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„Möchtest du vielleicht nicht doch eine Tablette gegen Kopfschmerzen haben?”, fragte Donatelli und warf einen schnellen Blick auf den Beifahrersitz hinüber, bevor er ihn wieder konzentriert auf die Straße richtete, die im dichten Regen beinahe vor seinen Augen in der Dunkelheit verschwand.
„Nein”, kam die kurze Antwort in Form eines leisen Grummelns.
Donatelli lachte kurz.
„Also möchtest du einfach gerade schlechte Laune haben?”
„Ja.”
Cotta stieß demonstrativ die Luft durch die Nase aus und ließ sich noch etwas tiefer gegen das Polster seines Sitzes sinken. Die Arme hatte er vor der Brust verschränkt, die Augen geschlossen und den Sitz nach hinten gelehnt, fast so als wolle er ein kurzes Schläfchen im Auto halten. Dabei sah er jedoch alles andere als entspannt aus. Von Zeit zu Zeit lief ein Zittern durch seinen Körper und verteilte einen feinen Regen aus Wassertropfen auf seiner Umgebung. Trotz auf höchster Stufe eingeschalteter Heizung waren weder seine noch Donatellis Kleidung wirklich getrocknet.
„Bei dem Gedanken, dass die Fragezeichen vermutlich schon lange wieder in ihrer verdammten Zentrale sitzen und sich gegenseitig über ihren neusten gelösten Fall auf die Schulter klopfen, könnte ich mich jetzt aufregen. - Tue ich aber nicht.” Den letzten Teil presste Cotta zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Ich glaube, sie haben einfach nicht daran gedacht, dass so etwas bedeutet, dass wir immer viel länger bleiben und ihr Chaos wieder ausbügeln. Vor allem nachts im Regen. Das machen sie bestimmt nicht mit Absicht.”
Cotta schnaubte verächtlich.
Mit einem leichten Lächeln schüttelte Donatelli den Kopf und bog auf die Küstenstraße ein.
„Oh, stimmt ja. Du willst ja schlechte Laune haben.”
Die digitale Uhr im Auto zeigte kurz vor Mitternacht an, als der Regen endlich nachließ und das laute Prasseln auf der Windschutzscheibe verstummte. Cotta unterdrückte ein Gähnen, Donatelli ließ sich dennoch anstecken.
„Wie lange noch?”, kam die müde Frage vom Beifahrersitz.
„Wir haben gerade wieder unser Einsatzgebiet erreicht. Noch ungefähr eine halbe Stunde bis Rocky Beach.”
Cotta fluchte leise.
„Irgendwann wird mir eine gerechte Strafe für Samuel einfallen”, zischte er, doch brachte Donatelli damit nur zum Lachen.
Ein kurzes Vibrieren hallte durch den Wagen, gefolgt von einem Nachrichtenton. Kurz war es still, dann folgte eine ganze Reihe von Benachrichtigungen, alle aus Cottas Hosentasche.
„Und endlich wieder Empfang, wie schön. - Justus’ versprochene Details zum Fall?”, grinste Donatelli.
Cotta öffnete nicht einmal seine Augen. „Was immer es ist, es kann bis morgen warten. Ich sollte eigentlich gerade im Bett liegen.”
„Tja, ich auch. Und nun sitze ich hier und fahre uns - woah. Schau mal.”
Cottas Augen öffneten sich einen Spalt breit, dann lehnte er sich ein Stück vor, sah angestrengt auf die Straße vor ihnen.
In einiger Entfernung, dort, wo sich die Straße in einer weiten Kurve um die Klippen des Meeres schlang, blitzte das unverkennbare Blaulicht von Einsatzfahrzeugen zu ihnen herüber. Einer Menge Blaulicht.
„Scheiße, da muss irgendwas passiert sein”, schlussfolgerte Donatelli um die plötzlich angespannte Stille zu durchbrechen.
Je näher sie kamen, desto klarere Umrisse nahm die Szene vor ihnen an. Zwischen der Flut aus blinkenden Lichtern setzten sich die ersten Fahrzeuge ab und ein paar undeutliche, hin und her eilende Schatten. Zwei Polizeiwagen standen in einiger Entfernung vor den anderen, blockierten die Straße. Ein ganzes Stück hinter ihnen die Löschfahrzeuge der Feuerwehr und zwei Rettungswagen. Flutlichter waren in Richtung Meer gerichtet und tauchten die Nacht in ein grelles, künstliches Licht.
