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Dort stand sie in ihrem wunderschönen Kleid, welches Sie nur für diesen Anlass angelegt hatte. Sie schien ganz mit sich im Reinen zu sein, als sie die Klippe der Aureum-Wasserfälle hinaufgestiegen war und nun die herrliche Aussicht genoss. Dohalim war dieses eine Mal froh gewesen, dass sie seine Hilfe bezüglich der Kleiderwahl angenommen hatte. Denn sie sah umwerfend aus.
Schließlich gingen sie nicht jeden Tag auf eine Hochzeit und sein wohltrainiertes Auge und unfehlbarer Geschmack hatten ihm wie immer gute Dienste geleistet. Er wusste instinktiv welches Kleid ihr am besten stehen würde und so war es ein Kinderspiel, der begabtesten Schneiderin in Viscint seine Vorstellungen mitzuteilen, damit diese dann seine Vision in einen Traum aus fließendem Stoff verwandeln konnte. Schließlich sollte sich Kisara heute Abend nicht wie eine Wächterin fühlen, sondern ganz als die bemerkenswerte Frau, die sie nun einmal war.
Als er sie heute am frühen Nachmittag sah, stockte ihm der Atem, da die Realität noch viel beeindruckender war, als er sich in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können. Kisara hatte sich ihre Haare zu einem Zopf geflochten, welchen Sie über ihrer Schulter fallen ließ. Passend dazu hatte sie sich an die andere Seite eine schillernde rote Blume hinter ihr Ohr gesteck, welche den Farbton ihres Kleides perfekt getroffen hatte. Dieses war oben eng geschnitten und unten weit ausladend, sodass es unglaublich elegant wirkte.
Dohalim hatte selbst seine edelste Robe in Rot- und Schwarztönen angelegt und somit passten die beiden optisch perfekt zusammen.
“Du siehst umwerfend aus, Kisara!” Er reichte ihr seinen Arm, welchen sie dankbar ergriff und sich bei ihm einzuhaken.
“Dankeschön, Do.” Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln und wieder einmal stellte er fest, dass er sich noch daran gewöhnen musste, dass ihn Kisara so nannte. Jedoch fühlte er sich auch noch mehr zu ihr hingezogen, jedes Mal, wenn sie es tat.
Sie war ihm so nahe und er nutzte diese Gelegenheit, um ihr einen leichten Kuss auf die Stirn zu geben. Sie warfen sich einen Blick zu und setzten sich anschließend in Bewegung, da sie sonst viel zu spät kommen würden. Später würde bestimmt noch genug Zeit für gewisse Dinge bleiben.
In diesem Moment war er so froh gewesen, dass sie auf Daeq Faezol endlich alles hatten klären können und schließlich die natürliche und in der Vergangenheit bestandene Distanz zwischen ihnen hinter sich gelassen hatten. Wäre Law nicht in diesem Moment hereingeplatzt, hätte er sie auf der Stelle zu sich gezogen und seinen Gefühlen freien Lauf gelassen.
Kisara war wichtig für ihn. Und er sah die bevorstehenden Hochzeit von Nottio und Cagari als eine willkommene Abwechslung an. Schließlich war dies ihre erste Veranstaltung, an der die beiden als Paar teilnehmen konnten.
Heute konnten sie einmal nur Dohalim und Kisara sein. Zwei Menschen, die trotz der mannigfaltigen Hindernisse auf ihrem Weg dennoch zueinander gefunden hatten. Kein Lord und keine Wächterin und Beschützerin.
Manchmal fragte er sich, was er ohne sie gemacht hätte. Kisara stand seit jeher treu an seiner Seite und würde es hoffentlich auch in Zukunft tun. Während der Trauung hatte er jedoch keine Zeit bei ihr zu sein, da Braut und Bräutigam ausgerechnet ihn gebeten hatten, die Zeremonie durchzuführen. Dieser Bitte kam er mit Freuden nach, jedoch hätte er auch nichts dagegen gehabt, einfach an ihrer Seite zu sein. Dohalim musste aufpassen, nicht permanent zu ihr herüber zu schauen und wenn er es tat, quittierte sie dies mit einem wissenden und geheimnisvollen Lächeln.
