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Category:
Fandom:
Relationships:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2024-05-08
Completed:
2025-09-17
Words:
36,168
Chapters:
17/17
Comments:
131
Kudos:
204
Bookmarks:
4
Hits:
3,632

Nolin Oneshots

Summary:

Eine Sammlung von kleineren Nolin Geschichten, die mir so in den Kopf kommen

Chapter 1: Mehr als tausend Worte

Summary:

Wir befinden uns nach Noahs Gespräch mit Karl. Er erinnert sich an die vielen Fotos, die er aus dem letzten Schuljahr noch immer hat und macht eine kleine Reise in die Erinnerungen.

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

POV Noah

Noah sah Karl dabei zu, wie er den Raum verließ. Irgendwie war der Betrieb in dem kleinen Zimmer in letzter Zeit eindeutig zu geschäftig geworden. Gut, Nicht-Colin wohnte eben hier, da war nichts dran zu rütteln, aber auch so generell war er oft konfrontiert damit, dass die Ruhe durch Andere gestört wurde. Ava war das Eine, über ihre Besuche freute Noah sich, denn er hatte das Gefühl in ihr eine Vertrauensperson zu haben. Vermutlich waren sie sogar Freunde, wenn er so drüber nachdachte. Aber auf den Rest hätte er durchaus verzichten können und er war damit nicht allein.

Es war so schlimm, dass Joel begonnen hatte, teilweise den ganzen Tag, zu verschwinden. Noah wusste nicht mal wo er sich aufhielt. Dabei machte er sich die ganze Arbeit für die Pastinade-Werbung und konnte nur hoffen, dass sein Zimmernachbar nicht am Ende noch 100 weitere Ideen und Änderungswünsche hatte, natürlich sobald Alles weggeräumt war.

Er setzte sich auf den Stuhl und machte sicherheitshalber noch ein paar Aufnahmen von dem Zombiegesicht und der Flasche, aber gedanklich steckte er noch im vorherigen Gespräch mit Karl. „Hab seit letzten Sommer meine Kamera nicht groß in der Hand gehabt“, das waren seine eigenen Worte gewesen. Mit einem Seufzen sank er im Stuhl zurück und rieb sich über das Gesicht. „Tja, woran liegt das wohl Noah?“, murmelte er zu sich selbst.

„Woran liegt was?“, kam dann eine Stimme von hinter ihm und Noah zuckte zusammen. Joel tauchte links hinter ihm auf und betrachtete die blutige Szenerie auf dem Schreibtisch.
„Hast du Probleme mit der Werbung? Brauchst du noch mehr Flaschen? Soll ich doch Model stehen?“, fragte der Brillenträger ihn. Aber Noah schüttelte nur den Kopf „Nee, lass mal. Ich hab alle Aufnahmen, die ich brauche. Und ich glaube das Zombie-Gesicht verkauft mehr als deins“.
- „Ouch, das ist eine gemeine Unterstellung“

Als Noah nicht noch Etwas erwiderte, betrachtete Joel ihn skeptisch. Er starrte ins Nirgendwo und schien in Gedanken versunken, deshalb setzte Joel sich auf den anderen Stuhl und musterte den Blonden. „Alles gut bei dir?“, fragte er nach einigen Momenten Stille schließlich, doch Noah seufzte nur. „Muss ja“, meinte er mit einem Schulterzucken und machte sich daran, die Spuren des Pastinade-Blutbads auf dem Tisch zu beseitigen. Mittlerweile hatte Joel gemerkt, dass man ihn nicht wirklich zum Reden kriegen konnte, wenn er es nicht wollte, daher half er ihm nur und nach einer Weile unterhielten sie sich über das Werbeplakat und bastelten sogar gemeinsam an dem Design, bis es Zeit war ins Bett zu gehen.

Joel lag bereits im Bett und schlief, wie jeden Abend, fast sofort ein. Auch Nicht-Colin war zurückgekehrt von ihrer Schnitzeljagd oder was sie da betrieben und hatte sich sofort hingelegt und zur Wand gedreht. Nur Noah war noch wach. Er saß, mit dem Tablet an die Beine gelehnt in seinem Bett und grübelte.

