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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2023-02-16
Words:
1,508
Chapters:
1/1
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4
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14
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1
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167

Rosenthal

Summary:

Justus fragte sich unaufhörlich wie es dazu gekommen war, dass ausgerechnet er auf dem Boden von Dylans schäbigen, kleinen Apartment kniete.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

It's a perfect world

I'm the perfect girl

You're the nightmare

And I'm the dream

 

Justus spürte den leichten Zug an seinen Handgelenken, wie es sich in bis in seine Schultern zog, nicht unangenehm war, ihn gefangen in der Position hielt. Doch sein Kopf kam nicht zur Ruhe, fragte sich unaufhörlich wie es dazu gekommen war, dass ausgerechnet er auf dem Boden von Dylans schäbigen, kleinen Apartment kniete, das einzige was er noch anhatte seine Boxershorts war, die Arme und Beine gefesselt.

Er schloss die Augen, meinte sehen zu können wie die Funken des Lagerfeuers in den dunklen Nachthimmel aufstiegen. Laute Bässe die sich im Rauschen des Meeres verloren hatten, vom Wind davon getragen wurden. Bob und Peter an seiner Seite und zu seinem Leidwesen auch Peters neuer Freund Skinny Norris. Und aus irgendeinem Grund schien es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass überall wo Skinny aufschlug früher oder später auch Dylan Parks aufkreuzte.

Und Justus bewunderte fast wie Skinny es schaffte jedes Gespräch mehr oder weniger beiläufig auf das Thema Sex zu lenken. Die anzüglichen Kommentare wie schön sich die Seile um Peters Handgelenke schlangen, wie gut ihm der Knebel stand, die großen, braunen Augen nach mehr bettelten wenn er zu Skinny aufsah. Und Justus konnte nicht verhindern, dass die Worte etwas mit ihm machten, auch wenn er nach außen hin die Augen verdrehte, er konnte nicht anders als sich vorzustellen wie sich die Fasern um seine eigenen Handgelenke schlangen, er die Kontrolle abgeben musste. Er beinahe meinte Hugenays samtene Stimme in seinem Nacken hören zu können, seinen Atem auf seiner Haut.

„Ich steh auf zierliche Blondinen.“

Dylans Stimme hatte ihn abrupt aus seinen Gedanken gerissen. Ein breites Grinsen hatte den Mund des anderen geteilt, sein Blick schien zu glühen, als er Bob angesehen hatte. Und Justus hatte gespürt wie sich seine Eingeweide zusammengekrampft hatten, obwohl er tief in sich wusste, dass es eher die Ausnahme als die Regel war, dass jemand auf seinen Körpertyp stand, er wusste, dass es natürlich war sich zu sportlichen Körpern hingezogen zu fühlen, weil sie das offensichtlichste Zeichen für Gesundheit waren, es nur natürlich war, dass man so die überlebensfähigsten Nachkommen zeugte.

Doch die rationale Erklärung hatte es kaum geschafft den Schmerz tief in seinem Inneren wegzudrücken. Der Stich immer nur kurzzeitig als Motivation ausreichte Sport zu machen oder sich an einer Diät zu versuchen.

Justus atmete tief durch, spürte die Spannung in seinen Schultern, während sein Kopf den Satz immer wieder wiederholte. Es ist ok, du bist nicht für jeden und nicht jeder ist für dich.

Und auch wenn er objektiv wusste, dass es stimmte, konnte er den Schmerz der Zurückweisung doch nicht vertreiben.

Doch in dem Moment hörte er Dylans Schritte hinter sich, spürte Finger die warm über seine Haut fuhren, einen Schauer durch seinen Körper sandten.

Justus biss sich auf die Lippe, verfluchte sich innerlich und hatte doch nicht anders gekonnt, als mit Dylan mitzugehen. Der Mann der ihn nicht wollte, für den er gut genug für eine flüchtige Nacht war, wenn der Druck zu groß war, er nicht haben konnte, wen er eigentlich begehrte.

Doch seine eigene Qual war zu groß gewesen, etwas in ihm hatte das oberflächliche Begehren gebraucht nachdem er auf dem Boden aufgeschlagen war, innerlich ein weiteres Mal zerbrochen.

Sein Übergewicht war etwas, von dem er wusste, dass man es nicht lieben konnte. Seit dem er denken konnte, hatte er immer wieder gehört, dass er es erst verdiente geliebt zu werden, wenn er die überschüssigen Pfunde loswurde.

Und er meinte das Gift auf seinen Lippen schmecken zu können, dass Dylan ihn trotz seines Körpers mit zu sich nach Hause genommen hatte. Doch er schluckte es gierig, weil es ihm die Illusion gab begehrt zu sein. Eine Ausnahme, fast schon etwas besonderes.

Dylans Hand grub sich in seine Haare, zog an ihnen und Justus gab ein unterdrücktes Keuchen von sich.

„Fühlt sich das gut an?“

Justus Lider flatterten, sein Fokus verkleinerte sich, war ganz auf die Empfindungen auf seiner Haut gerichtet. Seine Gedanken wurden langsamer, bis sie beinahe zum Stillstand kamen.

Dylans Nägel kratzten über seine Seiten, ließen Erregung und Scham gleichermaßen in Justus aufsteigen. Er wollte nicht, dass Dylan ihn dort berührte, an den Stellen von denen er wusste, dass sie dem anderen nicht gefielen. Unwillkürlich zog er ein wenig den Bauch ein, hörte Dylans heiseres Lachen wie aus weiter ferne. Doch die Nägel zogen weiter auf seinem Rücken, hinterließen rote Furchen, ertränkten seine Gefühle. Und dann trat Dylan vor ihn, Justus beobachtete wie er den Reißverschluss herunter zog, kurz darauf sein Schwanz, noch nicht ganz hart, gegen seine Lippen drückte.

