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Fantasma

Summary:

Katsuki Bakugou ist ein ganz normaler Student, der die Schnauze von seinen Mitbewohnern voll hat und lieber an seinen Projekten arbeitet, als zu schlafen. Doch als seine "Freunde" ihn dazu bringen, ein Ouija-Brett zu benutzen, wird sein Leben etwas weniger normal. Paranormal, um genau zu sein. [Uni-AU, Kacchako]

Chapter Text

Seine Schulter schmerzte, also rückte er sich den Träger seiner Laptop-Tasche ohne Erfolg zurecht. Wenn er tatsächlich nur seinen Laptop transportieren würde wäre das Gewicht wohl kein Problem, aber mit den drei Büchern, die er sich aus der Bibliothek ausgeliehen hatte, sah die Sache schon ganz anders aus. Seine beiden Hände waren leider auch belegt, in der einen Hand hielt er einen Kaffeebecher, der nur zur Tarnung diente, denn es befand sich tatsächlich irgendein Mixgetränk aus Sambucca und Cola darin, in der anderen hielt er Kaminaris durchnässte Klamotten. Kaminari war tragischerweise sein Mitbewohner und hatte gerade seine Prüfung bestanden - nur Gott wusste, wie der Idiot das geschafft hatte - und feierte nun natürlich gebührend. Der stechende Geruch des Alkohols, der von Kaminaris Klamotten ausging, kroch in Bakugous Nase und er rümpfte sie angewidert. Man hatte ihm das triefende Hemd plus Becher in die Hand gedrückt, als er die Tür geöffnet hatte. Dazu hatte er die Anweisung erhalten, den Stoff schnellstmöglich zur Waschmaschine zu bringen. Normalerweise würde er solche Befehle nicht ausführen, doch an Kaminaris Zustand ließ sich erkennen, dass er es nicht selbst schaffen würde und, falls Bakugou die Arbeit nicht selbst erledigte, das Hemd nur in irgendeiner Ecke enden würde. Außerdem hatten sie sowieso noch Wäsche unten.

Bakugou nahm sich einen Stuhl zu der Waschmaschine, die gerade lief, und nahm darauf Platz. Er warf einen Blick auf das ominöse Getränk und nahm die Kappe des Bechers herunter. Sein Geruchssinn hatte ihn nicht getäuscht, es handelte sich um Sambucca und Cola. Scheinbar war die Party schon eine ganze Weile am laufen, wenn alle anderen Optionen außer diesen beiden Getränken ausgeschöpft waren.
Schulterzuckend nahm er einen Schluck der Flüssigkeit. Es schmeckte pappsüß, aber war nicht ungenießbar. Also nahm er noch einen Schluck, den er sich nach diesem Tag mehr als nur verdient hatte. Der Alkohol brannte in seinem Mund wie flüssiges Feuer, während die Cola einen widerlich rauen Belag auf seinen Zähnen bildete.

Er fuhr sich durch seine sandblonden Haare, bevor er sich eines der Bücher aus seiner Tasche nahm und durchblätterte. Tausende Tabellen und Zahlen sprangen aus den Seiten heraus, über Bindungsenthalpien und anderen festgelegten Größen, die irgendetwas mit Chemie zu tun hatten. Manchmal bereute er es, Chemie zu studieren, aber eigentlich war jeder Studiengang zeitaufwendig, anstrengend, und auch nicht gerade einfach. Dennoch machte er es natürlich gerne, sonst hätte er sich dieses Fach nicht ausgesucht.

Er wartete noch eine halbe Stunde, bevor er sich aus seiner Ruhe zerrte und die Treppenstufen zu seiner Wohnung hinaufstapfte. Bakugou teilte sich die Wohnung mit drei anderen Personen, fast schon vier, wenn man die Freundin von Sero mitzählte, die fast jeden Abend mit ihnen aß und jeden Morgen dort frühstückte. Sie war gelernte Friseurin und unglaublich gut gelaunt, redete viel zu viel und mischte sich in alles ein, was sie nichts anging. Als er die Tür zu seiner Wohnung öffnete, stand sie ihm auch direkt schon Gegenüber: Ashido Mina, wie sie leibt und lebte.

