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Bitter & Süß (de)

Summary:

Bitter und süß, kalte Tränen im Gesicht.

Albrecht schreibt eine Weihnachtsgeschichte über ihn und Friedrich. Friedrich liest sie.

Notes:

hi ihr süßen! wie immer viel spaß beim lesen :)

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Das Leuchten des Weihnachtsbaumes erfüllte unser ganzes Wohnzimmer mit Licht und auch die wenigen Geschenke, die darunter lagen, strahlten heller, als die Sterne es jemals könnten.

„Tut mir leid, dass es nur so wenig ist, ich wollte eigentlich-“, flüsterte Friedrich mir ins Ohr, während er mich von hinten umarmte. Es dauerte, bis ich realisierte, was er eigentlich sagte, so bezaubert war ich von dem Glitzern und Leuchten der vielen Kerzen.

Doch als ich es dann verstand, drehte ich mich um und küsste ihn auf den Mund. Lang und zärtlich. Ich wollte gar nicht mehr aufhören, denn das war das beste Weihnachtsgeschenk. Viel zauberhafter, als die liebevoll verpackten Päckchen zu unseren Füßen. Und das war auch alles, was ich mir gewünscht hatte. Ein Leben, gemeinsam mit Friedrich. Außerhalb der Napola, in einer kleinen Wohnung, die nur uns gehörte. Und so war ich wunschlos glücklicj

Verflixt. Vertippt. Albrecht stöhnte genervt. Fast war er schon fertig gewesen mit seiner Geschichte, und gerade im letzten Wort, ja im letzten Buchstaben sogar rutschte sein Finger aus. Toll. Sollte er jetzt noch einmal neu anfangen? Eigentlich sollte es perfekt sein. So perfekt, wie der Junge, dem er diese Geschichte widmete.

Sein Blick wanderte zu der Uhr, die die Wand über dem Türrahmen zierte. Dabei trat auch das Bild des Führers in sein Blickfeld, was ihn die Augen rollen ließ. Als wäre er ein Heiliger. Aber im Gegensatz zu dem Erzengel Sankt Michael, der gegen das Böse im Menschen gekämpft oder Sankt Nikolaus, der armen Kindern in Not geholfen hatte, war Adolf Hitler höchstens ein Heiliger des Teufels, dessen einzige Aufgabe es war, Unheil und Schmerz über die Welt zu bringen.

Ein Klopfen an der Tür holte Albrecht aus seinen Gedanken. Er zuckte leicht zusammen – eigentlich sollte er schon im Bett liegen und nicht im Büro der Schülerzeitung sitzen und schreiben, keine Artikel und auf gar keinen Fall verliebte Geschichten über sich und seinen Freund, für den er eigentlich nur kameradschaftliche Gefühle empfinden sollte.

Doch zum Glück war es genau dieser, der da mit einem verschmitzten Grinsen und leuchtenden, blonden Haaren eintrat.

„Ich dachte mir schon, dass du noch hier bist.“

Albrecht konnte ein eigenes Grinsen nicht zurück halten und so strahlte er seinen Freund ganz ungeniert an. Er fühlte die Hitze in seine Wangen steigen, wie es momentan so oft passierte, immer, wenn er Friedrich ansah. Oder wenn er in seiner Gegenwart war. Oder über ihn schrieb. Oder nur über ihn nachdachte.

„Was schreibst du? Bist du nicht langsam müde?“

Der Blonde trat näher, um einen Blick auf das in der Schreibmaschine eingespannte Papier zu werfen. In Albrechts Gehirn schallten die Glocken, die Panik bedeuteten. Und es kramte nach einer Ausrede, warum er es nicht lesen konnte.

