Work Text:
„Na los, Donnerblitz! Nur noch ein paar Meter“, rief Leon und beugte sich auf seinem Pferd nach vorne. Der große, schwarze Hengst galoppierte auf die Zielgerade zu und legte sich nochmal richtig ins Zeug. „Und Stopp!!!“ rief Raban als die Vorderhufe des Pferdes die Zielgerade überschritten und lies die Stoppuhr in seiner Hand klicken, „Das war eine neue Bestzeit! Das Rennen am Samstag gewinnst du mit links!“
Zufrieden stieg Leon vom Pferd ab und wischte sich den Schweiß aus der Stirn. Man nannte ihn nicht umsonst „Leon, den schnellsten Rennreiter“ der Welt. Ob das mit der Welt stimmte, würde sich noch herausstellen. Aber hier am Teufelshof hatte er sie alle geschlagen. Trotzdem veranstalteten die wilden Kerle einmal im Jahr ein freundliches Wettreiten. Während Vanessa, die Uneinholbare, und Marlon, sein Bruder, ihm oft dicht auf den Fersen waren, ging der 150€ Krämer Gutschein schon seit Jahren immer an Leon.
Während Raban ihm ein Handtuch reichte, fummelte dessen Freund Joschka an seiner Digitalkamera herum. Unter dem Vorwand er wolle herausfinden, ob alle Hufe des Pferdes beim Laufen gleichzeitig den Boden verlassen, hatte er beim Training ein paar Fotos gemacht. Auf den meisten war aber hauptsächlich Raban zu sehen. „Jungs, das wird unsere Saison“, sagte Leon mit Vorfreude auf das Wettrennen, „Dafür lege ich meine beiden Steigbügel in Feuer -“
Doch noch bevor er seinen Satz zu Ende gesprochen hatte, hörte er hinter sich unbekanntes Hufeklappern. Verwirrt wandte sich Leon um und sah Frau JuleJoschka, die einen jungen Mann auf dem Pferd zum Turnierpatz führte. „Hallo Leon. Lange nicht gesehen“. Zum ersten Mal seit Jahren blickte Leon in das sommersprossenübersähte Gesicht seines Kindheitsfreundes Fabi. Damals musste Fabi den Teufelshof verlassen, weil sein Pferd als Statist in einem Cowboyfilm gebucht wurde. Nun aber war er zurückgekehrt und schaute Leon mit erwartungsvollem Blick an.
Die letzten Jahre hatten ihn verändert. Er war größer geworden, vermutlich größer als Leon selbst, sein Gesicht war kantiger und seine Haare trug er nun so lange, dass sie unter seinem Reiterhelm hervorblitzen. Nur die Sommersprossen, die waren gleich geblieben. Leon hatte es ihm nie verziehen, dass er den Teufelshof verlassen hatte. Fabi, der einst sein bester Freund und einzig würdiger Gegner gewesen war, wurde für ihn zum Verräter. Und nun erwartete er, mit offenen Armen begrüßt zu werden.
„Ich habe gehört am Samstag steigt das nächste Rennen?“, fragte Fabi. „Ja“, erwiderte Leon kalt „Wir spielen aber mittlerweile in einer etwas anderen Liga. Du bist sicher aus der Übung.“ Fabi hob eine Augenbraue. „Ach ja? Ich glaube so etwas verlernt man nicht so schnell“, sagte er und trabte auf den Platz (also das Pferd nicht Fabi), „Lust auf ein Übungsrennen?“. Leon grinste in sich hinein, als er sich wieder auf sein Pferd schwang. Dem würde er es richtig zeigen. „Vielleicht kannst du ja meinen Windschatten ausnutzen.“
Raban war die Situation sichtlich unangenehm. „Bereit?“, fragte er verunsichert, als er seine Stoppuhr zückte. „1, 2, 3, RAAAAAAAA“. Das war ihr Startsignal. Leons Hengst flitzte los. Genau das hatten sie die letzten Tage trainiert. Aber auch Fabi war nur knapp hinter ihm. „Los, Feuerwassersturm! Das schaffen wir!“ Geschickt lenkte er sein Pferd über die Strecke, fast so als ob er nie fort gewesen wäre. „Dreifach geölter Pferdeapfel“, dachte Leon, als Fabi plötzlich gleichauf mit ihm war.