Wie von allein navigierte er auf die SD-Karte, welche er aus der Kamera gezogen hatte. Die Ordner der Tage vom letzten Schuljahr waren noch alle da. Ganz am Anfang das Bild von Freddy, welches er als Alibi noch bei seinen Eltern geschossen hatte, um es glaubhaft erscheinen zu lassen, dass er sich von seinem Vierbeiner verabschiedet hatte. Wenn man den Hund zumindest ein Bisschen kannte, dann sah man schon auf dem Foto, dass er nicht traurig war. Er hätte es gespürt, wenn Noah ihn wirklich verlassen hätte, war aber seelenruhig gewesen. Allerdings hatte Noahs Mutter sich nie ausreichend mit dem Tier beschäftigt und so sämtliche Signale übersehen.

Darauf folgten einige Aufnahmen aus dem Wald, die Noah zu verschiedenen Tageszeigten gemacht hatte, wann immer er sich dort aufhielt. Sie waren weder besonders künstlerisch, noch kreativ. Er hatte manchmal einfach eine hübsche Szene gesehen, ein umgekippter Baum, an dem Moos wucherte oder durch das Blätterdach brechende Sonnenstrahlen, die ein besonderes Licht auf die Umgebung warfen. Auch hier war Freddy teilweise von der Partie, der ihn natürlich immer begleitet hatte, der aber oft eigene Dinge zu tun hatte. So im Nachhinein betrachtet war es eine echt blöde Idee diese Beweise fotografiert zu haben, als noch keiner von seinem Geheimnis gewusst hatte.

Noah wechselte zum nächsten Foto und es traf ihn wie ein Schlag. Im Fokus war Freddy, der gerade einen Stock zwischen den Zähnen hatte. Diesen übergab er allerdings an eine Hand. Auch ohne den ledernen Jackenärmel hätte Noah sofort gewusst, wessen Arm da nach dem Holz griff.

„Wenn er dir vertraut kommt er immer wieder zurück“.

Im folgenden Bild war er dann fast komplett zu sehen. Freddy hatte den Stock losgelassen und sprang vor Colin nach oben, um seine Trophäe zurück zu bekommen, aber der hatte den Stock zu hoch gehoben und lächelte den schwarzen Hund an. Das Licht warf Sprenkel überall über die Beiden.

Eigentlich wusste Noah auch genau welches Foto folgen würde, er hatte es damals Colin gezeigt und dieser hatte es sogar eine Zeit als Profilbild verwendet. Eine nähere Aufnahme von seinem Gesicht, einen Moment nach dem vorherigen Foto. Allerdings konnte man hier sein Lächeln besser sehen. Und die Grübchen, die sich dadurch gebildet hatten. Und das Funkeln in den Augen, dass Noah in diesem Moment auch wieder in seinen Bann gezogen hatte.

Ein Stich durchfuhr ihn bei dem Anblick, so stark, dass er selbst überrascht war. Damals hatte er das Foto gemacht, ohne groß nachzudenken. Colin hatte in diesem Moment irgendwie gestrahlt und es war einfach passiert. Er betrachtete den Jungen eine Zeit, bis er es nicht mehr ertragen konnte.

Im nächsten Ordner fand er drei Bilder von Colin und Joel, wie sie den 4D-Sessel für die Präsentation aufstellten.

„Den Film hat Noah gemacht“.

Damals hatte Colin so stolz gewirkt. Auf den Sessel, auf sich selbst und irgendwie auch auf Noah. Er hatte praktisch den ganzen Tag gelächelt und Jedem, der ihn sehen wollte, den Film gezeigt. Vielleicht auch Einigen, die es nicht wollten. Zumindest konnte Noah da mal was richtig machen.

Weiter durch das Jahr fand er die Aufnahmen vom Casting-Tag. Zu dieser Zeit waren sie unzertrennlich gewesen. Und auch hier tauchte Colin auf. Das erste Testbild, ob der Bildausschnitt passte, war der Lockenkopf, der mit einer albernen Pose mitten im Raum stand. An diesem Tag war Noah zeitweise wirklich frustriert gewesen, aber Colin war nicht von seiner gewichen. Er hatte mit seiner ruhigen Art und den Scherzen zwischendurch dafür gesorgt, dass er nicht verrückt wurde.

