Work Text:
He never knew what I was made of
Heat couldn't melt me, cold couldn't waver me
He never knew my form or shape
His heart couldn't melt me, water couldn't bathe me
Liz sah zu wie die rote Flüssigkeit in das dünne Glas floss, sich an den Seiten aufbäumte, nur um dann wieder in sich zusammen zu fallen. Härter als notwendig stellte sie die Flasche auf der steinernen Theke ab, setzte das Glas an die Lippen, stürzte es hinunter. Und gerade als sie ein weiteres Mal nach dem grünen Glas der Flasche griff, spürte sie wie sich eine Hand fest um ihren Arm schloss, sie sanft zum inne halten zwang.
„Was bringt dich dazu schon nachmittags zu trinken?“
Seine Stimme sanft, ein leises Lächeln das sie unwillkürlich erwiderte. Doch als ihre Gedanken zu dem Grund flohen warum Wein der einzige Ausweg war, gab Liz ein Seufzen von sich.
„Ich treffe mich gleich noch mit Kelly und Lys.“
Er nickte.
„Und warum ist das nur mit Alkohol zu ertragen?“
Liz biss sich leicht auf die Unterlippe, dachte an die beiden Frauen mit denen sie nur ihre Ex-Freunde verbanden. Die eine eine erfolgreiche Schauspielerin, die andere Bürgermeisterin, verheiratet mit einer Frau und Mutter. Und nur bei dem Gedanken an Kellys steife Kostüme breitete sich Bitterkeit in Liz aus.
„Weil ich mir wieder Kommentare anhören muss, wie es denn sein kann, dass ich nur Mutter geworden bin, schließlich bin ich doch intelligent und könnte so viel mehr aus meinem Leben machen.“
Liz schnaubte, sah zu ihm auf.
„Fühlst du dich unter Druck gesetzt zu Hause bleiben zu müssen? Bereust du mit wenigen Stunden in deinem Job geblieben zu sein?“
Liz schüttelte den Kopf.
„Es ist eben genau das was ich will. Vielleicht ist das erbärmlich, vielleicht bin ich erbärmlich.“
Sanft strich er mit einer Hand über ihre Wange.
„Du bist großartig.“
Liz lehnte sich an ihn, fühlte seine breite Brust an ihrer Wange, schloss die Augen und meinte endlich wieder atmen zu können. Er gab ihr Ruhe, wenn ihre Gedanken drohten zu einem tosenden Ozean zu werden, jede aufgepeitschte Welle nur dazu gemacht war ihr Boot zum kentern zu bringen.
Liz musste an ihre ersten Jahre nach dem Abschluss denken, wie sehr es ihr zugesetzt hatte fünf Tage die Woche pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen, jeden Tag dieselben Tätigkeiten, keine Zeit zur Ruhe zu kommen. Wie oft die Regelschmerzen kaum auszuhalten gewesen waren, sie es kaum schaffte sich auf den Artikel zu konzentrieren den sie fertig stellen sollte. Eine Deadline hatte die nächste gejagt. Spätestens dort hatte sie angefangen das Wort Feminismus zu hassen.
Sie hatte am eigenen Leib erfahren was es hieß eine emanzipierte Frau zu sein, ein Mann zu sein, sich den gegebenen Strukturen unterzuordnen, ihre Weiblichkeit abzutöten, weil es schwach war, bemitleidenswert. All das was sie nicht sein wollte.
Nie wieder wollte sie schwach sein. Nicht nachdem was…
Doch sie wollte die Erinnerung an die Berührungen auf ihrer Haut von sich schieben, wie seine Hände unter ihr Shirt geglitten waren, sie erstarrt war, im Hinterkopf die ständige Wiederholung, dass es emanzipiert war sich auszuprobieren, sie wollte nicht prüde sein, nicht eine von den Konservativen sein die bis zur Ehe warteten.