"Katsuki", säuselte sie und warf ihm ihre Arme um den Hals. Erstaunlicherweise war das ihr alltäglicher Zustand und hatte nichts mit ihrem Alkoholkonsum zu tun.
Bakugou drückte sie wortlos von sich weg, woraufhin sie ihn nur lachend erneut umarmte. Dabei kitzelten ihm ihr pinker Afro an der Nase.
"Hey, Bakugou", grüßte ihn Sero hinter Mina und erhob sein Glas. Gleich darauf ließ die Pinkhaarige von ihm ab und warf sich wieder in die Arme ihres Freundes, der sein typisches Sero-Grinsen im Gesicht trug. Wenn Bakugou sagen müsste, wer von seinen sogenannten Freunden am erträglichsten war, dann war es definitiv Sero. Der Schwarzhaarige redete nicht außergewöhnlich viel, was Bakugou ein Segen war, und er war ein wenig vernünftiger als die anderen beiden Deppen.
"Kaminari hat seine Prüfung bestanden", teilte Sero ihm mit.
"Ich weiß."
"Man, ich hatte einen Zehner gewettet, dass er es nicht schafft", meckerte Sero.
Okay, Bakugou nahm das mit der Vernunft zurück.

Da er sich noch immer nicht aus dem Türrahmen bewegt hatte, quetschte er sich an Mina und Sero vorbei und nahm endlich das ganze Spektakel in Augenschein.
Tatsächlich sah es gar nicht so schlimm aus. Die Anzahl an Menschen hielt sich im Grenzen, was hieß, dass sie nicht beinahe die Wände des Wohnzimmers sprengten, und er entdeckte noch keine Flecken auf der Couch oder dem Teppich. Natürlich zerstörte die Musik einem Normalsterblichen fast das Trommelfell, doch Bakugou hörte seine Musik selbst immer äußerst laut, weshalb es ihn nicht besonders kümmerte. Abgesehen davon, dass die Lieder nicht gerade seinen Geschmack trafen.

Er schaffte es irgendwie an seine Zimmertür, drückte die Klinke herunter und warf sich mit einem Hechtsprung in seine Sicherheitszone. Erleichtert seufzend schloss er die Tür hinter sich und legte seine Tasche auf den zwanghaft sauberen Tisch. Kein Staubkorn lag an dem Ort, an dem es nicht sein sollte, da es schlichtweg keine Staubkörner gab. Alle anderen sagten es ihm immer wieder, er selbst gestand es sich ja auch ein: Er war unfassbar pingelig, was Sauberkeit bestraft. Das sah er allerdings eher als etwas Positives. Auch seine Mitbewohner profitierten davon, denn er erledigte 50 Prozent der Hausarbeiten. Es störte ihn nicht besonders, schlimmer wäre es, wenn die anderen drei es machen würden, aber nicht so, dass er zufrieden war. Deshalb hatten sie sich vor einer Weile auch darauf geeinigt, dass er mehr zu erledigen hatte als sie, dafür übernahmen sie einen minimal größeren Teil der Miete, der ihm monatlich vielleicht dreißig Euro sparte.

Zuerst sortierte er die Bücher ein, dann nahm er noch einen Schluck aus dem Kaffebecher. Er würde sich später, wenn es etwas ruhiger geworden war, zu den anderen gesellen. Jetzt hatte er ohnehin noch zu tun, die Recherche für sein Projekt zur Gaschromatographie stand noch an. Zwar wartete die Abgabe erst in ein paar Wochen auf ihn, doch er erledigte Dinge lieber frühzeitig, statt unter Zeitdruck zu arbeiten. Nicht, dass das seine Arbeit irgendwie beeinflussen würde, er arbeitete unter so ziemlich jeden Bedingungen gut. Ein Mal haben Kaminari und die Anderen ihn von seinem Projekt zerren müssen, als er fast 40 Grad Fieber gehabt hatte.

