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Monster

Summary:

Der Biss von '83, und die direkten Folgen

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Evan... was habe ich getan? 

Michael starrte auf seine Hände hinab. Sie waren immer noch von Blut befleckt, das einst helle rot nun eine glanzlos-braune Farbe. Er schauderte, Tränen brannten in seinen Augen. Sein Herz fühlte sich schwer an, und sein Hals als würde etwas darin feststecken. 

"Er ist so ein Jammerlappen" Michael sah zu Fritz und schnaubte. "Ist er" stimmte er ohne zu zögern zu. Er fragte sich, warum sein Vater so viel netter zu Evan war als zu ihm. Es war immer Evan dies und Evan das. Michael bekam nie so viel Aufmerksamkeit von dem Mann.

Warum hatte er Jeremys dummem Vorschlag zugestimmt, seinem kleinen Bruder einen Streich zu spielen? Warum hatte er nicht auf sein Bauchgefühl gehört, wie es ihm seine Mutter beigebracht hatte? Er hatte gewusst, dass es sich wie eine schlechte Idee angefühlte hatte- aber er hatte sich mit Evan nie wirklich gut verstanden. Niemals. Seit Evan da war, hatte sich die Aufmerksamkeit seines Vaters von seiner Arbeit auf Evan verlagert.

Er hätte liebend gerne seinem Vater die Schuld gegeben... aber wie konnte er dem Mann die Schuld geben, wenn es seine eigene war? 

"Erteilen wir ihm eine Lektion" stimmte er grinsend hinter seiner Foxy-Maske zu und packte seinen kleinen Bruder unter den Armen. Seine Freunde lachten hinter ihm und folgten ihm, während er den weinenden Jungen zu Fredbear trug. Sein kleiner Bruder schluchzte bereits und versuchte verzweifelt seinem Griff zu entkommen.

Warum hatte er nicht auf Evans Bitten gehört? Michael schluchzte nun selbst und glitt an der geschlossen Tür seines Zimmers runter. Er starrte auf seine zitternden Hände. Er hatte nicht gewollt, dass das passierte. Er hatte es nicht vorgehabt. Es sollte nur ein Streich sein, ein harmloser Scherz... und es endete mit einem schrecklichen, langsamen und qualvollen Tod... und es hatte ihn nicht einmal sofort getötet.

Es gab ein Knacken und dann ein Knirschen. Und Michael starrte. Evans Schrei war plötzlich verstummt- einfach mitten drin. Überall war Blut. Auf Evan, auf Fredbear, auf Michael... hinter ihm durchdrang Susies schriller Schrei die Luft. Er drehte sich um, riss die Foxy-Maske ab und starrte seine Freunde an. Sein Herz raste, während er Jeremy, Fritz und Susie ansah. 

"HILFE!"

Die Tränen liefen ihm nun übers Gesicht und ein Schluchzen ging durch seinen Körper. Hilfe war schnell eingetroffen- in Form seines Vaters. Er konnte sich noch an den eisigen Blick seines Vaters und dessen harten Ton erinnern. Er konnte es ihm nicht verübeln. In diesem Moment war sein Körper vor Schock taub gewesen. Jetzt wurde ihm bewusst, wie furchteinflößend sein Vater geklungen hatte.

"Ruf einen Krankenwagen!" hatte sein Vater ihm zugerufen und Evan aus dem Maul des Animatronics befreit. Michael konnte sich nicht bewegen, aber alle drei seiner Freunde waren schnell weggerannt. "Michael Afton, ruf sofort einen verdammten Krankenwagen!" Diesmal war es kein rufen mehr. Es grenzte an ein Brüllen. Und entsetzt hatte er getan, was von ihm verlangt wurde. 

Es gelang ihm kaum, mehr zu tun, als ihren Standort zu verraten. Ihren Standort und dass es ein Unfall gewesen sei, er schwört es, aber da ist so viel Blut und nein, es ist nicht seins, schicken Sie bitte einfach Hilfe, sein Bruder liegt im Sterben. Warum stellen Sie so viele Fragen, anstatt Hilfe zu schicken- 

Er schluchzte ein zweites Mal. Ein drittes Mal. Dann immer und immer wieder, sein Gesicht in seinen Knien vergrabend, während er sich am Boden zusammenrollte. Hatte Angst vor sich selbst. Er hörte Lizzie durch die Tür und konnte sich nicht einmal dazu durchringen, sie anzuschreien, zu schreien sie solle einfach gehen, er konnte sich nicht dazu durchringen, irgendetwas zu sagen. Sie klang so so verängstigt.