„Verkehrsunfall”, sagte Cotta, noch während er sich abschnallte.
„Tja, das war es mit unserer restlichen Nachtruhe”, murmelte Donatelli und kam vor den Fahrzeugen ihrer Kollegen zum Stehen.
Kurz wiesen sie sich aus, um ihre Hilfe anzubieten und in der kurzen Entfernung zwischen der Absperrung und der eigentlichen Unfallstelle hüllte sich eine unangenehme Stille über sie, lediglich durchschnitten von dem lauten Rauschen der Wellen, die sich an den Klippen brachen.
„Sieht nicht gut aus”, bemerkte Donatelli nur auf die ausbleibende Hektik, die sich vor ihnen immer deutlicher abzeichnete, je näher sie kamen.
Unter dem grellen Licht einer der Scheinwerfer stand gut sichtbar der Einsatzleiter der Feuerwehr und sprach mit ruhigen, aber deutlichen Gestikulationen auf die ihn umgebenden Polizisten und Feuerwehrmänner ein, erklärte ganz offenbar das weitere Vorgehen.
Die Rettungsfahrzeuge standen hinter ihnen, dunkel, mit offenen Türen - und ohne Patienten. Ein Rettungssanitäter schloss gerade die Hintertüren, dann rollte der Wagen langsam zurück in Richtung Rocky Beach.
Und obwohl eine Menge Personen von links nach rechts liefen, kurze Anweisungen zueinander murmelten oder Gerätschaften aus dem Weg schafften, fehlte ihnen die Dringlichkeit.
Cotta nickte nur.
Hier gab es augenscheinlich kein Leben mehr zu retten. Keinen Rausch mehr, schnell zu handeln, sondern nur noch geübte Handgriffe, den Einsatz schnell, sicher und möglichst ohne Komplikationen zum Ende zu bringen.
Sie gingen gerade an der kleinen Gruppe rund um den Einsatzleiter vorbei, der dabei war zu erklären, wie und wo sie am besten die Seilwinde und den Kran platzieren könnten, als sich der Unfallort hinter dem Feuerwehrwagen in ihr Blickfeld schob.
Im Bruchteil einer Sekunde schrumpfte Cottas Welt auf die Größe eines Stecknadelkopfes zusammen. Da existierte nur noch die durchbrochene Leitplanke und die schlammigen Spuren auf der Straße, die erst in den Gegenverkehr gerieten und dann dort endeten, wo das riesige Loch in der Leitplanke klaffte. Ein Teil der Kühlerhaube hatte sich um den Pfeiler geschlungen, abgetrennt von einer kaum vorstellbaren Kraft.
Vage hörte er die Rufe der Feuerwehrleute von unten, die die Bergung leiteten, obwohl sie nur wenige Meter von ihm entfernt standen. Das Blaulicht der Sirenen wischte mit einem Mal wie in Zeitlupe vor seinen Augen durch die Nacht.
Die rote Lackierung kam ihm schrecklich bekannt vor.
Zwei Schritte schaffte er noch, dann konnte er das Autowrack deutlich erkennen.
Es war bis zum Ende der Klippe gestürzt und auf dem Dach liegengeblieben wie eine eingedrückte Blechdose, die in zwei Teile gerissen worden war. Das Heck lag ein paar Meter weiter in den wütenden Wellen der Brandung. Um es herum wahllos geschleuderte Teile aus Metall und das, was einmal der Inhalt des Kofferraums gewesen war. Dazwischen verkohlte Reste, die ein gewaltiges Feuer hinterlassen haben musste.
Es war Peter Shaws MG.
„Nein, nein, nein, Cotta - stopp !”
Irgendwoher tauchte Goodween auf, stemmte sich mit seinem Gewicht gegen Cotta und drängte ihn an den Schultern wieder zurück, bis das Wrack aus seinem Blickfeld verschwand und er ihm mit Mühe ins Gesicht sehen musste.
Weit aufgerissene Augen starrten ihn an, baten ihn still darum, weiter zurückzugehen. Weiter, immer weiter, bis Cotta mit der Motorhaube eines Wagens kollidierte. Goodweens Hände klammerten sich in seine Schultern und mit einem Mal wurde Cotta klar, dass er der stummen Bitte nicht nachkommen wollte.