Würde er es doch tun, hätte das fatale Auswirkungen. Zwar würde er Friedrich kaum zutrauen, zum Direktor zu gehen und Albrechts kleines, prekäres Geheimnis in dessen Büro auszuplaudern, aber ihre Freundschaft würde es ohne Zweifel zerstören. Dabei war das das letzte, was Albrecht wollte. Der starke Boxer war doch der einzige Strohhalm, an dem er sich in diesem kalten Schloss voller Nationalsozialisten festhalten konnte, um nicht vollkommen den Verstand zu verlieren. Und ohne ihn würde er zweifelsfrei durchdrehen. Von der nächstbesten Klippe würde er sich stürzen. Oder das Gewehr in einer der Schussübungen Ausversehen falsch herum halten. Oder-

„Albrecht?“

Er blickte auf, mitten in diese wunderschönen, blauen Augen, die trotz des schwachen Lichts so wahnsinnig hell leuchteten, als wären sie Sonnen in ihrem eigenen Sonnensystem. Und Albrecht war der Planet, der sich Tag für Tag um sie drehte.

Friedrich trat noch näher, sichtlich durch Albrechts fehlende Antworten verdutzt. Er war so nah, dass sein Geruch in Albrechts Nase trat. Der wohlige Duft nach der Kernseife, mit der sie sich alle wuschen, der Sporthalle, in der der Boxer so viel Zeit verbrachte und – woher auch immer – mischte sich immer etwas Minze dazu. Sofort war Albrecht wie eingehüllt und konnte kaum noch klar denken, so gerne hätte er sich in Friedrichs starke Arme geworfen und sein Gesicht in dessen breite Brust gedrückt.

Vorsichtig, ganz zärtlich nahm der Blonde das vollgeschriebene Blatt aus der Schreibmaschine und begann, es zu lesen. Albrecht war wie aus einer tiefen Ohnmacht erwacht und seine innerlichen Glocken waren so schrill, dass er glaubte, einen Tinnitus zu bekommen.

„Nicht!“

Diese blauen Augen trafen ihn wieder und er wollte ihnen jeden Wunsch erfüllen. Aber diesen einen musste er ihnen abschlagen. Zu hoch war der Preis, den er zahlen müsste.

„Ach komm. Denkst du wieder, dass es nicht gut ist? Ich sag dir doch schon seit Wochen, dass du, selbst wenn du es wolltest, nichts schlechtes schreiben könntest.“

„Darum geht es nicht. Ich- Es ist-“

Ihm fiel keine Ausrede ein. Was wäre denn auch ein guter Grund dafür, warum sein bester, sein einiger wahrer Freund seinen Text nicht lesen durfte? Er konnte ja schlecht sagen, dass es nicht ging, weil er sich vorstellte, wie sie sich küssten. Auf den Mund. Nichts mehr mit Kameraden, nur noch was mit Geliebten.

Friedrichs Augen wanderten wieder zurück auf das Blatt und weiteten sich. Jetzt war es vorbei. Albrecht atmete noch ein letztes Mal tief den Geruch ein, den er so sehr mochte. Schaute noch ein letztes Mal den Jungen an, in den er sich Hals über Kopf verliebt hatte. Ein letztes Mal, bevor der Boxer ihm für immer aus dem Weg gehen würde.

Und wieder schauten ihn die hübschen Augen an. Sie trafen in mitten ins Herz, drangen ganz tief in seine Seele ein, durchschauten jedes seiner Geheimnisse, jede Fantasie, die er jemals gehabt hatte. Jetzt war es soweit. Jetzt war es wohl offiziell vorbei mit ihrer Freundschaft.

Mental richtete Albrecht noch einige Abschiedsworte an seinen – noch – Freund. Dass er ihm dankbar sein wird, dass er, so sehr es auch schmerzen wird, verstehen kann, warum er sich von ihm abwenden wird und dass es ihm unbeschreiblich leid tat, sich in ihn verliebt zu haben. Dass er es, wenn er es nur könnte, ohne zu zögern rückgängig machen würde. Aber er konnte es nun einmal nicht und so schlug sein Herz jedes mal schneller, wenn er seine Gedanken zu dem blonden Boxer wandern ließ.

Dieser stand offensichtlich mehr als überfordert mitten im Raum und starrte Albrecht einfach nur an. Verständlicherweise konnte er nicht glauben, was er da gelesen hatte. Etwas so unvorstellbares, so… widerliches.

Der Autor der Geschichte, die er da in der Hand hielt, sprang auf. Innerhalb von Sekunden schossen ihm die Tränen in die Augen und er verfluchte sich für seine Sensibilität.