In diesen Momenten wirkte Kisara noch nie so anziehend auf ihn wie gerade. Und er musste sich stark konzentrieren, nicht die Zeremonie zu unterbrechen. Er hegte tiefe Gefühle für sie und war unendlich erleichtert, als er feststellte, dass es ihr ebenfalls so erging. Sie beiden behandelten einander als ebenbürtig und ergänzten sich in mehr als einer Weise. Was schon erstaunlich war bedachte man ihre Vergangenheit als Lord und Untergebene.
Als sich das Paar nun das Ja Wort gegeben hatte, setzten sich alle Anwesenden Gäste schließlich in Bewegung, um an den Ort der Feierlichkeiten zu gelangen: den Aureum-Wasserfällen. Dohalim ließ es sich nicht nehmen zu ihr aufzuschließen und gemeinsam legten die beiden den Weg durch das Lavtu-Moor zurück. Sie unterhielten sich über allerlei Dinge und Dohalim ergriff ganz natürlich ihre Hand und ließ diese bis zum Eintreffen an ihrem Zielort nicht mehr los.
Kisara erinnerte sich daran, dass er dies in letzter Zeit häufiger tat. Als sie an Bord der Falneitz gingen, ergriff er sie im Vorbeigehen und ließ ihre Hand jedoch kurz darauf wieder los. Die Ereignisse auf Lenegis hatten ihm sehr zugesetzt, jedoch war er gestärkt daraus hervorgegangen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie gemerkt, dass sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen fühlte. Sie war stolz auf den Mann, der nun endlich zum Vorschein gekommen war. Die Veränderung tat ihm gut und endlich war der Zeitpunkt gekommen, an dem er sein ganzes Potenzial ausschöpfen konnte.
Und doch war ihm ihre Meinung und ihr Rat immer noch so wichtig wie zu vor. Dohalim suchte ihre Nähe und Kisara die seine. Ihr waren die Blicke, die er ihr manchmal zuwarf nicht entgangen und sie erwiderte diese auf ihre ganz eigene Art. Als er das nächste Mal ihre Hand ergriff, erwiderte sie seine Bewegung und erntete dafür ein Lächeln.
Als sie beide zu der bevorstehenden Hochzeit eingeladen wurden, wurde ihr schmerzhaft bewusst, dass sie kein einziges Kleidungsstück besaß, welches diesem wundervollen Anlass entsprechend zu tragen war. Rückblickend betrachtet war sie froh, dieses eine Mal Dohalims Hilfe angenommen zu haben. Er sah in seiner feierlichen Robe so vornehm aus. Manchmal erschien es ihr fast unwirklich, dass sie seine Begleiterin war.
Sie fühlte sich an diesem Tag so glücklich wie schon lange nicht mehr. Fast schon euphorisch. Sie wusste nun, dass er zu ihr gehörte wie sie zu ihm. Daran gab es keinen Zweifel mehr. Die Zeremonie und auch der Weg zu den Wasserfällen vergingen dank Dohalim wie im Flug und bald schon fanden sich die Beiden inmitten der anderen Gäste auf der Tanzfläche wieder. Sie tanzten ausgelassen und innig. Dohalim war ein perfekter Tänzer und wirbelte sie leichtfüßig herum. Sie lachten und kamen sich mit jeder Drehung näher.
Das Streichquartett spielte ausgelassene Lieder und irgendwie hatte Kisara das Gefühl, das Dohalim seine Finger mit im Spiel hatte. Selten hatte sie ihn so ausgelassen erlebt und ließ sich von seiner guten Laune gerne anstecken.
Jedoch währte ihr inniges Tanzen nicht sehr lange, da Dohalim permanent von zahlreichen Bewunderern umgeben war, die nach seiner Aufmerksamkeit verlangten. Kisara gönnte ihm diesen Ruhm, obwohl sie ihn gerne ganz für sich gehabt hätte. Er versuchte sie allesamt schnell abzuwimmeln, was ihm mal besser und mal schlechter gelang. Dies wiederum bot Kisara, die Gelegenheit endlich etwas zu tun, was sie schon seit langem tun wollte.
Endlich konnte sie einmal die herrliche Aussicht bei Nacht genießen. Sie war dazu auf die höchste Klippe gestiegen und blicke von dort aus hinunter. Der Regenbogen war selbst im Mondlicht zu sehen. Kisara wusste nicht, wie lange sie schon dort gestanden hatte, als sie hinter sich Schritte hören konnte. Sie drehte sich um und blickte in Dohalims Gesicht, der sie ein wenig tadelnd anblickte.
