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Die Elysischen Gefilde

Notes:

Diese Kurzgeschichte möchte ich AKrey177 widmen: Vielen Dank für Deine wunderbaren Geschichten über Julius Caesar und die Idee zu "The Historical Hit Squad", die mich zu diesem Treffen von Caesar und Kleopatra im Jenseits inspiriert hat.

Chapter 1: Wiedersehen im Elysium

Chapter Text

Voller Tatendrang hatte Caesar das Portal durchschritten und fand sich kurze Zeit darauf in einer nebeligen Landschaft wieder.
Als die Ebene vor ihm Gestalt annahm, formte sich vor ihm eine Art Tempel und darin standen zwei Bahren. Es handelte sich um goldene Betten, die mit Löwenbeinen und Köpfen verziert waren, deren Obsidianaugen fast lebendig funkelten. Das eigentlich Interessante waren jedoch nicht die Ritualbahren, sondern, die beiden Gestalten, die darauf lagen. Von dem Anblick wie magisch angezogen trat er durch die Säulen, die das Dach hielten und mit Efeu und Kletterrosen überwucherst waren. Schmetterlinge tanzten um die Säulen, und ließen das Bild noch unwirklicher erscheinen. Doch als er die dort aufgebarte Gestalt erreichte, erkannte er mit Erleichterung, dass sich ihre Brust leicht hob und senkte. Ihre schwarzumrandeten Augen waren geschlossen und zeichneten sich dunkel vor der goldenen Blässe ihres fein geschnittenen Gesichtes ab. Sie ruhte hier wie eine schlafende Göttin auf der Liege direkt vor ihm. Sachte beugte er sich vor und flüsterte ihren Namen. Doch sie rührte sich nicht, auch dann nicht, als er ihr durch die ebenholzfarbenen Locken strich und sie sanft rüttelte. Beherzt beugte er sich vor und küsste sie auf die blutroten Lippen. So hatte er sie schließlich früher auch oft wachbekommen.

Die Frau auf der Bahre regte sich tatsächlich und zu seinem Entzücken schlug sie die wunderschönen Augen auf. Caesar lächelte. „Schön, dich so schnell wiederzusehen, Kleopatra.“
Die Königin blinzelte. „Träume ich, oder bin ich tot?“ Ihre Stimme klang heiser und leicht außer Atem. Und obwohl sie hier so friedlich gelegen hatte, lag etwas Gehetztes in ihrem Blick und ein tiefer Schmerz.

„Ich fürchte, du bist tot, mein Liebes“, antwortete er möglichst sanft. „Das hier ist so eine Art Elysium. Aber du brauchst keine Angst haben, es ist ein eher friedlicher Ort. Und es ist schön, dich wieder bei mir zu haben.“

Zögernd streckte Kleopatra ihre Hand aus und berührte seine Wange, spürte der Wärme nach, die sie dort fühlte und sah ihn dann bestürzt an. „Caesar, du bist wirklich da! Ich… ich hätte dich so gebraucht.“ Ihre letzten Worte endeten in einem Schluchzen. Und Caesar, der aufgrund des Geschichtsbuches schon ahnte, wie die Dinge sich für sie entwickelt haben mussten, nahm sie tröstend in den Arm. Kleopatra schien ein paar Jahre älter zu sein, als bei ihrer letzten Begegnung, reifer und weiblicher, aber dennoch genauso zart und zerbrechlich, wie er sie in Erinnerung hatte. Und trotz ihrer verweinten Augen sah sie wunderschön aus. Seine göttliche Geliebte wieder im Arm zu halten, löste ein tiefes Glücksgefühl in ihm aus. Ihr Körper fühlte sich vertraut an und sie schmiegte sich so wunderbar an ihn. Er streichelte beruhigend über ihre nachtschwarzen langen Haare und flüsterte ihr zärtliche Worte zu, bis eine Bewegung auf der zweiten Bahre Caesars Aufmerksamkeit auf sich zog. Denn die Gestalt dort hatte angefangen, sich zu regen und war offensichtlich dabei aufzuwachen. Wie schade, aber Marcus Antonius hatte schon immer ein schlechtes Timing gehabt.
Auch Kleopatras Blick wanderte zu der zweiten Bahre und ihre tränennassen Augen weiteten sich bei Antonius‘ Anblick. Bisher hatte sie ihn nicht wahrgenommen, weil ihre ganze Aufmerksamkeit auf Caesar gerichtet gewesen war.

„Antonius“, hauchte sie, machte sich zu seinem Verdruss von Caesar los und eilte an die Seite ihres Ehemannes.