Wie konnte das sein? Mit konzentriertem Blick rückte Fabi millimeterweise immer weiter vor, bis er Leon schließlich überholt hatte. Das lies der schnellste Rennreiter der Welt nicht auf sich sitzen. „Beim allmächtigen Hufschmied“, murmelte Leon und setze zum Überholmanöver an. Übermutig versuchte er sich an Fabi vorbeizudrängeln, als Donnerblitz plötzlich ins Straucheln geriet und Leon auf den matschigen Boden warf. Er brauchte einen Moment, um zu realisieren, was gerade passiert war. Seit er ein kleiner Junge gewesen war, war er nicht mehr vom Pferd gefallen.
„Alles okay?“, auch Fabi war stehengeblieben und streckte nun eine Hand zu Leon, um ihm aufzuhelfen. Der aber ignorierte seine Geste. „Das wirst du noch bereuen.“, sagte er als er sich aufrappelte und wütend vom Turnierplatz stampfte. Er zog sich den Reiterhelm tief ins Gesicht, um zu verstecken, dass er mit den Tränen kämpfte. „Du wirst dir noch wünschen, niemals wieder zurückgekommen zu sein“.
***
Abends lag Leon noch lange wach. Obwohl er und sein Bruder von zuhause ausgezogen waren, hatten sie sich zusammen eine WG gesucht und ihr Zimmer so eingerichtet, wie es in ihrer Kindheit ausgesehen hatte. Sein Hängemattenbett quietsche, als Leon sich rastlos herumwandte und auf die Leuchtsterne an der Decke starrte. „Das macht dir ganz schön zu schaffen oder?“, fragte Marlon, sein Bruder, der durch den Lärm nicht schlafen konnte. „Pah“, sagte Leon, „meine Schulter tut nur weh vom Fall“. „Aja“, murmelte Marlon, sein Bruder, der sich sicher war, dass Leon nicht auf seine Schulter gefallen war, „Weiß du noch damals, als du dir bei deinem Sturz den Knöchel verstaucht hast und Fabi dich bis zu Willis Gasthaus geschleppt hat?“
Damals war Fabi noch sein bester Freund gewesen. Auch in den Wochen nach dem Sturz, in denen er nicht reiten konnte, waren sie keinen Augenblick getrennt. Sie verbrachten den Sommer damit fernzusehen, Eis zu essen oder die geheimen Magazine von Fabis Vater, die er unter seinem Bett versteckt hielt, durchzublättern. Leon hatte die Zeit so genossen, dass er sogar etwas traurig war, als sein Fuß wieder verheilt war. „Morgen wird ein langer Tag“, sagte Marlon, sein Bruder, „Versuch etwas Schlaf zu bekommen.“
***
Schon kurz nach Sonnenaufgang machte sich Leon auf den Weg zu seinem Pferd. Donnerblitz begrüßte ihn mit einem sanften Schnauben als Leon ihm über den Kopfstreichelte. Er bürstete sein Fell, kratzte seine Hufe aus und wollte gerade damit beginnen Donnerblitz Mähne zu flechten, als auch Fabi den Stall betrat.
„Leon“, begann Fabi leise, „Ich wollte dich gestern nicht überrumpeln. Eigentlich dachte ich, dass du dich freust mich zu sehen.“ Leon starrte Fabi an. Ohne seinen Reithelm fielen ihm die langen Haare ins Gesicht. Seine grünen Augen leicht zusammengekniffen schaute er Leon verunsichert an. „Weißt du, ich habe das Reiten vermisst. Und dich auch“
„Ach ja?“, rief Leon aufgebracht und warf seine Bürste zu Boden. „Wieso bist du dann gegangen? Dachtest du und dein Pferd, ihr seid etwas besseres?“ Aus einer Box weiter hinten war ein Rascheln zu hören. „Ich wusste nicht wie-„, stammelte Fabi. „Und jetzt kommst du zurück und glaubst, du kannst dir den Sieg und den 150€ Krämer Gutschein holen? Das kannst du vergessen.“, sagte Leon und stürmte aus seiner Box. Wütend ließ er die Stalltür hinter sich zuschlagen.