“Endlich habe ich dich wieder gefunden!” Sagte er und überbrückte die letzten Meter zu ihr.
“Ich konnte hoffentlich, alle lästigen Verfolger abschütteln.” Dohalim sah ziemlich erbost aus, das ihm ihm unbekannte Leute wertvolle Zeit mit Kisara gestohlen hatten.
“Ich wollte schon so lange an diesen Ort kommen, um ihn ganz für mich allein zu genießen.” Antworte sie und ging noch ein Stück weiter auf ihn zu.
“Aber gegen Alleinsein mit dir, habe ich natürlich nichts einzuwenden.” Sie zwinkerte ihm zu und als Antwort darauf, ergriff er ihre Hand und führte diese zu seinem Mund. Er schaute ihr dabei tief in die Augen und sie hielt dem Blick seiner wunderschönen, braunen Augen stand. Ihre andere Hand legte sie an seinen Rücken und zog ihn somit näher an sich heran.
Sein Blick war schwer zu deuten. Dohalim ließ ihre Hand ein kleines Stück sinken und Kisara legte diese auf seine Wange. Ein warmes Lächeln huschte über seine Züge und ganz instinktiv zog er sie noch näher an sich heran.
Kisara wanderte nun mit ihrer anderen Hand seinen Rücken hinauf, bis sie schließlich zwischen seinen Schultern zum Stehen kam. Sie konnte spüren, wie ihm ihre Berührung gefiel. Dohalim wiederum legte seine Hand nun in ihr Gesicht und begann mit seinen Fingern sanft an ihrer Wange entlang zu fahren. Sie blickten sich an und konnten ein Lächeln nicht unterdrücken. Die beiden waren sich so nah, dass nun nicht mehr viel zwischen ihnen lag. Niemand würde sie oder Dohalim hier an diesem Ort aufspüren können und somit konnte sie dieses Mal auch niemand stören.
Ohne es zu beabsichtigten näherten sie sich einander immer weiter und ihre Lippen trafen sich das erste Mal. Er zog Kisara noch weiter an sich heran, sodass wirklich gar nichts mehr zwischen sie passte. Sie erwiderte seinen Kuss augenblicklich und war überrascht, wie leidenschaftlich Dohalim war. Kisara wurde in diesem Moment bewusst, wie lange er auf diesen Augenblick gewartet haben musste.
Er strich mit seiner anderen Hand über den Teil ihres Rückens, welcher nicht mit Stoff bedeckt war. Diese Bewegung ließ ihr sanfte Schauer über den Rücken laufen. Sie intensivierte ihren Kuss, und zog ihn noch näher am sich. Ihre Hand war mittlerweile an seinen Hinterkopf gewandert und fuhr dort durch sein Haar. Kisara war bereit dafür, sich in ihm zu verlieren und je länger ihr Kuss dauerte, desto sicherer war sie, dass es Dohalim genauso erging. In diesem Moment wusste sie, dass sie unwiederbringlich in ihn verliebt war.
Aber noch mehr als das. Sie wollte ihn nun ganz nah bei sich spüren und erforschte mit ihrer Zunge seinen Mund. Er wiederum machte sich am Verschluss ihres Kleides zu schaffen und legte nun ihren Hals frei, um diesen mit sanften Küssen zu bedecken. Jedoch stoppte er auf dem Weg nach oben und sah ihr tief in die Augen und sagte:
“Oh wie lange träumte ich in sternenklarer und monderleuchteter Nacht.” weiter kam er nicht, da ihm Kisara ihre Zeigefinger auf die Lippen gelegt hatte.
“Bitte Dohalim. Sag mir was du zu sagen hast, dieses eine Mal nicht als Gedicht.” etwas gekränkt kam er ihrer Bitte aber dennoch nach:
“Schon lange habe ich von diesem Moment geträumt, jedoch war ich einfach zu feige, meinem Herzen zu folgen!” Er strich sanft über ihr Gesicht, welches einen etwas helleren Rotton angenommen hatte. Aber sicher war er sich nicht.
“Das was ich in Menancia vollbracht habe, habe ich mir selbst verwährt.” Dohalim blickte traurig zu Boden.