Eine ganze Weile lang ließ man ihn tatsächlich in seinem Zimmer sitzen, seine Arbeit machen. Der Inhalt des Kaffeebechers dezimierte sich, während sein Verstand sich immer weiter von ihm löste. Er erwischte sich dabei, wie er an seinem Handy die Instagram Accounts seiner Lieblingsbands Imminence und Nothing But Thieves nach neuen Beiträgen überprüfte, wie er sinnlose Fragen in seinen Google - Suchverlauf eintippte und letztlich auf Youtube bei einem Video landete, in dem irgendwer Songtracks von Videospielen auf einem Taschenrechner spielte.
Also entschied er, dass er sich heute definitiv nicht mehr würde konzentrieren können.
Seufzend fuhr er seinen Laptop herunter. Seine Eltern hatten ihn ihm zu seinem 18. Geburtstag geschenkt. Das war jetzt zwar schon drei Jahre her, doch er funktionierte noch einwandfrei.

Er warf einen Blick auf sein Handy. 0:45 schoss ihm der Bildschirm in grellem Weiß zurück. Die Party war noch in vollem Gange und daran würde sich vor zwei wohl auch nichts ändern. Plötzlich beschloss sein Magen ihn zu verraten und laut loszuknurren, woraufhin er sich murrend erhob und zu seinem Nachttisch schleppte, um dort die Schublade aufzureißen.
Seine Hand zuckte.
Die Schublade war leer. Dort, wo sich normalerweise sein Vorrat an Vollkorncrackern aufhielt, herrschte nun brüllende Leere, die er auch aus seinem Magen vernahm.
Er war sich verdammt sicher, er hätte dort erst eine neue Packung verstaut. Jemand musste sie sich also genommen haben.
Kirishima.
Kirishima war sein bester Freund. Und ebenfalls Mitbewohner. Er studierte Sport und Biologie auf Lehramt und mit Letzterem kam er so schlecht zurecht, dass er sich andauernd Bakugou auslieh, damit dieser ihm wenigstens die chemischen Zusammenhänge erklären konnte. Warum er das immer wieder für den Deppen mit dem auffällig rot gefärbten und fragwürdig zu Stacheln gestyltem Haar tat wusste er auch nicht so genau, vermutlich, weil er ihn schon seit einer halben Ewigkeit, nämlich seit der fünften Klasse, kannte und sie alles zusammen gemacht hatten. Kirishima war der erste und einzige Freund, der jemals Bakugous Zimmer bei seinen Eltern betreten hatte. Bakugou hatte Kirishimas erste Freundin kennengelernt, dann die zweite und auch alle anderen, die darauf folgten. Er hatte ihn auf seine Art beim Ende jeder einzelnen Beziehung getröstet. Im Gegenzug hatte Kirishima ihn so angenommen, wie er war, als Bakugou ihm anvertraut hatte, dass er bisexuell war. Mittlerweile hatte er keine großen Probleme mehr damit, seine sexuelle Orientierung anderen preiszugeben, doch damals hatte er sich zu Tode geschämt, obwohl er sich eigentlich nie für irgendetwas schämte.