Fabi stand alleine im Stall. Dachte er zumindest, bis aus der letzten Box Raban und Joschka zum Vorschein kamen. „Der kriegt sich schon wieder ein“, meinte Raban als er sich den Hosenstall zumachte, „er braucht sicher nur etwas Zeit“. Auch Joschka, der sein Shirt fasch herum trug, nickte ermutigend. „Und jetzt aufgesattelt, Morgen ist doch schon der große Tag!“
***
Leon war in den Gedanken immer noch ganz bei Fabi, als er und sein Bruder, ihre Pferde zum Turnierplatz führten. Erst als Donnerblitz sich sträubte weiterzugehen, wurde er aus seinen Gedanken gerissen und blickte auf. Normalerweise waren sie immer als erstes auf dem Platz, doch heute stand dort ein großes, silbergraues Pferd, das im Nebel fast geisterhaft wirkte. „Hey ho“, sagte der unbekannte Reiter. „Ich habe gehört morgen ist das große Rennen?“
„Wer bist du und was hast du auf unserem Turnierplatz zu suchen?“, fragte Leon. „Euer Platz?“, fragte der junge Mann spöttisch „Ich denke jeder, der die Reiterhofgebühren zahlt, ist berechtigt hier zu trainieren und am Rennen teilzunehmen. Ich bin Gonzo Gonzales. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“ Die Brüder schauten sich bestürzt an. „Ich bin Marlon, sein Bruder“, sagte Marlon. „Und ich bin Leon, Marlon sein Bruder“, erwiderte Leon.
Gonzo war ein paar Jahre älter als die beiden und wirkte, so wie die meisten Leute, etwas größer als Leon. Die braunen langen Haare trug er zu einem Pferdeschwanz. Seine Locks hatte er abgelegt, nicht weil er weiß war und eigesehen hatte, wie peinlich das war, sondern weil sie nicht unter seinen Reiterhelm gepasst hatten. „Dann trainiert mal schön, Leon und Marlon, sein Bruder. Ihr werdet es brauchen“.
Damit lies Gonzo die Zügel schnalzen und verschwand auf seinem Pferd in der Ferne. „Das kann er doch nicht machen, oder?“, fragte Leon fassungslos. „Doch.“, sagte sein Bruder, „Er hat leider Recht. Jeder, der die Reiterhofgebühren bezahlt, ist zum Rennen zugelassen.“ „Trommel die Jungs zusammen“, sagte Leon „Das lassen wir uns nicht gefallen.“
***
Wenig später standen alle wilden Kerle auf ihren Pferden versammelt auf dem Platz. Auch Fabi war dabei. Leon hatte ihnen Gonzos miesen Plan, am Reitturnier teilzunehmen und sich das Preisgeld zu schnappen, geschildert. „Ich habe gehört Gonzo hat letzte Saison alle anderen Turniere in der Umgebung gewonnen.“ erzählte Raban. „Sogar das Turnier gegen die Nationalmannschaft.“, warf Vanessa ein, doch Raban sprach weiter,„es war nur eine Frage der Zeit, bis er sich traut hier aufzutauchen“.
Beschwichtigend griff Joschka nach seiner Hand. „Das stimmt“, sagte er, „Aber wir haben etwas das er nicht hat.“ „Fließjacken mit unseren Namen auf dem Rücken“, sagte Vanessa. „Uns“, sagte Joschka, „Wir sind ein Team.“ Joschka, Raban, Vanessa, Juli, Maxi, Markus und Marlon, sein Bruder, schauten sich entschlossen an. „Und was sagst du dazu?“, fragte Fabi und wandte sich an Leon. „Ein Team? Das ich nicht lache“, warf dieser zurück und lachte nicht. „Ich habe die letzen Jahre auch ohne dich gewonnen. Wie kann ich wissen, dass du mich- äh uns nicht nochma verlässt.“ „Leon–„, wollte Fabi anfangen, doch der schnitt ihm das Wort ab, „An die Arbeit, Jungs! Gonzales werden wir schon noch zeigen, wo die Hufnietzange hängt.“
***
Die Kerle ritten so wild wie noch nie. Leon versuchte seine Bestzeit vom Vortag zu schlagen, war aber nicht ganz bei der Sache. Er beobachtete Fabi, der auf Feuerwasserturm über die Strecke galoppierte. Im Gegensatz zu Leon schien er nicht auf Zeit und Technik zu achten, für ihn kam es nur auf das Reiten an. Trotzdem schlug er sich besser als die meisten anderen Kerle, das musste Leon ihm lassen. Auch Raban und Joschka wollten "reiten üben", blieben aber zu Leons Verwunderung den Großteil des Nachmittages im Stall verschwunden, bis Frau JuleJoschka, die gerade frisches Futter bringen wollte, sie verscheuchte.