Dann eine Probe, gemeinsam mit Julia. Sie hatten nicht wirklich viel vom Skript geschafft, sondern viel mehr herumgealbert. Das Foto zeigte Colin, wie er hinter Julia herschlurfte wie ein Zombie. Dieses Bild entlockte Noah ein Lächeln. Auch dieser Tag war echt schön gewesen und sie hatten eine tolle Zeit verbracht. Noah realisierte in diesem Moment, wie viele seiner schönsten Tage am Einstein mit Colin gewesen waren. Eigentlich so ziemlich alle.

Dann der letzte Ordner. Ein paar Fotos vom Set im Klassenzimmer, kurz nachdem Noah es aufgebaut hatte. Und da war er wieder: Colin, der zur Tür rein kam. Es waren sogar mehrere Fotos, wie ein kleiner Film, der seine Bewegungsabfolge zeigte. Er kam rein. Bemerkte die Kamera, guckte überrascht und grinste Noah dann an. An diesem Punkt hatten sie noch auf die Anderen gewartet, um den Dreh starten zu können.

„Ich häng halt gern mit dir ab“.
- „Ich auch mit dir“

Er konnte nicht verhindern, dass er an den Kuss zurück dachte. Colins Augen auf dem letzten Foto ließen es nicht anders zu. Kurz vorher hatten sie sich auch angelächelt. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass er Colins Blick auf seinen Mund bemerkt hatte, aber er hatte sich immer eingeredet sich zu irren. Aber er hatte sich nicht geirrt. Und dann hatte er plötzlich Colins Lippen auf seinen gespürt. Und auch in diesem Moment kam es ihm vor, als würde sein Mund noch kribbeln.

Und dort endete seine Reise durch die Erinnerungen, zumindest die Momente mit Fotos. Denn Noah spürte nun die Tränen, die langsam seine Wange runterliefen und er erinnerte sich an all die weiteren Augenblicke mit Colin. Und an die Fehler, die er gemacht hatte. Er erinnerte sich, wie er aus Panik und Überraschung nach dem Kuss geflohen war. Wie er voller Überzeugung gesagt hatte, dass er nicht in Colin verliebt sei, als der seine Hand nehmen wollte. Dabei war Noah sich absolut nicht so sicher gewesen, ob er das nicht war.

Er bereute, dass er Colin auf sein Geständnis nicht geantwortet hatte. Zumindest irgendwie. Niemals hatte er ihm weh tun wollen. Aber diese ganzen Gefühle waren zu groß gewesen und er konnte sie nicht zuordnen. Hatte sie nicht zuordnen wollen, wenn er ganz ehrlich war.

Aber am Schlimmsten war es für ihn, wenn er an all die Dinge dachte, die er zu Colin gesagt hatte,bevor er gegangen war. Dass er ihn angeschrien hatte würde er sich vermutlich selbst nie verzeihen. Und Colin würde das bestimmt auch nicht. Noah könnte es ihm nicht verübeln.

Am Ende schaute er sich das erste Foto von Colin im Wald wieder an. Er vermisste ihn wirklich. Selbst das Hemd, welches er im Laufe seiner Erinnerungsreise auch hervorgeholt hatte, half an diesem Tag nicht, das Gefühl der Einsamkeit zu mindern.

Nach einer beinah schlaflosen Nacht war er so aufgekratzt, dass er einfach liegen blieb, bis zum Mittag, er war erleichtert, dass Samstag war. Joel hatte nach seinem morgendlichen Yoga das Zimmer verlassen und auch Nicht-Colin war irgendwann verschwunden. Noah hatte kurz vor dem Einschlafen einen Entschluss gefasst und nicht vergessen. Und jetzt erinnerte er sich immernoch daran. Und überraschenderweise kam es ihm nicht verrückt vor.

Colin fehlte ihm so sehr, selbst wenn er die Chance auf eine richtige Freundschaft oder sogar mehr vermutlich ruiniert hatte, wollte er sich zumindest richtig verabschieden. Nachdem er sich fertig gemacht und eine Mahlzeit zu sich genommen hatte, begann er mit seinem Projekt. Danach musste er bloß Joel überzeugen ihm zu helfen.

