs Schritte im Flur, das leise Knarzen der Federn als er sich auf das alte Sofa fallen ließ. Skinny griff nach dem Flaschenöffner, hörte kurz darauf das leise Ploppen, als der Deckel sich löste.

Skinny stellte ein geöffnetes Bier vor Bob auf den Couchtisch. Sein Blick glitt über den Jungen mit dem er nun seit fast zwei Jahren zusammen war. Etwas hatte sich in den letzten Monaten verändert, doch sein Verstand schaffte es nicht genau zu greifen was es war. Noch einmal sah er zu dem anderen Jungen der seinen Blick erwiderte. Himmelblaue Augen, ein angedeutetes Lächeln auf den Lippen. Der weite, graue Schlabberpulli und die blauen Jeans die er früher so oft getragen hatte. Vor ihrer Beziehung.

Einer der Gründe warum Skinny ihn nie weiter beachtet hatte. Er stand nicht auf Mauerblümchen. Doch umso mehr hatte ihn schon immer verruchte Lust die sich in ein Gewand aus Unschuld hüllte um den Verstand gebracht. Weiße Spitze die von dem Sünder darunter ablenkte.

Als hätte Bob in jener Nacht im Club gewusst, dass er so jeden rationalen Gedanken aus Skinnys Hirn verbannen würde.

„Ich mag kein Bier.“

Skinny zog eine Augenbraue hoch.

„Seit wann das denn nicht?“

Bob gab ein leises Seufzen von sich. Seine Augen waren gesenkt, starr auf seine Finger gerichtet und Skinny lauschte der Stille die sich zwischen ihnen ausbreitete. Und gerade als er sich dazu genötigt sah die Frage zu wiederholen, sah Bob ihm aus seinen meerblauen Augen scheu entgegen.

„Ich mochte es noch nie.“

„Wirklich?“

Skinny konnte den höhnischen Tonfall nicht zurückhalten.

„Und warum erfahre ich das erst jetzt?“

Bob zuckte mit den Schultern.

„Es war für dich immer so normal, da wollte ich nichts sagen.“

Skinny gab ein Schnauben von sich.

„Genauso normal wie diese Klamotten wieder für dich geworden sind.“

Bobs Augen weiteten sich einen kurzen Moment.

„Was… was willst du damit sagen?“

„Scheiße, seit Monaten veränderst du dich. Du trägst nur noch diese Straßenklamotten, redest über irgendwelche Museumsausstellungen und klassischen Künstler, verdrehst genervt die Augen wenn ich die Musik im Auto anstelle oder nen Film aussuche.“

„Weil ich das nunmal bin, Skinny. Ich habe nicht immer Lust auf enge Spitzenkleider, manchmal will ich auch einfach nur gemütlich in Jogginghose auf dem Sofa liegen. Und die klassische Malerei ist eben ein Teil von mir, genauso wie das ermitteln. Und manchmal möchte ich eben auch etwas sinnlicheres, mit mehr Tiefgang sehen und nicht nur stumpfen Horror oder actiongeladenes Geballer.“

Skinnys Augen verengten sich zu Schlitzen. Er hatte das Gefühl an der Eisschicht über einem kalten, tiefen See zu kratzen in dem sie beide unweigerlich ertrinken würden.

„Was weiß ich noch alles nicht? Hast du etwa die weiße Spitze auch nur angezogen, weil du weißt, dass ich darauf abfahre? Das es der einzige Weg war das ich mehr in dir sehen könnte, als nur nen Gelegenheitsfick?“

Bobs Augen zuckten nach unten, dunkle Wimpern die den Blick verdeckten. Skinnys Hand schnellte vorwärts, griff nach einer der benutzten Kaffeetassen auf dem Couchtisch, ließ sie an der Wand zerschellen. Scherben fielen zu Boden, doch es reichte nicht, war nicht genug. Heiß und kalt zugleich wogte Wut durch sein Inneres, ätzte sich durch seine Eingeweide.

„Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich nie auf eine Beziehung mit dir eingelassen.“

Er konnte sehen das seine Worte Andrews trafen wie ein Faustschlag, die strahlend blauen Augen begannen in Tränen zu schwimmen. Doch Skinny konnte in dem Moment kein Mitleid für seinen Freund empfinden. Er hatte ihn angelogen, die ganze Beziehung über hatte er für ihn nur eine Maskerade aufrecht erhalten und Skinny fühlte sich zutiefst betrogen.

„Genau deshalb habe ich musste ich es doch tun.“, begehrte Bob flehend auf.

Doch in Skinny kochte die Wut und er spürte wie sein Geduldsfaden mit jeder Sekunde die verstrich weiter riss.

„Raus hier! Ich bin fertig mit dir.“

Bob blinzelte ihm aus feuchten Augen entgegen. Doch die Wut in Skinny ließ jeden Anflug von Mitgefühl sterben. Seine Finger schlangen sich fest um den Oberarm des anderen, zerrten ihn grob auf die Beine, dann stieß er ihn in den Flur.

„Verschwinde.“

Seine Stimme war kaum mehr als ein bedrohliches Knurren und auch Bob schien erkannt zu haben, das er kurz davor stand auch den letzten Funken Kontrolle zu verlieren. Und nur wenige Sekunden später fiel endlich die Tür hinter dem anderen ins Schloss.