"Gute Arbeit, Jungs", sagte Marlonals er vom Pferd abstieg, "denkt immer daran, was eigentlich zählt ist, dass wir Spaß haben." "Und was am meisten Spaß macht, ist gewinnen!", sagte Leon. "Wenn ihr alle morgen euer Bestes gebt, machen wir Pferdestreu aus Gonzales. Dafür lege ich meine beiden Steigbügel ins Feuer." "Meine Steigbügel", sagte sein Bruder. "Meine Zügel", sagte Vanessa. "Und mein ganzes Heu", sagte Fabi schüchtern. Für einen Augenblick blickten sich ihre Augen an. "Und jetzt ab unter die Gemeinschaftsdusche." sagte Raban in die Runde und gab Joschka einen Klapps auf den Hintern.
***
Endlich war er da, der große Tag, auf den sie so lange gewartet hatten. Samstagmorgen fanden sich alle wilden Kerle, und alle die es wieder werden wollten, im Stall ein. Bei der Stille, die unter ihnen herrschte, hätte man sogar eine Nadel in den Heuhaufen fallen hören können. Ein Sieg von Gonzo könnte alles zunichtemachen, was Leon sich jahrelang erarbeitet hatte. Nun standen sein Ruhm, seine Ehre und die Krämer Bonuspunkte, die am Ende des Monats verfallen würden, auf dem Spiel.
Als sie ihre Pferde auf den Platz führten, wartete Gonzo Gonzales bereits auf sie. Erst jetzt wurde Leon klar, dass der leichte Nebel, der ihn und sein Pferd umgaben nicht von seiner Aura, sondern von der Vape in seiner Hand ausging. Ein leichter Geruch nach frosted mint berry stieg ihm in die Nase. "Hey ho", sagte Gonzo, "bei meiner alten Stute Staraja Riba. Ihr traut euch wirklich gegen mich anzutreten?"
"Und ob wir das tun", warf Leon ihm entgegen. "Wer unser Rauchverbot bricht, kann sich auf was gefasst machen." Alle Kandis nahmen ihre Plätze an der Startlinie ein. Raban und Joschka waren auf der Ersatzbank, weil sie gestern "zu viel trainiert" und sich "eine Sportverletzung zugezogen" hatten. Auch Frau JuleJoschka und Willi waren gekommen, um dem Rennen zuzuschauen. Stoppuhr in der Hand fragte Raban in die Runde: "Bereit?". "Worauf du Gift nehmen kannst", zischte Leon.
Mit einem lauten "RAAAAA", eröffnete Raban das Rennen und die Pferde galoppierten los. Allen voran Gonzo und Leon, dicht gefolgt von Fabi. Marlon und Vanessa waren im Mittelfeld und Markus, Maxi und Juli lagen ein paar Meter hinter ihnen. Donnerblitz war in Bestform. Seine Beine flogen über die Strecke, als ob sie alle gleichzeitig den Boden verlassen würden(?). Trotzdem dauerte es nicht lange, bis Gonzo ein Stück an ihm vorbeizog.
Gonzo, Leon und Fabi bildeten ein Dreieck mit Gonzales an der Spitze, wie eine gemeine High School Clique mit Gonzo als ihrer Anführerin. "Heilige Heugabel, das darf doch nicht wahr sein", fluchte Leon leise. Verzweifelt versuchte er Donnerblitz weiter anzuspornen. Als er flehend zur Seite blickte traf sein Blick auf Fabis. Im Gegensatz zum Training, wirkte es so, als ob nun auch sein Kämpfergeist geweckt worden war.
Ernst nickte er Leon zu und so wie früher verstanden sie sich ganz ohne Worte.
Gleichzeitig ließen sie die Zügel schnalzen. In diesem Moment waren sie wieder die Jungen, die gemeinsam über die Felder galoppierten. So wie in der Zeit, bevor
Fabi Leons Grußkarten mit frechen Sprüchen ignoriert hatte und so für ihn zum Verräter wurde. Was zählte war nur das hier und jetzt. Und der Fakt, dass Fabi und Leon plötzlich wieder gleichauf mit Gonzo Gonzales waren.