Aber egal wie sehr er Kirishima insgeheim mochte, der Arsch hatte ihn um seine Cracker betrogen und würde es bereuen.
Bakugou stürmte aus seinem Zimmer, wäre die Musik nicht so niederschlagend laut hätte man wohl das Knallen der Tür gehört, und kämpfte sich durch die Menge. Kirishima war nie schwer zu finden. Der Typ war riesig, breit und seine Haare stachen heraus wie ein kleines, offenes Feuer.
"Kirishima!", schoss es aus Bakugou heraus wie aus einem Vulkan. Sein Ruf überlagerte sogar die Musik und brachte Kirishima dazu, sich zu ihm umzudrehen.
Sofort setzte sich ein Lächeln auf die Lippen des Jüngeren und er hob die Hand, um ihm zuzuwinken.
Als Bakugou bei ihm war, fragte der Rothaarige ihn:
"Seit wann bist du denn hier? Du meldest dich echt nie, wenn du nach Hause kommst."
"Meine Cracker. Wo sind sie", spie Bakugou aus und ignorierte somit die Frage, die ihm gestellt wurde.
"Oh, uns ist das Knabberzeug ausgegangen, also habe ich deinen Vorrat geplündert, sorry", gestand Kirishima und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, "Ich kaufe dir morgen neue, versprochen. Doppelt so viele."
Bakugous blutrote Augen bohrten sich in Kirishimas, die eine ähnliche Farbe hatten, aber in diesem Moment deutlich weniger Gewalttätigkeit ausstrahlten.
Ohne ein weiteres Wort marschierte Bakugou in die Küche, um sich aus den Resten ein Essen zusammenzustellen. In einer Schublade fand er Nudeln, in dem Kühlschrank stand noch ein zur Hälfte gefülltes Glas Pesto, deren Inhalt er über die Nudeln kippte. Zu trinken fand sich in dem Kühlschrank nichts, was er runter bekommen würde, nur Kirishimas Proteinshakes, Kaminaris Energiedrinks und Seros Matcha Tee, den er auch niemals anfassen dürfte. Also schnappte er sich ein Bier aus der dafür vorgesehen Kiste und verkroch sich wieder in sein Zimmer, um in Ruhe zu essen.

Diese Ruhe hielt allerdings nicht lange, denn schon bald wurde seine Tür mit einer schwungvollen Bewegung geöffnet und sowohl Mina als auch Kaminari, der sich kein neues Hemd angezogen hatte und nun oben-ohne herumlief, stürmten herein.
"Yo, warum feierst du nicht mit? Ich hab meine Prüfung bestanden!", schrie Kaminari gegen den ohrenbetäubenden Lärm. Mina nickte nur in einer besorgniserregenden Geschwindigkeit zu seinen Worten.
"Verpisst euch aus meinem Zimmer!", warf Bakugou ihnen entgegen, doch seine Aussage prallte an den beiden ab wie ein Papierkügelchen an einer Wand. Generell hatten seine derzeitigen Freunde ein ziemlich dickes Fell, denn egal was und wie er ihnen etwas sagte, sie nahmen es meist mit einem Lachen auf oder ignorierten ihn. In seiner Grundschulzeit hatten all seine Freunde Respekt aus Furcht gehabt, später hatte er dann keine Freunde mehr, da er alle abgeschreckt hatte. Abgesehen von Kirishima natürlich.
"Komm schon, du warst bei der letzten Party schon nicht dabei", quängelte Kaminari weiter. Er stieß sich aus Langeweile von dem Türrahmen ab, um sich daraufhin wieder zurück wippen zu lassen. Dabei schlugen ihm seine blonden Haare unaufhörlich ins Gesicht, doch das schien ihn nicht weiter zu stören.
"Wenn ihr jetzt sofort verschwindet komme ich nach dem Essen raus", erwiderte Bakugou. Es dauerte nicht eine Sekunde, da waren die beiden wieder aus seinem Zimmer geprescht und hatten die Tür hinter sich zugeschlagen.