 

Zwei Wochen später, Noah ging im Zimmer auf und ab und wartete. Seine Hände waren schwitzig und sein Herz raste. Die Tür ging auf und er zuckte zusammen, aber es war Nicht-Colin, die ihren Rucksack holte. Er blickte hinter sich auf den Tisch, wo das gebundene Buch lag, an dem er mehrere Tage gesessen hatte. Obendrauf lag ein gefalteter Zettel, auf dem „Colin“ stand. Das war vielleicht seine letzte Chance, das wollte er nicht ruinieren.

Bevor er in stärker ins Grübeln geraten konnte kam Joel herein und bedeutete ihm, den Raum zu verlassen.

 

POV Colin

Der braunhaarige Junge fühlte sich seltsam zurück am Einstein, aber es war auch schön, die vielen bekannten Gesichter zu sehen. Joel hatte gesagt, dass er schon vorgehen würde, während Colin die anderen Schüler:innen begrüßte. Es wurden viele liebe Worte und Umarmungen ausgetauscht.

Nach einer Weile des Trubels ging er aber nach oben, um erstmal anzukommen. Frau Schiller hatte ihm natürlich ein Gästezimmer zugewiesen, aber er wollte auch zurück zu Joel. Ihm wurde mulmig, als er über den Flur ging, denn er wusste nicht, ob er gleich auf Noah treffen würde oder nicht. Da er Joel nicht gefragt hatte, hatte der ihm dazu natürlich nichts gesagt.

Als er das Zimmer betrat fiel sein erster Blick auf Noahs Bett, doch es war leer. Einatmen. Ausatmen. „Joel?“, fragte Colin in den Raum, bekam aber keine Antwort. Er sah sein altes Bett, auf dem eine Strickdecke lag und das von den persönlichen Gegenständen einer anderen Person umegeben war.

Und dann entdeckte er einen Zettel auf dem Schreibtisch, auf dem sein Name stand. Die Handschrift war ihm vertraut und er wurde schlagartig nervös. Auf wackligen Beinen näherte er sich dem Tisch. Unter dem Zettel lag ein schwarz-weiß gemustertes Notizbuch, aber seine Aufmerksamkeit war zunächst bei dem, was sich schnell als Brief entpuppte.

Colin,
das hier ist vielleicht der 30ste Versuch, mich anständig auszudrücken. Du weißt ich bin wirklich scheiße mit Worten, aber ich versuche mein Bestes.
Bevor ich weiter aushole möchte ich dir sagen, dass es mir leid tut. Einfach alles. Am meisten wie unfair ich zu dir war und dass ich dich nicht so anschreien wollte. Und auch, dass ich dir nicht geantwortet habe und na ja ich meinte ja schon einfach alles.
Ich weiß, dass ich dich sehr verletzt habe, obwohl ich das nie wollte. Mir war nur selbst nicht klar was ich will und was ich fühle und dann habe ich alles getan, damit ich nicht drüber nachdenken muss.
Aber als du weg warst, da habe ich angefangen nachzudenken. Ich habe nurnoch an dich gedacht und dich die ganze Zeit vermisst. Es ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht bereut habe so ein Arsch zu sein.
Vor ein paar Tagen habe ich mich an dieses Album gesetzt, weil es vermutlich besser ausdrücken kann, wie viel du mir bedeutest, als ich es mit Worten könnte.

Dein Noah

Colins Hände zitterten und ihm liefen Tränen über die Wangen. Er musste schlucken, bevor er es schaffte das Notizbuch aufzuschlagen. Auf der ersten Seite fand er ein Bild von sich mit Freddy, der an ihm hoch sprang, um einen Stock zu erreichen. Links davon stand im Einband „Das Wichtigste auf der Welt“ und darunter „von Noah Temel“. Es fiel ihm schwer weiter zu blättern, weil ihm die Seiten wegrutschten, aber er schaffte es und fand die beiden Kinokarten zu Rise of hell, welche er Noah zur Versöhnung geschenkt hatte. Daneben ein Foto, dass sie beide vor dem Eingang gemeinsam gemacht hatten. Auch Colin hatte dieses Bild aufgehoben, obwohl Julia ihm mehrfach geraten hatte es zu löschen.