Er startete einen Versuch, sich gegen Goodween aufzulehnen, doch der drückte ihn vehement zurück.
„Cotta, halt. Hast du meine Nachrichten abgehört? Hör mir erst zu.”
Er dachte gar nicht erst daran.
Ihm blieb keine Zeit. Je mehr dort unten waren und halfen, desto besser - desto mehr…-
„Hör mir zu!”
Der Tonfall durchschnitt Cottas Panik für einen Moment. Wie ein Donnerschlag zuckte er durch das Rauschen in seinen Ohren und brachte all die Umgebungsgeräusche zurück, bis ihn die Geräuschkulisse beinahe überwältigte.
Goodween atmete tief durch, versuchte mit ruhiger Stimme zu sprechen, doch sie zitterte.
„Wir haben drei Personen soweit. Alle Ex.”
Nun zitterte nicht nur Goodweens Stimme. Auch seine Hände auf Cottas Schultern begannen zu beben. Alles schien mit einem Mal in Bewegung zu geraten. Die ganze Welt geriet in Schieflage, kippte einfach vor seinen Augen auf die Seite und riss ihm den Boden unter den Füßen weg.
Mit dem nächsten Atemzug verließ ihn jegliche Gegenwehr. Kraftlos sank er auf die Motorhaube, starrte auf das Loch in der Leitplanke.
Und alles, was ihm einfiel, war mit dem Kopf zu schütteln.
Immer und immer wieder.
Fahrig suchte seine Hand nach seinem Handy, schaffte es nach vier Versuchen, es zu entsperren und auf seine Nachrichten zu sehen. Es war nie eine Nachricht von Justus gekommen. Nicht eine einzige. Nur zahlreiche entgangene Anrufe, ungefähr eine Stunde, nachdem die Jungs losgefahren waren. Die meisten von Goodween. Einige von Devlin. Noch mehr von der Leitstelle.
Cotta sah unwillkürlich hoch, entdeckte Trevor bei Robert, in einer ähnlichen Position.
„Ihr seid heute Nacht gemeinsam Streife gefahren”, sagte Cotta leise, griff auf der Suche nach Halt nach Goodweens Hand auf seiner Schulter.
„Ja”, erwiderte Goodween gepresst, drehte seine Handfläche nach oben und schloss seine Finger um Cottas. Seine Hände waren eiskalt. Die Haare und Uniform vollkommen durchnässt, eine bodenlose Müdigkeit und ein mattes Schimmern in seinen Augen. „Wir waren zuerst hier.”
Der Tonfall in Goodweens Stimme sagte alles weitere. Die Hoffnungslosigkeit. Die Hilflosigkeit.
Cottas Kopf sank gegen Goodweens Schulter.
Regungslos starrte er auf den Asphalt, das Muster, das er unter der gelben Trennlinie so deutlich erkennen konnte. Unwillkürlich kehrte das Bild der Bremsspuren zu ihm zurück und er kniff die Augen zusammen.
„Scheiße”, wisperte er, merkte erst, dass er weinte, als Goodweens Arme sich um seinen Rücken schlossen.
Gemeinsam fuhr das Zittern durch ihre Körper, bis Cotta nicht mehr sagen konnte, ob es von seinem eigenen Schluchzen stammte oder ob Goodweens Körper langsam von der Kälte der Nacht und der Situation übermannt wurde.
Der Regen setzte wieder ein und verteilte sich in einem kalten Sprühen über Cottas Rücken.
Ein quälender Atemzug nach dem nächsten, bis seine Lunge nicht mehr brannte und er den ersten klaren Gedanken fassen konnte. Noch immer krallte er sich regelrecht an Goodweens Uniform fest, doch er schaffte es endlich wieder ihm ins Gesicht zu sehen.
„Ich muss da runter”, wisperte er.
Goodween sah ihn nur flehend an als hätte er voller Befürchtung darauf gewartet, dass Cotta es aussprechen würde.
„Goodween, ich muss da runter”, wiederholte Cotta eine Spur fester als Goodween keine Anstalten machte, sich zu bewegen. Vielleicht, weil Cotta bisher noch nicht die Kraft wiedergefunden hatte, aufzustehen.
„Cotta, ich fände es besser, wenn du-”
Eine weitere Hand legte sich auf Cottas Schulter. Erschrocken blickte er sich um und starrte in Roberts blasses Gesicht. Er hatte ihn nicht einmal kommen hören.
