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it takes the truth to fool me

Summary:

Es war nicht Cottas Absicht drei ungezogene Jungen zu adoptieren, aber manchmal entschied das Leben ganz von alleine.

Wenn man Cotta vor ein paar Jahren gesagt hätte, er würde drei Jungen im Teenageralter aufnehmen, hätte er wahrscheinlich laut losgelacht. Aber seine Haare wurden grauer jeden Tag und die drei Fragezeichen hingen in seinem Leben wie lästige Kletten.

Dreimal, als Inspektor Cotta eine Vaterfigur darstellte und einmal, als die drei Fragezeichen es selber realisierten.

Notes:

Oh Gott, ich sitze schon viel zu lange an dieser Fanfiction! :') Ich fühle mich aber nun endlich bereit das erste Kapitel zu posten! Wir alle brauchen mehr Dad Cotta Feels in unserem Leben…

[Titel: I Can't Decide von Scissor Sisters]

Chapter 1: Peter

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Inspektor Cotta saß noch in seinem Büro, als der Anruf kam. Es war Donnerstag und die Digitaluhr auf seinem unordentlichen Schreibtisch zeigte die Ziffern 21:36 in leuchtend grünen neon Farben. Er hatte bereits Feierabend, doch er sah es als notwendig an einige seiner Papiere noch vor dem Wochenende zu beenden.

Sein Telefon klingelte in genau dem Moment, als sich die hinterste Sechs auf der Uhr in eine grelle Sieben verwandelte. Einen Augenblick lang saß er mit geschlossenen Augen vor dem schellenden Gerät, bis er es mit müden Fingern anhob und an sein Ohr drückte.

Bevor er allerdings ein Wort hervorbringen konnte, unterbrachen die hektischen Geräusche von der anderen Seite jegliche seiner Versuche. Auch wenn die etlichen Hintergrundlaute es erschwerten zu hören wer der Anrufer war, hatte Cotta eine sinkende Realisation.

„Peter?“

Ein wimmerndes, bekanntes Atmen bestätigte seine Vermutung. Auch wenn es nichts neues war, dass die drei Jungs in ständige Gefahr gerieten, konnte er seine Sorgen um die Teenager nie ganz abschalten.

Er schnaubte fast bei seinem Gedanken, als ob er dafür bestimmt war sich nicht um sie zu sorgen. Gott, sie waren Teenager, sie sollten dumme Partys feiern und auf andere Weise in Kontakt mit der Polizei kommen. Aber stattdessen jagten sie Verbrecher, lösten Fälle und-

„Inspektor- Ich, Ich kann nicht atmen. Inspektor-“

Sofort löste er seine Gedanken von der Richtung, in die sie gelaufen waren. „Peter, ich bin hier, okay? Atmen. Atmen, Peter.“

Übers Telefon hörte er wie der zweite Detektiv vergeblich versuchte etwas Luft in seine Lungen zu bekommen. „I-Ich kann nicht-“

„Du kannst, Peter. Ich werde jetzt mit dir zählen, okay?“ Langsam tat er genau das, im Takt von Peters Atemzüge kontaktierte er seine Kollegen um den Standort des Detektivs herauszufinden. Beim Reden streifte er sich seinen Mantel über und packte mit zitternden Händen den Autoschlüssel. Erst als Peters Wimmern sich zu einem kontrollierteren Atmen verwandelt hatte, stieg er allerdings selber in den Wagen.

Auf Lautsprecher sprach er weiter mit dem verstörten Jungen: „Peter, ich werde dir jetzt ein paar Fragen stellen müssen, in Ordnung?“ Er hörte ein Geräusch, verdächtig nah an einem Schluchzen. Cotta kniff die Augen zusammen, Schweiß sammelte sich nah an seinem Haaransatz und tropfte langsam seine Stirn hinab.

