Work Text:
Kostenlose Umarmungen
So saß James allein sonntagnachmittags
im Park zum Ausführen seines Geheimauftrags,
Kilometer entfernt von seinem Zuhaus‘,
sodass seine Freunde nicht erfahren würden, dass er durchaus
nicht so normal war, wie er erschien.
Obwohl das natürlich in all den Galaxien
niemand war.
Es war Mai, Sonnenlicht schien durch das Blätterdach,
beleuchtete den Menschenstrom, den Teich, den Bach,
in welchem die Schwäne ihre Hälse verdrehen.
Verschiedene Menschen waren zu sehen:
Hundebesitzer, Jogger, Paar
Eingehakt, lächelnd, wunderbar.
Eltern, Teenies, Frau mit Gatte,
Kinder, spielend, mit Zuckerwatte!
Doch James kümmerte dies‘ alles nicht.
Nervös vor dem, was er tun würde, schlicht.
Schließlich aber, riss er sich zusammen,
schnappte sein Plakat von den Tripmadamen
und hielt es hoch, damit für jeden
folgende Worte zu lesen waren: „Kostenlose Umarmungen – wir brauchen alle manchmal eine“.
So saß James allein sonntagnachmittags
im Park zum Ausführen seines Geheimauftrags
und wurde umarmt, geknuddelt, geherzt, gedrückt,
von Fremden mit Fröhlichkeit beglückt.
Und trotz seines Erfolgs
- mehr oder weniger, je nach Umarmung -
war das Gefühl, das er hatte gewollt
- welches, wusste er nicht, so ohne Erfahrung -
nicht hier in seinem Herzen.
Plötzlich spazierte er heran,
ein hübscher, schwarhaar’ger, junger Mann,
ein Jogger mit verschwitztem Haar.
Heiß war er, gutaussehend sogar!
James stand da, ganz erschlagen,
in des Joggers Armen, ohne zu atmen zu wagen.
Als der Jogger sich löste, zurücktrat und dankte,
lächelnd, lachend, sodass James‘ Welt schwankte,
tauschten sie ein paar Worte aus,
unbedeutend für Katz‘ und Maus,
doch lebensverändernd für unser’n James,
der endlich das Gefühl wahrnahm, das er suchte.
So saß James allein sonntagnachmittags
im Park zum Ausführen seines Geheimauftrags.
Jeden Sonntag wurde er zu Hause vermisst,
während der Jogger, Severus sein Name ist,
ihn im Park auffand,
Plakat wie immer in der Hand.
Sie redeten über dies und das,
genervte Freunde, Eltern, Quatsch und Spaß.
Severus war ein junger Künstler in der Kunst,
mit Künstlereltern zu seiner Gunst.
Er liebte Kaninchen und gewinnen,
war erfolgreich, mochte seine Karriere auch gerade erst beginnen.
Er verabscheute Hunde und verlieren,
war jedoch immer bereit Neues zu probieren.
Er war gut in Sport und Spiel,
war exzellent in dem, was ihm gefiel.
Er konnte nicht gut mit Ziffern und Zahlen,
dafür aber ausgezeichnet malen.
Und wären die Wochen vergingen,
wollte ihre Freundschaft doch nicht so ganz gelingen.
Vielleicht lag es daran, dass es nicht das war, was sie suchten.
Aber was sie suchten, das war ihnen selbst nicht so klar.
Eines Tages schließlich ließ Severus sich nicht blicken,
James war niedergeschlagen, sein Herz hatte einen Riss erlitten.
Nun bemerkte er endlich, wer ihm fehlte!
Jemand, wie Severus, mit dem er erzählte,
weinte und lachte,
sprach und spricht,
genauso dachte,
im Herz und in echt.
Jemand, wie Severus, der sich sorgte
und bei dem er er selbst bleiben könne,
Jemand, der sich ohne zu fragen sein Herz borgte
und es nicht zurückgab, sondern sich damit begönne.
Jemand, wie Severus, der Severus war,
ehrlich, ehrgeizig und geheimnisvoll,
sanft und lebhaft klang, gut aussah,
sich nicht verhielt, wie nach Protokoll
und am wichtigsten: Ihn umarmte, genauso, wie er es brauchte.
So saß James allein sonntagnachmittags
im Park zum Ausführen seines Geheimauftrags
und Severus kam wieder, fröhlich wie immer.
Was los gewesen war? James hatte keinen Schimmer
und fragte deswegen seinen Freund,
der leise antwortete, verträumt,
er habe ein Angebot bekommen,
welches ihm hatte die Chance gewonnen,
Künstler zu werden, wie er sich gewünscht hatte.
James umarmte Severus voll Freude,
nahm seinen Mut zusammen, bevor er Zeit vergeude
und fragte, ob sie zur Feier ausgehen sollten.
Severus sah ihn erstaunt an, dann in die Wolken,
dann zu Boden und nickte vorsichtig,
was James lächeln ließ, wunderbar aufrichtig.
So aßen sie in einem Restaurant zu Abend
und spazierten danach, Hand in Hand dahintrabend,
zu Severus‘ Wohnung im Westen.
Bevor sie sich verabschiedeten, um ihn zu testen,
ob Severus fühlte wie er,
küsste James Severus, der,
angenehm überrascht, darauf einging.
Sobald sie sich wieder lösten – in James‘ Bauch tanzte ein Schmetterling –
lächelte Severus und gestand,
dass er James sehr gern mag, Stimme so sanft.
Und James wiederholte seine Worte,
während sich in seinem Herzen öffnete Pforte,
die wunderbaren Gefühle einließ
und den Weg offenbarte ins Paradies.
Sie entschieden sich, nach oben zu gehen
und zu kuscheln, ganz bequem,
die ganze Nacht, sich immer wieder küssend
and nichts anderes denkend, nicht müssend.
So saß James zu zweit sonntagnachmittags
im Bett zur Erfüllung seines Geheimauftrags.
Endlich war die Leere fort, die ihn bedrückt hatte und er hatte jemanden gefunden.
Mit diesen Worten endet unsere Geschichte,
doch seid nicht verzagt, sie weiterzuführen, sei es im Kopf oder auf Papier.
