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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2024-01-09
Words:
2,022
Chapters:
1/1
Comments:
9
Kudos:
30
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3
Hits:
234

boy afraid

Summary:

Kelly und Bob und eine improvisierte Pyjamaparty.

(Eine Art Umdichtung einer Stelle aus Der Namenlos Gegner, die aber nicht buch-konform ist.)

Notes:

man sollte übrigens bei schweren verletzungen am kopf und amnesie lieber ins krankenhaus gehen, statt einfach irgendwo zu übernachten.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Am Ende hatten sie beschlossen, daß Bob die Nacht am besten bei den Madigans verbrachte. Justus’ Tante und Peters Mutter hätten seine Eltern wohl aus dem Schlaf geklingelt und Mrs Andrews hätte sich gleich ins Auto gesetzt um heimzufahren. „Und sie fährt schon tagsüber nicht besonders gut“, hatte Bob mit einem angestrengten Grinsen gesagt und Kelly hatte nachgegeben, auch wenn sie sich ziemlich sicher war, daß Bob vor allem Zeit schinden wollte, um sich eine Lüge zu überlegen. Sollten seine Eltern von den Umständen seines Unfalls erfahren, würden sie ihm vermutlich wochenlangen Hausarrest geben und ihn täglich von der Schule abholen, um sicherzustellen, daß er keine Umwege über den Schrottplatz machte.

Zerbeult wie Bob aussah würden sie das bestimmt ohnehin tun, aber immerhin ersparte es Mrs Jonas und Mrs Shaw den Schrecken. Also überließ Kelly ihm für die Nacht ihre Couch. Er kommentierte die Vampire Diaries-Collage und das Taylor Swift Poster nicht, obwohl es ihm wahrscheinlich auf der Zunge lag. Aber schließlich hatte er sich selbst eingeladen. 

Für die Haare hatte sie ihm notdürftig einen Seidenschal geliehen, den ihre Tante ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, und der sonst nur in ihrem Schrank hing. Als Schlafanzug trug er ein T-Shirt und eine alte Jogginghose von Brian. Seine Klamotten hatte Kelly zum Lüften auf dem Balkon aufgehängt. Sie rochen nach Zigarettenrauch und Bier und beim Frühstück würde sie auch so genug Mühe haben, die Situation ihren Eltern zu erklären. Nein, Mom, ich war nicht auf dem Freeman Gelände. Nein, Dad, ich hab’ mich nicht von Peter getrennt, er stand bloß mitten in der Nacht mit seinen bescheuerten Freunden vor der Tür und wollte, daß ich Notarzt spiele. 

„Denkst du wirklich, daß du nicht ins Krankenhaus musst?“, fragte sie in die Dunkelheit und drehte sich so, daß sie die Umrisse der Couch sah. Bob seufzte unwillig. „Mir geht’s gut. Tut halt höllisch weh.“ — „Wenn du mir auf den Teppich blutest, bring’ ich dich um“, sagte sie im Scherz und entlockte ihm ein müdes Lachen, auf das ein Schmerzlaut folgte. „Mann, wo ihr immer reingeratet.“

Seit sie mit Peter ging, kannte sie es nicht anders. Kelly wusste nicht mehr, wie oft er Verabredungen abgesagt oder abgebrochen hatte, weil Justus irgendeiner neuen Gaunerei hinterherjagte. Bob war bei der Schülerzeitung ausgestiegen, weil er die Deadlines wegen seiner Recherche zu oft verpasste. Es war ein Wunder, daß sie nicht ständig durch ihre Prüfungen fielen. Kelly hielt sich nur mit Mühe in Mathe und Physik über Wasser, und hatte dafür das Fußballteam aufgeben müssen. Weil die Cheerleader es immerhin bis zu den Regionals schafften und sich besser in den College-Bewerbungen machen würden.