Skinny drehte sich um und kletterte kurz darauf durch das Wohnzimmerfenster auf die Feuertreppe. Dann kramte er nach den Kippen, ließ das Feuerzeug auflodern und führte die kleine Flamme an die Spitze. Erleichtert atmete er den Rauch tief ein.

Fuck, noch nie in seinem Leben hatte er sich so betrogen gefühlt. Gerade Bob hätte er nicht zugetraut, dass er ihn manipulierte und doch hatte der andere es getan. Er hatte seine Vorlieben ausgenutzt um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Ganz bewusst. Wenn er gewusst hätte was sich hinter dem hübschen Engelsgesicht verbarg, hätte er ihn einfach bewusstlos im Graben liegen lassen.

Ihre ganze Beziehung hatte auf einer Illusion aufgebaut, er kannte den Jungen nicht mit dem er zusammen gewesen war. Und wenn er ihn gekannt hätte, hätte er seinen Grundsatz keine Beziehungen anzufangen nie gebrochen. Die Person in die er sich verliebt hatte existierte nicht.

 

***

 

Bob drehte das weiße Spitzenkleid zwischen seinen Händen, strich sanft mit den Fingerkuppen darüber, während die Tränen eine heiße Spur auf seinen Wangen zeichneten. Er verband so viele schöne Erinnerungen mit den Kleidungsstücken, das begehren in Skinnys Augen, als er ihn das erste Mal darin gesehen hatte. Und er konnte nicht behaupten das es ihm nicht stehen würde. Aber mochte er die Kleider an sich nur weil Skinny sie gemocht hatte oder weil er sie selbst an sich schön fand? Und Bob musste ehrlich zugeben, dass er die Antwort nicht kannte. Vielleicht war es auch eine Mischung?

Immer mehr Tränen quollen hervor, vernebelten seinen Blick auf den Stoff zwischen seinen Fingern. Die Trennung von Skinny tat beinahe körperlich weh und er wusste nicht wie er die Leere und den Schmerz aushalten sollte. Skinnys Worte klangen so endgültig, zerrissen etwas tief in seinem Inneren.

Doch er hatte es schon einmal geschafft Skinnys Widerstand zu überwinden. Ihn dazu gebracht sich in ihn zu verlieben indem er ihm das gegeben hatte wonach es seinem Freund verlangte. Er wusste wie er Skinnys Knöpfe drücken musste, was ihn anmachte, wenn er es nur wieder…

Doch Bob konnte noch Skinnys kalte Stimme hören, wie sie sich in seinen Schädel ätze, der Vorwurf in den Worten.

Doch er hatte ihn bestimmt nicht manipuliert. Er hatte Neues ausprobiert. Skinny zuliebe. Und er hatte es doch gerne getan. Skinny hatte ihn nicht dazu gezwungen. Und ihm hatte es auch gefallen.

Doch ein leiser Zweifel schlich sich in seinen Hinterkopf.

Hätte er auch das Bedürfnis gehabt sich auszuprobieren, wenn Skinny den Typen in dem weißen Spitzenkorsett nicht in jener Nacht abgeschleppt hätte? Und womit hätte er sich ausprobiert, wenn er Skinny nicht gekannt hätte? Wäre seine erste Wahl dann wirklich auf die weiße Spitze gefallen? Wahrscheinlich nicht.

Die Erinnerung daran wie Skinnys Blick langsam über den anderen geglitten war, das anzügliche Lächeln auf seinen Lippen stieg in Bob hoch. Und nichts hatte er lieber gewollt als diesen Blick auch auf sich zu spüren.

Und wieder war da die fiese Stimme die ihm höhnisch zuraunte, das Skinny ihn keines Blickes gewürdigt hatte, solange er er selbst gewesen war. DrPlanlos. Der Langweiler.

Wenn Skinny wirklich ihn lieben würde, dann wäre es doch nicht notwendig gewesen sich in weiße Spitze zu hüllen um seine Aufmerksamkeit zu erregen? Aber glich man sich nicht mit der Zeit in einer Beziehung an? Tat man sowas nicht gerne, wenn man wusste, das es dem anderen gefiel?

Doch Bob wusste das das nur ein Teil der Wahrheit war. Das es eine andere Bedeutung hatte, ob er sich innerhalb ihrer Beziehung Skinny zuliebe gelegentlich anders anzog oder ob er es nutzte um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Und wie oft hatte Skinny ihm unmissverständlich gesagt, dass er nicht an einer Beziehung interessiert war? Das er nur ein weiteres Betthäschen für ihn war? Keine große Sache von der jemand anderes erfahren sollte.

Bob vergrub sein Gesicht in dem Kleid, seine Tränen rannen heiß über seine Wangen, während der herbe Geruch nach Leder noch an dem Stoff haftete. Brachte auch die unschönen Erinnerungen wieder mit sich. Wie oft hatte er Angst davor gehabt sich Skinny ganz zu öffnen, ihm mehr zu zeigen, als die Seiten die sein Interesse am leben erhielten. Doch der Gedanke sich selbst immer mehr aufzugeben hatte er nicht ertragen. Und fast schon trotzig hatte immer öfter seine alten Sachen aus dem Kleiderschrank hervor gezogen und er hatte es nicht mehr geschafft stumm zu bleiben, er wollte, dass Skinny ihn liebte. Alle Seiten von ihm, nicht nur Stan Silver, sondern auch Bob Andrews.

Notes:

Fake Love Don't Last - Machine Gun Kelly / An Unhealthy Obsession - The Blake Robinson Synthetic Orchestra