Am Horizont sah Leon bereits die Zielgerade. Ungläubig warf ihnen Gonzo einen wütenden Blick zu, als er Staraja Riba zu fest in die Seiten trat und so zeigte, dass er nicht nur ein schlechter Reiter, sondern auch ein schlechter Mensch war. „Jetzt!“ rief Fabi und setzte zu seinem altbekannten Überraschungs-überschall-überholmanöver an. Sein Pferd zog leicht nach rechts in Gonzos Richtung. Auch Leon begann sich aus der anderen Richtung anzunähern. Umzingelt von beiden Seiten war Staraja Riba für einen Moment verunsichert und zögerte. Aber das war genug, um Gonzo Gonzales den Weg abzuschneiden!
Nur Meter vor dem Ziel zog Fabi, dicht gefolgt von Leon, vorbei an Gonzo Gonzales und überquerte sogleich die Ziellinie. „Beim allmächtigen Pferdeflüsterer!“, rief Raban „Sie haben es wirklich geschafft!“ Jubelnd fielen er und Joschka sich in die Arme. Auch die anderen Kerle, die nach und nach im Ziel ankamen, schlossen sich an. „Der lässt sich bestimmt nie wieder blicken!“, rief Marlon.
Gonzo war von seinem Pferd abgestiegen. Wütend riss er sich den Reithelm vom Kopf, schmiss ihn auf den Boden und trat dagegen. (Echte Fans wissen, dass er sich in dieser Szene den Fuß gebrochen hat, aber sich nichts anmerken lässt.) Mit schmerzverzerrtem Gesicht hob er die Faust. „Das werdet ihr mir noch büßen!“, rief er, als er vom Platz humpelte.
Die wilden Kerle hatten es geschafft. Dank seiner Fußverletzung, die er sich nach dem Rennen zugezogen hatte, konnte Gonzo sie diese Saison sicher nicht mehr belästigen. „Fabi, so schnell ist die Strecke noch niemand geritten!“, rief Raban begeistert. Die wilden Kerle hoben ihn auf ihre Schultern und jubelten. Sogar Leon nickte ihm anerkennungsvoll zu.
***
Am Abend hatten sich alle wilden Kerle bei Willi im Gastgarten versammelt. Nur Leon saß alleineabseits auf dem Zaun, der die Weide umschloss. Er hatte versucht auf einem Stück Stroh herumzukauen, um cool auszusehen, hatte sich aber daran verschluckt und hustete, als er hinter sich eine Stimme hörte. „Darf ich?“, fragte Fabi und deutete auf den freien Platz neben Leon. Eigentlich war der gesamte Zaun frei aber scheinbar wollte er reden.Leon nickte nur, aus Angst nochmal husten zu müssen.
„Ich wollte mich bei dir entschuldigen“, sagte Fabi. „Wofür?“, fragte Leon verwundert. „Beim großen Rennen, als es so aussah als würde er gewinnen, sah ich wie sehr es dich verletzt hätte, das konnte ich das nicht zulassen, aber der einzige Weg war ihn selbst zu schlagen, ich wollte gar nicht gewinnen, ich wollte dir nur helfen und den will ich auch nicht“, sagte Fabi und schmiss den 150€ Krämer Gutschein auf den Boden *wegwerf* „Alles was ich wollte war ein Sommer mit meinem besten Freund und jetzt hasst du mich weil ich –„, Leon nahm seine Hand.
„Das tu ich nicht“, sagte Leon. „Mir tut es leid. Es tut mir leid, wie ich dich behandelt habe. Ich hab dich einfach so vermisst, dass ich dir nie verzeihen konnte, dass du gegangen bist.“ Fabi drückte Leons Hand fester. „Und ich bin froh dass du gewonnen hast“, fügte Leon hinzu, „dann geht der Preis wenigstens an einen wilden Kerl.“ Fabi fiel es wie Scheuklappen von den Augen: „Dann willst du mich wieder dabei haben!“. „Versprich mir nur, dass du mich nicht wieder alleine lässt.“, sagte Leon.
„Dafür lege ich meine beiden Steigbügel ins Feuer“, sagte Fabi und näherte sich. Sein sommersprossenübersähtes Gesicht war so nahe, dass Leon sie zählen können hätte, wenn er etwas besser im Kopfrechnen wäre. Auch jetzt brauchten sie keine Worte um zu verstehen, was sie sich sagen wollten. Ein Nicken von Leon reichte aus und Fabis Lippen trafen auf seine. „Alles ist gut“, sagte Leon als sie sich lösten, „solange du hier bist.“