Langsam löste sich Cottas Hand aus Goodweens Uniform und legte sich für einen Moment auf Donatellis. Die Worte fehlten ihm zwar, doch er hoffte, dass er verstand, was ihm die Geste bedeutete.
„Goodween hat Recht”, sagte Robert sanft.
Natürlich hatte Goodween Recht. Verdammt, Cotta wusste es doch selbst. Aber er war noch nicht bereit aufzugeben. Entschlossen sah er zu den beiden auf, doch Robert schüttelte bereits den Kopf, bevor Cotta auch nur ein Wort gesagt hatte.
„Trevor ist runter. Er ist schon seit den ersten Bergungsversuchen da und hilft. Lass ihn das übernehmen, Cotta. Du weißt, dass er alles Menschenmögliche in Bewegung setzt im Moment.”
Und natürlich hatte auch Robert Recht. Trevor war wieder runter; eine helfende Hand, wenn sie benötigt wurde und von dem er wusste, dass er nicht still sitzen und zusehen konnte, wenn Kinder und Jugendliche im Spiel waren; nicht, wenn er selbst zwei Kinder hatte, die zuhause auf ihn warteten.
Ein weiterer, zitternder, aber tiefer Atemzug brachte Cotta endlich zurück in die Realität.
Er drückte noch einmal kurz Donatellis Hand, bevor er sowohl sie als auch Goodween losließ und seine Hände in den Schoß fallen ließ.
„Wenn sie den Wagen hochgeholt haben”, sagte Robert und seine Stimme begann zu zittern. Die Hand auf Cottas Schulter suchte plötzlich selbst nach Halt. „Gehen wir hin und nehmen sie in Empfang. ”
„Ja”, hörte Cotta sich seltsam entfernt echoen.
Es war das letzte, was sie eine ganze Weile lang sagten. Stumm starrten sie auf das Loch in der Leitplanke und obwohl die Stimmen der Feuerwehr deutlich vom Sturm zu ihnen herüber getragen wurden, konnte Cotta nicht wirklich einen Sinn aus ihnen machen. Der Regen prasselte laut auf die Autodächer um sie herum und das kalte Licht der Strahler tat nicht viel, um ihnen Wärme zu spenden.
Hin und wieder heulte der Motor der Seilwinde auf und ein schreckliches Kreischen von Metall wehte zu ihnen hinauf, wann immer das Wrack ein Stück weiter den Hang hinauf gezogen wurde, immer wieder unterbrochen von unerträglich langen Pausen, in denen erneut gesichert und beraten werden musste.
Je länger es jedoch dauerte, desto tauber fühlte sich Cotta. Ein gleichzeitig befreiendes wie auch erschreckendes Gefühl.
„Ich glaube, sie sind gleich oben.”
Dieses Mal ließen ihn Robert und Goodween ohne Widerworte aufstehen.
Der kurze Weg zu den Klippen kam ihm vor wie ein ganzes Leben. Mit jedem Schritt wurde es schwerer, einen weiteren zu tun, doch bevor sie die Leitplanke erreicht hatten, erschien Devlins Kopf an der Kante der Klippe. Atemlos zog er sich zurück auf die Straße, suchte eilig mit den Augen die Reihe der Umstehenden nach ihnen ab. In seiner Hast rutschte er beinahe auf seinen eigenen schlammigen Schuhen aus - und Cotta fragte sich mit einem Mal, warum Trevors Augen so unglaublich leuchteten.
„Sie sind es nicht.”
Der Satz ergab für ein paar schrecklich lange Momente keinen Sinn. Stattdessen zuckte Cottas Blick über Trevors mit Schlamm verkrustete Uniform, zurück zur durchbrochenen Leitplanke und auf das im Regen zuckende Licht des Löschfahrzeugs.
Er öffnete den Mund, doch außer einem leisen Keuchen kam nichts über seine Lippen.
„Cotta, es sind nicht die Jungs.”
Erst als Trevors Hand sich auf seine Schulter legte, fiel die Starre von Cotta ab.
„Was soll das heißen - es sind nicht die Jungs?”
„Vermutlich wurde das Fahrzeug gestohlen, ich meine…”, Trevor fluchte leise, fuhr sich über das Gesicht. „Es sind immer noch drei Personen Ex, aber es sind definitiv nicht Justus, Peter und Bob.”