Es folgte ein Bild von Colin und Joel bei der Präsentation des 4D-Sessels. Von Colin auf dem Foto ging eine gemalte Sprechblase aus, die allen erzählte „Den Film hat Noah (für mich) gemacht“. Natürlich, damals war er so stolz gewesen. Dass Noah für ihr Projekt extra einen eigenen Film gemacht hatte, das berührte ihn zutiefst. Auch ein kleineres Foto, das vermutlich von der Schule aus gemacht wurde, klebte dabei und zeigte Colin, Joel und Noah, auf ihren Hockern sitzend, vertieft in ein Gespräch.

Allen Seiten hatten kleine Zeichnungen, manchmal nur eine Wolke oder ein Stern, aber diesmal entdeckte er beim Umblättern eine ganze Seite, die einen Vampir zeigte, der in der Dunkelheit saß, aber seine Hand nach der Sonne ausstreckte.

„Stell dir vor, ein Vampir der es satt hat. Jahrhunderte lang wird er von der Liebe enttäuscht und jetzt will er sich an Allen rächen, die gerade verliebt sind“.

„Lass mich mit der Liebe einfach in Ruhe“.

Diese Worte hatten Colin damals mehr verletzt, als er in dem Moment zugegeben hatte. Ihm war deutlich geworden, dass sein anfänglicher Optimismus vielleicht nicht ausreichen würde. Aber die Zeichnung strahlte auch noch etwas anderes aus. Der Vampir wollte in die Sonne, auch wenn es gefährlich für ihn sein könnte.

Auf der nächsten Seite waren einige Fotos aus der Zeit, als sie den zweiten Film hatten drehen wollen. Colin vor dem Casting, einmal gemeinsam mit Julia, ein Foto von Noah mit dem Film Make up, er rieb sich die Schläfen, lächelte aber, während Colin etwas zu ihm sagte. Eine Bildreihe von Colin am Set im Klassenzimmer, wie er hereinkam und erst überrascht in die Kamera blickt, dann aber grinst. Noah hatte ihn mit „Und da ist der MVP der Produktion“ begrüßt. Allerdings wusste Colin auch was nach diesen Aufnahmen passiert war. Er blätterte um und erwartete eigentlich, dass dies das Ende war.

Stattdessen fand er ein weiteres Foto, das irgendwann vor dem fehlgeschlagenen Dreh entstanden war. Der Lockenkopf hatte keine Ahnung, wer das Foto gemacht hatte. Vielleicht Joel oder Ava. Es zeigte Noah und ihn, draußen auf der Skaterampe sitzend, Schulter an Schulter. Sie lachten sich an und Colins Herz zog sich zusammen. Noah strahlte. Er spürte weitere Tränen seine Wange runter laufen.

Auf der nächsten Seite war eine Nahaufnahme von Freddy mit seiner Hand, die den Stock hielt, gefolgt von dem Portrait, das Noah von Colin gemacht hatte. Er konnte sich gut an das Foto erinnern, denn er hatte es lange als Profilbild benutzt und dafür viele Komplimente bekommen. Darunter standen nur zwei Wörter. „Du leuchtest“, daneben ein kleines Herz.

Bis zu diesem Punkt hatte er sich zusammengerissen, aber jetzt schluchzte Colin doch auf. Er hatte gerade festgestellt, dass das wirklich das Ende des Buches war, als er ein Räuspern wahrnehmen konnte. Im ersten Moment zuckte er zusammen, aber dann drehte er den Kopf und blickte in blaue Augen. Augen in denen es ebenfalls glitzerte.

„Noah“, es kam wie ein Flüstern über seine Lippen, aber doch laut genug.

 

POV Noah

Colins verweintes Gesicht versetzte Noah einen Stich. Er konnte nur hoffen, dass die Tränen vielleicht nicht nur traurig waren. Er hatte versucht seine ganzen Gefühle in dieses Buch zu verpacken, aber wusste natürlich nicht, ob es reichen würde.