Für gewöhnlich war Bakugou jemand, der sein Wort hielt. Er lügte nicht, um sich einen eigenen Vorteil zu schaffen und erst recht nicht, um die Gefühle anderer zu verschonen. Jedenfalls brachte er, nachdem er mit seinem Essen fertig war, den Teller in die Küche und gesellte sich zu Kirishima, der sich gerade mit zwei Leuten unterhielt, die er nur vom Sehen kannte. Der eine hatte graue, verwuschelte Haare und trug eine Art graue Maske um seine Augen - auf der Uni findet man wirklich alle Arten von Fashion-Statements - und seine Begleiterin hatte lange, naturrote Haare, die sie zu einem Zopf gebunden hatte. Ihm fielen besonders die türkis-blauen Augen auf. Kirishima stellte sie ihm als Tetsutetsu und Kendou vor, zwei Namen, die er sich sowieso nicht merken konnte, und scheinbar belegten sie den selben Kurs wie er, nämlich Sport auf Lehramt.
"Aber Biologie ist nicht so meins, mein Beifach ist Chemie!", erzählte Kendou. Dadurch kam er relativ schnell mit ihr ins Gespräch, sie lästerten über ihren gemeinsamen Chemie Professor Aizawa, der während seiner eigenen Vorlesung gerne mal einnickte, und über verschiedene Themen, bis Bakugou sich zu langweilen anfing und sich von der kleinen Gruppe loslöste. Er hörte im Weggehen noch, wie Kirishima ihn entschuldigte:
"Er is nicht besonders gut mit sozialen Kontakten, aber wenn man ihn mal besser kennenlernt weiß man, dass es eigentlich alles nur harte Schale und weicher..."
Mehr konnte Bakugou nicht verstehen, da er sich zu weit von Kirishima und dafür zu nah an der Musikquelle befand. Es überraschte ihn nicht, dass Jirou sich direkt an den Boxen aufhielt. Jirou studierte Musik und war dementsprechend auch auf Partys möglichst nah an ihr zu finden. Sie wurde von Kaminari ständig eingeladen, so wie so ziemlich jedes weibliche Wesen auf dem Campus, aber hielt sich, ähnlich wie Bakugou, eher im Hintergrund. Des Öfteren kamen die beiden in der Ecke einer Party zusammen, ohne großartig zu reden, aber um die Ruhe vor menschlichem Kontakt zu genießen, ohne auf die Musik verzichten zu müssen. Er sippte an seinem Bier und setzte sich zu der Lilahaarigen. Sie hatte sich wieder ihre roten Dreiecke unter die Augen gemalt, die aber nicht ihr dunkles Make-up verdeckten, sie trug eine schwarze Choker um ihren Hals und schwarze Schuhe mit tausenden Nieten. Manchmal fragte er sich, ob sie auch gepierct war, aber es interessierte ihn nicht genug, um sie tatsächlich zu fragen. Tatsächlich fand er aber, dass sie ziemlich cool aussah. Sie schien ihr eigenes Ding zu machen und das respektierte er.

Nach einer Weile verließ eine Gruppe den Raum, was die Situation deutlich übersichtlicher machte. Jetzt wurde auch der Blick auf die Couch mit dem Glastisch frei, auf dem sich leere Flaschen, Schüsseln und Korken sammelten. Zwischen dem Müll wurden Karten gespielt und Kurze gekippt. Sein Blick fiel auf Sero, der zwischen den anderen sein typisches Grinsen aufgesetzt hatte. Sero war kein großes Mysterium. Er schien sogar das Gegenteil zu sein: Flach und einfach. Zumindest auf den ersten Blick. Bei den meisten Leuten blieb es bei dem ersten Blick, denn es kannte ihn zwar jeder, aber nur wenige kannten ihn wirklich. Aus irgendwelchen Gründen kam er genug aus sich heraus, um sich einigermaßen beliebt zu machen, nur um sich dann wieder aus dem Geschehen zu ziehen. Folgen daraus waren, dass absolut jeder ihn grüßte, aber keiner nach ihm fragte.

Sero schien Bakugous Starren nicht zu entgehen, denn er blickte kurz darauf zu ihm hoch und winkte ihn und Jirou zu ihm. Bakugou warf Jirou einen fragenden Blick zu, woraufhin sie nur die Schultern zuckte und sie sich gemeinsam zu dem Tisch aufmachen.
"Was wird gespielt?", brüllte Bakugou Sero zu.
"Arschloch!", rief jener zurück.
"Ich mach bei der nächsten Runde mit", kündigte er an und grinste. Der Rotäugige war sowieso in so ziemlich jedem Spiel gut, doch Kartenspiele, und besonders Arschloch, waren seine Königsdisziplin. Er erinnerte sich nicht daran, wann er das letzte Mal verloren hatte und zweifelte auch, dass das jemals wieder passieren würde.