„Geh. Geh einfach“, presste er heraus, doch Friedrich machte keine Anstalten, auch nur eine Faser seines hübschen Körpers zu bewegen. Stattdessen stand er da wie eine Statue aus Eis, die Hauptattraktion auf einem Weihnachtsmarkt oder einer Ausstellung, die mit den perfekt geschliffenen Kanten alle Bewunderer in ihren Bann zog. Doch wenn er wirklich eine Statue wäre, hätte er wohl keine gerunzelte Stirn, sondern wäre in der stolzen Haltung für die Ewigkeit konserviert worden, die er nach einem gewonnenen Boxkampf immer einnahm. Nicht, dass Albrecht seine Stirnfalten nicht schön fand. Im Gegenteil, sofort schossen ihm Hunderte von möglichen Gedichtversen durch den Kopf. Doch das änderte auch nichts an der Situation, in der sie sich gerade befanden.

„Albrecht…“

Durch den Körper des Angesprochenen lief ein eiskalter Schauer. Wie sanft Friedrich seinen Namen aussprach. Seine Zunge verlieh jedem Wort einen einzigartigen Klang. Wie sie wohl schmeckte? Oder sich zwischen seiner anfühlte?

Albrecht verabscheute sich. Er konnte nicht glauben, dass er immer noch solch schreckliche Gedanken hatte. Friedrich hatte gerade herausgefunden, dass er in ihn verliebt war. Er hatte seine Geschichte gelesen, eine seiner vielen, vielen Fantasien, die ihm beim Einschlafen durch den Kopf huschten und ihn Tag und Nacht nicht losließen. Und trotzdem malte er sich aus, wie sich die Haut des Blonden auf der seinen anfühlte.

Spätestens jetzt füllten die Tränen nicht mehr nur seine Augen, sondern liefen auch über seine Wangen und aus seinem Mund drang ein herzzerreißendes Schluchzen.

Im Gegensatz zu dem, was Albrecht ursprünglich von Friedrich wollte, verließ dieser nicht das Büro, sondern trat noch näher an ihn heran. Für einen kurzen Moment hatte er beinahe Angst, er würde ihm seine Faust ins Gesicht schlagen, aber eigentlich wusste er, dass Friedrich etwas derartiges niemals übers Herz bringen würde.

Stattdessen schlang er ihm die Arme um die Schultern und zog ihn an sich, ganz nah. Obwohl Albrecht sich das nur vor wenigen Minuten noch ausgemalt hatte und davon geträumt hatte, ganz in seinem wohligen Duft zu versinken, war die Realität doch so anders.

Einerseits war sie mit etwas so schrecklichem verbunden; Friedrich hatte herausgefunden, dass Albrechts Herz nicht für ein Mädchen schlug, sondern einzig und allein für ihn. Für den blonden, starken Boxer mit dem breiten Kinn und den starken Armen. Andererseits war es so viel besser, als Albrecht es sich in seinen kühnsten Träumen erahnen konnte. Er passte perfekt in Friedrichs Arme. Es war wie ein Puzzlestück, welches man schon lange für verloren geglaubt hatte und dann, kurz bevor man mit dem Suchen aufgeben und das unvollständige Puzzle schon voller Wut wegwerfen wollte, doch noch an genau dem Ort fand, an dem man es am wenigsten erwartet hätte.

Albrecht war vollkommen überwältigt und war bereits dabei, voll und ganz in Friedrichs Armen zu versinken und an diesem Ort am besten für immer zu verweilen, als dieser ganz sanft sein Kinn anhob. Die langen Finger auf seiner Haut lösten ein Kribbeln in ihm aus, welches durch seinen ganzen Körper Wellen schlug.

Und dann kam er näher. Immer und immer näher, Millimeter um Millimeter, wie in Zeitlupe. Fast war es wie in einem der hilflos romantischen Filme, die seine Mutter gerne im Fernsehen ansah. Nur dass er keine schlanke, junge Dame war, sondern ein schlanker, junger Herr. Genau wie Friedrich. Und das sollte so nicht sein.

