Work Text:
Sie waren offensichtlich alt geworden, faltige Gesichter, schlaffere Körper, graue und weiße Haare, alte, uralte Hände und Augen, die viel mehr gesehen hatten als nur ein einziges Leben. Und es war gut so. Es war das Gefühl nach Hause zu kommen und endlich angekommen zu sein, inmitten von Krieg und Terror, von Angst und Schmerz und viel zu vielen Konflikten, auch untereinander. Deanna wusste, dass sie kein Empathin sein musste, um erahnen, was Beverly empfand, was sie empfand, nach so vielen Jahren und so viel Trauer und Einsamkeit. Es war nur ein kurzer Moment, sie hatten keine Zeit, wirklich keine Zeit mehr und sie würde jetzt an die Arbeit müssen und ihren Sohn, den Sohn ihrer besten und längsten Freunde zu begleiten und an die Dinge heranzführen, die er nicht sehen wollte und konnte. Sie wusste, dass Jack mutig war, wie seine Eltern, wie seine Mutter, die ihn all die Jahre alleine begleitet hatte. Sie und Will hatten ihren Sohn verloren und eine Tochter behalten, hatten sich gestritten, geliebt und auseinander gelebt, sie war übergriffig gewesen und er hatte ihr nicht verzeihen können.
Beverly war allein gewesen, sie hatte sich entschieden die Bürde zu tragen und ihren Sohn alleine groß zu ziehen, hatte ihn vor ihnen allen und vor allem vor Jean-Luc verheimlicht. Vielleicht würden sie irgendwann darüber sprechen und die richtigen Worte finden, vielleicht würde Jean-Luc ihr verzeihen können. Wahrscheinlich würden sie alle vorher sterben. Deanna grinste und zog Beverly für einen Augenblick zu sich.
„Ich habe dich so vermisst.“
Tränen stiegen ihrer beiden Augen auf, sie nahmen sich den kurzen Moment.
„Ich habe dich so wahnsinnig lieb. Geh, rede mit Jack. Wir haben keine Zeit.“
Die Tür öffnete sich und sie spürte nur den kurzen Lufthauch. Schritte, Schritte, die sie sie ihr Leben lang wiedererkennen würde. Jean-Luc und Will. Auch wenn beide nicht mehr so dynamisch waren und sie die Schmerzen ins Wills Knien beinahe hören konnte.
„Deanna…“, es war Jean-Luc und sie drehte sich um.
„Ich bin auf dem Weg.“ Will nickte ihr aufmunternd zu und sie spürte kurz seine Gedanken.
Imzadi.
Im Augenwinkel konnte sie sehen, wie sich Jean-Luc Beverly näherte und sie kaum merklich am Arm berührte.
Sie spürte Wut, Verzweiflung und Enttäuschung, Unsicherheit und den Willen, es besser zu machen. Und etwas, was sie bei den beiden noch nie so in aller Deutlichkeit empfunden hatte. Es gab kein Wort dafür, und wenn es eins gab, dann war es falsch – aber es war Demut.
Es war eine Gnade und ein Geschenk hier stehen zu können , es besser zu machen, Konflikte zu lösen und zu akzeptieren, dass sie alle unvollkommen waren und dass das Leben und ihre Geschichte ihnen zeigte, dass es einen Versuch wert war. Deanna ging schnellen Schrittes davon.
Es war ihr Leben und es war bittersüß und wunderbar.