Es dauerte nicht lange, bis sich alle angesichts seines immerwährenden Triumphs geschlagen gaben.
"Wie kann man nur so viel Glück haben?", jammerte Sero und warf seine verbliebenen auf den Stapel. Der Raum hatte sich mittlerweile noch weiter gelichtet, es befand sich nur noch eine überschauliche, angetrunkene bis hin zu offensichtlich betrunkene Gruppe im Raum. Kaminari zum Beispiel kam gerade aus dem Bad und hatte starke Probleme damit, seinen Hosenstall zu schließen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren, während Mina während sie lachte fast vom Stuhl fiel. Selbst Bakugou fühlte sich wohlig warm und wie in Wolle gepackt. Es schien ebenfalls keiner zu bemerken, dass sich die Playlist nun zum zweiten Mal wiederholte.
"Leute, schaut mal, was ich gefunden hab!" kam es plötzlich vom Ende des Raums aus Kirishimas Türrahmen. Besagter hielt ein komisches Brett mit irgendwelchen eingeritzten Zahlen oder Buchstaben in der Hand, die Bakugou nicht genau identifizieren konnte. Er hörte nur, dass zum Teil Gejubel, zum Teil eisiges Schweigen antwortete.
"Wasn das?", fragte er Jirou, die immernoch neben ihm saß.
"Ein Ouija-Brett. Für Geisterbeschwörung und so", fasste sie kurz zusammen. Er runzelte die Stirn. Geisterbeschwörung. So ein Müll konnte ja auch nur von seinen Freunden kommen.

Während Kaminari auf dem Tisch an der Couch für Platz sorgte, kramte Sero irgendwo Kerzen heraus und zündete sie an. Dann breitete Kirishima das Brett aus. Nun konnte Bakugou auch erkennen, worum es sich handelte: Sowohl um Zahlen als auch Buchstaben, und in den oberen beiden Ecken stand links "Yes" und rechts "No". Die Buchstaben waren säuberlich aneinander gereiht, die Zahlen befanden sich, in etwas kleinerer Schrift, darunter. Zusätzlich zu dem Brett lag auch ein handliches Holzstück mit einem lupenähnlichem Glas eingebettet auf dem Tisch. Es war eigentlich rund, lief Richtung Lupe aber spitz zu. Nach eingehender Betrachtung und nachdem das Licht gedämmt wurde beschloss er, dass er sich nicht genug für die Sache interessierte, um weiter daran teilzuhaben. Viele schienen der selben Meinung zu sein wie er, da sich einige auf dem Weg zur Tür machten oder auch schon verschwunden waren. Doch als er gerade aufstehen wollte, hielt Kaminari ihn an seinem Shirt fest.
"Oh, hast du etwas Angst?", flüsterte er, ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, bis es fast von Ohr zu Ohr reichte. Kaminari musste eigentlich wissen, dass dem nicht so war, schließlich hatten sie gemeinsam schon einige Horrorfilme geschaut, ohne dass Bakugou auch nur seine Miene verzogen hätte. Daher wären ihm seiner Provokationen normalerweise am Arsch vorbei gegangen, doch diese Situation war anders. Nachdem Kaminari die Frage gestellt hatte, hatten sich nämlich alle Gesichter ihm zugewandt, gespannt auf seine Antwort wartend.
"Ich hasse dich. Und ich habe keine Angst", spie er Kaminari förmlich ins Gesicht und nahm wieder zwischen Jirou und irgendeiner ihm unbekannten Person Platz.
"Weiß jeder, wie das funktioniert?", fragte Kirishima in die Runde. Durch das gedämmte Licht und die Kerzen wurde sein Gesicht seltsam von unten beleuchtet.
Es nickten nur wenige.
"Also", setzte Kirishima an, "Alle sind still und einer stellt eine Frage an den Geist. Dabei hat er die Hände auf dem Zeiger", er deutete auf das Holzstück, "und der Geist beantwortet die Frage, indem er den Zeiger bewegt. Die Buchstaben, die in dem Glas zu sehen sind, ergeben dann einen Satz oder irgendetwas. Der Geist kann die Frage aber auch einfach mit 'Ja' oder 'Nein' beantworten", erklärte er und tippte auf die Ecken des Bretts.
Bakugou rollte mit den Augen. Er hätte sich mit seiner Pasta definitiv mehr Zeit lassen sollen. Es war nicht so, dass er die Existenz von Geistern für unmöglich hielt, es war einfach nur nicht erwiesen, wenn dann überhaupt widerlegt, daher glaubte er auch nicht daran.