Goodween lachte atemlos. Seine Hand legte sich zu Devlins auf Cottas Schulter, drückte fest zu. Der hatte noch immer nicht so recht zur Realität aufgeholt.
„100%?”, fragte er stattdessen und suchte in Trevors Blick nach auch nur dem kleinsten Anzeichen, dass es Zweifel an dem Ergebnis gab.
„100%”, verlor Trevor keine weitere Sekunde, um zu antworten.
Cotta wäre vermutlich auf der Stelle wieder in sich zusammengesunken, hätten ihn nicht drei seiner besten Freunde in diesem Moment gestützt.
Ein massives Gewicht schien sich mit einem Mal von ihm loszureißen und einfach davonzufliegen, raubte ihm auf ganz andere Weise als zuvor den Atem. Noch immer waren drei Personen gestorben, selbst die bodenlose Erleichterung konnte diesen Fakt nicht aus seinem Kopf vertreiben, aber für ein paar Augenblicke nahm sich Cotta die egoistische Freiheit, nur daran zu denken, dass es nicht seine Jungs waren, moralisch verwerflich oder nicht - es war ihm egal.
Robert schnaubte und schüttelte den Kopf.
„Deine Jungs, Cotta. Die können sich morgen auf was gefasst machen.”
Cotta wollte - vermutlich zum ersten Mal in seiner Laufbahn - die drei Fragezeichen in Schutz nehmen, als ihn jemand ganz anderes unterbrach.
„Nein, Sie verstehen nicht . Das ist Peters Wagen! Hier! Das ist sein Führerschein!”
Die Stimme würde er überall erkennen und selten hatte er sich so gefreut, den selbstsicheren Tonfall zu hören als jetzt.
Fieberhaft sah er sich um, bis er die Drei entdeckte. Er schob sich ungewollt grob zwischen einer Gruppe Feuerwehrleute hindurch, sah gerade noch, wie Justus seine Ankunft bemerkte, da hatte er ihn schon in eine Umarmung gezogen und drückte ihn an sich.
Justus gab ein überraschtes Geräusch von sich, startete einen schwachen Versuch, sich der Umarmung zu entziehen, bis Cotta leise fluchte.
„Ihr kommt alle mal her.”
Ohne auf Widerworte zu warten, zog er erst Peter, dann Bob zu sich. Tränen stachen ihm in den Augen, doch er konzentrierte sich auf das Heben und Senken, das er in ihren Rücken spüren konnte, die Wärme, die sie trotz ihrer durchnässten Kleidung ausstrahlten und das unsichere Lachen, das Peter von sich gab.
„Alles in Ordnung, Inspektor?”, nuschelte dieser gegen seine Schulter und Cotta ließ sie los, fuhr sich kurz über die Augen.
„Ist mit euch alles in Ordnung?”, fragte er anstatt zu antworten, sah genau in jedes ihrer Gesichter. Ohne einen Kratzer. Kein Dreck. Gesunde Gesichtsfarbe. Nur bodenlose Verwirrung.
„Mein Wagen”, begann Peter etwas kläglich, tat zwei Schritte an Cotta vorbei und wurde von ihm energisch zurückgerissen. Vielleicht etwas heftiger als Cotta gewollt hatte.
„Ihr geht da nicht runter.”
Bob sah kritisch an Cotta vorbei.
„Aber all unsere Sachen sind da... - unsere Handys-”
„Ist alles ein Totalschaden. - Egal. Euch geht es gut. Das ist alles, was zählt.”
„Ja, aber-”, begann Justus.
Langsam rollte ein Bestattungswagen neben ihnen aus und Justus schloss den Mund wieder, sah stattdessen zu Cotta.
„Ihr geht da nicht runter. Nicht bevor ich es sage.”
Bob fluchte. Er war vollkommen weiß im Gesicht geworden.
„Die Drei, die uns den Wagen...”
Cotta antwortete nicht sofort. Schließlich seufzte er.
„Kommt, wir gehen ein Stück zur Seite und reden drüber. Lassen wir die anderen ihre Arbeit machen. Ihr wärmt euch jetzt erstmal bei uns im Wagen auf.”
Sie kamen keine drei Meter weit, bevor Trevor, Robert und Goodween ihnen überglücklich entgegeneilten.
