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Eine sanfte Brise unterbrach den einsamer Yakshas Gedanken.
Xiao sass auf einem dicken Ast, sein Speer fest in seiner Hand, als er über das Land, das vor ihm erstreckte, wachte. Für ihn war es eine vertraute Route. Jeden Tag würde er dafür sorgen, dass die Leute, die hier lebten, sicher sind. Sollte ihr Leben in Gefahr kommen, würde er nicht zögern, sich in den Kampf zu stürzen.
Sein Blick fiel auf eine Gruppe junger Menschen, denen er begeistert zusah, wie sie Decken und Planen auf dem Boden ausbreiteten, um sich hinzusetzen. Sie hatten mehrere Körbe bei sich, aus welchen sie Essen und Getränke holten, um sie miteinander zu teilen.
Picknick.
Das Wort halte irgendwo in seinem Kopf, irgendwie auch vertraut. Er war nur einmal auf einem Picknick, aber das war schon mehrere tausend Jahre her. Auch die Person, die früher bei seiner Seite war, war nicht mehr hier.
Xiao biss seine Zähne zusammen, als er sich dazu brachte, diese Erinnerung zu verdrängen, und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Menschen, um sie weiter zu beobachten. Aus dieser Distanz konnte er ihre Gespräche nicht mitkriegen, aber was er nach ihrem Aussehen beurteilen konnte, konnte er annehmen, dass sie eine Gruppe von Schülern auf einer Reise waren. Da war auch ein älterer Mann, der etwas weiter weg von den anderen unter dem Schatten eines Baumes saß. Er nahm an, dass er Lehrer ist.
Sein Blick richtete sich dann auf ein junges Mädchen, das allein vom Picknickplatz weg ging. Ihr honigblondes Haar wurde zu einem Dutt hochgesteckt, ihre goldenen Augen waren auf die Blumen, die in der Nähe wachsen, fokussiert. Xiao beobachtete in Stille, als sie sich neben die Blüten hockte und ihre Fingerspitzen sanft über die Blütenblätter strichen.
Xiao war sofort angespannt, als er hörte, wie sie anfing zu summen, und es war nicht lange, bevor sie begann zu den Blumen zu singen. Ihre Stimme war leicht und lebendig, und Xiao konnte nicht anders als davon verzaubert zu sein.
Er konnte das Lied nicht erkennen, trotzdem ertappte er sich dabei, wie er mit summte. Er war so sehr auf ihre Stimme konzentriert, dass er die Welt um ihn herum ausblenden konnte. Alles was in diesem Moment zählte, war dieses mysteriöse Mädchen
Sie kam ihm bekannt vor, aber Xiao hatte Mühe, genau zu sagen, was das bedeutete. Nach seinem Wissen hatte er nie mit Sterblichen interagiert, geschweige denn mit jemandem, der ihr ähnelte… Oder?
Xiao wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er einen Schatten entdeckte, der in der Nähe lauerte. Es hockte im Schatten der Bäume und Büsche, seine Knopfaugen beobachtete das ahnungslose Mädchen, während sie weiter für die Blumen sang. Er stützte sich gegen den Baum, sein Speer bereit für den Anschlag, als er die Bewegungen des Monsters weiter beobachtete. Es schlängelte hin und her, fast so, als würde es seine Optionen abwägen.
Dann sprang es.
Xiao warf sich zwischen die Bestie und den unschuldigen Mädchen und schleuderte das Monster weg. Sie schrie laut auf und fiel zurück. Ihre goldenen Augen waren weit aufgerissen, ihre Brust hob sich, als sie versuchte, das Geschehen zu verarbeiten.
“Bleib zurück!” Zischte Xiao.
Er schaute nicht auf sie zurück, als er auf das Monster stürmte, und dabei mit einem einigermaßen großen Mitachurl kämpfte. Es benutzte einen kleinen Baum ohne Äste als Waffe, in seinen Augen leuchtete Verzweiflung. Das Monster war dünn und seine Knochen kräuselten unter der Haut bei jeder Bewegung.
Es knurrte leise, sein Blick flackerte zwischen dem Adepten vor ihm und seinem nächsten Opfer, das hinter ihm kauerte. Der Mitachurl schwang seine Waffe. Dagegen brachte Xiao seinen Speer auf, um den Angriff zu blockieren. Trotz der ausgehungerten, dünnen Statur des Monsters, war es ziemlich stark.