“Lass uns nicht in der Vergangenheit wühlen. Schließlich leben wir im Hier und jetzt und haben die Möglichkeit unsere Zukunft selbst zu gestalten.” Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und sagte danach noch etwas, was ihn aufhorchen ließ:
“Irgendwann wird es keine Rolle mehr spielen, wo man herkommt oder welchem Volk man angehört. Und für diese Zukunft will ich kämpfen.” Sie hatte wieder diesen entschlossenen Ausdruck in ihrem Gesicht, für den er sie jedesmal bewunderte. Aber dieses Mal konnte er seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Er zog Kisara an sich und küsste sie. Sie erwiderte seinen Kuss augenblicklich und nun hatte Dohalim Worte für das was er fühlte. Er löste sich von ihr, nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und sagte:
“Ich liebe dich, Kisara.” Als Antwort darauf zog sie ihn an sich und küsste ihn, jedoch löste sie sich nach kurzer Zeit, da sie ihm noch eine Antwort schuldete.
“Ich bewundere dich schon so lange, aber immer stand etwas zwischen uns. Ich bin so stolz auf den Mann, der du geworden bist. Ich will die Zukunft mit dir an meiner Seite erleben.” Sie machte eine Pause und sah, daß er überaus glücklich aussah. Er lächelte sie an und sie fuhr, mit weichen Knien, fort:
“Ich liebe dich auch, Do!” Er schloss sie fest in seine Arme und dort standen sie eine ganze Weile. Keiner von beiden wusste genau wie lange, doch es musste eine ziemlich große Zeitspanne gewesen sein, da das Fest mittlerweile am ausklingen war.
“Sollen wir langsam zurück gehen?” Brach Dohalim schließlich die Stille.
“Ich glaube, dass sollten wir, obwohl ich lieber noch ein wenig hierbleiben will.” Antwortete Kisara und setzte sich entgegen ihrer Antwort jedoch in Bewegung. Sie ergriff seine Hand und sie traten den Rückweg ins Gasthaus an. Die anderen schliefen bestimmt schon tief und fest. Ein Umstand der Kisara durchaus gelegen kam.
Ihr Rückweg nach Pelegion durch das Lavtu- Moor verlief problemlos. Kein einziger Zeugel stellte sich ihnen in den Weg und so konnten die beiden ihre Zweisamkeit noch weiter genießen. Sie unterhielten sich angeregt, tauschten ihre Gedanken zu manchen Themen aus oder stoppten um sich erneut ihre gegenseitige Zuneigung zu zeigen. So war es auch nicht verwunderlich, dass sie für den Rückweg fast doppelt so lang brauchten, wie für den Hinweg.
Jedoch musste auch dieser Spaziergang irgendwann enden und die beiden erreichten die Tore der Stadt und schritten hindurch. Die Nacht war weit fortgeschritten und die Stille hatte die Hauptstadt von Ganath Haros nun fest in ihrem Griff. Dohalim und Kisara genossen diese beide und die Nähe des jeweils anderen. Schon nach kurzer Zeit erreichten die zwei das Gasthaus und schlichen hinein. Dohalim begleitete Kisara noch zu ihrem Zimmer.
“Ich wünsche dir eine geruhsame Nacht.” Dohalim wandte sich zum Gehen, nachdem er ihr noch einen Gute-Nacht-Kuss gegeben hatte. Obwohl es ihm unendlich schwer fiel sich nach den heutigen Ereignissen von ihr zu trennen. Als er einen Schritt gegangen war, ergriff sie seine Hand und hielt ihn zurück.
“Denkst du nicht, dass wir ab jetzt unser Zimmer teilen sollten?”Fragte sie ihn mit einen schelmischen Ausdruck in ihren Augen. Ihre Direktheit liebte er am meisten an ihr.
“Wie könnte ich die Bitte einer Dame denn jemals ablehnen.” Erwiderte er mit seinem eigenen süffisanten Lächeln.
Und so verwunderte es nicht, dass er ihr ohne ein weiteres Wort folgte.
Am nächsten Morgen sorgten sie für einiges Erstaunen bei ihren Reisegefährten, als sie Hand in Hand zum Frühstück erschienen. Jedoch kümmerte sie dies wenig, da ruhig jeder wissen durfte, dass sie seit gestern unzertrennlich sind.