Es raschelte. Schemenhaft erkannte sie, wie Bob sich aufsetzte. „Sag’ mal, hast du was zu essen da?“, fragte er. Sie knipste die Nachttischlampe an. „Klar.“

 


Bobs Augen leuchteten, als er das angebrochene Glas Smucker’s Goober Grape entdeckte. Kelly stellte ihm einen Teller hin und schob ihm die Packung Toastbrot und ein Messer zu. „Magst du auch was trinken?“, fragte sie und öffnete den Kühlschrank, „Milch? Saft?“ Sie kam sich etwas albern vor. Wenn sie Freundinnen zu Besuch hatte, bedienten sie sich einfach. Aber hätten ihre Eltern Bob dabei erwischt, wie er mitten in der Nacht in Brians aussortierten Klamotten durch ihr Haus wanderte, hätten sie wohl die Polizei gerufen. „Orangensaft. Ich gieß’ ihn mir selbst ein“, sagte Bob, und nahm sich eines der Gläser aus dem Regal über der Anrichte. 

Kelly setzte sich an den Tisch und betrachtete ihn. Er war nicht viel größer als sie, die Hose hatte er hochkrempeln müssen. Und er war dünn. So dünn, daß Liz ihn auf Konzerten problemlos huckepack nehmen konnte, wenn er ein Photo machen wollte. Für ein Ex-Paar waren die beiden erstaunlich liebevoll und vertraut miteinander. Vielleicht war das leichter, wenn man sich seit der Kindheit kannte. Oder es hatte ganz grundsätzlich nicht funktioniert, weil Liz sich nichts aus Jungs machte. Sie traf sich seit einiger Zeit mit Brenda aus der Theaterklasse, aber sie hielt sich sehr bedeckt darüber und Kelly wollte nicht zu sehr nachbohren.

„Du kannst in meinem Zimmer essen“, sagte sie, als Bob sich ihr mit dem Teller und dem gefüllten Glas zuwandte, „Ist auf der Couch bestimmt gemütlicher.“ Er grinste schief. „Eine Frau mit Klasse.“ Sie streckte ihm die Zunge raus. 

Auf dem Flur flüsterte sie: „Ich kann nicht glauben, daß irgendjemand dieses grässliche Zeug mag“, und nickte in Richtung seines Sandwich, „Wir haben das nur, weil mein Vater da irgendwie drauf steht.“ — „Bin halt ‘n Patriot. Durch und durch amerikanisch“, gab Bob zurück, „Ich steh’ auf Freiheit, Schusswaffen und Erdnussbutter-Traubenmarmelade.“ Kelly unterdrückte ein Lachen. „Spinner.“

 


Sie machte notdürftig etwas Platz auf der Kommode frei, schob die Sport-BHs, einen verirrten Flakon Kitten Heels von Nyx, Ariana Grandes Dangerous Woman und einen vollgeschriebenen Notizblock beiseite, damit Bob sein Glas darauf abstellen konnte. Mit dem Teller auf dem Schoß setzte er sich auf die Couch. Kelly kletterte wieder in ihr Bett und holte nach kurzem Überlegen die Notfallpackung Schokolade aus der Nachttischschublade, um sich einen Riegel abzubrechen. „Was?“, sagte sie, als sie Bobs Blick bemerkte, „Glaubst du, ich guck’ bei deinem Mitternachtssnack bloß zu?“ Er zuckte gutmütig mit den Schultern, „Hätte nicht gedacht, daß wir uns so ähnlich sind. Wir sollten öfter zusammen rumhängen.“ Sie schnaubte. „Ja, aber ruf’ das nächste Mal vorher an.“

Es war überraschend behaglich mit ihm. Wie eine Pyjama-Party früher in der Grundschule, wenn sie sich nachts runter ins Wohnzimmer geschlichen hatten, um fernzusehen, und ihnen von den vielen Marshmallows und Chips fast schlecht geworden war. Sie hatten Modeschmuck und erste Nagellacke und CDs getauscht und eine Rangliste der Jungen aufgestellt. Ein heimliches Ritual, über das man nicht mit Außenstehenden sprach.

Bob aß und erzählte zwischen den Bissen von seinem Abenteuer mit den Freeman-Leuten. Von einer unerfreulichen Begegnung mit der Polizei und Ladenbesitzern. Davon, wie lausig kalt es nachts in so einem Bauwagen wurde, und wie schlecht man schlief, wenn man sich zu zweit auf einen Futon quetschen musste. Wie herzlich er aufgenommen worden war, obwohl er nur ein Fremder mit einer Kopfverletzung gewesen war. Er klang dabei ein wenig wie Beatrix früher, halb fasziniert, halb abgeschreckt. 