Xiao biss seine Zähne zusammen, als er zur Seite gestoßen und über die Blumenwiese geschleudert wurde. Er rappelte sich auf, und sein Atem blieb ihm im Hals stecken, als er sah, wie der Mitachurl das Mädchen packte. Sie schwenkte hilflos in seinem Griff, seine riesige Hand um ihre zarte Kehle.
“Lass sie los!”
Xiao war blitzschnell auf ihrer Seite, die scharfe Klinge von seiner Waffe traf das Handgelenk des Monsters. Es stieß einen erbärmlichen Schmerzensschrei aus als es das Mädchen losließ. Xiao fing sie mit seinem Anemo Kräften auf.
Diesmal mit Wut angetrieben, hielt er nicht zurück, als er ihm mit seinem Speer in den Bauch rammte. Die Bestie konnte nur kläglich jammern. Für einen Moment schwankte sie, bevor sie schließlich in die Blumenwiese fiel.
Langsam wandte er sich wieder zu dem Mädchen. Sie zitterte wie ein Blatt an einem windigen Tag, ihr Gesicht blass. Ihre Lippen bewegten sich, ohne Wörter zu formulieren. Er nahm an, dass es wahrscheinlich an dem Schock lag, doch bald würde jemand ihre Abwesenheit bemerken und sie finden, wenn sie nicht zurück zur Gruppe gehen würde.
“Sei vorsichtig,” murmelte er. Doch als er wegging, konnte er nicht anders als zu zögern, sie zurückzulassen. Ein Instinkt, lang vergessen, versuchte sich bemerkt zu machen. Jedoch verdrängte er dieses Gefühl.
Er hatte keinen Grund, sich bei Sterblichen einzumischen.
“Warte!”
Xiao blieb stehen.
“S-Sie… Haben mich gerettet.”
Der Griff um seine Waffe wurde fester, sein Arm zitterte vom Druck. Er nickte ihr kurz als Antwort zu.
“Vielen Dank.”
Xiao warf dem Mädchen einen kurzen Blick über seine Schulter zu. Da sie immer noch unter Schock stand, waren ihre Beine zu schwach, um ihren Körper zu stützen. Ihr ganzer Körper immer noch am Zittern, lächelte sie ihm zu und sprach-
“Ich–”
Aufregung aus der Weite machte ihn nervös. Die Abwesenheit des Mädchens wurde endlich bemerkt, und es würde nicht lange dauern, bis mehrere Leute auftauchen würden. Mit einem letzten Blick verschwand er aus der Sicht und hinterließ nur das zertrampelte Blumenfeld.
“Wie heißen Sie?” murmelte sie leise in die kühle Briese…
—
In der Ferne grollte Donner. Graue Wolken hingen tief am Himmel, die gelegentlich von Blitzen beleuchtet wurden. Lumine setzte sich auf ihre Knie und verschränkte die Arme auf dem Rücken der Sofalehne, während sie aus dem Fenster blickte.
“Hast du den Hund wieder rein gebracht?”
Lumine richtete sich auf und reckte den Hals, um über die Schulter zu ihrem jüngeren Bruder zu schauen. „Ja“, bestätigte sie. „Macht sich Mama wegen des Sturms heute Abend Sorgen?
Er kam, um neben ihr Platz zu nehmen, und beide schauten zusammen aus dem Fenster. “In den Nachrichten hieß das es zu einer Überschwemmung kommen könnte.” erzählte er ihr. “Mama dreht durch weil sie sich um den Garten sorgen macht”
“Hm…” summte Lumine in Gedanken. “Aether?”
“Was?”
Sie schaute zu ihm rüber und sah, wie seine blauen Augen neugierig zurückblickten. “Glaubst du mir?”
Er stöhnte und rollte seine Augen. “Ist das wegen dem Krieger Jungen, von dem du mir erzählt hast, der dich gerettet hat?” spottete er.
“Aber ich habe ihn wirklich gesehen!” Bestand sie. “Er ist aus dem Nichts aufgetaucht und hat dieses Monster getötet, um mich zu retten!”
“Na gut…” sagte er, seine Stimme voller Sarkasmus. “Und ich bin ein magischer Adept, der seit Tausenden Jahren lebt. Du solltest aufhören zu tagträumen, Schwesterchen."
