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Schiffbruch

Summary:

Der Sturm war sehr plötzlich aufgezogen. Auch Reynolds, der mit seinem Boot unterwegs war, wird von ihm überrascht.

Notes:

prompt: Flare/water inhalation/just hold on

Work Text:

„Sie sind ein Angehöriger von Mr. Reynolds?“ „Ja! Wie geht es ihm?“, fragte Cotta. Er war krank vor Sorge. Der Arzt war die Ruhe selbst, blätterte durch seine Aufzeichnungen und ignorierte den Blick Cottas, der schon ganz andere Leute zum Einknicken gebracht hatte.

„Wie war noch Ihr Name?“ „Cotta.“ „Und Sie sind wie mir Mr. Reynolds verwandt?“ „Gar nicht! Ich bin sein Freund. Bitte sagen Sie mir jetzt, wie es ihm geht.“ „Soso, ein Freund also.“ „Nicht ein Freund, sein Freund.“ Cotta war kurz davor spektakulär die Geduld zu verlieren. War der Typ so blöd? Oder war es eine Verzögerungstaktik? Wollte er ihm so lange wie möglich schlechte Nachrichten ersparen?

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„Kann ich reinkommen? Ich bringe Kaffee.“, riss Cotta aus seinen trüben Gedanken. Er sah auf und entdeckte seinen Kumpel in der Tür. Er nickte. „Wie geht es ihm?“ Cotta warf einen Blick auf die regungslose Gestalt von Samuel Reynolds im Krankenhausbett vor ihm. „Er hat viel Wasser eingeatmet und war unterkühlt. Sie gehen nicht von bleibenden Schäden aus. Man hält es für besser, ihn von selbst aufwachen zu lassen.“, sagte Cotta leise. „Dafür, dass wir ihn nach mehreren Stunden bei Sturm aus dem Wasser gefischt haben ist das eine wirklich gute Prognose. Glaub mir, Cotta, alles wird gut.“

Eine Weile schwiegen sie. Vor den Fenstern tobte noch immer der Sturm. Dieser war am Nachmittag plötzlich, unerwartet und auf für Meteorologen überraschend aufgezogen und für die Segler schnell lebensbedrohlich geworden. „Danke, dass du ihn gesucht hast.“, sagte Cotta. „Du weißt schon, dass das mein Job ist, richtig?“ „Ich bin dir trotzdem dankbar.“

Cotta legte seinem Kumpel zur Bestätigung dieser Aussage eine Hand auf den Arm. Außerdem spendete die Berührung Trost.

„Ich hatte immer Angst, dich mal so zu sehen. Allerdings weniger als Schiffbrüchiger, sondern eher angeschossen.“, gestand der Kumpel. „Die Angst hat Samuel auch jetzt noch. Und stattdessen ist er es, der hier landet.“, sagte Cotta mit einem leichten Kopfschütteln. „Nicht ganz unberechtigt, bei deinem Beruf." „Als ob deiner so ungefährlich ist.“, bemerkte Cotta.

Später, es war inzwischen tiefste Nacht und der Sturm langsam am Abklingen. „Soll ich noch bleiben?“ „Wirst du zu Hause nicht erwartet?“, fragte Cotta. „Einem Freund seelischen Beistand zu leisten rechtfertig es, eine Nacht nicht nach Hause zu kommen.“ „Auch, wenn es ein Ex-Freund ist?“ „Er ist nicht der eifersüchtige Typ, außerdem erkennt ein Blinder mit Krückstock, wie sehr du Samuel liebst.“

Cotta lächelte warm. Den Rest der Nacht wachten sie gemeinsam und als Reynolds am Morgen die Augen öffnete, schlich sich der Kumpel leise raus.

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