„Okay, Okay. Du musst nichts erzählen. Ich bin gleich da“, korrigierte er sich eilig und sprach dann erneut, leiser noch: „Ich bin gleich da.“

Peter schniefte, seine Stimme rau und gebrochen: „Nein, ich kann es sagen. Es ist nur, das Haus- Das Haus...“ Ein weiteres Schluchzen, das Cottas Herz in kleine Stücke zerfetzte, „es ist- es ist eingebrochen.“

Er wusste das es impliziert war, doch er konnte nicht anders als nachzufragen: „Justus und Bob.“ Er schluckte schwer. Er wollte nicht zu laut werden, aber seine Angst gewann, „Waren sie drin? Peter! Waren sie in dem Haus drin?“

„Sie wussten es nicht! Sie wussten nicht das es einstürzen würde!“, schluchzte Peter völlig unverständlich.

Die Zeit blieb stehen. Eine andere Erklärung konnte Cotta nicht für die plötzliche Totenstille finden. Seine Augen waren nicht fokussiert, schwarze Flecken schwebten in seinem Blickfeld, und eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf sagte ihm er solle doch den gottverdammten Wagen anhalten, bevor ein Unglück geschehen würde.

Doch eine weitere wollte ihn nur zu den Jungs bringen. „Peter, meine Kollegen müssten jetzt gleich da sein.“ Seine Stimme brach, „Ich bin auch gleich da. Alles wird gut. Alles wird gut.“

Er wusste nicht mehr ob er es für Peters oder seinen eigenen Willen sagte.

.

Das Haus von dem Peter geredet hatte, war ein altes Fabrikgebäude. Als Cotta in der Straße einfuhr musste er ein aggressives Fluchen unterdrücken.

Polizeiautos erhellten den Unfallort in rot blauen Lichtern und die Trümmern der Fabrik ließen Staubwellen in der kühlen Abendluft aufsteigen. Er wusste nicht wie lange er vor seinem Auto stand, Hand vorm Mund, Augen, hinter beschlagenen Brillengläsern, weit aufgerissen, bis ein Kollege ihn erkannte.

„Inspektor! Der Krankenwagen ist schon informiert und-“

Er schob sich ohne ein Wort an dem jungen Polizisten vorbei. Er hatte gerade keine Zeit für Formalitäten. Die zitternde Person zehn Schritte entfernt von ihm interessierte ihn viel mehr: eingewickelt in unzähligen Decken saß der zweite Detektiv in dem offenen Kofferraum eines Polizeiautos, deutliche Tränenspuren im Gesicht und mehrere kleine Schnitte an seinem Hals. Sein Handy, mit dem er Cotta angerufen hatte, lag festumklammert in einer verbundenen Hand.

Der selbe Polizist von vorher holte mit ihm auf. „Nachdem sie aufgelegt haben, ist er nicht mehr ansprechbar gewesen, Inspektor. Und die meisten Hilfskräfte sind bei den Trümmern, um die zwei verschollenen Jungen zu finden.“

„Ich kümmere mich um ihn.“, murmelte Cotta, Stimme rau und abgenutzt. Je näher er Peter trat, desto hilfloser fühlte er sich. Zugegebenermaßen wollte er den traumatisierten Jungen am liebsten in sein Haus bringen, in mehr Decken einwickeln und ihm eine Tasse heiße Schokolade besorgen.

Er würde alles dafür geben den Teenager von diesem schrecklichen Ort wegzubringen, aber er wusste das es logischer war auf den kommenden Krankenwagen zu warten.