Aether rutschte von der Couch und ging weg.
“Aber…” Ihre Stimme verstummte, als sie sah, wie er in die Küche ging und aus ihrer Sicht verschwand. Enttäuschung über kam sie, als sie weiter aus dem Fenster starrte.
Sie wusste genau, was sie an jenem Tag sah. In dem Moment, als sie fürchtete, dass ihr Leben in den Händen dieser riesigen, brutalen Bestie enden würde, hat er sie gerettet. Sie hatte keine Ahnung, wer er war oder was er ist, dennoch hatte er nicht gezögert, sein eigenes Leben zu riskieren, um ihr zu helfen.
Lumine stieß ein langes Seufzen aus.
Ihre Klassenkameraden waren überzeugt, dass sie sich das alles vorgestellt hatte. Auch die Lehrer versicherten ihr, dass keine Monster in Liyue kreuzen könnten. Besser gesagt: Es war unmöglich, dass sie von irgendwas angegriffen werden würde, weswegen sie erst gar nicht gerettet werden müsste.
Langsam fing sie an, ihren eigenen Verstand in Frage zu stellen.
“Lu! Kannst du den Müll rausbringen, bevor es anfängt zu regnen?”
Lumine unterdrückte ein bitteres Schnaufen, stand auf und streckte ihre Arme und Beine aus. „Klar“, rief sie zurück.
Sie schleppte den Müllsack durch die Hintertür und warf ihn in den Mülleimer neben der Wand. Für einen Moment blieb Lumine draußen, ihre Augen blickten über das Feld. Hohe Gräser sausten im frischen Wind, ein lauter Donnerschlag störte den ansonsten ruhigen Nachmittag. Als sie sich umdrehte, um wieder reinzugehen, erregte etwas in ihrem Augenwinkel ihre Aufmerksamkeit.
Versteckt im Feld war eine Gestalt, kaum sichtbar.
Lumine ging durch das Gras, bevor sie sich stoppen konnte, und suchte verzweifelt nach der Person. Sie machte sich Sorgen, dass die Person sich in diesen Sturm verirren könnte. Sie wollte diese Person zurückbringen, doch sie konnte niemanden finden.
Sie wirbelte herum und versuchte wieder zurück in ihr Haus zu gehen, aber der Wind wurde immer stärker und der Sturm schließlich ausbrach. Donner donnerte, als sie vom Regen getroffen wurde, ihre nackte Haut schmerzte bei der harten Berührung. Lumine war geblendet und kämpfte vergeblich. Angst und Panik stiegen in ihr auf, als ihre Brust sich hob und senkte.
Dann spürte sie, wie jemand ihre Hand hielt. Warm und einladend und sie konnte nicht anders, als sie fest zu drücken. Diese Hand zog sie sanft, und Lumine erlaubte es ihr selbst blind durch das Feld bis zu einem Unterschlupf in einem nahegelegenen Waldes zu führen. Sie wischte das Wasser von ihren Augen, unterdrückte das Zittern durch die Kälte, als sie endlich ihren Retter ansehen konnte.
Brillante bernsteinfarbene Augen. Tiefe obsidian Haare mit Strähnchen in blaugrün. Und eine anspruchslose kleine Statur.
“Sie sind es!” würgte sie heraus.
Er verzog das Gesicht und ließ ihre Hand los. „Warum bist du so herum gewandert?“ schnappte er.
Seine Stimme war tief, und trotz seines harten Tones klang er nur unzufrieden wegen ihrer Dummheit. Was sie fair fand. “Tut mir Leid.” flüsterte sie.
“Du wusstest doch, dass es stürmen wird. Du hättest wieder reingehen sollen.” schimpfte er.
Lumine musste ein Kichern zurückhalten. “Ich weiß noch nicht mal Ihren Namen, doch Sie schimpfen mit mir, als wäre ich ein Kind.”
Er verschränkte die Arme, die Augen geschlossen, als er sich etwas überlegte. “Wer ich bin, ist nicht wichtig.” wies er. “Und natürlich muss ich dich wie ein Kind ausschimpfen, du bist eins.”
Mit diesen Worten stampfte Lumine frustriert mit dem Fuss auf. Sie hielt ihre Hand über ihren Kopf, um zu signalisieren, dass sie ihre Größe maß. “Ich weiß, dass ich klein bin!” schnaufte sie ungeduldig. “Aber ich bin Erwachsen! Ich bin 19!”