Sie alle, Bob, Beatrix, Kelly, waren behütet aufgewachsen. Es war immer jemand da, der Zeugnisse unterschrieb und neue Schulbücher kaufte und sie auf Kurs hielt. Und ganz gleich wie gerne sie manchmal hingeschmissen hätten und wie verlockend und frei ihnen das Leben der Camper erschien, war ihnen doch irgendwo bewusst, daß es ein Privileg war, daß ihre Eltern sich um sie kümmerten.

„Hab’ mich von Skinny sogar zum Rauchen überreden lassen“, Bob verzog das Gesicht und sah auf einmal sehr kindlich aus. Kelly gluckste. Dann hielt sie inne und hakte nach: „Skinny Norris?“ Bob stellte den Teller beiseite. „Klar. Kenn’ sonst keinen Idioten, der sich so nennen lässt. Wieso? Ach…“ 

Kit Norris, Skinnys kleine Schwester, war Top Girl bei den Cheerleadern und so etwas wie Kellys beste Freundin im Squad. Anders als ihr Bruder hatte sie mit dubiosen Geschäften nichts zu tun, aber sie konnte ziemlich fies werden. Als Molly Fawcett, die frühere Kapitänin des Teams, sie im ersten Jahr nicht in die Startaufstellung genommen hatte, waren Photos von Molly und einem Aushilfslehrer aufgetaucht, eng umschlungen, sich küssend. Dabei war Molly offiziell mit Dale Cooper aus dem Schwimmteam gegangen, von dem Kelly sich ziemlich sicher war, daß er eine Scheinfreundin gebraucht hatte. Das Ende vom Lied war gewesen, daß der Aushilfslehrer, den sie alle gemocht hatten, von der Schule geflogen war, und Molly nach einer sehr öffentlichen Trennung von Dale als Kapitänin abgewählt worden war. Sich mit Kit anzulegen war gefährlich.

„Und du hast dir also das Bett mit Skinny Norris geteilt, hm?“, fragte sie neckisch. Bob antwortete nicht gleich. Er trank den Orangensaft aus und machte ein unbestimmtes Geräusch. Einen Moment wurde es still zwischen ihnen. Als hätte irgendwas sie ganz plötzlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Dann meinte er: „Ich glaub’, jetzt kann ich schlafen“, und kroch unter die Decke. „Oh, okay“, Kelly fühlte sich etwas überrumpelt, aber sie knipste das Licht aus und legte sich selbst wieder hin.

 


Sie wusste, daß sie wach bleiben und sich Gedanken machen würde. Sie hatte ihn mit irgendwas verärgert. Vielleicht hatte er sich daran erinnert, daß sie Cheerleaderin war und mit Kit Norris befreundet. Bob gehörte wie Justus und Liz immer zu den Leuten, die ein wenig abseits standen. Sie waren in keinem Sportteam und kamen höchstens ihr oder Peter zuliebe zu Spielen und Wettbewerben. Oder es war der kleine Witz gewesen, den sie sich nicht hatte verkneifen können. Aber sie hatten so locker miteinander gesprochen. 

Gerade überlegte sie, wie sie sich diskret entschuldigen könnte, so, daß es nicht peinlich wurde, als Bob sich räusperte. „Kelly, ich… ich hab’ Skinny“, im Dunkeln war seine Stimme klein und zittrig, „Ich hab’ ihn geküsst.“

Unter anderen Umständen hätte sie gelacht. Sie hätte gefragt: „Du hast was?“ Sie hätte es für einen Witz gehalten. Aber er klang so ängstlich, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Sie atmete tief durch die Nase ein. Es war eines dieser Geständnisse, das man nicht in der Luft hängen lassen konnte. „Ist… ist doch okay“, sagte sie vorsichtig, „Oder?“ — „Daß ich mit einem Kleinkriminellen geknutscht habe? Frag’ mal Peter“, er schlug einen schärferen Ton an, aber immerhin schien er den ersten Schrecken verwunden zu haben. Kelly ließ es unkommentiert, und wurde konkreter, „Ich mein’ bloß, daß er dich nicht gewzungen hat. Hat er doch nicht, oder?“ 