„Peter?“, rief er sanft, als er in Hörweite des Jungen war. Er trat noch näher, ließ sich neben dem zweiten Detektiv nieder. „Möchtest du, dass wir reden?“ Ein kaum erkennbares Kopfschütteln. „Möchtest du, dass ich rede?“

Eine kurze Pause, er sah Peter Schlucken, dann Nicken. Cotta rutschte näher, spürte wie sehr der zweite Detektiv zitterte und zog ihn an seinen eigenen Körper. „Alles klar.“, murmelte er, „Meine Katze, Bubbles hat heute etwas unglaublich dummes getan. Meine Schwester, du kennst sie, hat mich vorhin angerufen und mir gesagt, dass sie-…“

Cotta wusste nicht wie lange er sprach, er wusste das sein Rachen trocken war, er wusste das seine Lippen aneinander klebten, er wusste das der Krankenwagen aufgetaucht war und er wusste das der meiste Schutt der Fabrik entfernt worden war, doch er wusste nicht wie lange er gesprochen hatte.

Peters Augen waren zugefallen, doch er wagte es nicht aufzuhören zu reden, ängstlich den Jungen in eine erneute Panikattacke zu schicken.

In der ganzen Zeit in der er hier war, schoss ihm nur ein einziges Wort durch den Kopf:

Kinder, Kinder, Kinder-

Gott, sie waren Kinder.

Bob und Justus waren immer noch verschwunden (er wagte es nicht es irgendetwas anderes als verschwunden zu nennen), und Peter-

Peter war...nicht okay.

Er zitterte und wand sich und Cotta war nicht mehr naiv genug es nur auf die Kälte zu schieben. Auch über die Details des Falls hatten sie keine Neuigkeiten. Das einzige was sie wussten war das, das Gebäude eingestürzt war. Nachdem Justus und Bob es betreten hatten. Peter aus mysteriösen Gründen am Eingang gewartet hatte und die Verbrecher verschollen waren.

Nicht genug Informationen um irgendwas konkretes zu sagen. Nicht genug Informationen um irgendwas zu sagen.

Cotta dachte an seine digitale Uhr auf seinem Schreibtisch, versuchte sich vorzustellen welche Zahlen anstelle der 21:37 nun dort standen. Er scheiterte.

Plötzlich wollte er einfach nur die Ruhe der 21:37 zurück. Er wollte zurück an seinen Schreibtisch und seine Kinder in Sicherheit glauben.

Warte, seine Kinder? Er meinte natürlich irgendwelche Kinder.

Er schob diesen lästigen Gedanken in eine tiefere, unentdeckte Stelle seines Gehirns und versprach sich sie zumindest für diese Nacht dort zu lassen.

„Inspektor?“, murmelte plötzlich eine erschöpfte Stimme neben ihm und er drehte sich so schnell um, er könnte schwören er hörte seinen Nacken knacken.

„Ja, Peter?“ Er versuchte sich an einem Lächeln, wusste aber das er scheiterte bei dem Protestieren seiner schwachen Gesichtsmuskeln. „Ich bin froh-“, Peter hustete kurz, ein Geräusch welches sich schmerzhaft anhörte, „Ich bin froh, dass Sie hier sind. Ich kann meinen Eltern hiervon nichts erzählen. Sie wissen ja.“

Cotta war sich nicht ganz sicher ob er es wirklich wusste, denn er musste Peters Eltern auf jeden Fall hiervon erzählen, aber er nickte vorerst.

„Ich bin immer für euch da, das weißt du.“ Peter nickte, dann runzelte er verschlafen die Stirn, „Justus nicht, er weiß es manchmal nicht, glaub' ich. Er ist immer so,“ Ein lautes Gähnen, „misstrauisch.“

Cotta nickte verständnisvoll, Justus Vertrauensprobleme waren nicht wirklich ein Geheimnis.

Dann, mit der Ernsthaftigkeit, die man von einem betrunkenen Mann erwarten konnte, blickte Peter auf. „Ich weiß, dass sie in Ordnung sind, Cotta.“

Es war nicht schwer herauszufinden wer mit sie gemeint war.

Cottas hatte dem zweiten Detektiv wohl nicht die Reaktion gegeben, die er sich erwünscht hatte, den er beteuerte erneut: „Ich weiß, das sie okay sind, Inspektor. Ich weiß-“ Dann mit einem weiteren Gähnen ließ er seinen Kopf auf Cottas Schulter nieder. Er wusste, dass er sich nicht hoffen lassen durfte, aber nach einem weiteren Blick auf den schlafenden Teenager, ließ er sich ihm glauben.