Danach hatte sie ihren Körper unter weiter Kleidung versteckt, hatte sich in Bücher geflüchtet, junge Mädchen mit Schwertern die den Prinzen nicht brauchten, weil sie den Drachen selbst töteten. Die Protagonistin nur ein Mann mit Brüsten war, ein Ideal wie Frauen zu sein hatten. Was sie sein mussten, um in einer Welt voller Gefahren überleben zu können. Nur schwache, erbärmliche Frauen ließen sich von Männern retten, es gab keine Grautöne, gab keine Frauen die stark waren ohne ihre Weiblichkeit auf den ersten Seiten abzugeben.
Wie oft hatte sie selbst vor dem Spiegel gestanden, sich gewünscht ihre Brüste würden verschwinden, die Hüften nicht breiter werden? Sie wusste es nicht. Erinnerte sich nur zu gut daran wie sie davon geträumt hatte sie sich abnehmen zu lassen, damit kein Mann sie je wieder so berührte. Der einzige Ausweg den sie sah, weil sie nicht in der Lage war sich selbst zu retten.
Und sie dachte an Bob, an das was sie damals zu ihm gezogen hatte. Seine Faszination für Bücher, die stundenlangen Gespräche die sie über die Welten im Inneren führen konnten. Ein Junge der ihr nie gefährlich werden konnte, der ihre Grenzen respektierte und der schwach genug war, dass sie ihn in jedem Fall dazu bringen konnte aufzuhören.
Beinahe dankbar dachte Liz an ihren Nervenzusammenbruch, fast genau ein Jahr nachdem sie in dem Verlag angefangen hatte. Sie war schwach gewesen, hatte allein kaum mehr einen Schritt geschafft. Und da war er in ihr Leben getreten, hatte sie gerettet, weil er ihr zeigte, dass es nichts Schlimmes war verletzlich zu sein, Hilfe zu brauchen. Das Gefühl beschützt zu werden.
Und sie hatte die Freude an ihrer Arbeit wiedergefunden, als sie mit den Stunden runter gegangen war, nun in der Lage war ihrem eigenen Rhythmus zu folgen. Sie Zeit nur mit sich selbst verbrachte, darauf hörte was ihr Körper brauchte und Liz hatte bemerkt, dass die Krämpfe nachließen, ihr Körper nicht mehr mit der Härte rebellierte, bis nur noch ein leichtes Ziehen zurück blieb wenn sie ihre Tage hatte.
Kleider verdrängten die strengen Blusen und Jeans. Sie wurde weicher, durchlässiger und endlich, endlich hatte sie das Gefühl in ihrem Körper anzukommen.
Liz' Finger krallten sich in den Stoff seines Pullover als sie an Lesley dachte, an den Tag in der Abtreibungsklinik. Frauen die mit Schildern davor protestiert hatten, wütend auf sie einredeten. Und ein Teil von Liz konnte sie verstehen, wusste, dass sie selbst nie in der Lage gewesen wäre eines ihrer Kinder abzutreiben, Kinder die sie liebte, die sie wollte. Doch sie wusste auch, dass sie vor etlichen Jahren an Lesleys Stelle hätte sein können. Wenn aus dieser Nacht mehr entstanden wäre als eine traumatische Erinnerung.
Sie hatte den Mann kaum gesehen der an ihnen vorbei gestürmt war, mit lauter Stimme die Frauen mit den Schildern angeschrien hatte, ein Wort hatte das andere gegeben, dann hatte der Mann ausgeholt, seine Faust traf eine der Frauen im Gesicht, Blut lief aus ihrer Nase, über ihre Lippen.
Lesley hatte sie weiter gezogen, doch das Bild hatte sich in Liz' Verstand gebrannt. Männer die für die Gleichberechtigung der Frauen nur solange kämpften, bis die Frau widersprach. Niemand mochte Frauen mit einer eigenen Meinung, es war schon immer so gewesen und Liz fragte sich, ob sich das jemals ändern würde. Ob es eine Zeit geben würde in der Männlichkeit und Weiblichkeit tatsächlich als gleichwertig angesehen würden. In der das eine nicht zum Ideal hochstilisiert und das andere abgewertet werden würde.