"Also, wer will anfangen?"
Mina meldete sich sofort.
"Ich!", bellte sie, während sie vor Aufregung fast aus dem Schoß ihres Freundes fiel. Dieser hielt sieben-Uhr gerade noch an der Hüfte fest.
"Sicher? Du bist ziemlich schreckhaft", gab Sero zu bedenken, doch Mina ließ sich nicht beirren und zog das Brett näher heran.
"Okay Leute, seid mal alle still!", rief Kaminari und schaltete die Musik ab.
Mit dem ganzen Kerzenschein und den ernsten Gesichtern fühlte sich Bakugou, als hätte man ihn in irgendeine Sekte geschleift.
"Okay, also, Geist, du bist doch nett, oder?", fing Mina an. Es passierte nichts. Alle starrten nur konzentriert auf den Zeiger, der in den nächsten Sekunden über das Brett gleiten sollte. Als immernoch nichts geschah, schnaubte Bakugou laut und eine Kerze flackerte langsam auf.
"Da! Der Geist!", rief eine Person und zeigte auf die flackernde Kerze. Aufregung und Panik brach unter den Anwesenden aus, während Bakugou nur den Kopf schüttelte. Was zur Hölle machte er hier?
Es brauchte gute zehn Minuten, bis alle wieder ruhig genug waren, damit jemand anderes eine Frage stellen konnte. Diesmal wurde Kaminari nach vorne gerufen, der grinsend seine Hand auf den Zeiger legte.
"Bist du eine Frau?", hallte seine Frage durch den Raum. Alle, mitsamt Bakugou, stöhnten laut auf.
Das Stöhnen verschluckte sich wieder, als sich der Zeiger tatsächlich auf "Yes" bewegte.

Alle hielten die Luft an. Es war, als hätte man die Zeit eingefroren, und es ging ein frösteln durch die Menge. Bakugou spürte, wie sich Jirou ein wenig in seine Seite lehnte, vermutlich aus Angst, ansonsten konnte er sich diese plötzliche körperliche Nähe von ihr nicht erklären. Fast hätte sein Herz auch einen Schlag ausgesetzt, wenn er nicht Kaminaris Grinsen gesehen hätte, das ihm für eine Millisekunde über das Gesicht lief.
Was ein Idiot.
Sofort erschlaffte Bakugous Position, von der er nicht einmal gewusst hatte, dass sie erstarrt gewesen war und Kaminari drehte sich zu ihm um.
"Du bist dran", entschied er und drückte Bakugou süßlich lächelnd den Zeiger in die Hand. Bakugou wusste wirklich nicht, warum der Depp gerade ihn aus der Menschenmenge ausgesucht hatte, da er der letzte war, der so einen Scheiß vorspielte. Nichtsdestotrotz nahm er das Holzstück an und machte es sich vor dem Brett bequem.
"Wie lange bist du schon tot?", fragte er und platzierte den Zeiger in der Mitte. Alle starrten ihn und den Zeiger wie besessen an und für eine Sekunde fand er es sogar amüsant, doch er würde definitiv nicht so tun, als wäre irgendetwas passiert.