Er verstand sie. Er verstand sie, ehrlich. Wenn er in ihrer Lage wäre, hätte er auch Angst. Es wurde einem nicht jeden Tag gesagt, dass der eigene großer Bruder den kleinen Bruder ins Krankenhaus gebracht hat. Dass der große Bruder den kleinen Bruder getötet hat.

Er war ein Monster. 

Er war schon immer ein Mobber gewesen. Er ließ seine Wut darüber, von seinem Vater ignoriert zu werden, immer schon am kleinen Evan aus. Dabei hatte er es noch nie so sehr bereut. Und jetzt fühlte er sich nicht schlecht. Nein, er war entsetzt. Weil er seinen kleinen Bruder getötet hatte. Auch wenn es sich um einen Unfall handelte- er hatte die Augen seines Vaters gesehen. Er hatte gesehen, dass der Mann dasselbe dachte wie Michael selbst. 

Er war ein Killer. 

Michael war seit dem... "Unfall" vor drei Tagen nicht mehr zur Schule gegangen. Er hatte sein Zimmer nicht verlassen, außer, um etwas zu Abend zu essen, nachdem alle anderen bereits gegessen hatten. Seine Mutter hatte bisher jeden Abend sein Abendessen in den Kühlschrank gestellt. Er hatte keinem von ihnen gegenübertreten können. Nicht nach dem, was er getan hatte... und er bereute es, dass er auf die Bitte seiner Mutter hin aus dem Zimmer gekommen war, da sie ihm etwas Wichtiges zu sagen gehabt hatte. 

"Michael... wir haben Neuigkeiten aus dem Krankenhaus erhalten" flüsterte seine Mutter, ihre Augen waren rot durch die ganzen Tränen. Tränen, die ihr immer noch übers Gesicht liefen. Michael fühlte sich Elend. Sie sah nicht glücklich aus. Das waren keine Freudentränen. Er war sich dessen sicher. Die Nachrichten mussten schlecht sein. "Wird... wird es Evan gut gehen?" Seine Stimme brach fürchterlich und seine Mutter zuckte zusammen. Es war nicht sie, die antwortete.

"Er ist Tod" 

Er schluchzte und wiederholte diese drei Worte immer wieder leise. Seine Stimme brach und zitterte und war wahrscheinlich eher undeutliches murmeln als richtige Worte, aber er flüsterte es immer und immer wieder. "Er ist tot, er ist tot, er ist tot" er konnte er nicht anders als das zu murmeln und hustete, nachdem ihn ein weiteres Schluchzen zum erzittern brachte.

Sein Vater starrte ihn kalt an. "Du hast ihn getötet" zischte der Mann mit so viel Verachtung in der Stimme, dass Michael sich fragte, ob sein Vater ihn genauso sehr hasste wie Michael sich selbst hasste. "William, bitte. Wir haben darüber gesprochen" Seine Mutter klang gequält und Michael musste sich zusammenreißen, um nicht sofort in Tränen auszubrechen. "Hör auf,  Entschuldigen für ihn zu suchen. Er hat ihn getötet, ob Unfall oder nicht … es ist Michaels Schuld"

Er erinnerte sich noch an den Streit seiner Eltern. Seine Mutter versuchte schwach, ihn zu verteidigen, obwohl sein Vater Recht hatte, und sein Vater... er hatte ihn noch nie so wütend gesehen. So voller Hass. 

Michael drehte sich um, wollte fliehen- und stand plötzlich Elizabeth gegenüber. Seine kleine Schwester starrte ihn mit großen Augen an, während sich bei ihr langsam Tränen bildeten. "Evan ist weg?" wimmerte sie und ihm wurde schlecht.

Er ist floh tatsächlich. Vorbei an seiner weinenden Schwester. Weg von seinen Eltern. Weg von seiner Mutter, die nun verzweifelt versuchte, ihre Tochter zu trösten. Weg von seinem Vater, dessen kalten Blick er die ganze Treppe hinauf im Rücken gespürt hatte.

Er war ein Mobber.

Er war ein Mörder.

Er war ein Monster.

Er war ein schrecklicher Bruder.

Er würde es sich nie verzeihen können. Konnte sich nicht dafür verzeihen, dass er Evan getötet hatte. Konnte sich nicht dafür verzeihen, dass er seine Familie so auseinandergerissen hat. Er hätte es sein sollen. Niemand hätte ihn vermisst.

Er wünschte sich verzweifelt, er könnte die Zeit zurückdrehen...

Was für ein Wunschdenken von einem Monster.

 

Notes:

Irgendwie ist das die zweite Fnaf-Geschichte, die ich für eine Freundin geschrieben habe. Ich spüre ein Muster-

Kommentare geben mir Leben :D