„Na los, Sherlock, öffne schon den Mund. Deswegen bist du doch mitgekommen.“

Justus' Lippen schlossen sich um Dylan, spürte wie sich Hände in seine Haare gruben, der andere seinen Mund fickte. Den Preis den er für einen kurzen Moment bezahlte in dem der Abglanz von Verlangen ihn berührt hatte, nicht ehrlich, aber das was er bekommen konnte.

 

***

 

„Justus.“

Finger schnipsten vor seinem Gesicht.

„Justus, was ist denn los, du bist schon den ganzen Tag mit den Gedanken woanders.“

Justus murmelte eine Entschuldigung, versuchte sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

„Genau, der Einbruch bei Mrs Gibbins.“

„Nein.“, unterbrach Bob ihn bestimmt. Justus spürte wie Peters Blick hilflos von ihm zu Bob zuckte, wieder zurück, ehe er beinahe entschuldigend mit den Schultern zuckte.

„Es ist nichts.“, versuchte Justus das Thema abzutun, doch der Ausdruck in den blauen Augen schien ihn zu durchbohren.

„Das hätte ich dir vielleicht noch beim ersten Mal geglaubt. Aber wie oft hast du in der letzten Stunde bereits ins Nichts gestarrt? Peter hilf mir mal kurz auf die Sprünge.“

Peter gab einen genervten Laut von sich, verdrehte die Augen, doch Justus' finsterer Blick versiegelte seine Lippen.

„Ok, dann bin ich heute vielleicht nicht ganz bei der Sache. Warum ist das für dich so ein Problem, Bob?“

Bob verschränkte die Arme vor der Brust und Justus hatte das Gefühl, dass seine Augen bis hinunter auf seine Seele sehen konnten. Doch er verschloss sich, wollte den gestrigen Abend vergessen, die widersprüchlichen Gefühle die er hinterlassen hatte. Das Gefühl benutzt worden und begehrt zu sein.

„Als ob du uns so ein Verhalten durchgehen lassen würdest, Erster.“

Und Justus gab ein Schnauben von sich. Ihr Dritter war doch früher nicht so konfrontativ gewesen. Doch etwas in Justus schien in sich zusammen zu sinken, sich zu ergeben, weil er sich bewusst war, dass Bob sich nicht mit irgendeiner Ausrede zufrieden geben würde.

„Ich hatte was mit Dylan.“

Die Worte waren ausgesprochen, schienen wie ein Pistolenschuss nachzuhallen.

„Was?!“

Bobs aufgebrachte Stimme dunkel vor Wut.

„Nachdem der Kerl dir gestern gesagt hat, dass er nicht auf dich steht?“

Justus zuckte mit den Schultern, wollte es abtun, doch der Stachel trieb sich tief in sein Innerstes. Manchmal war es weniger schmerzhaft nur benutzt zu werden, als gar nichts zu bekommen. Etwas das sowohl Bob, als auch Peter nicht nachvollziehen konnten.

„Ja.“

Das Blau in Bobs Augen schien sich zu verdunkeln, als würden finstere Sturmwolken sich zusammenbrauen, ein Orkan über ihn oder Dylan hinwegfegen, genau wusste er es nicht.

„Warum hast du dich dann darauf eingelassen?“

Weil das alles ist was ich bekommen kann.

Als hätte Bob seine Gedanken gelesen, wurde sein Ausdruck weicher. Leicht lehnte er sich nach vorne, hielt seinen Blick mit seinen blauen Augen gefangen.

„Er hat dich benutzt und dann einfach weggeworfen, oder?“

Justus nickte, dachte daran wie sich die Seile gelockert hatte, über seine Haut geflossen waren nachdem Dylan bitter in seinem Mund gekommen war. Eine einseitige Sache. Nicht mehr.

Justus versteifte sich, wollte nicht fühlen was die Erinnerungen mit sich brachten, wie sehr er sich selbst verabscheute und doch ein Teil mehr wollte. Diese Art der Bestätigung geradezu brauchte.

Doch da war Bobs Hand warm auf seiner, drückte leicht zu.

„Es ist ok, wenn jemand einen aufgrund gewisser Merkmale oder Lebenseinstellungen nicht daten will, wir haben alle unsere Präferenzen, aber es ist nicht ok, wenn dieser jemand dich erst abwertet und dann nur Sex will.“

Justus nickte. Sein Blick huschte zu Peter der schweigend auf dem Sofa saß, offenbar nicht so recht wusste, wie er mit der Situation umgehen sollte. Doch Justus wusste es noch viel weniger. Wollte wieder zurück zur Logik, die Ebene die ihm vertraut war, die er verstand.

„Justus das ist doch nicht das wie du behandelt werden willst. Wie Plastikbesteck das nach einer Benutzung weggeschmissen wird.“

Justus schüttelte den Kopf, fühlte Traurigkeit die tief in ihm schlummerte.

„Du bist es wert, dass dich jemand gut behandelt. Und wenn Dylan, oder irgendwer anders, dir nochmal dieses Gefühl gibt, dann will ich dass du daran denkst, dass du wertvolles Porzellan bist und jeder der dich nicht genauso behandelt, der hat auch nicht verdient, dass du etwas mit ihm anfängst.“

Justus nickte, doch die Zweifel zogen weite Kreise. Gab es überhaupt jemanden für den er Porzellan sein konnte. Oder musste nicht unweigerlich jeder zu der Annahme gelangen, dass es sich um billiges Plastik handelte? Doch Bob war so bestimmt, konnte es sein, dass seine Aussage nicht komplett aus der Luft gegriffen war?

Notes:

That Other Girl - Sevdaliza / Darkest Hour - Sevdaliza