Die Kerze flackerte erneut. Alle Blicke warfen sich auf das kleine Feuer wie Ausgehungerte. Bakugou wollte gerade eine Augenbraue hochziehen, als er einen Druck spürte, der den Stein aus seinem Griff wegzuziehen drohte. Er riss die Augen auf. Der Zeiger bewegte sich langsam auf das "I" zu, dann auf das "C". Bakugou wollte seine Hand von dem Holz ziehen, doch als er den Versuch wagte, fühlte sich sein Arm seltsam fremd und steif an. Fast schon panisch zerrte er an seiner Hand, doch er wurde nur mit einem Schmerz in der Schulter gestraft. Mit wachsendem Entsetzen musste er dabei zusehen, wie alle anderen um ihn herum ihn nur wie tote Puppen zusahen. Das innere seines Mundes verwandelte sich augenblicklich in eine Sandwüste, aus der er kein Wort hervorbringen konnte. Bei dem fünften oder sechsten Buchstaben drückte er diesmal gegen den Stein, doch es fühlte sich nur an, als würden seine Sehnen langsam zerreißen. Also gab er es auf und wartete, bis sich der Satz "Ich weiß es nicht", gebildet hatte.
Dann ließ ihn die Kraft endlich gehen und er stürzte zurück auf die Couch. Er bildete mit seiner rechten Hand eine Faus, streckte den Arm, drehte sein Handgelenk: Alles fühlte sich wieder normal an. Als hätte ihm eine unsichtbare Kraft nicht fast den Arm abgerissen.
"Du musst durch das Glas schauen", wies Jirou ihn an. Sie hatte ihn gar nicht im Blickfeld, nur das Brett, und ihre Stimme klang, als befände sie sich unter Wasser. Ohne groß darüber nachzudenken nahm er den Zeiger erneut und führte ihn an sein Auge.

Zuerst fiel ihm nichts besonderes auf, das Glas verzerrte seine Sicht nur minimal. Alles schien normal zu sein. Das Brett, die wie hypnotisierten Menschen, die alle auf das Brett starrten -
Eine Person schaute ihn an. Sie saß auf der anderen Seite des Bretts und war eigentlich relativ unauffällig: Braune Haare, die ihr etwas über das Kinn fielen und runde, braune Augen in einem relativ freundlichen Gesicht.
Seine Hand zitterte, als er den Zeiger sinken ließ.
Wenn er nicht durch das Glas schaute, war sie nicht mehr da.
Sein Magen verkrampfte sich und er ließ das Holzstück fallen. Das dumpfe Geräusch des Aufschlags ließen alle aus ihrer Trance erwachen und sie blickten sich desorientiert um.
"Okay, wer will anfangen?", fragte Kirishima.
"Ich!", rief Mina ohne zu zögern und fiel fast von Seros Schoß.
"Sicher? Du bist ziemlich schreckhaft", hakte Sero nach. In Bakugous Kopf drehte sich alles, und sein Mund klappte sich auf, doch es kam mein Ton heraus. Er erhob sich, was alle Blicke auf ihn zog, und wankte zurück in sein Zimmer. Die Rufe der Anderen ignorierte er.

Als er diese Tür hinter sich geschlossen hatte, ließ er sich an ihr herabsinken wie ein Sack, den man losgelassen hatte. Er presste seine Augenlider aufeinander, so fest, dass das Schwarz eher zu grün-rosanen Punkten verschwamm, doch sein Puls beruhigte sich nicht. Ihm war nicht klar, was genau in den letzten zehn Minuten passiert war, doch er wusste, dass nur er sich daran erinnerte. Und er hatte keine Ahnung, wie er damit umgehen, geschweige denn, wie zur Hölle er schlafen sollte.

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Das ist die Fanfic, die ich wann nochmal angefangen habe? 2020? Auf anderen Seiten (Fanktion. de und Wattpad) sind auch schon die anderen aktuellen Kapitel online aber ich dachte, dass ich sie auch mal hierhin setze, weil das eigentlich meine meistgenutzte Fanfic-Seite ist. Die anderen benutze ich nur noch, um meine Fanfics zu veröffentlichen. Jedenfalls freue ich mich über alle Kommentare und Kudos :)

Eure ObTeRi