Justus und Bob waren okay. Sie mussten okay sein, er wusste nicht was er sonst tun würde.

.

Inspektor Cotta glaubte es war eine Stunde vergangen, als laute Rufe ihn aus seinem eigenen kleinen Schlummer weckten. Dann ging alles furchtbar schnell.

Zuerst konnte er nicht ganz entziffern ob es gute oder schlechte Rufe waren, aber nach ein paar schmerzhaften Sekunden, unter Peters schlafendem Körper, konnte er eine vorbeilaufende Polizistin nach der Situation fragen.

„Sie haben Körper gefunden, vergraben unter zwei Betonwänden die ineinander gefallen sind. Man vermutet es hat eine Art Unterschlupf gebildet, es könnte gut sein, dass-“ sie überlebt haben.

Auch Peter wurde langsam wach, unkonzentrierte Augen blickten wild in der Gegend herum bevor sie auf Cotta landeten. Sein Blick musste irgendetwas preisgegeben haben, denn im nächsten Moment sprang der Junge auf seine Füße. Der Inspektor war überrascht, dass er sich überhaupt auf den Beinen halten konnte.

„Geht es um Just und Bob?“, fragte der Detektiv, seine Stimme panisch. Die Polizistin tauschte einen nervösen Blick mit Cotta aus und sprach erst nach seinem zustimmenden Nicken. „Ja, es-“

Doch 'Sprechen' konnte man die zwei Worte nicht wirklich nennen, denn kurz nachdem Peter die Konfirmation gehört hatte, war er losgesprungen. Eben noch wackelige Beine bewegten sich in Höchstgeschwindigkeit und-

Gottverdammte Scheiße, der Junge war schnell.

Cotta konnte nur hinterher Stolpern und hoffen seine Beine wurden schnell genug mit ausreichend Blut versorgt, damit das Kitzeln in seinen Waden stoppte.

„Peter!“, rief er verzweifelt, als der Teenager sich den gefährlichen Trümmern nährte. „Peter, Stopp!“

Der Inspektor war sich nicht ganz sicher ob Peter wegen ihm stoppte oder ob der Anblick des eingestürzten Gebäude ihn anhalten ließ. So oder so war er glücklich für die paar Sekunden, die er zum Aufholen bekam.

„Peter! Hör mir zu, Peter, Junge, Kind,“, er hörte sich selber kaum sprechen, versuchte nur seinen Mund mit seinen Gedanken aufholen zu lassen. „Du bist keine Hilfe, wenn du jetzt weiter läufst. Wenn du jetzt weiter läufst, dann-…“ Aber weiter kam er nicht, denn Peters Blick war gar nicht mehr auf die Trümmern gerichtet.

Dort- im schimmernden Schein des Mondes- liefen zwei verschmutzte Jungen, Rettungsdecken um ihre schmierigen Formen gewickelt.

Peters Augen füllten sich erneut mit Tränen und Cotta sah den Jungen an, richtig an- die pure Erleichterung auf seinen Gesichtszügen gaben ihm eine Gänsehaut. „Peter,“ sagte er leise, wartete bis die glitzernden Augen in seine blickten, „Geh, geh zu ihnen.“

Cotta dachte an danach- an das Verständigen der Eltern, an den Verbrecher, der noch auf der Flucht war, auf die lästigen Dokumente und Papiere, die er zweifellos unterschreiben musste.

Und dann sah Cotta auf und er sah die drei Kinder, seine verdammten Kinder, in einer so engen Umarmung, dass sie sich gegenseitig die Luft abschnitten und er dachte an sie und nur an sie.

Notes:

Danke fürs Lesen!

Nächstes Kapitel wird voraussichtlich nächste Woche erscheinen.