Aber wenn es so nicht sein sollte, warum fühlte es sich dann so gut, so richtig an? Warum fühlte es sich dann so an, als wäre diese Szene der Höhepunkt seines Lebens, auf das jede Handlung, die er jemals vornahm, hinführen sollte? Warum wollte er dann nichts mehr, als Friedrichs rosarote Lippen endlich auf den seinen zu spüren?

Friedrich schien seine Gedanken zu hören – oder er dachte gerade dasselbe. Was auch immer es war, jedenfalls führte es dazu, dass Albrechts sehnlichster Wunsch endlich erfüllt wurde.

Und das war das beste Gefühl seines Lebens.

Noch tausend Mal schöner, als er es sich jemals hätte vorstellen können. Und er hatte es sich oft vorgestellt. Wirklich, wirklich oft. Beim Schlafen, Essen, Sport machen, unter der Dusche, im Deutschunterricht – wortwörtlich in jeder erdenklichen Situation, die man sich vorstellen könnte.

Friedrichs Lippen waren so weich. Weicher als Samt, als die Ohren des schwarzen Welpen, den er einmal gestreichelt hatte und weicher als der erste Schnee, der die Welt jedes Jahr von neuem in seinen weißen Zauber versinken ließ.

Es war, als läge Albrecht schon seit langer Zeit in diesem zauberhaften Neuschnee. Jede Zelle seines Körpers war erstarrt durch die eisige Kälte, die von den weißen Flocken ausging. Schon fast hatte er mit dem Leben abgeschlossen, hatte sich damit abgefunden, hier einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Doch dann kam Friedrich mit seinem breiten Grinsen und entdeckte ihn, wie er da ganz blaugefroren dalag. Er kniete sich zu ihm herunter und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. Und dieser einzige, bedachtsame Kuss war genug, um Albrechts ganzen Körper wieder mit Leben und Wärme zu erfüllen.

Es war, als schwebte Albrecht am Boden eines tiefen Sees. Alles um ihn herum war dunkel und seine Lungen brannten bereits von dem langen Sauerstoffentzug. Er gab sich dem blauen Nass überall um sich herum bereits hin, als er plötzlich einen blonden Schopf neben sich wahrnahm. Friedrich. Und wieder presste er ihm die Lippen auf die seinen und es war besser als jede Sauerstoffflasche. Er klammerte sich an seine Schultern, wollte ihn nicht mehr loslassen, wollte ihn für immer bei sich haben. Friedrich konnte ihn zwar nicht an die Oberfläche des Wassers oder gar auf die nächstgelegenste Insel bringen, aber er konnte ihm den Sauerstoff geben, den er zum Atmen brauchte.

Langsam löste sich der Blonde wieder von Albrecht und schaute ihn nur an. Obwohl er dachte, Friedrich würde ihn nie wieder auch nur eines Blickes würdigen. Offensichtlich falsch gedacht.

„Ich hab doch gesagt, dass deine Geschichte gut ist“, sagte er leise.

Und Albrecht war zumute, als wäre der Strohhalm, an den er sich immer klammerte, mit einem Mal zu einem dicken Seil geworden. Als wäre sein Körper wieder mit Wärme erfüllt. Als hätte er am Grund des Sees wieder Luft zum Atmen.

<em>Denn das war das beste Weihnachtsgeschenk.</em>

Notes:

ich hoffe es gefällt! kudos und kommentare sind natürlich wie immer mehr als erwünscht <3
ich habe mir überlegt, jeden advent eine fanfiction zu veröffentlichen, um mich selbst etwas zu motivieren. das wird dann immer abwechselnd napola und im westen nichts neues sein.
achso, und ich möchte bitte applaus dafür, dass ich einen oneshot geschrieben habe, der über 1.500 wörter lang ist. mir war nicht bewusst, dass das im bereich meiner möglichkeiten liegt.
funfact: ich habe mir eine schreibmaschine gekauft und darüber nachgedacht, wie amüsant es wäre, wenn ich auf meiner schreibmaschine darüber schreibe, wie albrecht an seiner schreibmaschine über sich und friedrich schreibt. interessante gedankengänge.
naja, wir sehen uns! <3

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