„H-hey, ich... ehm. Fuck, tut mir leid, ich...“, setzte er an und fühlte sich plötzlich wie festgewachsen. Colin liefen noch immer die Tränen und Noah hob ohne nachzudenken die Hand, um sie fortzuwischen. Der Lockenkopf war überrascht starr geworden und Noah wollte seinen Arm schon wieder sinken lassen, entschied sich aber dagegen. „Darf ich?“, fragte er dennoch vorsichtig und Colin nickte.

Während er dem anderen Jungen vorsichtig die Tränen wegwischte, fand er seine Stimme wieder „Also, du- du hast ja alles gelesen, hoffe ich mal. Ich möchte dir trotzdem nochmal sagen wie leid es mir tut. Es tut mir unendlich leid. Und ich war wirklich ein Idiot... und bin vor meinen Gefühlen weggelaufen. Vielleicht...vielleicht hab ich dich angelogen, also als du meine Hand nehmen wolltest. Aber es war nicht mit Absicht...versprochen. So richtig klar geworden ist mir das erst viel zu spät. Und ich kann verstehen, wenn du... wenn du mich nicht mehr willst oder vielleicht auch jemand Besseren hast oder- Also... ich wollt nur, dass dus weißt.“
- „Noah, ich verzeihe dir. Hab ich schon längst“.
„Einfach so? Du bist wirklich der liebste Mensch auf der Welt. Bist du...dir sicher?“
- „Ja bin ich“.

Obwohl Colin noch immer weinte zogen sich seine Mundwinkel nach oben und auch Noah, dem ebenfalls irgendwann die Tränen gekommen waren, lächelte. Dann legte er seine Hände an Colins Wangen.
„Darf ich also...“, Noah lief noch röter an, als er es sowieso bereits war und blickte von Colins Augen zu seinem Mund und wieder zurück.
Allerdings hatte der bereits ein schelmisches Funkeln in den Augen, er würde es ihm nicht leicht machen.
„Darfst du was, Noah?“, fragte er und dem Blonden lief ein wohliger Schauer über den Rücken, als er seinen Namen so von ihm hörte. Dann nahm er seinen Mut zusammen „Darf ich dich küssen?“. Und diesmal zog Colin ihn nicht weiter auf, sondern hauchte leise „Ja“. Sobald sich Noah näherte schloss er die Augen und fand endlich seine Bewegungen wieder, griff dem Anderen an die Schulter und zog ihn dabei schneller zu sich, allerdings sanft, um ihm die Zeit zu geben und damit es von Noah ausging.

Ihre Lippen trafen sich und dann löste sich der Rest der Welt auf. All die Ängst und Probleme, die sie bis zu diesem Punkt durchgemacht hatten, fielen von ihnen ab und ließen nur Platz für das Glück und die Freude und all die gigantischen Gefühle.

Noah dachte so bei sich, dass er das schon viel früher getan hätte, wenn er gewusst hätte, dass es sich so gut anfühlen würde. Colins Geruch umgab ihn wie eine Wolke, auch als sich ihre Lippen wieder voneinander lösten und sich eine Weile einfach nur schweigend in den Armen hielten. Die Wärme, die er spürte und das Herzrasen waren sehr gewöhnungsbedürftig, aber es gefiel ihm irgendwie.

Als er die Augen öffnete und Colin ansah, da fühle er sich, als würde er in die Sonne blicken. Die Zukunft war noch nicht ganz gewiss, aber zumindest der wichtigste Schritt war getan und alles Weitere würde sich klären, davon war er überzeugt. Aber nicht jetzt. Jetzt wollte er nur diesen Moment genießen und lehnte sich vor, um Colin noch einmal zu küssen.

 

Weder Colin noch Noah hörten das Auslösegeräusch der Kamera. Mit einem triumphierenden Grinsen dachte sich Joel „Für das Fotoalbum“ und schloss so leise wie möglich die Tür.

Notes:

Hoffentlich hat Euch der kleine Oneshot gefallen. Mir hat er viel Freude bereitet! Und ich verspreche trotzdem, dass meine große Fic baldigst geupdated wird. Das hier musste aber einfach geschrieben werden!