“Trotzdem ein Kind.” besteht er.
“Sagt wer?” forderte sie auf. “Wie alt sollen Sie sein, wenn ich ein Kind bin?”
Seine Augenbraue zuckte verärgert, als er genervt zurück starrte. “Du... Wieso bist du so schwierig? Könnt ihr Sterblichen nicht einfach der Gefahr aus dem Weg gehen?”
“Sterblichen?” Wiederholt Lumine, verwirrt. "Warte, wenn Sie es so sagen… Sind Sie ein längst verlorener Unsterblicher? Ein Adept?”
“Natürlich nicht.” antwortete er.
Seine Antwort kam schneller raus als er es wollte. “Uh huh…” Summte sie. “Wieso haben Sie mich dann gerettet? Heute und damals.”
“Ich habe… Nur meinen job getan.” sagte er vage.
"Natürlich, wenn Sie herumgehen und Monster schlachten, die die Sicherheit von Menschen gefährden, würde es heißen, dass Sie zu den Millelithen gehörst?” Sie schaute über ihn hinweg und tippte nachdenklich auf ihr Kinn. “Aber Sie tragen ihre Uniformen nicht. Und die Waffe, die Sie damals benutzt haben, ist doch nicht das, was den Millelithen ausgehändigt wird.”
Lumine ging in einem kleinen Kreis um den seltsamen jungen Mann herum.
“Jetzt nochmal, bitte lügen Sie mich nicht an: Wer genau sind Sie?”
Er schaute weg, um ihren durchdringenden Blick zu vermeiden, und zögerte zu Antworten.
“Ich könnte raten,” entschied sie letztendlich. Mit einem selbstgefälligen Grinsen stellte sie sich wieder vor ihn, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. “Tatsächlich kam Ihr Name zu mir, als Sie mich das erste Mal gerettet haben."
Nervöse, bernsteinfarbene Augen blickten zu ihr auf.
“Xiao, oder?”
Der Name rollte ganz natürlich von ihrer Zunge. Auch wenn sie nicht wusste, wer dieser Mann war, hatte sie das Gefühl, ihn perfekt zu kennen. Seine Vorlieben, seine Abneigungen, die Leute, die ihm am Herzen lagen, und die es nicht taten. Es war so, als kannte sie ihn seit mehreren hundert Jahren, und gleichzeitig kannte sie ihn überhaupt nicht.
Ein bekannter Fremder.
“Und du bist… Lumine?” fragte er. Seine Stimme brach, sie klang schwach und müde. Als sie nickte, traten ihm Tränen in die Augen.
Sie stieß ein kleines ungläubiges Kichern aus, als sie ihre Hand ausstreckte und ihren Daumen über seine Wange streifte, um die heruntergefallenen Tränen wegzuwischen. “Das ist so dumm.” murmelte sie.
Xiao legte seine Hand auf ihre und lehnte sich in ihre Berührung. “Wie?” “Du bist gestorben… gestorben…”
“Ich habe keine Ahnung", gab sie zu. “Warst du … Einsam?”
Seine Wörter versagten, als er nickte, während sein Griff um sie verstärkte.
“Ehrlich gesagt, ich… Ich habe immer noch keine Ahnung, was los ist.” Lumine atmete schwer. „Aber… Das ändert nichts an meinen Gefühlen. Sie sagten mir, dass ich dich kenne. Nicht nur von diesen Begegnungen, sondern… Von vor langer Zeit.“
Xiao seufzte und blickte in ihre fragenden Augen. “Wenn du Antworten willst, dann gebe ich sie dir,” sagte er. “Aber im moment… Hättest du was dagegen, mir Gesellschaft zu leisten?”
Die Verzweiflung in seiner Stimme brach ihr Herz. “Wir haben noch Zeit bis dieser Sturm zu Ende geht.” sagte sie. “Und ich würde gerne etwas Wärme haben… Also kuscheln wäre—”
Sie quietschte vor Überraschung, als er sie umarmte und fast umwarf. Er half ihr, das Gleichgewicht zu halten, als sie die Geste erwiderte. Es fühlte sich richtig an, in seiner Umarmung zu sein. Ein Lächeln erschien auf Lumines Lippen, als sie ein Gefühl von Familiarität und Komfort überkam.
“Ich bin zurück…”