Sie hörte ihn Luft holen. „Nein. Nein, hat er… ich wollte. Ich glaub’, ich wollte es“, murmelt er, und dann, hastig, bevor sie antworten konnte: „Versprich’ mir, daß du’s nicht weitersagst. Niemandem. Auch nicht Peter.“ — „Drei Ave Maria“, sagte sie gespielt feierlich, um die Spannung zu lösen. Er gluckste und stöhnte gleich auf vor Schmerz. „Katholisch bist nicht“, stellte er dann fest. „Nur auf dem Papier. Auf was schwört ihr denn? Eure unsterbliche Seele? Maria Magdalena?“ Er schnaubte, „Bring’ mich nicht zum Lachen. Das tut weh.“

Sie hätte ihn gerne in den Arm genommen und versprochen, daß es okay war und alles gut werden würde. Aber Bob konnte zynisch sein, launisch und bissig. Und vielleicht wollte er es einfach aussprechen. Wie eine Generalprobe, bevor er es seinen Eltern sagte. Oder Peter und Justus, oder Liz oder seinem Rattenschwanz an Freundinnen. Was auch immer es war. Ohne zu überlegen fragte sie: „Und bist du jetzt… ich meine, denkst du, du bist…?“ 

Er machte ein gequältes Geräusch. Seine Bettdecke raschelte. Er musste sie sich bis zum Mund hochgezogen haben, so gedämpft klang er, als er wieder zu sprechen begann. „Ich glaub’, ich… ich glaub’, ich steh’ nicht auf Frauen.“ Kelly beschloß, daß es unhöflich wäre, weiter nachzuhaken. Als würde sie hinterfragen, ob er denn wirklich wüsste, wer er war und was er wollte. Wie Onkel Desmond auf jeder Familienfeier abfällig den Kopf schüttelte, wenn Brian, von seinem Literaturstudium erzählte, und meinte, daß er der Kunst lieber in seiner Freizeit nachgehen sollte, und sich mit Wirtschaftswissenschaften bessere Chancen auf einen Job ergeben würden.  

Sie hätte gerne gewusst, woran man es merkte. Im Squad war es ein inoffizielles Aufnahmeritual, wenigstens einmal ein Mädchen zu küssen. Sie waren in einen Club in der Nähe von Santa Monica gegangen, in dem der Türsteher sie nach einer 50$-Note von Kit durchgewunken hatte, ohne länger auf ihre gefälschten Ausweise zu gucken. Aber es war nicht mehr als eine dumme Mutprobe. Meg hatte auf eine dunkelhaarige Frau an der Bar gezeigt, die einen Regenbogen-Button an der Jeansweste getragen hatte und Kelly hatte sich betrunken gestellt. Hinterher hatte es ihr leid getan, weil Vanessa so nett zu ihr gewesen war, und so perplex nach dem Kuss. Und Romantik war auch nicht aufgekommen. Wie auch, wenn man wusste, daß Kit oder eine ihrer Handlangerinnen die Kamera auf einen hielt. Aber manchmal, wenn sie sich mit Peter stritt oder sich die Zukunft vorstellte, war sie sich nicht sicher, wen sie später gerne in ihrem Leben hätte.

Um das Gespräch zu einem etwas munteren Abschluß zu führen, fiel ihr bloß ein: „Skinny Norris. Mann, Geschmack hast du wirklich nicht.“ 

„Hey“, setzte Bob empört zu einer Erwiderung an, aber Kelly unterbrach ihn: „Ich behalt’s für mich. Ich schwör’s auf Maria Magdalena.“

Notes:

hatte das buch gerade nicht zur hand, aber die drei ??? kreuzen definitiv bei kelly auf, bei dem fall. bin mir wegen der zeitfolge nicht sicher, aber definitiv hat bob mit skinny geknutscht.

(oh, und in meinem kopf-universum trennten sich bob und liz, weil liz ihm mit brenda weggelaufen ist. ich komme nicht aus, ohne darauf zu verweisen. ich werde liz mit allen canon-liebeleien von bob shippen <3)

 

der titel ist eine zeile aus girl afraid von the smiths.